Tolino Vision 4 HD im Test: Mit Blaulichtfilter und verdrehsicherem Micro‑USB 3/4

Michael Schäfer 54 Kommentare

Überarbeitete Software und nach wie vor wenige Einstellungen

Tolino liefert den Vision 4 HD mit der Firmware 1.82 aus, welche aber direkt nach der ersten WLAN-Verbindung auf die Version 1.90 aktualisiert wird.

Im Bereich der Darstellungseinstellungen gibt es kaum etwas Neues zu berichten, hier bietet Tolino immer noch minimale Kost: Nebst der Verlagsschrift stehen dem Nutzer nach wie vor lediglich sechs Schriftarten zur Verfügung. Diese lassen sich neben der bekannten Pinch-to-Zoom-Geste nun auch per Schieberegler in neun verschiedenen Größen einstellen. Nachteilig ist jedoch, dass per Geste die Größe nur um jeweils eine Größeneinheit geändert wird.

Darüber hinaus können die Textausrichtung sowie der Abstand zum Seitenrand und der Abstand der Zeilen zueinander in drei Stufen eingestellt werden. Im Gegensatz zu vorherigen Versionen lassen sich nun auch eigene Schriftarten im TTF- und OTF-Format durch Kopieren in das entsprechende Verzeichnis auf dem Reader installieren und eigene Leseeinstellungen bleibe auch nach Ändern der Ausrichtung erhalten. So bleibt Tolino in Sachen Einfluss auf die Textdarstellung weiterhin weit hinter der Konkurrenz bestehend aus Kindle und vor allem Pocketbook zurück.

Neues Einstellungsmenü des Tolino Vision 4 HD
Neues Einstellungsmenü des Tolino Vision 4 HD

Neue Menüs zur besseren Übersicht

Mit der neuen Software hat Tolino die gesamte Menüstruktur samt Icons erneuert, was einem besseren Überblick zugute kommt. Zu den Änderungen gehört auch eine Überarbeitung der Bibliotheksansicht, welche sich nun in die Bereiche Titel, Autoren und Sammlungen unterteilt. Gelesene Bücher lassen sich darüber hinaus ausblenden. Ebenfalls neu ist die Markierung von Büchern der Onleihe, bei welchen nun auch die Restleihzeit angezeigt wird.

Das System beinhaltet auch eine Markierungs- und Notizfunktion, wobei Notizen im Text dunkelgrau, normale Markierungen hingegen hellgrau hinterlegt werden. Die Notizen können einfach über die integrierte Tastatur eingegeben werden, welche schnell reagiert.

Dem Nutzer stehen zudem zwölf teils bilinguale Wörterbücher zur Verfügung, mit welchen einerseits die Bedeutung von Wörtern oder eine Übersetzung nachgeschlagen werden kann. Dennoch darf die Anzahl der Nachschlagewerke nicht täuschen – Kombinationen wie Italienisch-Französisch oder Niederländisch-Norwegisch werden Nutzer hierzulande eher weniger verwenden.

Bibliotheksübersicht des Tolino Vision 4 HD
Bibliotheksübersicht des Tolino Vision 4 HD
Neue Sortierungsmöglichkeiten beim Tolino Vision 4 HD
Neue Sortierungsmöglichkeiten beim Tolino Vision 4 HD
Neue Sortierungsmöglichkeiten beim Tolino Vision 4 HD
Neue Sortierungsmöglichkeiten beim Tolino Vision 4 HD

Trotz der zahlreichen in der letzten Zeit veröffentlichten Updates bleibt Tolino jedoch weiterhin gegenüber den Kindle-Readern abgeschlagen. Das direkte Nachschlagen von Begriffen bei Wikipedia ist nach wie vor nicht möglich und eigene Angebote zu den beim Kindle gerne verwendeten Funktionen wie X-Ray oder Page Flip gibt es nicht einmal im Ansatz – vom Vokabeltrainer und Freetime ganz zu schweigen.

Licht und Schatten beim Lesen

Das Lesen mit dem Tolino Vision gestaltet sich seit jeher angenehm, da macht auch die Neuauflage keine Ausnahme. Durch die kompakte Bauweise und das geringe Gewicht liegt der E-Book-Reader auch noch nach langer Lesezeit angenehm in der Hand. Probleme können dabei jedoch nach wie vor die auf der Rückseite angebrachten Sensoren für die tab2flip-Funktion bereiten, vor allem dann, wenn beim Umgreifen versehentlich ein Umblättern ausgelöst wird. Eine wählbare Druckintensität wie beim Kindle Voyage ist auch in der neuen Version nicht vorhanden. Im Test erwies sich ein Tippen mit dem Daumen auf das Display auf Dauer als die angenehmere Lösung zu blättern. Wird die Funktion nicht gewünscht, kann sie in den Einstellungen auch deaktiviert werden.

Für PDFs weiterhin ungeeignet

Bei der PDF-Darstellung fühlt man sich als Nutzer von Tolino dann aber nicht mehr ernstgenommen. Auch wenn mit dem Vorgänger das Vergrößern des Textes per Pinch-to-Zoom-Geste ermöglicht wurde und der Seitenaufbau sowie das Blättern zügiger von der Hand gehen, hat das PDF-Reflow seinen Namen noch immer nicht verdient. Bereits seit dem ersten Tolino-Reader vor rund vier Jahren und durch die Serie hindurch wurde bemängelt, dass der Reader beim Heraustrennen des Textes auf Zeilenumbrüche und Absätze verzichtet. Seit vier Jahren gibt Tolino an, bei seinen Readern das PDF-Reflow zu unterstützen, die Praxis sieht auch heute noch anders aus.

Ghosting beseitigt

Eine bessere Figur liefert der 4 HD bei der Darstellung von Büchern im EPUB-Format. Wie bereits beim Vorgänger werden Texte scharf und gut lesbar dargestellt. Die Render-Engine ist jedoch nach wie vor der von Amazon unterlegen, Texte werden beim Konkurrenten immer noch einen Tick kräftiger und somit lesbarer angezeigt. Darüber hinaus hat Tolino anscheinend endlich die Ghosting-Probleme der Vorgänger, also das Durchscheinen von Texten vorangegangener Seiten aufgrund von nicht komplett neutralisierten Pixeln, in den Griff bekommen. Zumindest wenn der Nutzer eine komplette Invertierung nach jedem Umblättern wählt, ansonsten sind nach einigen Seiten deutlich sichtbare Restfragmente der letzten Seiten zu erkennen.

Vor großen Freischwimmerabenteuern mit dem Vision sollten Nutzer zudem Abstand nehmen. Zwar hat er alle Wassertests unbeschadet überstanden, aber Tropfen auf dem Display sorgen nach wie vor für Phantomeingaben. Dies kann so weit gehen, dass die Schriftart plötzlich auf ganz groß gestellt wird oder der Nutzer sich in den Einstellungen wiederfindet. Auch mit feuchten Fingern hat der Reader teilweise Probleme. Der Fairness halber muss aber erwähnt werden, dass auch die Konkurrenz mit diesen Problemen zu kämpfen hat.

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