Honor 6X im Test: Dual-Kamera und 16-nm-SoC für 250 Euro 2/2

Mahir Kulalic 54 Kommentare

Zwei solide Kameras

Für Fotos setzt Honor beim 6X auf eine Dual-Kamera. Bereits beim Honor 8 kommt eine leichte Abwandlung der zwei Kameras aus dem Huawei P9 zum Einsatz, die Ambitionen beim vorliegenden Mittelklasse-Modell können im Vergleich aber als zurückgefahren bezeichnet werden. Während beim Honor 8 und P9 beide Kameras auf 12 Megapixel Auflösung setzen (und der Monochrom-Sensor im Mate 9 auf 20 Megapixel aufgestockt wurde), setzt sich die Doppelkamera des 6X aus einem Sensor mit 12 und einem mit 2 Megapixel zusammen.

Echte Monochrom-Aufnahmen sind nicht möglich, der Hauptnutzen der zweiten Kamera ist in erster Linie das Aufzeichnen zusätzlicher Tiefeninformationen zur manuellen Anpassung der Tiefenunschärfe. Das 6X kann wie die oben genannten Modelle eine Blendenöffnung zwischen f/0.95 und f/16 emulieren, die sich bei nahen Objekten durchaus kreativ einsetzen lässt, in der Praxis jedoch nur bedingt gut funktioniert und besonders an Objektübergängen künstlich aussehende, unsaubere Kanten hinterlässt (Bild 19 von 32 in der Bilderstrecke).

Honor 6X im Test – Kamera

Bei Tageslicht fertigt das Honor 6X bei der niedrigsten Empfindlichkeit von ISO 50 rauschfreie Bilder an, die Aufnahmen wirken in Summe gut geschärft. Ist der Dynamikumfang mal etwas größer, so hellt der interne Bildbearbeitungsalgorithmus die Schattenbereiche in einer akzeptablen Stärke auf. Im Gegenlicht funktioniert dies jedoch nicht mehr, wie Foto 14 zeigt. Die darauffolgende HDR-Aufnahme belegt außerdem, dass der HDR-Modus, der eine Steigerung des Dynamikumfangs bewirken soll, beim Honor 6X nahezu wirkungslos ist.

HDR ohne Wirkung, Farben realistisch

Die Farbwiedergabe des Smartphones wirkt natürlich und großteils realistisch, auch der automatische Weißabgleich stellt sich, ebenso bei Kunstlicht, als überwiegend zuverlässig heraus. In der Nacht erweist sich das Honor 6X bei bis zu im Test benötigten Empfindlichkeiten von ISO 5.000 als verhältnismäßig rauscharm. So sind Bilder, die bei Nacht aufgenommen werden, durchaus vorzeigbar, die wesentlichen Details bleiben erhalten.

Kamera-App
Kamera-App

In Summe liefert die Dual-Kamera des Honor 6X eine für seine Preisklasse gute und weitestgehend überzeugende Performance in den meisten Situationen ab. Kleinere Schwächen wie der nutzlose HDR-Modus oder die künstlichen Übergänge bei der Anpassung der Tiefenunschärfe sind bei dem Preis leicht zu verkraften.

Kein 5-GHz-WLAN und Hybridschacht

Bei der Anschlussausstattung hat sich wenig verändert, praktisch alle gängigen Standards sind vorhanden. Theoretisch beherrscht das 6X LTE bis zu 300 Mbit/s im Down- und 50 Mbit/s im Upstream, der Download ist somit auf dem Papier doppelt so schnell wie beim 5X. WLAN gibt es wie beim Vorgänger nur nach n-Standard, ac fehlt weiterhin. Ein größeres Defizit in Sachen WLAN ist aber die weiterhin fehlende Unterstützung der 5-Ghz-Frequenz, die Mittelklasse von Honor kann auch im Jahr 2017 nur mit 2,4-GHz-Netzen umgehen.

Ebenfalls fragwürdig ist der Einsatz eines Hybridschachtes für SIM- und Speicherkarte. Das Honor 6X beherrscht Dual-SIM und die Speichererweiterung per microSD, aber nur eines gleichzeitig. Durch den kombinierten Schacht schränkt Honor den Käufer bei zwei auf dem Papier vorhandenen Features auf eines im Praxiseinsatz ein. Kurios: Der Vorgänger bot noch drei vollwertige Einschübe und konnte die Funktionen vollständig ausnutzen.

