Günstige Tablets im Test: Fire HD 8, 80 Oxygen und Galaxy Tab A im Vergleich 3/6

Michael Schäfer 39 Kommentare

Software

Alle drei Geräte verwenden unterschiedliche Android-Betriebssysteme. Bei Samsung bildet Android 5.1.1 mit den Sicherheits-Patches vom September 2016 samt der eigenen Oberfläche TouchWiz die Grundlage, während bei Archos Android 6.0 mit veralteten Patches vom April 2016 zum Einsatz kommt. Amazon geht bei seinem Fire HD 8 wie gewohnt mit der eigenen Android-Distribution Fire OS einen eigenen Weg. Im Test fand noch die Version 5.3.1.1 Verwendung, kurz nach Testende hat Amazon die Version 5.3.2.0 veröffentlicht. Beide beruhen auf Android 5 Lollipop.

Dem geringen Preis geschuldet, sollten sich zumindest Nutzer des Galaxy Tab A und des 80 Oxygen erfahrungsgemäß keine allzu großen Hoffnungen auf weitere OS-Updates machen. Amazon versorgt die eigenen Geräte zwar regelmäßig mit Aktualisierungen – wie sich die Versorgung des HD 8 jedoch zukünftig gestalten wird, steht auf einem anderen Blatt. Momentan geht die Versorgung mit der Version 5.3.1.1 bis zur im September 2014 erschienenen vierten Kindle-Fire-Generation zurück, die aktuelle Version wurde bisher an diese noch nicht durchgereicht. Die dritte Generation der Fire-Tablets wurde hingegen nach Version 4.5.5.1 laut Amazons Update-Hilfe von der Versorgung ausgemustert.

Auch wenn die technischen Grundlagen der drei Tablets auf eine eher schwache Basis schließen lassen, sei bereits vorweggenommen, dass sich alle Tablets flüssig bedienen lassen.

Sonderstellung Fire OS

Auf das Fire OS muss an dieser Stelle noch einmal gesondert eingegangen werden, denn die Unterschiede zu dem von den meisten Herstellern ausgelieferten Android sind frappierend. Bereits auf den ersten Blick wird deutlich, dass Amazon die eigenen Tablets mehr zu einem Konsumtempel als zu einem Arbeitsgerät umfunktioniert hat. So bietet zum Beispiel eine Reihe von Applikationen mittlerweile die Möglichkeit, das jeweilige Programm in den Grundfunktionen über den Lockscreen steuern zu können – dieses Verfahren ist beim Fire HD 8 nicht möglich. Es ist anzunehmen, dass Amazon dies aufgrund der auf dem Lockscreen dargestellten Werbung unterbindet. Zumindest Kunden, die ihr Tablet von Werbung freigeschaltet haben, sollte diese Möglichkeit eingeräumt werden. Darüber hinaus sind die Anpassungsmöglichkeiten des Fire HD 8, eigentlich eine der Stärken von Android, als bescheiden einzustufen.

Des Weiteren verfügt das Fire HD 8 im Auslieferungszustand nicht über einen Zugang zu Googles Play Store. Der Amazon-eigene App Store ist dagegen an vielen Enden deutlich weniger gefüllt, womit der Nutzer auf viele Programme verzichten muss – vom eventuellen doppelten Kauf einmal ganz abgesehen. Dies wird im weiteren Verlauf des Tests an vielen Stellen noch deutlich werden. Zwar sind im Netz zahlreiche Anleitungen zu finden, mit denen auch unversierte Nutzer in der Lage sein dürften, Googles Verkaufsplattform nachzuinstallieren – dennoch wird im Test nur auf den Ursprungszustand eingegangen.

Im Alltag

Surfen

Beim Surfen haben Fire HD 8 und 80 Oxygen gegenüber dem Galaxy Tab A den Vorteil des größeren Displays. Aufgrund der höheren Auflösung kann das Archos zudem Texte ein wenig kleiner und feiner darstellen, der Unterschied ist aber nur beim direkten Vergleich sichtbar. Da viele Seiten einen weißen Hintergrund besitzen, wird der kleine Vorteil direkt wieder durch den bereits beschriebenen Grünstich eingebüßt. Beim Fire HD 8 sorgt die geringere Auflösung in Kombination mit der Kantenglättung hingegen oftmals für blassere oder gräulichere Buchstaben. Noch extremer fällt dieser Effekt aufgrund des kleineren Displays beim Samsung-Tablet aus, womit Texte auf Webseiten noch etwas kleiner sowie pixeliger dargestellt werden und dadurch unruhiger wirken.

