Whisper M und Hydro X im Test: Netzteile mit 80Plus Gold von BitFenix und FSP im Vergleich 3/5

Nico Schleippmann 34 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Beide Netzteile haben kein Problem, die Anforderungen von 80Plus Gold zu erfüllen. Bei Volllast erreichen die Probanden mit 89 Prozent sogar 80Plus-Platinum-Niveau. Mit einer Eingangsspannung von 230 Volt und identischen Lasten werden wie erwartet noch höhere Wirkungsgrad-Werte erreicht.

Mit festen Lasten zeigt sich ein annähernder Gleichstand. Das Whisper M kann keinen größeren Vorsprung als einen halben Prozentpunkt erzielen. Im Vergleich zu anderen 80-Plus-Gold-Netzteilen arbeiten die beiden Testkandidaten geringfügig effizienter – mit dem LC-Power GP4 LC6560 liegen diese aber nur gleichauf.

Etwas enttäuschend ist der Wirkungsgrad des Whisper M 450W im Haswell-C6/C7-Stromsparmodus. Eine solch niedrige Leistungsaufnahme kann jedoch nur mit sehr sparsamen Systemen ohne dedizierte Grafikkarte erreicht werden – Gaming-Systeme nehmen hierbei mindestens die doppelte Leistung auf.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Der Leistungsfaktor des Hydro X 550W zeigt einen etwas seltsamen Verlauf, da die Kurve bei Volllast wieder absinkt. Mit über 95 % werden wie beim Whisper M 450W trotzdem noch gute Werte erreicht

Spannungsregulation

Die Ausgangsspannungen des Whisper M 450W werden perfekt geregelt – Abweichungen sind allenfalls in der zweiten Nachkommastelle sichtbar. Mit diesen High-End-Werten kann das Hydro X 550W nicht mithalten. Trotzdem braucht sich das FSP-Netzteil nicht zu verstecken, weil insbesondere die 12-Volt- und 5-Volt-Schiene kaum von ihren Nennspannungen abweichen. Die Performance der 3,3-Volt-Schiene ist etwas schlechter, liegt dennoch auf einem guten Niveau.

Für die Messungen mit festen Lasten spiegelt sich das gleiche Bild wider – BitFenix platziert sich in dieser Disziplin vor FSP.

Restwelligkeit

Dank des Einsatzes zahlreicher Feststoffkondensatoren filtern beide Testprobanden die Restwelligkeit sehr gut. Die Messwerte liegen deutlich unterhalb der von den ATX-Vorgaben festgesetzten Grenzwerte. Erneut hat das BitFenix-Netzteil die Nase vorne. Die zusätzlichen, im 24-Pin-ATX-Stecker enthaltenen Kondensatoren können für den leichten Vorsprung gegenüber dem Hydro X 550W verantwortlich sein.

Die Messungen mit festen Lasten decken keine Überraschungen auf – die Filterung der Restwelligkeit ist nach wie vor vorbildlich.

Schutzschaltungen

Bitfenix Whisper M 450W – Vier 12-V-Strommessshunts
Bitfenix Whisper M 450W – Vier 12-V-Strommessshunts

Die Sicherungen des Whisper M 450W sollen nicht nur auf dem Papier komplett vorhanden sein und dank mehrerer 12-Volt-Schienen sehr effektiv auslösen. Bereits mit 30 respektive 34 A auf den Minor-Rails und 12-Volt-Schienen kann der Überstromschutz (OCP) wirkungsvoll seine Funktion beweisen. Obwohl das Whisper M 450W nur drei 12-Volt-Schienen besitzt, wurden wie bei den größeren Leistungsstufen vier Shunts zur Strommessung verbaut – einer ist im 450-Watt-Modell nur nicht aktiv.

FSP auf der anderen Seite benutzt den beliebten Trick, bei Single-Rail-Netzteilen die 12-Volt-OCP über die Überlastsicherung zu realisieren. Gegenüber Multi-Rail-Netzteilen können also nur größere Überströme auf dieser Schiene erkannt werden – mit 63 A beziehungsweise 740 W wurde dennoch ein sinnvoller Abschaltpunkt gefunden. Das Hydro X 550W schaltet somit wie das Whisper M 450 bei einer Gesamtauslastung von 135 % ab. Die OCP auf den Minor-Rails des Hydro X 550W funktioniert einwandfrei, wobei die Auslösewerte kleiner sein könnten.

BitFenix Whisper M 450W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 30 A
5 V OCP 20 A 30 A
12 V1/2/3 OCP 25 A 34 A
OPP 450 W 610 W
OTP 75 °C am sekundärseitigen Kühlkörper (Thermistor auf Platinenrückseite)
FSP Hydro X 550W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 38 A
5 V OCP 20 A 36 A
12 V OCP 45,83 A 63 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 550 W 740 W
OTP 90 °C am Transformator

Niederohmige Kurzschlüsse erkennen beide Netzteile korrekt. Die Kurzschlusssicherung (SCP) greift sowohl bei einem Kurzschluss am 24-Pin-ATX- als auch am SATA-Stecker ein.

