VicTsing I-500 Tastatur im Test: Mit Mechanik zum Preis von mit Gummi 3/4

Max Doll 72 Kommentare

Alltagserfahrungen

Die von VicTsing verbauten „Outemu Blue“ der Gaote Corporation zählen zu den zahlreichen Nachbauten von Cherrys MX Blue. Die Taster übernehmen dabei das Funktionsprinzip des Originals, variieren aber die Charakteristik etwas. Outemu Blue verfügen daher über einen klaren Druckpunkt und quittieren das Auslösen mit einem hörbaren „Klick“. Der maximale Widerstand vor der Signalübertragung erreicht 60 Gramm, fällt aber bis zum Signalpunkt auf 50 Gramm ab.

Gleiche Rahmendaten, feine Unterschiede

Die Rahmendaten gleichen damit denjenigen der MX Blue. Unterschiede in den Verlaufskurven der Kraftdiagramme und ein Praxistest zeigen allerdings auf, dass die identischen Parametern keine identischen Taster garantieren. Der Unterschied in der Feinabstimmung führt zu einer eigenständigen Signatur. Outemu Blue fühlen sich in den Fingerspitzen ein wenig schwergängiger und beim Herunterdrücken auch rauer an; MX-Taster federn ein wenig geschmeidiger ein. Dafür wird der Druckpunkt stärker hervorgearbeitet, er wirkt klarer. Wie bei anderen MX-Kopien wird allerdings die Option zum „Einhaken“ des Tasters oberhalb des Signalpunktes aber unterhalb des Druckpunktes verloren – mehrere Eingaben mit einem „Klick“ sind allenfalls mit viel Übung und Fingerspitzengefühl möglich.

VicTsing I-500 (Outemu Blue)

Das akustische Feedback ist zugleich merklich präsenter und heller gefärbt. Kritik anderer Käufer an der Geräuschkulisse und den Dimensionen lässt sich nicht nachvollziehen: Lautstärke und Höhe der Tasten sind für mechanische Tastaturen mit offener Kulisse und vor dem Hintergrund eines Tastertyps, der „clicky“ sein will, aber völlig normal. Selbst das Pingen der Federn, ein bei MX-Kopien häufiges Problem, hält sich in engen Grenzen. Zu hören ist kein helles, sondern ein sehr dezentes Nachhallen, das im Betriebsgeräusch nahezu vollständig untergeht und sich trefflich ignorieren lässt.

Wer das Geräusch wahrnehmen möchte, muss sich darauf konzentrieren oder seine Entstehung provozieren, etwa durch übertrieben harte Anschläge. Damit bewegt sich der Geräuschpegel auch diesbezüglich auf einem üblichen Niveau und unterscheidet sich wohltuend von der extremen Störkulisse, die eine mittlerweile ebenfalls für 30 Euro erhältliche Vpro V700 auffährt.

Ein guter Budget-Taster

Ein Verhaken des Schlittens, der beispielsweise bei älteren Kailh-Tastern bisweilen zu beobachten ist, lässt sich den Outemu Blue ebenfalls nicht attestieren – obwohl die Modelle in dieser Tastatur am untersten Ende des Preisspektrums liegen. Dass Qualitätsniveau kann dennoch nicht ganz mit den geschmeidigeren MX Blue mithalten, überrascht bei einer nur 30 Euro teuren Tastatur aber positiv: Das Modell erscheint als gute Budget-Wahl. Zur Langlebigkeit liegen allerdings noch keine Erfahrungen vor.

Berichte auf Amazon über Qualitätsstreuungen der Taster, die sich durch spürbare Variation von Signalpunkt und Widerstand bemerkbar machen, kann die Redaktion anhand des Testexemplars nicht bestätigen. Auch das zunächst sehr kratzige Rückmeldung beim Eindrücken reduziert sich spürbar nach ein paar Tagen Gebrauch, auch wenn zu Cherry ein Unterschied bleibt. Der am häufigsten genutzte Tastenbereich wurde zudem in weniger als einer Woche noch einmal geschmeidiger, während zugleich der Druckpunkt etwas weicher wurde.

Ein solches „Einlaufen“ im Gebrauch mag neben tatsächlich unterschiedlichen Tastern aufgrund vereinfachter Qualitätskontrollen ein Grund für derartige Bewertungen sein. Das Feedback des Testexemplares erschien ansonsten auch im Auslieferungszustand gleichmäßig und normal. Selbst nach einiger Betriebszeit waren Unterschiede zwischen unterschiedlich oft betätigten Tastern aber vor allem dann wahrnehmbar, wenn bewusst darauf geachtet wurde. Da die Abstimmung und Art der Taster aber ohnehin ein vollständiges Durchdrücken mit sanftem Anschlag am Hubende natürlich erscheinen lässt, verschwinden solche Unterschiede im Alltag ohnehin.

Funktional und gut durchdacht

Einen ordentlichen Eindruck macht die I-500 auch beim Layout. Die Lautstärkeregelung will zwar mit beiden Händen bedient werden, untypisch ist die Anordnung indes kaum. Ansonsten präsentiert sich die Tastatur durchdacht funktional: Wesentliche Features sind an Bord, jedes integrierte Feature funktioniert bis hin zum N-Key-Rollover tatsächlich wie erwartet und fehlerlos.

Auf der nächsten Seite: Fazit