4/6 Custom-Wasserkühlung : Ein Überblick mit Tipps für Wakü-Einsteiger

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Flüssigkeit, Befüllen und Wartung

Als Kühlmedium für eine Wasserkühlung dient destilliertes Wasser mit Zusätzen, die Korrosion unterbinden. Leitungswasser ist für den Betrieb in einer Wasserkühlung ungeeignet. Auch wenn im Kreislauf ausschließlich Kupfer als Metall Kontakt zum Kühlmedium hat, sollte zur Sicherheit ein Korrosionsschutz beigemengt sein. Die kostengünstigste Variante für Kühlflüssigkeit ist ein Kanister destilliertes Wasser mit einem Frostschutz-Konzentrat für Autokühler aus dem Baumarkt. Alternativ gibt es entsprechende Gemische oder Konzentrate auch von Firmen aus dem Wasserkühlungsbereich, mit entsprechendem Aufpreis zum Baumarkt-Gemisch.

Auswahl an Kühlflüssigkeiten und Zusätzen
Auswahl an Kühlflüssigkeiten und Zusätzen

Farbige Flüssigkeit oder Schläuche

Farbige Flüssigkeiten und insbesondere UV-aktive Flüssigkeiten sind ein heikles Thema: Farben haben die Tendenz, sich in der Kühlung abzulagern. Im schlimmsten Fall können so die feinen Strukturen in Kühlern verstopft werden – doch auch wenn das ausbleibt, muss zumindest mit Verfärbungen der Schläuche gerechnet werden. Dieses Problem kann mit farbigen und/oder UV-aktiven Schläuchen anstelle farbiger Flüssigkeiten umgangen werden. Trotzdem sollte die Kühlung hin und wieder gewartet werden: Alle ein bis zwei Jahre sollte die Flüssigkeit ausgetauscht und eventuell auch an eine Reinigung der Komponenten gedacht werden. Ein Durchflusssensor kann Hinweise auf Ablagerungen in Kühlern geben, wenn der Durchfluss im Lauf der Zeit abnimmt.

Nach mehreren Betriebsjahren bilden sich Ablagerungen
Nach mehreren Betriebsjahren bilden sich Ablagerungen

Generell sollten Komponenten von Wasserkühlungen, insbesondere Radiatoren, vor dem ersten Einsatz gereinigt werden. Hierzu können sie zunächst mit Seifenwasser durchgespült werden.

Anschließend sollten die Bauteile mehrfach mit Leitungswasser und schließlich vor dem Einbau noch einmal mit destilliertem Wasser gespült werden, um Rückstände von der Produktion zu entfernen. Aggressive Reinigungsmittel, die das Material angreifen, sind dabei mit Vorsicht zu genießen: Sie lösen zwar Verunreinigungen, zersetzen aber auch das Metall der Kühler. Die Arbeit mit diesen Chemikalien ist für eine Erstreinigung neuer Komponenten nicht notwendig.

Nach mehreren Betriebsjahren oder bei merklichen Durchflussabnahmen können Kühlkörper auch geöffnet und gereinigt werden. Beim anschließenden Zusammenbau muss darauf geachtet werden, dass der Dichtungsgummi eines Kühlblocks in seiner Vertiefung zum Liegen kommt. Bei CPU-Kühlern ist dies in der Regel kein Problem, VRM-Kühler oder Grafikkartenkühler erfordern aber Geduld und Fingerspitzengefühl.

Vor dem ersten Start

Nachdem alle Bauteile im Gehäuse und die Schlauchverbindungen hergestellt worden sind, kann die Wasserkühlung befüllt und der PC anschließend gestartet werden. Als Hilfsmittel wird hierfür mindestens ein Überbrückungsstecker für das Netzteil vorausgesetzt - denn so lange nicht gewährleistet ist, dass die Kühlung dicht ist, darf die PC-Hardware unter keinen Umständen mit Strom versorgt werden.

Alle Arbeiten müssen also mit abgesteckten Stromkabeln und vom Strom getrenntem Netzteil durchgeführt werden. Für die Überprüfung auf Dichtheit bietet es sich außerdem an, Küchentücher unter jeden Anschluss zu legen, sodass eventuell austretende Flüssigkeit aufgefangen wird, bevor sie die Hardware durchnässt. Sollte dennoch einmal Wasser auf ein Bauteil tropfen, ist dies immer noch harmlos - solange kein Strom anliegt und das Bauteil vollständig getrocknet wird, bevor es wieder in Betrieb genommen wird.

Befüllen, entlüften und endlich starten

Mit einem Überbrückungsstecker für das Netzteil wird ein angeschlossenes Mainboard simuliert, so dass das Netzteil arbeitet, obwohl keine Hardware angeschlossen ist. Dies wird benötigt, um die Pumpe während des Befüllens mit Strom zu versorgen. Dazu darf ausschließlich die Pumpe am Netzteil angeschlossen werden. Noch einfacher kann man sich das Leben mit einem 12V-Netzteil oder einem entsprechenden Akku machen, um die Pumpe ohne das Netzteil betreiben zu können.

Große Öffnungen helfen beim Befüllen
Große Öffnungen helfen beim Befüllen

Die Pumpe darf erst angeschaltet werden, wenn der davor angebrachte Ausgleichsbehälter befüllt worden ist: Trockenlaufen muss vermieden werden, andernfalls kann die Pumpe beschädigt werden. Mit einem kurzen Start der Pumpe wird das Reservoir leergepumpt, anschließend muss die Pumpe sofort wieder ausgeschaltet werden. Dieses Spiel wird so lange wiederholt, bis der Kreislauf befüllt ist – dann darf die Pumpe im Dauerbetrieb laufen.

Nun sollten alle Anschlüsse auf Dichtheit überprüft und das System entlüftet werden. Nach der ersten Befüllung befinden sich nämlich vor allem in Radiatoren noch Luftblasen, die ins Reservoir und damit aus dem Kreislauf befördert werden wollen. Der Prozess geht besser, je stärker die Pumpe ist, und kann durch das Neigen des Gehäuses in verschiedene Richtungen beschleunigt werden – bevor mit dem Kippen begonnen wird, muss der Ausgleichsbehälter aber geschlossen werden!

Der große Moment

Sobald der Kreislauf für dicht befunden und einigermaßen entlüftet wurde (eine absolute Entlüftung ist vor allem in großen Kreisläufen kaum möglich), kann der PC schließlich mit Strom versorgt und gestartet werden. Sofern die Pumpe bis zu diesem Punkt mit einer separaten Stromquelle versorgt wurde, muss diese natürlich noch umgesteckt werden.

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