Netzteile gegen Überhitzung geschützt

Der zusätzliche Aufwand für die Umsetzung eines Überhitzungsschutzes wurde für das Netzteil von BitFenix und FSP aufgenommen – einige günstige 80-Plus-Gold-Netzteile müssen auf diese Schutzfunktion verzichten. Auch auf die korrekte Implementierung wurde bei den heutigen Testobjekten Wert gelegt. Mit 75 und 90 °C greift die Sicherung rechtzeitig ein, bevor das Netzteil Schaden nehmen kann. Die Überwachung der Temperatur findet dabei an unterschiedlichen Stellen statt. Der Platzierung der Temperaturfühler nach zu urteilen, erreicht das Whisper M 450W seine kritische Betriebstemperatur zuerst am Synchrongleichrichter, das Hydro X 550W im Transformator.

Wärmekammer

Das Hydro X 550W ist für einen Standard-Arbeitsbereich bis zu einer Umgebungstemperatur von 40 °C ausgeschildert. Dem Whisper M 450W traut BitFenix sogar bis zu 50 °C im Dauerbetrieb zu. Wenn das Netzteil mit zur Entlüftung des Systems genutzt wird, können solche hohen Temperaturen auftreten. Viele Gehäuse erlauben mittlerweile aber einen getrennten Luftstrom, das der Lautstärke und Performance des Netzteils zugute kommt. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Von der deutlich höheren Betriebstemperatur zeigen sich die Netzteile unbeeindruckt. Ausgangsspannungen und die Restwelligkeit sind klar innerhalb der Spezifikationen. Mit jeweils 1.430 Umdrehungen pro Minute muss der Lüfter gegenüber niedrigeren Umgebungstemperaturen allerdings deutlich schneller drehen, weshalb ein getrennter Luftstrom des Netzteils zugunsten einer geringeren Lautstärke bevorzugt werden sollte.

Ausgangsspannungen Whisper M 450W Hydro X 550W
12 V 11,98 V 11,97 V
5 V 5,01 V 5,02 V
3,3 V 3,31 V 3,36 V

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann.

42 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Xilence Performance A+ 530W
      8,8
    • Chieftec Force CPS-500S
      9,3
    • LC-Power GP4 LC6560
      9,7
    • Cougar GX-S450
      9,9
    • Super Flower Platinum King 450W
      10,1
    • Corsair Vengeance 500
      10,3
    • Aerocool Xpredator 500W
      11,6
    • LC-Power LC8850III
      11,8
    • Enermax Revolution X't II 550W
      12,4
    • be quiet! S8 500W
      12,5
    • Bitfenix Whisper M 450W
      12,9
    • EVGA 500 BQ
      13,1
    • Silverstone Strider Titanium ST80F-TI 800W
      15,4
    • Minimum
      16,0
    • Cooler Master V850
      16,1
    • FSP Hydro X 550W
      16,3
    • Thermaltake Toughpower DPS G Platinum 850W
      16,3
    • Cougar LX 500 (2. Muster)
      16,7
    • Cougar LX 500 (1. Muster)
      16,8
    • Corsair HX850i
      17,6
    • Corsair SF450
      18,6
    • Super Flower Leadex Titanium 850W
      19,1
    • be quiet! P11 850W
      22,7
    • be quiet! Pure Power 10 500W CM
      34,0
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • be quiet! Pure Power 10 500W CM
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -1,1
    • Aerocool Xpredator 500W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -1,3
    • Silverstone Strider Titanium ST80F-TI 800W
      0,0
      Hinweis: tatsächlicher Wert: -2,2
    • Chieftec Force CPS-500S
      0,4
    • Minimum
      1,0
    • Enermax Revolution X't II 550W
      1,1
    • Thermaltake Toughpower DPS G Platinum 850W
      1,2
    • Super Flower Platinum King 450W
      2,1
    • LC-Power LC8850III
      2,4
    • EVGA 500 BQ
      2,5
    • Bitfenix Whisper M 450W
      3,0
    • FSP Hydro X 550W
      3,0
    • Corsair Vengeance 500
      3,2
    • Corsair SF450
      3,4
    • be quiet! S8 500W
      3,5
    • Cougar GX-S450
      4,0
    • LC-Power GP4 LC6560
      4,1
    • Cougar LX 500 (1. Muster)
      4,1
    • Cougar LX 500 (2. Muster)
      4,1
    • be quiet! P11 850W
      4,5
    • Corsair HX850i
      4,5
    • Super Flower Leadex Titanium 850W
      5,1
    • Xilence Performance A+ 530W
      5,2
    • Cooler Master V850
      5,5

FSP erfüllt die Anforderungen mit 16,3 ms nur knapp, BitFenix hingegen ignoriert die Vorgaben und kann nur eine Stützzeit von 12,9 ms vorweisen. Wird keine unterbrechungsfreie Stromversorgung (der Offline-Variante) verwendet, ist eine lange Stützzeit weniger bedeutsam. In seltenen Fällen, falls am Hausanschluss wiederkehrend Spannungseinbrüche auftreten, kann eine höhere Überbrückungszeit jedoch hilfreich sein.

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann – mit 3,0 ms liegen die Testprobanden über dieser Vorgabe.

ErP Lot 6 2013 BitFenix FSP
Keine Last 0,15 0,18
45 mA auf 5 VSB 0,44 0,46
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Die für das CE-Zeichen verbindlichen Energiesparrichtlinien können BitFenix und FSP erfüllen. Positiv ist außerdem die Leistungsaufnahme ohne Last zu erwähnen, die bei unter 0,20 Watt liegt. Die 45-mA-Last ist noch zu gering, um Vorteile durch den Synchrongleichrichter im Hydro X 550W zu gewinnen.

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