Moto G5 und G5 Plus: Lenovo baut tolle Hardware und Software mit großem Aber 2/2

Nicolas La Rocco 82 Kommentare

Neues 14-nm-SoC im Moto G5 Plus

Leistungstechnisch macht vor allem das Moto G5 Plus einen Satz nach vorne, da Lenovo vom Qualcomm Snapdragon 617 auf den Snapdragon 625 gewechselt ist. Das neue SoC nutzt zwar weiterhin acht ARM Cortex-A53 als CPU, doch die dürfen jetzt 500 MHz höher mit bis zu 2,0 GHz takten. Deutlich mehr Leistung liefert auch die Adreno-506-GPU, die die Adreno 405 des letzten Jahres abgelöst hat. Mit 3 GByte LPDDR3-Arbeitsspeicher ist das Moto G5 Plus im Alltag nie unterversorgt. Positiv hervorzuheben ist die neue Fertigungsweise in 14 Nanometer, die die alte 28-nm-Fertigung ablöst. Das wirkt sich positiv auf die Größe des Packages und den Energieverbrauch aus.

Beim normalen Moto G5 fallen die Veränderungen kleiner aus. Der Snapdragon 430 scheint auf dem Papier eine Verschlechterung gegenüber dem Snapdragon 617 des Moto G4 zu sein, ist es aber nicht. Das SoC stammt noch aus der 28-nm-Fertigung und bietet wie der Snapdragon 617 acht Cortex-A53 als CPU, die mit bis zu 1,4 GHz takten dürfen – ein Minus von 100 MHz. Die neue Adreno-505-GPU ist trotz der höheren Modellnummer nicht schneller, sie taktet aber ebenfalls 100 MHz niedriger. Mit unverändert 2 GByte LPDDR3-Arbeitsspeicher steht unterm Strich eine Leistung minimal unterhalb des Niveaus des Moto G4. Im Alltag sind beide Geräte gleich auf.

Bei Betrachtung des internen Speicher fällt erneut auf, dass die Verbesserungen in erster Linie das Moto G5 Plus betreffen. Das Moto G5 bewegt sich in allen Messungen auf Augenhöhe zum Moto G4, während das Moto G5 Plus deutlich bei Schreibvorgängen sowie beim wahlfreien Lesen und Schreiben zugelegt hat. Das Lesen und Schreiben auf eine microSD-Karte von SanDisk erfolgt mit beiden Smartphones etwa gleich schnell. Bei Schreibvorgängen auf die Speicherkarte schneidet so manches Gerät aus dem Test von Smartphones bis 200 Euro aber besser ab.

Stillstand beim Akku

Beide neuen Moto G5 sind kleiner geworden, aber nur beim Moto G5 betrifft das auch den Akku, dessen Nennladung von 3.000 mAh auf 2.800 mAh geschrumpft ist. Das Moto G5 Plus bleibt bei 3.000 mAh. Trotz des jetzt kleineren Display führt das Akku-Downgrade zumindest in den Messungen zu einer marginalen Verschlechterung der Laufzeiten. Im YouTube-Dauertest büßt das Moto G5 eine halbe Stunde ein. Beim Moto G5 Plus verhält es sich leicht in die entgegengesetzte Richtung, denn ein gleich großer Akku trifft auf ein etwas kleineres Display. Rund eine Viertelstunde gewinnt es deshalb im YouTube-Test. Der sonst übliche PCMark konnte aufgrund von wiederholten Abstürzen nicht vollständig auf den Geräten ausgeführt werden. In den längsten Durchläufen waren zum Moto G4 (Plus) vergleichbare Laufzeiten absehbar.

Die Laufzeiten im Alltag beeinflussen die Veränderungen nicht, trotzdem ist ein Downgrade von der alten zur neuen Generation ungewöhnlich. Beide Geräte kommen sicher über den Tag. Im Test wurden drei IMAP-Konten und ein Gmail-Konto synchronisiert, über den Tag verteilt YouTube geschaut und Apple Music gehört, viel gesurft sowie häufig Facebook und Twitter verwendet. Erst wenn viel mit den Smartphones gespielt wird, ist das Aufladen in den frühen Abendstunden notwendig.

