AMD Ryzen Threadripper im Test: 1950X und 1920X im Duell mit Core X 8/8

Volker Rißka et al. 757 Kommentare

Fazit

AMD Ryzen Threadripper ist ein echtes Monster. Nie zuvor gab es eine höhere Leistung in Anwendungen für den heimischen PC-Nutzer zu diesem Preis, der vergleichbar teure Intel Core i9-7900X wird vom Ryzen Threadripper 1950X in Anwendungen im Schnitt geschlagen. Die dafür benötigte elektrische Leistung ist auch bei AMD sehr hoch, liegt mit Core X aber auf einem Niveau; und die TDP findet sich in diesem Fall auch in den Messwerten wieder. Ein weiterer positiver Aspekt an Tag 1: Die gesamte Plattform macht gleich zu Beginn einen insgesamt viel stabileren und ausgereiften Eindruck als Ryzen zum Start im März. Das größte Problem sind in dem Fall die Kühler.

Auch der doppelte Ryzen liebt Anwendungen

Anwendungen sind erwartungsgemäß die Stärke der neuen CPUs, sie können am besten mit vielen Threads und hohem Takt umgehen und zeigten sich schon bei Ryzen von der neuen Architektur mehr angetan als Spiele. Bis zu 41 Prozent (Cinebench) oder gar 60 Prozent (TrueCrypt) Vorsprung vor dem preisgleichen Intel Core i9-7900X (Test) mit 10C/20T sind möglich, die Umwandlung eines Videos mit H.265-Codec dauert bis zu 35 Prozent länger auf der CPU von Intel. Weniger breit aufgestellte Software mit Last auf wenigen/weniger Kernen steht auch Ryzen Threadripper etwas weniger gut, die absolute Leistung fällt mit niedrigerer IPC und weniger Takt hier oft hinter Skylake und Kaby Lake zurück. Zum Teil hilft allerdings der mit 200 MHz sehr hohe XFR-Turbo-Takt, der auf maximal vier Kernen gleichzeitig anliegen kann. Damit die CPU kühl genug ist, bedient sich AMD erneut eines Temperatur-Offsets, das jetzt 27 und nicht mehr 20 °C beträgt.

AMD Ryzen Threadripper 1950X und 1920X im Test
AMD Ryzen Threadripper 1950X und 1920X im Test

In Spielen ein Ryzen 7 – teilweise mit Game-Modus

In Spielen pendelt sich das 16-Kern-Flaggschiff im Durchschnitt auf dem Niveau des Ryzen 7 1800X ein, der 1920X zieht mit dem Ryzen 5 1600X gleich – vorausgesetzt, dass der Speicher im NUMA-Modus betrieben wird. Nicht gefeit sind Anwender auch dann allerdings vor Problemen, die „zu viele Threads“ in wenigen Spielen bereiten. Für diesen Fall hat AMD den Legacy Compatibility Mode geschaffen, der neben dem Wechsel von UMA auf NUMA auch das Abschalten der Hälfte der Kerne bewirkt – direkt über AMD Ryzen Master aus Windows heraus. Nach zahlreichen Updates über die letzten Tage funktioniert das mittlerweile auch zuverlässig. Weil weder NUMA noch der Rückfall auf das Ryzen-Kern-Niveau allerdings ein Allheilmittel sind, müssen Anwender im Zweifel allerdings selbst herausfinden, wann welche Einstellung von Vorteil und wann sie von Nachteil ist. Im Test gab es allerdings nur einmal ein echtes Problem: Mit dem 1950X in F1 2016.

In ihrem Bereich die derzeit beste CPU

Für wen ist Ryzen Threadripper die richtige Wahl? Wird der Alltag mit extrem parallelisierten Anwendungen wie Rendering-Software oder ausgewählten Programmen zur Videobearbeitung bestritten, die von vielen Kernen profitieren, und soll die Leistung maximiert werden, ist Threadripper aktuell die beste Alternative am Markt. Sie ist damit auch eine Alternative zu vielen kleinen Intel-Xeon- oder AMD-Epyc-Server-Systemen in Produktivumgebungen – die kosten in der Regel deutlich mehr. Aber auch wenn Wert auf sehr viele Anschlüsse und PCIe-Lösungen gelegt wird und beispielsweise mehr als sechs schnelle Massenspeicher zum Einsatz kommen sollen, ist die Plattform von AMD heute die beste. Spieler hingegen finden bei Ryzen aktuell dasselbe Niveau ohne die besprochenen Probleme zum deutlich geringeren Preis, die Vorzüge der X399-Plattform gibt es für AM4 aber nicht. Und wer AVX 512 einsetzt, dem bleibt nur der Griff zur Konkurrenz.

Mit den Core-X-CPUs mit 12 bis 18 Kernen dürfte Intel die Leistungskrone zwar auch abseits dieser Befehlssätze in Kürze erneut an sich reißen, die angekündigten Preise liegen allerdings über dem Niveau von AMD.

Nach elf Jahren wieder ein FX

Was AMD mit Ryzen Threadripper und dessen Plattform als Bindeglied zwischen Ryzen und Epyc geschaffen hat, ist am Ende nicht weniger als beachtlich. Der Zusatz „FX“ stünde diesen Prozessoren elf Jahre nach dem 1.031 US-Dollar teuren Athlon 64 FX-62 erstmals wieder perfekt. Denn der war der letzte Prozessor von AMD, der Anfang 2006 an der Spitze eines Desktop-CPU-Vergleiches stand.

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