Prey im Test: An diesem Spiel kommt man nicht vorbei 2/2

Sasan Abdi 321 Kommentare

Spielwelt

All das ist in eine Spielwelt eingebettet, die genauso überzeugt wie die Story und das Gameplay. Löblicherweise setzt Arkane Talos I nicht als durchscriptete Aneinanderreihung von Schlauchleveln in Szene, sondern als aus unterschiedlichen Modulen bestehende, nahezu frei begehbare Welt. Zwar müssen die einzelnen großen Stationen bei jedem Wechsel neu geladen werden, in den großen Arealen kann sich Morgan dann aber ohne Barrieren bewegen.

Kurzer Ausflug in die Schwerelosigkeit
Kurzer Ausflug in die Schwerelosigkeit

Aus dem Ansatz ergibt sich, dass der Spieler die Vorgehensweise frei wählen kann. Verfolgen wir den Hauptstrang der Story in der Psychotronic-Abteilung? Oder widmen wir uns einer von mehreren Nebenmissionen im Wartungstrakt? Stattdessen kann Morgan aber auch einfach auf Streifzug durch die Station gehen oder sich in seinem relativ sicheren Büro aufhalten, um etwa zu craften. Sobald die Luftschleusen der einzelnen Stationen geöffnet wurden, können wir zudem auch die äußere Umgebung erkunden und mittels kurzer Weltraumspaziergänge den Standort ändern.

Gut gefällt auch, dass die vergleichsweise großzügigen Räume zugunsten des Gameplays genutzt werden. So bieten sich auf Talos I immer wieder unterschiedliche Wege zum Ziel, die mit den möglichen Spielstilen korrespondieren. Die direkte Route ist dabei meist mit vielen Gegnern gespickt. Stattdessen können wir uns aber auch alternative Zugänge verschaffen, indem wir Terminals hacken, Schrott zur Seite räumen oder aber einfach einen der vielen versteckten Schachte oder Gänge finden.

Eine Typhon-Spezies webt goldene Fäden
Eine Typhon-Spezies webt goldene Fäden

Die visuelle Umsetzung der Spielwelt irritiert auf den ersten Blick. Hier trifft die Optik von BioShock auf die von Dishonored, vermischt sich der Konzernchic der 1960er mit düsteren SciFi-Elementen. In den ersten Momenten mit Prey waren wir geneigt, hier billiges Recycling von altem Artwork zu sehen. Da die Ausgestaltung von Talos I aber Atmosphäre aufkommen lässt und der durchmischte Stil über die Story erklärt wird, sei es Arkane vergönnt, dass hier kein komplett neuer Ansatz verfolgt wird.

Technik

Technisch setzen die Entwickler für Prey nicht mehr wie beim fehleranfälligen Dishonored 2 auf die hauseigene Void-Engine, sondern auf eine stark abgewandelte Ausgabe der CryEngine. Das macht sich bemerkbar: Der Titel sieht gut aus, ohne eine Perle zu sein – und funktioniert gleich zum Verkaufsstart einwandfrei.

Nach dem schwachen Technik-Einstand von Dishonored 2 ist die saubere technische Umsetzung bei der Bewertung von Prey ein wichtiger Punkt. Trotz sehr hoher Systemanforderungen lief der Titel auf unserem Testsystem auf hohen Details und in einer Auflösung von 1.920 × 1.080 überwiegend stabil bei 60 Bildern pro Sekunde. Weiteren Aufschluss zur Performance liefert unser umfassender Technik-Check.

Kopier- & Jugendschutz

Prey funktioniert über Steam, sodass der Key über die Valve-Plattform aktiviert werden muss. Dazu ist einmalig eine Internetverbindung nötig; ein Wiederverkauf ist durch die Bindung an das Konto nicht möglich.

Jugendschutz: Die USK hat den Titel ab 16 Jahren freigegeben.

Fazit

Bei Dishonored 2 titelten wir noch: „Perfekt (bis auf die Technik)“. Mit Prey liefert Arkane nun einen Titel ab, der wirklich perfekt ist. Die Story trägt über die gesamte Spielzeit und regt Enthusiasten sogar zu einem zweiten Durchgang an; das Gameplay ist dank einer ausgeklügelten Charakterentwicklung und einem cleveren Leveldesign höchst abwechslungsreich; die Spielwelt punktet mit einem offenen, über viele Routen verfügenden Design; und selbst die Technik funktioniert dieses Mal vom Start weg einwandfrei.

Aus diesem Grund muss man schon sehr pingelig werden, um Kritik an Prey formulieren zu können. Das Artwork wirkt wie ein wilder Mix aus früheren Arkane-Titel – und überzeugt trotzdem. Etwas gravierender ist da, dass die Typhon seltsam steril gezeichnet sind, was dazu führt, dass echte Schockmomente in Prey trotz großzügig gesetzter Jump-Scares rar sind. Große Rollenspieler werden zudem möglicherweise monieren, dass Genre-Elemente wie das Crafting oberflächlich ausfallen.

Von einer eindeutigen Kaufempfehlung halten uns diese Punkte allerdings nicht ab. Wer auch nur entfernt etwas mit dem Genre und Setting anfangen kann, wird mit Prey sehr viel Spaß haben.

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