Samsung Galaxy S8/S8+ im Test: Auch Kleine können großartig sein!

Nicolas La Rocco 188 Kommentare
Samsung Galaxy S8/S8+ im Test: Auch Kleine können großartig sein!

tl;dr: Das Samsung Galaxy S8 ist die radikalste Veränderung der Serie seit dem Wechsel zum Galaxy S6. Nie zuvor hat Samsung mehr Display auf weniger Fläche untergebracht. Das neue Design ist klares Alleinstellungsmerkmal der Smartphones. Im Test sammelt Samsung viele Pluspunkte, aber nicht durchweg für die Ergonomie.

Samsung Galaxy S8 und S8+ im Test

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit steht im Test die Wortwahl Galaxy S8 auch immer für das Galaxy S8+, sofern nicht explizit auf eines der Modelle eingegangen wird.

Das neue Infinity-Display ist die alle anderen Bauteile bestimmende Komponente des Samsung Galaxy S8. Von ihm leitet sich die Größe des Gehäuses und die Ergonomie des Smartphones ab. Es heißt Infinity-Display, weil es beinahe die gesamte Vorderseite des Smartphones und teilweise die Seitenbereiche einnimmt. Flache Displays gibt es bei Samsungs Smartphone-Flaggschiffen mit dem Galaxy S8 nicht mehr, jedes Modell ist jetzt ein „edge“, wenngleich Samsung diesen Namen nicht mehr verwendet.

Update 19.04.2017 13:08 Uhr

Elf Tage vor der Veröffentlichung des Tests zum Samsung Galaxy S8 und Galaxy S8+ hatte die Redaktion die Leserschaft gefragt, welche Fragen zum Smartphone im Artikel beantwortet werden sollen. Das Feedback im Forum förderte mehr als einhundert Fragen zutage.

Die Antworten auf Fragen nach der Belegung des Arbeitsspeichers, den vorinstallierten Apps oder der Performance im Spiel Asphalt 8 finden sich ab sofort auf einer weiteren Seite „Antworten auf Leserfragen“ im Anschluss an das Fazit zu Samsungs neuen Topmodellen am Ende dieses Artikels.

Symmetrisches Design

Das Galaxy S8 ist aber weniger ein edge als es noch das Galaxy S7 edge war. Das liegt daran, weil Samsung das Display weniger stark in den linken und rechten Rahmen zieht, sondern schon nach einer leichten Biegung damit aufhört – ähnlich wie beim Galaxy Note 7 (Test). Das verbessert die Ergonomie im Alltag in gleich zweierlei Hinsicht: Zum einen kommt es weniger häufig zu Fehleingaben an den Displayrändern, zum anderen kann die Rückseite des Smartphones symmetrisch gestaltet werden, sodass sie leicht abgerundet ist und das Galaxy S8 dadurch besser in der Handinnenfläche liegt.

Diese Maßnahme hilft speziell dem Galaxy S8+, weil es ohne festen Griff gerne aus der Hand rutschen will. Samsungs gegen das Eindringen von Wasser und Staub geschützte (IP68) Konstruktion aus zwei Seiten Gorilla Glass 5 und Metallrahmen sieht zwar beeindruckend gut aus, lässt sich aber nicht so gut greifen wie ein kantiges Smartphone im Stile des LG G6. Das kleine Galaxy S8 schneidet in diesem Punkt besser ab.

Der Fingerabdrucksensor

Beim ungünstig platzierten Fingerabdrucksensor auf der Rückseite patzen hingegen beide Modelle. Nur beim Galaxy S8 ist dieser überhaupt mit dem Zeigefinger erreichbar, allerdings nur mit dem rechten. Weil der Sensor direkt neben der Kamera liegt, erwischt man sich immer wieder dabei, das Kameraglas mit Fingerabdrücken zu verzieren. Iris-Scanner oder Gesichtserkennung (beides geht nicht) sind kein adäquater Ersatz, da sie ebenfalls verlangen, dass das Telefon angehoben wird. Noch dazu funktionieren beide Systeme nicht so zuverlässig wie der Fingerabdrucksensor des Galaxy S7. Selbst bei widrigen Lichtbedingungen und auch im dunklen Schlafzimmer funktioniert der Iris-Scanner, die Erkennungsrate erreicht aber nicht den alten Fingerabdrucksensor.