Neues Ladegerät für das Moto G5

Bei den Ladegeräten verharrt Lenovo auf dem alten Micro-USB-Standard, dennoch gibt es vor allem für das Moto G5 eine Verbesserung. Dem Moto G4 legt Lenovo nur ein Netzteil mit mickrigen 5 V/0,55 A bei. Das Aufladen mit nur 2,75 Watt dauert deshalb selbst im ausgeschalteten Zustand mehr als fünf Stunden. Außerdem ist beim Moto G4 das Ladekabel feste mit dem Netzteil verbunden, sodass es nicht als Datenkabel verwendet werden kann. Dem Moto G5 legt Lenovo USB-Kabel und Netzteil getrennt voneinander bei. Das Netzteil liefert 5,2 V/5 A und lädt mit bis zu 10,4 Watt. In rund 90 bis 100 Minuten ist das Moto G5 wieder aufgeladen – ein deutlicher Fortschritt.

Geladen wird noch mit Micro-USB 2.0
Geladen wird noch mit Micro-USB 2.0

Dem Moto G5 Plus liegt wieder ein sogenanntes Turbo-Ladegerät bei. Dieses liefert standardmäßig 8 Watt sowie im Turbo-Modus 14,4 Watt mit 9 V/1,6 A oder 12 V/1,2 A. In etwas unter anderthalb Stunden lässt sich das Moto G5 Plus damit laden, wobei nach knapp 40 Minuten die Hälfte der Ladung wiederhergestellt ist. Das Moto G5 Plus unterscheidet sich in diesem Punkt demnach nicht vom Moto G4 Plus.

Schnelleres LTE Advanced

Wie schon beim Moto G4 (Plus) ist die Unterstützung für schnelles WLAN auf 5 GHz mit beiden neuen Geräten möglich. Das ist auch zwingend notwendig, denn auf 2,4 GHz schneiden die Smartphones ausgesprochen schlecht ab, vor allem auf längere Distanz – noch schlechter als das bereits in diesem Punkt kritisierte Huawei P10 (Test). Die Bandbreite reduziert sich auf der Langstrecke auf nur noch 1,45 und 1,35 MB/s, sodass für die Übertragung einer 1 GByte großen Datei um die zwölf Minuten benötigt werden. Andere Geräte von Huawei oder HTC schaffen das in teilweise unter drei Minuten.

1 GByte (1.024 MByte) Dateiübertragung per WLAN
Lenovo
Moto G5
Lenovo
Moto G5 Plus
Huawei
P10
Huawei
P8 Lite 2017
HTC
U Play
WLAN 2,4 GHz b/g/n
5,0 GHz a ×
ac × × ×
Asus RT-AC68* 2,4 GHz m:s 2:40 2:41 1:38 2:43 2:43
MB/s 6,40 6,36 10,45 6,28 6,28
5,0 GHz m:s 1:17 1:15 0:29 × 0:32
MB/s 13,30 13,65 35,31 × 32,00
ASRock AC2600** 2,4 GHz m:s 11:48 12:36 9:40 3:01 2:27
MB/s 1,45 1,35 1,77 5,66 6,97
5,0 GHz m:s 1:47 2:51 4:28 × 0:47
MB/s 9,57 5,99 3,82 × 21,79
*Im selben Zimmer, ca. 90 Zentimeter Abstand
**Zwei Zimmer weiter durch Rigipswände getrennt, ca. 10 Meter Abstand
✓ = ja / × = nein

Im Bereich LTE gibt es zumindest beim Moto G5 Plus jetzt die Unterstützung für den Advanced-Standard mit bis zu 300 Mbit/s im Downstream, nachdem bisher maximal 150 Mbit/s möglich waren. Damit können die Netze der drei großen Mobilfunkanbieter Deutsche Telekom, Telefónica und Vodafone besser ausgenutzt werden. Bei Vodafone sind teilweise sogar schon 375 Mbit/s in der Spitze möglich. Aufgrund des Snapdragon-X6-Modems im Snapdragon 430 des Moto G5 bietet das günstigere Gerät einen höheren LTE-Upstream als das Moto G5 Plus mit Snapdragon-X9-Modem. Die 75 Mbit/s des Upstreams sind hierzulande aber bei keinem Mobilfunkanbieter nutzbar.

