20th Anniversary Edition im Test: Duke Nukem 3D mit Mods ist besser 2/2

Max Doll 61 Kommentare

Unnötige Modernisierung

Gegenüber der Urversion von 1996 schneidet die Anniversary Edition folglich hervorragend ab. Die Änderungen an der Engine lassen ein in mancher Hinsicht gnadenlos unzeitgemäßes Spiel erneut spielbar werden, das prinzipiell ein spaßiges Unterhaltungsprodukt geblieben ist. Duke Nukem 3D verdient schlicht, auch im Jahr 2017 noch gespielt zu werden. Dennoch will Gearbox mit dem Remake letztlich einen Wunsch bedienen, den so niemand geäußert hat.

Denn Fans haben den Oldie schon längst mit Mods auf Vordermann gebracht. Die Atomic- und Megaton-Versionen von Duke Nukem 3D können dank des EDuke32-Ports auf modernen Rechnern unter Windows, Linux, Mac OS sowie auf „deinem Familientoaster und dem Vibrator deiner Freundin“ gespielt werden. Der Funktionsumfang entspricht im Großen und Ganzen demjenigen der Anniversary Edition; die Steam-Version des Oldies kann sogar mit Workshop-Unterstützung aufwarten. Optional können außerdem High-Res-Texturen und echte 3D-Modelle nachgerüstet werden.

Modder schlagen Profis

Als wie hoch die Qualität des EDuke32-Projekts eingeschätzt werden darf, demonstriert die Steam-Version des Klassikers. Auf der Plattform wird EDuke als Standardkonfiguration genutzt, der Betrieb des unmodifizierten Originals per DOSBox lediglich zu einer Option degradiert. Kaufen kann diese Fassung aber niemand mehr. Sowohl die Atomic- als auch die vollständige Megaton-Edition, die alle Bonuskarten und Add-ons zum Spiel enthält, sind vor Erscheinen der Geburtsagsausgabe aus den Shops verschwunden.

Das ist betrüblich, denn die Mod-Version entpuppt sich gegenüber der Gearbox-Variante im direkten Vergleich nicht nur als deutlich günstiger, sondern auch spielerisch als überlegen. Das hat einen einfachen Grund: Die Umsetzung der Maussteuerung gelingt den Hobbyprogrammierern besser als Gearbox, sie wirkt direkter. Im unmittelbaren Vergleich offenbart die Anniversary Edition eine „Schwammigkeit“, die bei Multiplattformtiteln mit Blick auf Gamepad-Eingaben zu häufig anzutreffen ist. Mit dieser Eigenheit lässt sich mit Geduld zur Gewöhnung leben, sie will für einen schnellen Shooter, der von Präzision profitiert, aber nicht optimal sein.

Fazit

Schnelles Gameplay ohne Weichspüler, charmante Details und ein zumindest prägnanter Humor: Es gibt viele Gründe, den Duke zu mögen und das letzte ernstzunehmende Spiel der Serie hervorzukramen. Weniger Gründe gibt es, ausgerechnet die Geburtstagsausgabe des Shooters zu spielen. Wer Duke Nukem 3D bereits besitzt, ist mit der kostenlosen EDuke-Mod besser bedient. Die bietet zum Nulltarif alle wesentlichen Modernisierungen, optional mehr Inhalte und eine bessere Steuerung.

Allen anderen Nutzern ermöglicht Gearbox einen einfachen Weg, einen echten Shooter-Klassiker mit noch immer hoher Anziehungskraft zu erleben, der nur in spielerisch nicht relevanten Punkten an gängige Standards angepasst wurde. Die World Tour ist im Ergebnis wesentlich komfortabler zu spielen und weitaus zugänglicher, will aber selbst unter Berücksichtigung der grafischen Verbesserungen, der neuen Audioaufnahmen und einer Handvoll neuer Levels keine 20 Euro oder umgerechnet 1 Euro pro Jahr des Reifeprozesses wert sein. Dazu fallen die Unterschiede zur EDuke-Version zu gering aus.

Ein Spaß mit bitterem Beigeschmack

Dieser Punkt muss auch Gearbox klar gewesen sein, schließlich wird das Unternehmen den Verkauf der unveränderten, weit günstigeren Atomic Edition nicht umsonst eingestellt haben. Und so ist die 20th Anniversary Edition trotz ihrer Vorzüge eben doch das, was die behutsam konservierte Form eines Klassikers nicht sein sollte: Der viel zu schamlos betriebene Versuch, mit Erinnerungen und klingendem Namen Kasse zu machen. Eigentlich wie bei Duke Nukem Forever.

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