Fingerabdrucksensor auf der Rückseite
Fingerabdrucksensor auf der Rückseite

Home-Button im Display

Gerüchten zufolge wollte Samsung von Synaptics einen Fingerabdrucksensor im Display entwickeln lassen, der es aber nicht zur Serienreife geschafft hat. Der Sensor auf der Rückseite wirkt wie eine kurzfristig entschiedene Notlösung. Einen Home-Button im Display hat das Galaxy S8 nämlich bereits. Nutzer können jederzeit den unteren Bereich des Displays drücken, um diesen zu aktivieren. Auch wenn er nicht angezeigt wird oder das Display ausgeschaltet ist, befindet sich der Home-Button immer dort, wo er auch bei eingeblendeter Android-Leiste zu finden wäre. Nur Fingerabdrücke scannt er nicht.

Das Thema Sicherheit leidet aufgrund der unpraktischen Entsperrmethoden stark. Nachdem Samsung mit dem Galaxy S6 (Test) und Galaxy S7 (Test) endlich sehr gute Fingerabdrucksensoren liefern konnte, ist das Galaxy S8 in diesem Punkt ein klares Downgrade. Alle drei Entsperrmethoden – Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner und Gesichtserkennung – nerven im Alltag und führen dazu, dass entweder wieder zur lästigen PIN oder noch schlimmer, gar kein Sperrbildschirm eingerichtet wird. Für eine 3,5-mm-Klinke sowie USB Typ C hat Samsung hingegen noch Platz im Gehäuse gefunden. Beim Lautsprecher bleibt es allerdings bei (gutem) Mono-Klang.

AMOLED mit 5,8 und 6,2 Zoll

Auf 5,8 Zoll und 6,2 Zoll sind die Displays angewachsen. Das sind jeweils 0,7 Zoll mehr als noch bei den Galaxy-S7-Modellen. Die Diagonalen sind allerdings nicht miteinander vergleichbar, da Samsung das Seitenverhältnis der Displays verändert hat. Von 16:9 ist Samsung zu 18,5:9 gewechselt. Die neuen Geräte sind etwas länger als bisher. Ein 5,8-Zoll-Display im Format 18,5:9 bietet weniger Fläche als ein 16:9-Display mit 5,8 Zoll.

Galaxy S8 neben Galaxy S8+
Galaxy S8 neben Galaxy S8+

Für die Berechnung der Displaygröße kommt erschwerend hinzu, dass die Displays nicht mehr rechteckig sind. Damit ist nicht die Biegung zu den seitlichen Rändern gemeint, sondern die Rundung der ehemals vier Ecken des Displays. Mit spitzen Ecken hätte Samsung das Display beim aktuellen Design nicht so weit in die Ränder ziehen können. Das ist nur bei einem deutlich eckigeren Smartphone wie dem Xiaomi Mi Mix (Test) umsetzbar – was Samsung aber nicht wollte und sich für Kurven entschied.

Alle im Test verwendeten Apps kommen mit dem neuen Format zurecht, darunter alle Samsung-Apps, Facebook, Twitter, Microsoft Office sowie alle Google-Apps. Videos in 16:9 können auf 18,5:9 gezoomt werden, dann fehlt aber Inhalt oben und unten. Cinemascope erkennt das Galaxy S8 automatisch und zieht es auf die volle Breite.