Fazit – Gute Smartphones aber...

Moto-G-Smartphones von Lenovo sind eigentlich fast immer eine Empfehlung wert, da sie ein gutes Gesamtpaket zum fairen Preis bieten. Auch mit der fünften Generation trifft das über weite Teile des Tests zu. In Kerndisziplinen wie Verarbeitung, Display, Leistung und Akku ist alles im grünen Bereich. Erst beim Betriebssystem leistet sich Lenovo den groben Schnitzer, neue Smartphones mit altem Sicherheitspatch-Level auszuliefern. Die Begründung, warum das so ist, ist hanebüchen und wird dem größten PC-Hersteller der Welt nicht gerecht. Neue Sicherheitspatches sind derzeit nicht absehbar.

Der ComputerBase-Award scheitert diesmal an der Software
Der ComputerBase-Award scheitert diesmal an der Software

Den ComputerBase-Award für die uneingeschränkte Kaufempfehlung gibt es deshalb diesmal nicht, obwohl dies in den Jahren zuvor immer der Fall war. Moto G5 und Moto G5 Plus sind dennoch gute Smartphones, wenngleich mehr beim Moto G5 Plus die Verbesserungen zu spüren sind. Das Moto G5 bietet nur das Metall-Design als größte Neuerung, bei Akku und SoC gibt es kurioserweise kleine Downgrades.

Lenovo sollte seine Software-Mannschaft stärken, um die bisher sehr gute Moto-G-Serie auf gleichem Niveau zu halten. Android-Updates oder besser gesagt monatliche Sicherheitspatches sind keine unwichtige Nebensächlichkeit.

Lenovo Moto G5
Produktgruppe Smartphones, 07.04.2017
  • Display
    +
  • Leistung Produktiv
    +
  • Leistung Unterhaltung
    O
  • Laufzeit
    +
  • Verarbeitung
    ++
  • sauberes und schnelles Android
  • gutes Full-HD-Display
  • sehr gute Verarbeitung
  • Speicher erweiterbar
  • schneller Fingerabdrucksensor
  • solide WLAN-Leistung auf 5 GHz
  • noch gute Akku-Laufzeiten
  • Akku einfach austauschbar
  • altes Sicherheitspatch-Level
  • Kamera nur bei viel Licht gut
  • extrem langsames WLAN auf 2,4 GHz
  • leichtes Akku-Downgrade
Lenovo Moto G5 Plus
Produktgruppe Smartphones, 07.04.2017
  • Display
    +
  • Leistung Produktiv
    +
  • Leistung Unterhaltung
    +
  • Laufzeit
    +
  • Verarbeitung
    ++
  • sauberes und schnelles Android
  • gutes Full-HD-Display
  • sehr gute Verarbeitung
  • gutes Kamera-Upgrade
  • spürbar mehr Leistung als zuvor
  • Speicher erweiterbar
  • schneller Fingerabdrucksensor
  • solide WLAN-Leistung auf 5 GHz
  • gute Akku-Laufzeiten
  • schnelleres LTE Advanced
  • altes Sicherheitspatch-Level
  • manchmal Autofokus-Probleme
  • extrem langsames WLAN auf 2,4 GHz
  • noch Micro-USB statt USB Typ C

Verfügbarkeit und Preis

Lenovo bietet das Moto G5 zur unverbindlichen Preisempfehlung von 199 Euro in den Farben Grau und Gold an. Das Smartphone ist seit dem 25. März in Deutschland verfügbar und wird derzeit von allen Händlern immer als Dual-SIM-Modell angeboten. Grundsätzlich gibt es aber auch eine Single-SIM-Version. Dasselbe gilt für das Moto G5 Plus, das Lenovo zum unverbindlichen Preis von 299 Euro anbietet. Das Smartphone ist seit dem 3. April in den Farben Grau und Gold in Deutschland erhältlich. Nur für das Moto G5 soll im Laufe des zweiten Quartals noch eine Variante in Blau folgen.

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