Huawei Nova 2 im Test: Kompakt mit Dual-Kamera und 20-Megapixel-Selfies 2/3

Nicolas La Rocco 28 Kommentare

Neue Dual-Kamera mit Zoom

Die größte Veränderung an der Kamera ist, dass davon jetzt zwei zum Einsatz kommen. Neben der Hauptkamera mit 12 Megapixel mit f/1.8-Blende ist ein zweites Objektiv verbaut, das als Tele mit fester Brennweite fungiert. Auf der zweiten Linse bietet Huawei 8 Megapixel mit etwas schwächerer f/2.4-Blende. Die zweite Kamera kann zum einen für einen zweifachen Zoom, aber auch für eine Tiefenunschärfe (Bokeh) verwendet werden, die eine Blende zwischen f/0.95 und f/16 simuliert. An einem sonnigen Tag wie zum Zeitpunkt der Testaufnahmen lassen sich gute Fotos mit dem Nova 2 schießen, die plastisch wirken, eine gute Farbabstimmung haben und mit Schärfe punkten. Bei Innenaufnahmen mit der schwächeren Blende wird Rauschen allerdings relativ früh sichtbar. Für den Außeneinsatz ist der Zoom deswegen besser geeignet.

Simulierte Blende f/16
Simulierte Blende f/16
Simulierte Blende f/0.95
Simulierte Blende f/0.95

Die Bilder 12 und 13 zeigen die Verwendung des Porträtmodus' für eine Tiefenunschärfe mit der Anfangsblende f/1.8 und simulierter Blende f/4.0. Dabei zeigt sich ein unschöner Schleiereffekt, den das Nova 2 um das Objekt legt. Das Bild ist nicht verschwommen, erscheint aber leicht nebelig. Dieses Verhalten zeigt leider auch die Selfie-Kamera.

Selfies mit 20 Megapixel

Selfie-Superstar nennt Huawei das Nova 2 in seinem Marketingmaterial. Gerechtfertigt wird dies über die ungewöhnlich hohe Auflösung von 20 Megapixel für die Selfie-Kamera. Der Vorgänger arbeitete noch mit 8 Megapixel und musste ohne Display-Blitz auskommen. Auch die Selfie-Kamera bietet einen Porträtmodus und eine Beauty-Funktion, die Hautporen verschwinden und die Haut wie Porzellan aussehen lässt.

Die erste Aufnahme nutzt nur den Porträtmodus, auf dem zweiten Bild wurde zudem der Beauty-Modus auf hoher Stufe zugeschaltet. Die Bilder drei und vier kommen hingegen ohne Effekte aus. Für die letzte Aufnahme bei widrigen Lichtbedingungen wurde die Beauty-Funktion wieder aktiviert. Hier versucht das Nova 2 einen Mittelweg zwischen sehr hellem Hintergrund und unbeleuchteter Person zu finden, was nur eingeschränkt klappt. Bei Sonnenlicht und ohne Zusatzeffekte ist die Qualität der Kamera hingegen gut, Details wie die Tragegurte des Rucksacks zeigen viel Schärfe. Der Beauty-Modus ist auf den unteren Stufen empfehlenswert, ansonsten wirkt das Gesicht zu künstlich. Der Porträtmodus gelingt mit wechselndem Erfolg, wie die teilweise falsche Maskierung des Vordergrunds zeigt. Die zweite Aufnahme ist ein gutes Beispiel für dieses Verhalten.

Für Videoaufnahmen sei noch angemerkt, dass Huawei die 4K-Funktion des ersten Nova wieder gestrichen hat. Das vor einem Jahr noch stark beworbene Feature musste allerdings nicht grundlos weichen. Aufgrund des SoC-Wechsels von Qualcomm zu HiSilicon wird das Format nicht mehr unterstützt. Der Kirin 659 schafft maximal Full HD.

Kirin-SoC und Laufzeiten

Huawei hat sich für das Nova 2 von Qualcomm als Lieferant für das System-on-a-Chip abgewandt und verbaut stattdessen eigene Technologie aus dem Hause HiSilicon. Der Kirin 659 bietet wie der Snapdragon 625 insgesamt acht Cortex-A53-Kerne von ARM, teilt diese aber anders auf. Anstatt alle Kerne mit bis zu 2,0 GHz zu takten, verteilt HiSilicon die CPU-Kerne auf zwei Cluster, die mit bis zu 2,36 GHz und bis zu 1,7 GHz takten dürfen. Bei der Grafikeinheit wurde die Adreno 506, die Qualcomm keinen anderen SoC-Herstellern anbietet, gegen die Mali-T830 MP2 von ARM getauscht.

