HTC U11 ausprobiert: Smartphone mit Rahmen zum Drücken 2/2

Nicolas La Rocco 100 Kommentare

5,5 Zoll und Snapdragon 835

Abgesehen von Edge Sense bietet das HTC U11 eine aktuelle Top-Ausstattung, die Anwender von einem neuen Flaggschiff erwarten können. Dazu zählt das 5,5 Zoll große S-LCD-5-Display mit IPS-Panel und 2.560 × 1.440 Bildpunkten. HTC bleibt dem 16:9-Format treu und sieht sich damit in puncto Displayfläche nicht gegenüber 18:9-Geräten wie dem Samsung Galaxy S8 (Test) oder LG G6 (Test) benachteiligt. In der Tat kann die Angabe in Zoll bei Displays mit einem anderen Format als 16:9 irreführend sein. Nichtsdestotrotz bleibt aber die Tatsache, dass Samsung und LG mehr Display mit dünneren Rändern auf die Vorderseite packen. Unterhalb des Displays sitzen bei HTC zwei kapazitive Tasten für die Android-Bedienung sowie zentral der Home-Button mit Fingerabdrucksensor. Auf Spielereien wie eine Iris-Erkennung verzichtet HTC.

Im U11 werkelt der neue Qualcomm Snapdragon 835 (Test) aus Samsungs 10-nm-Fertigung (10LPE), der acht CPU-Kerne des Typs Kryo 280 auf jeweils vier Kernen bis zu 2,45 und 1,9 GHz aufteilt und als GPU eine Adreno 540 bietet. HTC rüstet das U11 mit 4 GByte Arbeitsspeicher und 64 GByte UFS-Speicher aus – die Versionsnummer wird explizit nicht genannt. Im U11 kann laut HTC UFS 2.0 oder 2.1 stecken, aber auf keinen Fall noch eMMC. Der interne Speicher lässt sich über eine microSD-Karte mit bis zu 2 TByte Kapazität erweitern. Der Akku bietet weiterhin 3.000 mAh und lässt sich nicht entnehmen oder kabellos laden – Quick Charge 3 (nicht 4) wird aber unterstützt.

Kamera mit Always-on-HDR

Neu ist das Kameramodul, das anders als noch das U Ultra (Test aufgrund von Defekt abgebrochen) auf den Laser-Autofokus verzichtet und stattdessen einen sogenannten Dual-Pixel-Sensor verwendet. Wie beim Samsung Galaxy S7 (Test) oder Galaxy S8 steht hier jedem Pixel einer für den Autofokus per Phasenvergleich (PDAF) zur Verfügung. HTC spricht bei 1,4 Mikrometer großen Pixeln von einem UltraPixel-3-Sensor und stattet diesen mit einem optischen und elektronischen Bildstabilisator aus, die beide im Videomodus bis zur Maximalauflösung Ultra HD mit 30 FPS aktiv bleiben.

Sofern es nicht explizit vom Anwender deaktiviert wird, arbeitet die Kamera immer im HDR-Modus, der parallel zum Start der Kamera aktiviert wird und fortlaufend drei Aufnahmen im Zwischenspeicher hält, um beim Auslösen ohne Verzögerung ein aus drei Aufnahmen generiertes HDR-Foto auf dem internen Speicher abzulegen. HTC nennt die Funktion HDR Boost, sie ist vergleichbar mit dem HDR-Modus des Google Pixel (XL) (Test). HTC verspricht Aufnahmen mit größerem Dynamikumfang, weniger Rauschen, besseren Farben und einem höheren Detailgrad. HTC erwartet einen DxOMark-Wert, der über den 88 Punkten des HTC 10 liegt und somit für den ersten Platz genügt.

