HTC U11 im Test: Ein gutes Smartphone braucht keine Gimmicks 2/2

Mahir Kulalic 109 Kommentare

Akkuladung für einen Tag

Trotz der üppigen Ausstattung fällt die Nennladung des Akkus mit 3.000 mAh vergleichsweise klein aus. Im Alltag überzeugt das U11 vor allen Dingen durch einen geringen Stand-By-Verbrauch und eine gute Laufzeit bei überschaubarer Belastung. Bei anhaltender Last sinkt die Prozentanzeige auffällig schneller. Vor Probleme wird der Nutzer durch den Akku im Alltag aber nicht gestellt, über einen Tag kommt das U11 problemlos, ein kompletter zweiter ist allerdings nur bei mäßiger Nutzung und viel Stand-By möglich. Zugrunde gelegt wurde dafür die Synchronisation von drei E-Mail-Konten, dauerhaft aktivertes WLAN, GPS und LTE sowie automatische Displayhelligkeit. Auch gängige Messenger und soziale Netzwerke wurden genutzt.

Die Erfahrungen aus dem Alltag lassen sich beim U11 auch auf die Messwerte übertragen, die im Vergleich zum letztjährigen HTC 10 alle einen Satz nach vorne machen, aber nicht an die neuen Topmodelle der Konkurrenten heranreichen. Trotzdem können die Werte von rund siebeneinhalb Stunden im PCMark sowie achteinhalb Stunden im YouTube-Test als solide bezeichnet werden.

Gigabit-LTE, keine Klinkenbuchse

3,5-mm-Klinke gibt es nur per Adapter
3,5-mm-Klinke gibt es nur per Adapter
Neben der SIM gibt es Platz für microSD
Neben der SIM gibt es Platz für microSD

Standesgemäß für ein Top-Smartphone ist auch das U11 mit allen aktuellen Übertragungsstandards ausgerüstet. So verfügt das Modell nicht nur über Gigabit-LTE, sondern auch über Bluetooth 4.2 LE, USB Typ C nach 3.1-Standard, optionales Dual-SIM bei der freien Variante sowie GPS, GLONASS, Galileo und Beidou zur Standortbestimmung. Worauf HTC hingegen wie bereits beim HTC 10 Evo, U Ultra und U Play verzichtet, ist die 3,5-mm-Klinkenbuchse. Kopfhörer können über USB Typ C oder den beiliegenden Adapter von Typ C auf Klinke angestöpselt werden.

Im Lieferumfang befindet sich ein subjektiv bewertet sehr hochwertiges Headset für den Typ-C-Anschluss, das aktive Geräuschunterdrückung bietet und den Gehörgang des Nutzers für eine optimierte Wiedergabequalität ausmessen kann. Mit anderen Smartphones mit Typ C ist das Headset aber nicht kompatibel.

Probleme mit GPS

Als Begleiter im Alltag zeigte sich das U11 souverän, weder bei Telefonie noch bei der Internetnutzung kam es zu Problemen. Was hingegen vereinzelt nicht sauber funktionierte, war die Standortbestimmung. Obwohl das Testmodell bei Google Maps im Modus für höchste Genauigkeit agierte, kam es wenige Male zu Problemen bei der Standortbestimmung, auch nach längerer Zeit. Es half erst ein Neustart der Navigation oder von Google Maps. Auch in der Umgebung von vielen Gebäuden zeigte sich das GPS-Modul teilweise unpräzise auf den ersten Metern.

Fazit: Zurück in der Spur

Mit dem U11 ist HTC ein sehr gutes Gesamtpaket gelungen, das sich nicht hinter der Konkurrenz verstecken braucht und den Hersteller wieder zurück in die Spur führt. Verarbeitung und Materialanmutung sind auf höchstem Niveau, gleiches gilt für die Leistung. Auch bei der Kamera überzeugt HTCs neues Topmodell. Hinzu kommen die leichtfüßige Software sowie das sehr gute Display. Der Akku kann zwar im Vergleich zur Konkurrenz nicht mithalten, ist aber kein klarer Schwachpunkt.

Das U11 überzeugt mit grundlegenden Merkmalen

Was beim Gesamtpaket dabei in den Hintergrund gerät, ist die vermeintliche Innovation Edge Sense. Der druckempfindliche Rahmen ist im Alltag nicht mehr als ein Gimmick; und auch die kommenden Funktionen, die HTC angekündigt hat, ändern nach Meinung der Redaktion nichts am diesem Status. Doch was dieser Punkt auch zeigt: Ein gutes Smartphone braucht keine Gimmicks. Das U11 ist ein sehr gutes Smartphone, das auch komplett ohne Edge Sense funktioniert und aufgeht. Es überzeugt mit grundlegenden Merkmalen wie Display, Kamera und Verarbeitung. Dies spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen wider, die laut HTC besser sind als die von U Ultra und 10. Das U11 ist qualitativ das Smartphone, das für HTC wieder für Erfolge im Smartphone-Sektor sorgen kann. Was einer uneingeschränkten Kaufempfehlung im Weg steht sind nur die ausbaufähigen Akkulaufzeiten, wenngleich diese nicht schlecht sind. Grundsätzlich erhalten Käufer mit dem U11 aber ein rundum sehr gut aufgestelltes Paket.

Das U11 überzeugt im Test
Das U11 überzeugt im Test

Blick auf die Konkurrenz

Ein Knackpunkt für eine große Verbreitung wird trotzdem der späte Marktstart zusammen mit der hohen Preisempfehlung von 749 Euro sein. Die Konkurrenz, insbesondere das Galaxy S8(+), ist bereits seit Längerem im Handel und entsprechend schon im Preis gesunken. Mit rund 630 Euro bei großen Anbietern ist das Galaxy S8 je nach Händler zwischen 50 und 90 Euro günstiger als das U11 und bietet nicht nur die längere Akkulaufzeit, sondern auch ein moderneres Design mit schmalen Rändern und kompakter Bauform. Viele Käufer werden auch Wert auf die Klinkenbuchse legen, die dem U11 fehlt.

Eine weitere Alternative stellt das LG G6 dar, das zwar bei der reinen Leistungsfähigkeit aufgrund des Snapdragon 821 nicht mithalten kann, dafür aber ebenfalls ein fast rahmenloses Design bietet und vor allem preislich attraktiv ist: Unter 500 Euro kostet LGs Topmodell bereits. Auch hier erhalten Nutzer eine Klinkenbuchse sowie einen größeren Akku, dafür aber betagtere Hardware und eine etwas schwächere Kamera.

HTC U11
Produktgruppe Smartphones, 26.07.2017
  • Display
    ++
  • Leistung Produktiv
    ++
  • Leistung Unterhaltung
    ++
  • Laufzeit
    O
  • Verarbeitung
    ++
  • sehr gutes Display
  • sehr gute Verarbeitung
  • hohe Leistung
  • schneller Fingerabdrucksensor
  • USB 3.1 Typ C
  • gute Kamera
  • aktuelles Android
  • Speicher erweiterbar
  • Stereo-Lautsprecher
  • IP67 gegen Wasser und Staub
  • optionales Dual-SIM
  • Kleine GPS-Probleme
  • Viele Assistenten und Apps, die nicht deinstallierbar sind

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