HiSilicon ist wie Qualcomm ein sogenannter Fabless-Hersteller, der keine eigene Fab besitzt und somit für die Fertigung auf andere Unternehmen angewiesen ist, anders als zum Beispiel Samsung oder Intel. Bei HiSilicon übernimmt TSMC die Fertigung in 16 nm, während Qualcomms Snapdragon 625 aus dem ersten Nova bei Samsung in 14 nm vom Band läuft.

Gegenüber dem ersten Nova hat Huawei auch Veränderungen am Speicher durchgeführt. Der Arbeitsspeicher wurde von 3 auf 4 Gigabyte aufgestockt, der interne Speicher sogar von 32 auf 64 Gigabyte verdoppelt. Nach wie vor lässt sich dieser per microSD-Speicherkarte erweitern, dann lässt sich wie schon zuvor aber nicht mehr die Dual-SIM-Funktion nutzen, weil der zusätzliche Steckplatz im SIM-Fach nur für die eine oder andere Karte verwendet werden kann.

Rein von den ermittelten Leistungswerten her ist der Wechsel von Qualcomm zu HiSilicon im CPU-Bereich weder von Vorteil noch Nachteil. Im Geekbench schneidet der Kirin 659 afgrund des höheren Takts etwas besser ab, in den Browser-Benchmark liegt hingegen das erste Nova vorne. HiSilicon bietet keine Zwischenlösung im Stile eines Snapdragon 650 an, der immerhin zwei Cortex-A72 mit den Cortex-A53 paart. Für das Nova 2, das sich hinter dem Mate 9 und P10 einsortiert, würde sich solch ein SoC eigentlich anbieten. Stattdessen gibt es aber entweder nur Cortex-A53 oder gleich die deutlich teureren High-End-Octa-Core-SoCs mit vier Cortex-A72 und vier Cortex-A53.

Abgesehen vom Flaggschiff Kirin 960 verbaut HiSilicon durch die Bank auch nur vergleichsweise schwache Mali-GPUs von ARM. Anders als in den CPU-Benchmarks ist die Mali-T830 MP2 der Adreno 506 in allen Messungen unterlegen. Der Vorsprung des ersten Nova mit Qualcomm-SoC liegt in den Grafik-Benchmarks bei 14 bis 35 Prozent.

Im Alltagsgebrauch fühlt sich das Nova 2 nicht schneller, aber auch nicht langsamer als das erste Nova an. Und Casual Games schafft auch die schwache Mali-T830 MP2 noch ohne Probleme. Das eine Gigabyte mehr RAM macht sich im Alltag nicht bemerkbar, es ist aber gut zu wissen, dass es da ist. Von dem verdoppelten internen Speicher haben Nutzer im Alltag mehr. Die Dual-SIM-Funktion kann damit tatsächlich genutzt werden.

Auch bei den Akkulaufzeiten macht sich der Wechsel des SoC-Anbieters bemerkbar. Den Akku selbst hat Huawei hingegen kaum verändert, wenngleich unterm Strich dennoch eine minimale Verschlechterung von 2.950 zu 3.020 mAh steht.

Geladen wird mittels USB 2.0 und Typ-C-Anschluss
Geladen wird mittels USB 2.0 und Typ-C-Anschluss

In Verbindung mit dem Qualcomm-SoC erzielt das Nova 2 im PCMark 1.1 eine Laufzeit von 8:13 Stunden. Das erste Nova kommt allerdings noch auf 9:15 Stunden, hält also gut eine Stunde oder 13 Prozent länger durch. Der PCMark für Android hat den großen Vorteil, echte Android-APIs für die Durchführung der Benchmarks in den Bereichen Browsing, Videowiedergabe, Textverarbeitung und Bildverarbeitung zu verwenden, um ein realistisches Szenario bei durchgehender Nutzung zu zeichnen. Rein auf das WLAN-Streaming von YouTube in 720p-Qualität beschränkt setzt sich das neue Nova 2 gut 35 Minuten oder sieben Prozent von seinem Vorgänger ab. Am gesamten Feld gemessen sind die Laufzeiten des Nova 2 noch als gut zu bezeichnen.

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