Kopfhörer mit Noise Cancellation

Weil das HTC U11 keine 3,5-mm-Klinke mehr besitzt, legt HTC dem Smartphone einen USB-Typ-C-Adapter mit integriertem DAC bei. HTC erklärt, dass klassische Kopfhörer nur mit diesem Adapter und nicht mit Zubehör von Drittanbietern funktionieren. Dem Smartphone liegen die vom U Play (Test) und U Ultra bekannten USonic-Kopfhörer bei, die den Gehörgang des Trägers vermessen und daraufhin den Klang anpassen. Nur in Verbindung mit dem U11 unterstützen die gleichen Kopfhörer jetzt optionale Active Noise Cancellation (ANC), sodass bei Musik und Video Umgebungsgeräusche unterdrückt werden. Beim Telefonieren kann ANC nicht verwendet werden.

Preis und Verfügbarkeit

HTC bringt das U11 ab dem 1. Juni zur unverbindlichen Preisempfehlung von 749 Euro auf den deutschen Markt. Zu den bereits von der U-Serie bekannten Farben Schwarz, Weiß und Blau gesellt sich ein neues Silber, das an flüssiges Metall im Stile des T-1000 aus „Terminator 2: Judgment Day“ erinnert. Beim ersten Ausprobieren war diese der vier Farben der klare Favorit. Sechs Wochen nach Marktstart folgt ein neues Rot.

Mit Vodafone hat HTC einen der drei großen Operator als Partner für das U11 gefunden. Der Mobilfunkanbieter wird das Smartphone zum Marktstart in Kombination mit seinen verschiedenen Red-Verträgen anbieten.

Im Einzelhandel wird es das U11 zudem erstmals regulär als Dual-SIM-Modell mit Hybrid-Schacht geben. HTC geht sogar soweit, das Dual-SIM-Modell als quasi einzige Variante für den freien Handel anzubieten. Zwar wird es hier und da auch die Single-SIM-Variante zu finden geben, das Dual-SIM-Modell soll im Einzelhandel aber deutlich häufiger anzutreffen sein.

Fazit

Das neue HTC U11 fühlt sich mehr nach 2017er Flaggschiff an als noch das U Ultra. Als HTC im Frühjahr das neue Phablet vorgestellt hatte, war die Verfügbarkeit des Qualcomm Snapdragon 835 bereits absehbar, sodass das U Ultra ein wenig den Eindruck eines neuen Topmodells mit altem Prozessor hinterließ.

Das U11 wirkt aber nicht nur runder, weil es mit neuem SoC ausgestattet ist, auch die Größe des Smartphones spielt eine wichtige Rolle. Mit 5,5-Zoll-Display und ohne den zweiten Bildschirm des U Ultra ist das U11 deutlich handlicher. Das Liquid-Surface-Design der U-Serie hat HTC verfeinert und das Gerät zudem mit einer mittlerweile üblichen IP67-Zertifizierung versehen, die bisherigen Smartphones von HTC fehlte.

Das HTC U11 ist ein gelungeneres Flaggschiff als das U Ultra
Das HTC U11 ist ein gelungeneres Flaggschiff als das U Ultra

Wie bereits im Artikel beschrieben ist Edge Sense keine Revolution der Smartphone-Bedienung, die die Fundamente der Branche erschüttert. Es handelt sich aber um eine im Alltag durchaus sinnvolle Ergänzung der Bedienung über den Bildschirm und die klassischen Tasten im Rahmen hinaus. Viele Funktionen des Smartphones lassen sich über Edge Sense schneller aufrufen. HTC sollte sorgfältig überlegen, welche Funktion in Zukunft noch mit Edge Sense abgewickelt werden können. Denn schnell könnte eine Überfrachtung mit Features auch zum gegenteiligen Effekt führen.

Die unverbindliche Preisempfehlung von 749 Euro passt besser zum U11 als noch zum U Ultra. Dass HTC mit Vodafone einen großen Operator als Partner für den Vertrieb des Smartphones gefunden hat, ist ein gutes Zeichen für die Taiwaner und zeigt, dass die Mobilfunkbranche HTC noch nicht aufgegeben hat. Operator sind ein wichtiger Vertriebskanal für Smartphone-Hersteller. Dass im Einzelhandel jetzt standardmäßig das Dual-SIM-Modell angeboten wird, ist ein Pluspunkt für Käufer ohne Vertragswunsch.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung in Form deaktivierter Werbeblocker oder eines Abonnements von ComputerBase Pro. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.