Das 6X verfügt über Micro-USB...
Das 6X verfügt über Micro-USB...
...und einen Hybrid-Schacht für SIM und microSD
...und einen Hybrid-Schacht für SIM und microSD

Beim Thema Empfang konnte das Smartphone im Netz von o2 überzeugen. Gespräche und Internetverbindung waren stabil, ebenso die Standortbestimmung bei Google Maps im Modus für höchste Genauigkeit. Abseits von Problemfeldern wie U-Bahn-Schächten oder Autobahnfahrten kam es zu keinerlei Einschränkungen.

Der Akku wächst

Obwohl sich die Maße des 6X im Vergleich zum Vorgänger kaum geändert haben, wächst der Akku von 3.000 auf 3.340 mAh um über zehn Prozent. In Kombination mit dem neuen SoC in 16 nm lässt das auf gute Laufzeiten hoffen. Im Alltag kann das 6X diese Annahmen auch erfüllen: Der Akku kommt bei der Nutzung von mehreren E-Mail-Konten und Messengern, automatischer Helligkeit und dauerhaft aktivem WLAN, LTE und GPS problemlos über den Tag, und bei gemäßigter Nutzung ist auch ein zweiter Tag möglich, da der Standby-Verbrauch niedrig ist.

Überzeugende Akkulaufzeit

In den Laufzeitmessungen kann das Smartphone die positiven Eindrücke aus dem Alltag widerspiegeln, ohne dabei neue Rekorde aufzustellen. Fast zehn Stunden stehen für den YouTube-Dauertest auf der Uhr, mit knapp über acht Stunden fällt auch die Laufzeit im PCMark angemessen aus. Den Vorgänger kann das neue Modell dabei in beiden Messungen merklich auf Distanz halten.

Fazit: Stimmiges Paket mit Abstrichen

Wie von Honor gewohnt, ist auch das 6X ein insgesamt stimmiges Paket, vor allem in Anbetracht des Preises. Die Dual-Kamera ist in diesem Preissegment selten und erweitert den Funktionsumfang um simulierte Blendenöffnungen, die Aufnahmen gehen für die Preisklasse in Ordnung. Auch an der Akkulaufzeit und der Verarbeitung gibt es wenig auszusetzen. Die Bedienung im Alltag ist jederzeit flüssig und das SoC aus 16-nm-Fertigung moderner als bei vielen Mitbewerbern.

Die Abstriche größer als gewohnt

Auf den ersten Blick ist das Honor 6X also ein grundsolides Smartphone, das sich aber ein paar gewichtige Schwächen leistet. Mit dem mäßigen Display und dem Wechsel von drei vollwertigen Schächten zum Hybridschacht für Dual-SIM oder Speichererweiterung gerät das 6X nicht nur gegenüber einigen Konkurrenten, sondern auch dem Vorgänger ins Hintertreffen. Zudem sind nicht nur das zugrundeliegende Android und der Sicherheits-Patch bereits beim Start deutlich veraltet, auch die eigene EMUI-Oberfläche kommt nicht in der neuen Version 5 – diese erscheint erst demnächst zusammen mit Android 7.0. Dass auch im Jahr 2017 noch kein 5-GHz-WLAN im 6X steckt, ist darüber hinaus unverständlich.

Das Honor 6X im Test
Das Honor 6X im Test

Alles in allem schafft es das 6X nicht, die Stimmigkeit von Honor 5C oder Honor 8 zu erreichen. Eine Kaufempfehlung ist aufgrund der genannten Schwächen daher auch nur eingeschränkt auszusprechen, wenn in erster Linie über das durchwachsene Display hinweggesehen wird. Mögliche Alternativen sind das Lenovo Moto G4 Plus (Test), das Samsung Galaxy A5 (Test), aber auch die praktisch aus eigenem Haus stammenden Huawei P9 Lite und Huawei P8 Lite (2017). Allerdings verfügt keiner der Konkurrenten über eine Dual-Kamera, die Honor als eines der Alleinstellungsmerkmale des 6X sieht.

Wer weniger Budget zur Verfügung hat, findet günstigere Modelle im Vergleich von acht Smartphones bis 200 Euro.

Honor 6X
Produktgruppe Smartphones, 07.02.2017
  • Display
    O
  • Leistung Produktiv
    O
  • Leistung Unterhaltung
    O
  • Laufzeit
    +
  • Verarbeitung
    ++
  • flüssige Bedienung
  • zuverlässiger Fingerabdrucksensor
  • gute Akkulaufzeit
  • gute Verarbeitung
  • Speicher erweiterbar
  • Dual-SIM
  • solide Dual-Kamera
  • schwaches Display
  • Sicherheitspatch, Android und Oberfläche veraltet
  • Hybrid-Schacht für Dual-SIM/microSD
  • kein 5-GHz-WLAN

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