Breitbandausbau: Die Zukunft ist da, nur noch nicht für alle 3/4

Andreas Frischholz 262 Kommentare

Mobilfunk: Das Leid mit den begrenzten Datenvolumen

Fortschritte gibt es auch beim mobilen Breitbandausbau. Der flächendeckende LTE-Ausbau geht voran, zudem werden mit LTE Max neue Spitzengeschwindigkeiten erreicht. Bei O2 sind es 225 Mbit/s, bei der Telekom 300 Mbit/s und Vodafone bietet in einigen Städten schon 375 Mbit/s. Nur sind die Geschwindigkeiten im Mobilfunk weniger das Problem als die begrenzten Datenvolumen. Wie das Statistik-Portal Statista im Dezember ermittelte, liegt Deutschland bei den Datentarifen im europäischen Vergleich auf den hinteren Plätzen. Für 6 GB LTE-Datenvolumen müssen deutsche Kunden demnach 26,49 Euro bezahlen. Das sind Welten hinter den Spitzenreitern Dänemark und Polen, selbst mit unbegrenzten Datenvolumen kostet der LTE-Zugang dort weniger als 16 Euro. Dass zunehmend mobile Hotspots mit unbegrenzten Datenvolumen ausgebaut werden, ist daher auch nur ein schwacher Trost.

Immerhin: Allmählich tut sich was. So drosselt etwa O2 immer noch die Geschwindigkeit, wenn das Datenvolumen verbraucht ist. Sind die abhängig vom Tarif zwischen 1 GB und 8 GB aber weg, können die Kunden immerhin noch mit bis zu 1 Mbit/s surfen. Und die Telekom hat mit MagentaMobil XL Premium mittlerweile einen Tarif im Angebot, der eine echte Flatrate ohne begrenztes Datenvolumen bietet – allerdings für happige 199,50 Euro pro Monat.

5G als Silberstreif am Horizont

Wenn es aber beim mobilen Breitbandausbau um Gigabit-Netze geht, ist weniger von LTE die Rede, dann dominiert der kommende 5G-Standard die Debatte. Denn bei 5G geht es nicht nur um Geschwindigkeiten von rund 10 Gbit/s, es ist vielmehr das Versprechen für ein allseits verfügbares Netz, das für alle Anforderungen gewappnet ist. Neben hohen Bandbreiten gilt das auch für Anwendungen wie dem autonomen Fahren, E-Health oder der Maschinen-zu-Maschinen-Kommunikation (M2M), bei denen auch niedrige Latenzen, die Sicherheit oder der Ausfallschutz eine zentrale Rolle spielen. „Durch die integrierte Festnetz- und Mobilfunktechnologie 5G entsteht das ‚Netz der Netze‘, das heutige Infrastrukturen überspannt und das gesamte Spektrum der Anforderungen der Gigabit-Gesellschaft erfüllt“, so Telekom-Sprecher Blank. Erst vor kurzem verkündete die Telekom, das bei 5G integrierte Network Slicing ermöglicht etwa wahlweise extreme Latenzen von unter einer Millisekunde oder hohe Verbindungsgeschwindigkeiten.

Für die Branche ist 5G also so etwas wie der Silberstreif am Horizont, eine digitale Infrastruktur, mit der alles möglich ist. Und die neue Geschäftsfelder bietet, indem sich etwa Qualitätsklassen gezielt vermarkten lassen – was aber direkt wieder mit den Netzneutralitätsvorgaben kollidiert, die die EU in diesem Jahr beschlossen hat. Das sogenannte 5G-Manifest sorgte bereits in diesem Sommer für Aufsehen, beim letzten Treffen der Netzallianz erklärte zudem der damals noch amtierende Telefónica-Deutschland-Chef Thomas Dirks: „Wir werden [die Diskussion über die Netzneutralität] wieder aufmachen müssen.“ Trotz der EU-Verordnung wird sich der Streit in den kommenden Jahren also aller Wahrscheinlichkeit nach nochmals deutlich verschärfen.

Jahre ist in diesem Kontext allerdings das entscheidende Stichwort, denn es dauert noch, bis 5G tatsächlich auf den Markt kommt. Vor 2020 ist nicht mit dem Start zu rechnen, die flächendeckende Verfügbarkeit ist sogar erst für 2025 vorgesehen. Bis dato beschränken sich die Netzbetreiber noch auf Feldversuche, bis 2020 müssten die Netzbetreiber dann laut den Plänen von der EU-Kommission und dem Bundesverkehrsministerium die Voraussetzungen schaffen, um 5G flächendeckend auszurollen. Noch ist also Vorarbeit angesagt. So ist die etwa Bundesnetzagentur derzeit vor allem damit beschäftigt, die benötigten Frequenzspektren freizuräumen.

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