1.440 × 2.960 Pixel in 18,5:9

Eine höhere Auflösung haben die neuen Displays nur aufgrund ihrer gestiegenen Höhe. 1.440 × 2.960 Bildpunkte führen zu einer mit dem Galaxy S7 vergleichbaren Pixeldichte jenseits der 500 ppi. Trotz der weiterhin verwendeten Diamond-Subpixel-Matrix, die aufgrund der unterschiedlichen Effizienz der Pixel mehr, dafür aber kleinere grüne Subpixel sowie mittelgroße rote Subpixel und große blaue Subpixel verwendet, ist die Darstellung auf beiden Geräte gestochen scharf. Selbst in den abgerundeten Bereichen des Displays lassen sich nur mit extrem genauer Betrachtung Abstufungen ausmachen.

Keine native Auflösung

Bildschirmauflösung ist beim Galaxy S8 nicht gleichzusetzen mit tatsächlicher genutzter Auflösung. Denn wie nach dem Update auf Android 7.0 des Galaxy S7 nutzt Samsung intern eine niedrigere Auflösung, die anschließend skaliert wird. Beim Galaxy S8 liegt die interne Auflösung bei 1.080 × 2.220 Bildpunkten (FHD+).

Das ist noch hoch genug, damit es für den Anwender nicht sichtbar ist. Anders hingegen bei der niedrigsten Einstellung: Werden 720 × 1.480 Pixel (HD+) eingestellt, führt das zu einer sofort sichtbaren Reduzierung der Bildqualität. Vor allem Schrift erscheint dann viel weicher. Am knackigsten sieht das Panel mit der nativen Auflösung WQHD+ aus.

Vier Displaymodi

Samsung hat wieder mehrere Bildschirmmodi in die Android-Einstellungen des Galaxy S8 integriert. Dazu zählt standardmäßig voreingestellt „Anpassungsfähige Anzeige“, außerdem stehen „AMOLED-Kino“, „AMOLED-Foto“ und „Einfach“ zur Auswahl.

Die „Anpassungsfähige Anzeige“ versucht je nach dargestelltem Inhalt das Maximum an Bildqualität aus dem OLED-Display zu holen. Weißpunkt, Farbumfang und Farbsättigung werden in Echtzeit dem Inhalt sowie dem Umgebungslicht angepasst. In diesem Modus bietet das Panel das breiteste Spektrum um deckt laut DisplayMate zu 143 Prozent den sRGB-Farbraum sowie zu 113 Prozent den DCI-P3-Farbraum ab.

AMOLED-Kino stellt das Display fix auf den DCI-P3-Farbraum ein, während AMOLED-Foto den AdobeRGB-Farbraum nutzt. DCI-P3 schafft das Galaxy S8 zu 100 Prozent, bei AdobeRGB sind es noch sehr gute 98 Prozent. Im Modus „Einfach“ wird sRGB als Farbraum verwendet, den das Galaxy S8 zu 101 Prozent abdeckt.

Helle Panels im Automatikmodus

Die maximale Helligkeit des Displays hängt davon ab, ob das Panel im manuellen oder automatisch regulierten Modus verwendet wird. Außerdem gilt es zu beachten, dass von manchen Seiten ermittelte Werte von über 1.000 cd/m² nur unter ganz speziellen Messbedingungen erreichbar sein. Unabhängig vom gewählten Bildschirmmodus erreicht das Galaxy S8 bei manueller Regulierung 351 cd/m² als Mittelwert aus drei Messzonen, wobei im oberen Panel-Bereich 7 cd/m² erreicht werden. Das Galaxy S8+ kommt auf 335 cd/m², die Abweichung liegt hier bei bis zu 16 cd/m² je nach Messzone.

