2/4 Huawei Mate 9 im Test : Modernes SoC, bessere Dual-Kamera und großer Akku

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Moderner Kirin 960 mit Cortex-A73-Kernen

Besonders interessant ist das neue System-on-a-Chip, das unter der Haube des Mate 9 steckt: der Kirin 960 von Huawei-Tochter HiSilicon. Wie das SoC im Vorgänger setzt die neue Einheit auf acht Kerne, die gleichmäßig in zwei Cluster aufgeteilt werden. Das Mate 8 setzte als Vorreiter auf neue Cortex-A72-Kerne und das Mate 9 ist Vorreiter der neuen Cortex-A73-Kerne. Diese sollen auf kleinerer Fläche effizienter und schneller arbeiten.

Auch bei der Grafikeinheit machen Huawei und HiSilicon einen Satz nach vorne und verbauen nicht mehr eine kleine Ausbaustufe mit nur vier Shader-Clustern, sondern mit der Mali-G71 MP8 erstmals acht Shader-Cluster. Gefertigt wird der Chip bei TSMC in 16 nm FinFET. Der LPDDR4-1.866-Arbeitsspeicher misst 4 GByte, der interne Speicher von 64 GByte ist mit UFS 2.1 angebunden.

Jederzeit flüssige Bedienung

Bereits vorherige Huawei-Modelle mit Kirin-SoCs boten eine flüssige Bedienung und auch das neue Flaggschiff macht an dieser Stelle keine Ausnahme. Das Mate 9 ist jederzeit reaktionsfreudig, die Bedienung erfolgt flüssig und ohne Ruckler oder lange Wartezeiten. Apps und Webseiten sind schnell geladen, auch dank des UFS-Speichers.

Deutlich fallende Leistung unter Dauerlast

Um die Leistung unter Dauerlast zu ermitteln, wurden 20 Durchgänge des GFXBench Manhattan OpenGL ES 3.0 hintereinander durchgeführt. Mit einem Höchstwert von 40 FPS liegt das neue Huawei-Flaggschiff in dieser Messung auf dem Niveau des Samsung Galaxy S7 und deutlich unterhalb vom iPhone 7 Plus und rund 17 Prozent unter dem Google Pixel XL.

FPS-Entwicklung GFXBench Manhattan OpenGL ES 3.0 bei Dauerbelastung
Huawei Mate 9 Pixel XL iPhone 7 Plus Galaxy S7
Durchgang FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
1 40 – 0,0 % 48 – 0,0 % 63 – 0,0 % 40 – 0,0 %
2 37 – 7,5 % 48 – 0,0 % 60 – 4,8 % 40 – 0,0 %
3 35 – 12,5 % 48 – 0,0 % 56 – 11,1 % 40 – 0,0 %
4 32 – 20 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 % 40 – 0,0 %
5 32 – 20 % 48 – 0,0 % 47 – 25,4 % 39 – 2,5 %
6 31 – 22,5 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 % 39 – 2,5 %
7 30 – 25 % 47 – 2,1 % 48 – 23,8 % 38 – 5,0 %
8 30 – 25 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 % 38 – 5,0 %
9 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 % 38 – 5,0 %
10 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 49 – 22,2 % 37 – 7,5 %
11 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 42 – 33,3 % 37 – 7,5 %
12 28 – 30 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 32 – 20,0 %
13 29 – 27,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 37 – 7,5 %
14 28 – 30 % 45 – 6,3 % 48 – 23,8 % 36 – 10,0 %
15 28 – 30 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 34 – 15,0 %
16 28 – 30 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 36 – 10,0 %
17 28 – 30 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 19 – 52,5 %
18 27 – 32,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 26 – 35,0 %
19 28 – 30 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 % 24 – 40,0 %
20 28 – 30 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 % 27 – 32,5 %

Die Leistung fällt bereits relativ früh um 20 Prozent ab, bei der Hälfte der Durchläufe gehen die Ergebnisse um 27,5 Prozent zurück. Damit geht eine spürbare Wärmeentwicklung auf Höhe der Mitte der Rückseite und im Rahmen mit Schwerpunkt rechts einher. Der größte Rückgang ist im 18. Durchlauf mit 32,5 Prozent, ansonsten hält sich das Smartphone bei rund 30 Prozent geringerer Leistung relativ konstant. Zum Vergleich: Das Google Pixel XL bricht kaum ein und erzielt selbst nach 20 Durchläufen höhere Werte als die Eingangsleistung des Mate 9. Das iPhone bricht wenige Prozent mehr ein und nur das Galaxy S7 drosselt phasenweise merklich mehr und erzielt dann je nach Durchlauf ähnliche bis niedrigere Werte.