Darüber hinaus reicht die Hardware-Basis aus, um auf Webseiten ruckelfrei scrollen zu können, wobei der Schwuppdizitätsfaktor beim Fire HD 8 gefühlt am höchsten ist.

Bei den Laufzeiten gibt es kleine Unterschiede: Das 80 Oxygen zeigt sich beim Surfen besonders energiehungrig: So verbraucht dieses bei einer Helligkeit von 200 cd/m² in einer Stunde rund 30 Prozent seiner Energiereserven, was einer Laufzeit von nicht einmal dreieinhalb Stunden entspricht. Besser schaut es beim Galaxy Tab A 2016 aus, welches lediglich zehn Prozent der Akkuladung verbraucht und somit theoretisch auf zehn Stunden Laufzeit kommen kann. Mit einem Verbrauch von neun Prozent zeigt sich das Fire HD 8 besonders sparsam, womit dieses das Samsung-Tablet nochmals um eine Stunde übertrifft.

Schreiben von E-Mails

Die drei Testteilnehmer machen ebenso deutlich, dass das Schreiben von E-Mails auf kleinen Bildschirmen immer mit Kompromissen einhergeht. Im Portrait-Modus wird dem Nutzer zwar viel Text dargestellt, dafür fällt die Größe der Tastatur relativ klein aus. Im Querformat wandelt sich das Bild hin zu einer großen Tastatur und wenig Text. Häufig lohnt sich dabei ein Blick in die Einstellungen, nicht selten ermöglichen diese ein Ändern der Tastaturgröße. Dadurch kann sich die dargestellte Menge des Textes ein wenig erhöhen, was die produktive Arbeit wiederum verbessern kann.

Dass Archos bei seinen Produkten auf ein weitgehend unverändertes Android setzt, zeigt sich auch darin, dass beim 80 Oxygen die Standardtastatur Verwendung findet. Diese unterstützt ein gut umgesetztes Swypen sowie mehrere Wortvorschläge, es fehlen aber direkte Eingabeflächen für Umlaute. Über den Play Store lassen sich zudem auf Wunsch weitere Tastaturen installieren. Etwas anders schaut es beim Galaxy Tab A 2016 aus, denn generell besitzt dieses aufgrund der geringeren Display-Größe einen Nachteil: Die Tastatur ist kleiner, die Menge des dargestellten Textes ist überwiegend ähnlich jener der acht Zoll großen Vertreter, weil Buchstaben ebenfalls kleiner dargestellt werden. Einen Vorteil bietet das Tablet aber dennoch: Aufgrund der geringeren Abmessungen kann die Tastatur bequem auch nur mit den Daumen bedient werden, ohne eine Hand vom Gerät nehmen zu müssen. Samsung setzt dabei auf seine eigene Tastatur samt Swype-Unterstützung als Standard sowie auf Tasten für Umlaute. Die Installation anderer Eingabehilfen ist ebenfalls möglich.

Wenig Einfluss auf die Tastatur beim Fire HD 8

Komplett anders sieht es beim Fire HD 8 aus: Die Systemtastatur beschränkt sich lediglich auf die Eingabe von Buchstaben samt Wortvorschlägen. Eine Swype-Funktion sowie die direkte Eingabe von Umlauten sucht man bei dieser vergebens. Das wäre kein Problem, würde der App Store Alternativen vorhalten – aber weder die Google-Standardtastatur noch prominente Vertreter wie SwiftKey oder Swype sind in diesem vertreten. Wurde nicht über Umwege Googles Play Store installiert und darüber eine andere Tastatur aufgespielt, kann sich das Schreiben von längeren Texten schnell als mühsam erweisen. Gerade hier bietet die Wischfunktion einen deutlich höheren Komfort.

Generell lässt sich aber festhalten, dass das Schreiben von ausführlicheren Texten auf großen Tablets leichter von der Hand geht, da die Bildschirme in der Regel so groß sind, dass über die virtuelle Tastatur auch mit zehn Fingern getippt werden kann, während gleichzeitig genügend Text angezeigt wird. Eine kurze Beantwortung von E-Mails oder kleinere Messenger-Nachrichten lassen sich aber auch über die kleineren Testteilnehmer umsetzen. An der Performance gemessen treten zudem keine Unterschiede zu höherpreisigen Tablets dieser Display-Größen auf.

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