Bei automatischer Regulierung kommt das Galaxy S8 auf bis zu 558 cd/m². Dieser Modus empfiehlt sich vor allem beim Außeneinsatz, da ansonsten das Display etwas zu dunkel bleibt. Das Galaxy S8+ kommt mit 533 cd/m² nicht ganz an das kleinere Modell heran. ComputerBase misst die Helligkeit grundsätzlich mit einem Average Picture Level (APL) von 100 Prozent, also einem vollständig weißen Display. Deshalb werden auch keine Werte jenseits der 1.000 cd/m² erreicht, die nur dann möglich sind, wenn das APL auf 1 Prozent reduziert wird. Das steht für ein zu 99 Prozent schwarzes Panel mit 1 Prozent Weißanteil. Grundsätzlich tragen beide Geräte das Logo für Mobile HDR Premium und erreichen punktuell je nach Filmmaterial bis zu 1.000 cd/m².

Exynos 9 aus 10-nm-Fertigung

Herzstück des Galaxy S8 bildet in Europa das neue Samsung-SoC Exynos 9 mit der internen Bezeichnung 8895. In den USA wird das Galaxy S8 hingegen mit dem Qualcomm Snapdragon 835 (Test) ausgeliefert, weil für die dortigen CDMA-Mobilfunknetze ein anderes Modem vorausgesetzt wird. Beide Chips stammen aus Samsungs 10-nm-LPE-Fertigung.

Technische Daten des Galaxy S8/S8+

Samsung Galaxy S8 Samsung Galaxy S8+ Samsung Galaxy S7 Samsung Galaxy S7 edge
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.0 Android 6.0
Display: 5,80 Zoll
1.440 × 2.960, 568 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,20 Zoll
1.440 × 2.960, 531 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,10 Zoll
1.440 × 2.560, 576 ppi
WQHD Super AMOLED, Gorilla Glass 4
5,50 Zoll
1.440 × 2.560, 534 ppi
WQHD Super AMOLED, Gorilla Glass 4
Bedienung: Touch
Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Status-LED
Touch
Fingerabdrucksensor, Status-LED
SoC: Samsung Exynos 8895
4 × Exynos M2, 2,31 GHz
4 × Cortex-A53, 1,69 GHz
10 nm, 64-Bit
Samsung Exynos 8890
4 × Exynos M1, 2,30 GHz
4 × Cortex-A53, 1,60 GHz
14 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G71 MP20
546 MHz
Mali-T880 MP12
650 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 GB (+microSD) 32 / 64 GB (+microSD)
Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
5,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
Advanced Pro
↓600 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE 4.2 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo A-GPS, GLONASS, BeiDou
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC Micro-USB 2.0, NFC
SIM-Karte: Nano-SIM
Akku: 3.000 mAh (11,55 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.500 mAh (13,48 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.000 mAh (11,55 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.600 mAh (13,86 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 68,1 × 148,9 × 8,00 mm 73,4 × 159,5 × 8,10 mm 69,6 × 142,4 × 7,90 mm 72,6 × 150,9 × 7,70 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 152 g 173 g 152 g 157 g
Preis: ab 769 € ab 889 € ab 444 € / – ab 519 € / –

Exynos M2 und Mali-G71

Der neue Exynos-Chip ist Samsungs bereits zweite Entwicklung mit eigenen CPU-Kernen. Anstatt auf Standard-Kerne wie den Cortex-A72 oder Cortex-A73 von ARM zu vertrauen, wird die zweite Generation des Exynos M (Mongoose) in Form des Exynos M2 als Performance-Cluster verbaut. Als Power-Cluster kommen vier Kerne des Typs Cortex-A53 von ARM zum Einsatz.

Der Exynos 9 nutzt wieder eine Custom-CPU für das Performance-Cluster
Der Exynos 9 nutzt wieder eine Custom-CPU für das Performance-Cluster (Bild: Samsung)

Imposant sind die Veränderungen im Bereich GPU. Lieferant ist erneut ARM, statt der Mali-T880 ist nun die Mali-G71 verbaut. Der Generationenwechsel geht mit einer deutlichen Steigerung der Rechencluster einher: von der Ausbaustufe MP12 auf jetzt MP20. Im Gegenzug reduziert Samsung den Maximaltakt der GPU von 650 auf 546 MHz. Unterm Strich ist dennoch mit signifikant mehr Leistung zu rechnen.