Deutlich mehr Grafikleistung ohne Wow-Effekt

Andere synthetische Messungen attestieren dem Mate 9 die erwartete Steigerung der CPU- und vor allem auch der GPU-Leistung im Vergleich zum Vorgänger. Trotzdem kann das Ende 2016 erschienene Smartphone bei der Grafikleistung teilweise nicht mit der von Topmodellen aus dem Frühjahr mithalten, die auf den Snapdragon 820 setzen. Auch Samsungs Exynos 8890 schlägt den Kirin 960 bei der Grafikleistung.

Das Huawei Mate 9 liefert eine ansprechende Leistung, die im Alltag allen Aufgaben gewachsen ist und eine flüssige Bedienung ermöglicht und somit allgemein keinen Anlass für Kritik bietet. Für ein spät erschienenes Topmodell für 699 Euro ist die Leistung aber nicht herausragend, da die „ältere“ Konkurrenz, die zum Mobile World Congress 2017 bereits Nachfolger erhalten dürfen, trotzdem mithalten oder das Feld weiterhin anführen kann.

Android 7.0 mit schlankerer EMUI 5

Wie von Huawei gewohnt, modifiziert der Hersteller das Android-Betriebssystem optisch und funktionell stark. Die neue EMUI-Oberfläche in Version 5 basiert auf dem aktuellen Android 7.0, die Sicherheitspatch-Ebene ist mit Oktober 2016 vergleichsweise aktuell. Zudem hat Huawei schnellere Updates für mehr Sicherheit angekündigt. Eine der auffälligsten Änderungen ist der optionale App-Drawer, der in den vorherigen Versionen – wie bei vielen asiatischen ROMs und Oberflächen – fehlte. Dadurch werden Apps optional an zentraler Stelle gesammelt und nicht auf dem Homescreen und Ordnern organisiert.

Homescreen mit App-Drawer
Homescreen mit App-Drawer

Benachrichtigungen und Schnelleinstellungen sind nicht mehr auf zwei Seiten aufgeteilt, sondern finden sich auf einer Ebene. Grundlegend wird die neue EMUI schlanker und stringenter und nicht mehr so überfrachtet. Die Abstimmung der veränderten Optik ist einheitlicher. Huawei möchte, dass mit drei Klicks 90 Prozent der aller Funktionen erreicht werden und räumt die Oberfläche dahingehend gekonnt auf. Auf Wunsch kann die Darstellung durch Themes dem eigenen Geschmack angepasst werden. Zudem bietet Huawei weitere Personalisierung in den Einstellungen, etwa die Anpassung der Bedientasten oder einen Einhandmodus.

Ab Werk installiert Huawei aber erneut einige „Top-Apps“ wie Twitter und Facebook, die aber deinstalliert werden können. Darüber hinaus liefert Huawei aber auch praktisch Apps mit, beispielsweise Anwendungen zur Nutzung als Fernbedienung oder einen Dateimanager, aber auch weniger praktische Apps wie einen Spiegel.

Fingerabdrucksensor mit Gesten

Auf der Rückseite verbaut Huawei einen kreisrunden Fingerabdrucksensor, der gewohnt zuverlässig und schnell arbeitet. Nach wenigen Schritten ist der Fingerleser eingerichtet, er kann bis zu fünf Finger speichern. Zusätzlich beherrscht der Sensor Wischgesten und kann daher zum Aufrufen der Benachrichtigungen oder Durchblättern der Fotogalerie genutzt werden. Anders als etwa das günstigere Honor 8 fungiert er aber nicht zusätzlich als belegbarer Knopf. Wie beim Display, das nicht drucksensitiv ist, fehlt auch hier ein Feature, das Huawei aber bereits in anderen Modellen verbaut hat.

Fingerabdrucksensor
Fingerabdrucksensor

Insgesamt hat Huawei die EMUI 5 gekonnt aufgeräumt und übersichtlicher gestaltet, das oft bunte Design kann durch Themes angepasst werden. Der App-Drawer ist eine willkommene Alternative, die wohlmöglich auch im Hinblick auf Märkte außerhalb Asiens eingeführt wurde. Zudem läuft auch die Bedienung flüssig, sodass Huawei an den richtigen Schrauben gedreht hat.

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