Keine Kernabschaltung mehr

Wie sich die insgesamt acht CPU-Kerne im Betrieb verhalten, hat Samsung grundlegend gegenüber dem Galaxy S7 verändert. Im Exynos 8890 konnten zwei der Exynos M1 mit bis zu 2,6 GHz takten, sofern die anderen beiden Exynos-M1-Kerne nicht aktiv waren. Der Minimaltakt dieses schnelleren Exynos-M1-Pärchens lag bei 728 MHz. Waren hingegen alle vier Kerne aktiv, sank der gemeinsame Maximaltakt auf 2,288 GHz. Das zweite, langsamere Exynos-M1-Pärchen konnte sich als Besonderheit vollständig deaktivieren, was den Exynos 8890 in manchen Situationen zum Hexa-Core-Chip machte. Die vier Cortex-A53 des alten Chips liefen mit 442 MHz bis 1,586 GHz.

Der neue Exynos 9 ist immer ein Octa-Core-Chip, das Abschalten von zwei der vier Exynos M2 wird nicht mehr geboten. ComputerBase hat den Takt des neuen Chips in mehreren Situationen, darunter Leerlauf, Facebook, Chrome, 3DMark und YouTube, ausgewertet. Das Core-Management fällt im Vergleich zum Exynos 8890 deutlich simpler aus, da keine individuelle Taktung der Kerne mehr stattfindet. Die vier Cortex-A53 bewegen sich ebenso wie die vier Exynos M2 auf dem jeweils gleichen Niveau.

Der minimale Takt des nicht mehr abschaltbaren Exynos M2 beträgt 741 MHz, der Maximaltakt liegt bei 2,314 GHz. Das Cortex-A53-Quartett wird mit 455 MHz bis 1,69 GHz betrieben. Die Exynos M2 werden nach Möglichkeit aber nicht für den normalen Betrieb höher getaktet. Die erkennbaren Spitzen treten immer dann auf, wenn eine App geladen oder eine neue Seite im Browser angesteuert wird. Danach wird der Takt schnellstmöglich wieder reduziert, um Energie zu sparen. Ein YouTube-Video sorgt selbst in Full HD nur für geringe Last, wie im Diagramm ab circa Sekunde 250 zu erkennen ist. Der 3DMark ist das Segment zwischen Sekunde 100 und 230.

Sehr hohe Benchmark-Leistung

Die Leistung des Exynos 8895 liegt in den Benchmarks wie erwartet auf sehr hohem Niveau. In den CPU-Messungen per Geekbench 4.0 setzt sich der Chip in den Multi-Core-Messungen zusammen mit dem Qualcomm Snapdragon 835 an die Spitze. Beim Snapdragon 835 muss jedoch beachtet werden, dass dieser in einem Reference Device von Qualcomm (QRD) und nicht in einem finalen Endgerät getestet wurde. In der Single-Core-Leistung schneidet die Kryo-280-CPU leicht besser als der Exynos M2 ab, während Apples A9 und A10 weiterhin mit dominantem Abstand das Feld anführen.

Der PCMark von Futuremark liegt den Exynos-Chips nicht sonderlich gut, weshalb hier mit einer Leistung auf Niveau des Snapdragon 821 zu rechnen ist. Besser sieht es wiederum in den JavaScript-Messungen der Browser-Benchmarks aus. Samsung hat sich hier klar als Nummer zwei hinter Apple etabliert. Bedienung und Ladezeiten in Samsungs Browser sind auch im Alltag spürbar schneller als die Konkurrenz.

Die neue Mali-G71-GPU macht den im Vorfeld erwarteten klaren Sprung nach vorne, kann aber nicht der Konkurrenz entfliehen. Apple, Qualcomm und Samsung liegen jetzt gleichauf, allerdings ist der Chip von Apple bereits seit sieben Monaten auf dem Markt. Qualcomm erreicht erst jetzt mit der Adreno 540 und Samsung mit der Mali-G71 MP20 das Niveau von Apples iPhone 7 (Plus) (Test). Das schmälert die vorhandene Leistung zwar nicht, unterstreicht aber noch einmal den technologischen Vorsprung von Apple, der dank Custom-Design und vielen Chip-Optimierungen für wenige Geräte vorliegt.

Throttling noch im Rahmen

Wichtig ist aber nicht nur, dass die Leistung punktuell in einer Messung hoch ist, sondern dass ein Smartphone die Leistung auch bei längerer Nutzung wie zum Beispiel in Spielen abrufen kann. Das wird beim Ausführen eines grafisch anspruchsvollen Titels vorausgesetzt. Exemplarisch wird dafür wie bei früheren Smartphone-Tests der GFXBench Manhattan mit der API OpenGL ES 3.0 in einer Schleife von 20 Durchgängen ausgeführt. Das entspricht einer Spieldauer von 20 Minuten. Galaxy S8 und Galaxy S8+ verhalten sich trotz unterschiedlicher Gehäuseabmessungen gleich in puncto Takt, weshalb sie im Test nicht getrennt voneinander geführt werden.

FPS-Entwicklung GFXBench Manhattan 1080p Offscreen OpenGL ES 3.0
Samsung
Galaxy S8/S8+
OnePlus
3T
Huawei
Mate 9
Google
Pixel XL
Apple
iPhone 7 Plus
Samsung
Galaxy S7
Durchgang FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
FPS Delta
1. Durchgang
1 64 – 0,0 % 50 – 0,0 % 40 – 0,0 % 48 – 0,0 % 63 – 0,0 % 40 – 0,0 %
2 64 – 0,0 % 49 – 2,0 % 37 – 7,5 % 48 – 0,0 % 60 – 4,8 % 40 – 0,0 %
3 54 – 15,6 % 49 – 2,0 % 35 – 12,5 % 48 – 0,0 % 56 – 11,1 % 40 – 0,0 %
4 51 – 20,3 % 49 – 2,0 % 32 – 20,0 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 % 40 – 0,0 %
5 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 32 – 20,0 % 48 – 0,0 % 47 – 25,4 % 39 – 2,5 %
6 52 – 18,8 % 47 – 6,0 % 31 – 22,5 % 48 – 0,0 % 41 – 34,9 % 39 – 2,5 %
7 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 30 – 25,0 % 47 – 2,1 % 48 – 23,8 % 38 – 5,0 %
8 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 30 – 25,0 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 % 38 – 5,0 %
9 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 44 – 30,2 % 38 – 5,0 %
10 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 49 – 22,2 % 37 – 7,5 %
11 52 – 18,8 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 46 – 4,2 % 42 – 33,3 % 37 – 7,5 %
12 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 32 – 20,0 %
13 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 29 – 27,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 37 – 7,5 %
14 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 48 – 23,8 % 36 – 10,0 %
15 51 – 20,3 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 34 – 15,0 %
16 38 – 40,6 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 36 – 10,0 %
17 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 45 – 6,3 % 41 – 34,9 % 19 – 52,5 %
18 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 27 – 32,5 % 45 – 6,3 % 42 – 33,3 % 26 – 35,0 %
19 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 % 24 – 40,0 %
20 37 – 42,2 % 47 – 6,0 % 28 – 30,0 % 44 – 8,3 % 41 – 34,9 % 27 – 32,5 %

Das Galaxy S8 startet mit einer sehr hohen Leistung in die Dauerbelastung. Ab dem dritten Durchgang knickt die Leistung zunächst leicht um 15,6 Prozent ein. Im vierten Durchgang liegt das Minus bei bereits 20 Prozent. Obwohl schon nach wenigen Durchgängen messbares Throttling einsetzt, liegen die erreichten FPS dank der sehr hohen Ausgangsleistung nach wie vor auf gutem Niveau. Andere High-End-Geräte aus früheren Tests schaffen mit weniger Throttling keine besseren Ergebnisse. Für die nächsten neun Minuten hält das Galaxy S8 die Leistung bei 51 bis 52 FPS und damit über dem Niveau der Konkurrenz. Dann allerdings kommt es zu einem weiteren Leistungsabfall auf erst 38 und dann 37 FPS für den restlichen Verlauf des Tests.

Ähnlich war es auch bereits mit dem Galaxy S7 (edge) passiert, dessen Exynos 8890 zunächst so gut wie gar nicht, zum Ende hin aber deutlich gedrosselt wird. Besser machen es vor allem das OnePlus 3T (Test) und das Google Pixel XL (Test) – beide mit Snapdragon 821 ausgestattet. Hier liegt der Leistungsverlust bei maximal 6 bis 8 Prozent gegenüber dem ersten Durchgang. Ab dem 16. Durchgang übertreffen beide Smartphones das Galaxy S8, das zu Beginn des Tests noch deutlich schneller war.

64 GB schneller UFS-Speicher

Samsung verbaut im Galaxy S8 64 Gigabyte UFS-2.1-Speicher. Das ist eine Verdoppelung des internen Speichers gegenüber dem Vorjahr. Davon bleiben nach der Ersteinrichtung und allen Google-Play-Updates etwa 52,5 Gigabyte für den Nutzer frei – ein guter Wert. Samsung hält sich mit vorinstallierten Anwendungen zurück: Neben den von Google vorgeschriebenen Apps sind aus der Partnerschaft mit Microsoft die Office-Anwendungen Excel, PowerPoint, Word, Skype und OneDrive installiert. Samsung installiert von seinen eigenen Apps nur das absolute Minimum, selbst einen Musik-Player sucht man nach dem ersten Start vergebens, da Samsung aufgrund der vorinstallierten Google-Play-Musik-App darauf verzichtet. Über den App Store von Samsung lassen sich viele der bekannten Samsung-Apps aber nachträglich aufspielen.

Der interne Speicher arbeitet in vielen Situationen extrem schnell. Das lässt sich in Benchmarks wie Androbench feststellen, macht sich aber auch bei der normalen Nutzung im Alltag bemerkbar. App-Startzeiten sind sehr kurz, App-Installationen gehen schnell vonstatten und auch das Kopieren von und auf das Gerät verlangt wenig Wartezeit. Beim sequentiellen Lesen und Schreiben stellt Samsung mit rund 800 MB/s und 200 MB/s neue Spitzenwerte auf. Das wahlfreie Lesen liegt mit rund 130 MB/s ebenfalls auf sehr hohem Niveau – nur das Huawei P10 (Test) ist schneller. Beim wahlfreien Schreiben gibt es keine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr: Werte knapp über 15 MB/s erreichen viele günstigere Geräte ebenfalls. Das Spitzenfeld fängt erst bei 60 MB/s und mehr an. Samsung sieht hier wohl keinen besonderen Nutzen für den Anwender im Alltag. Tatsächlich sind wahlfreie Schreibvorgänge im Alltag nicht so relevant für ein schnelles Bediengefühl wie Lesevorgänge.

Die mit dem Galaxy S7 wieder eingeführte Option, den internen Speicher wahlweise per microSD-Karte zu erweitern, bleibt mit dem Galaxy S8 erhalten. Die Speicherkarte wird gemeinsam mit der Nano-SIM-Karte auf einem Schlitten am Kopfende des Smartphones eingeschoben. Der interne Cardreader des Galaxy S8 arbeitet schnell und kommt auf sequentielle Transferraten von 70 MB/s lesend und schreibend. Für den Test wurde eine für bis zu 275 MB/s (lesend) und 100 MB/s (schreibend) spezifizierte SanDisk Extreme Pro mit 64 Gigabyte Kapazität verwendet, die im Testgerät formatiert wird.

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