SFX-L-Netzteile im Test: be quiet! und FSP mit Alternativen zur Referenz 3/5

Nico Schleippmann 35 Kommentare

Testergebnisse

Für die Netzteile kamen während der Tests folgende selbstkalkulierten Lasten zum Einsatz. Die prozentualen Auslastungen stellen dabei die Lastverteilung nach, wie sie die 80Plus-Organisation verwendet. Die festen Lasten sollen typische Lastverteilungen aktueller Hardware-Konfigurationen nachstellen.

Die im Test verwendeten Lasten im Detail

Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können anhand der Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden.

Effizienz

Beide Netzteile sind nach 80Plus Gold zertifiziert. Dass daraus aber nicht auf einen identischen Wirkungsgrad geschlossen werden kann, zeigt die Messung mit einer Eingangsspannung von 115 Volt. FSP schafft es gerade so, die Anforderungen zu erfüllen, wobei bei Halblast nur unter Berücksichtigung der Messtoleranzen ein Bestehen nachgewiesen werden kann. Das be quiet! SFX L Power 500W ist in diesem Test effizienter und kommt bei einer Last von 20 Prozent sogar nahe an 80Plus Platinum heran.

Mit einer Eingangsspannung von 230 Volt und einer prozentualen Auslastung nach 80Plus verringern sich die Abstände zwischen beiden Netzteilen etwas. Etwas mehr als ein halbes Prozent verbleibt dem SFX L Power 500W als Vorsprung.

Corsair vor be quiet! und FSP

Anders sieht es mit den festen Lasten aus, mit denen die Netzteile eins zu eins verglichen werden können. Hier kann sich das SFX L Power 500W rund einen Prozentpunkt vom Dagger 600W absetzen. Besser ist nur das Corsair SF450, das einen Wirkungsgrad von bis zu 93,5 Prozent erreicht, wohingegen für das SFX L Power bei 92,6 Prozent Schluss ist.

Leistungsfaktorkorrektur (PFC)

Ein hoher Leistungsfaktor bedeutet eine geringe Aufnahme von Blindleistung, für die ansonsten der Stromanbieter ohne Gegenleistung bezahlen müsste. be quiet! und FSP haben hierbei vorbildlich auf eine korrekte Implementierung der PFC geachtet.

Spannungsregulation

Die Spannungsregelung funktioniert bei beiden Netzteilen gut. Zwar werden keine Spitzenwerte, wie sie Oberklasse-Netzteile abliefern, erreicht, trotzdem befindet sich die Ausgangsspannung weit innerhalb der Spezifikation.

Eine gleichmäßige, prozentuale Auslastung der Spannungsschienen offenbart einen stärkeren Abfall auf der 3,3-Volt-Schiene des FSP Dagger 600W. Im Szenario mit festen Lasten ist die Spannung auf dieser Schiene hingegen nahezu konstant, da diese weniger stark ausgelastet wird.

Restwelligkeit

Das Dagger 600W hat ein Problem mit der Filterung der Restwelligkeit auf den Minor-Rails. Dabei übersteigt es insbesondere die Grenzwerte für die 3,3-Volt-Schiene. Aber auch für die 5-Volt-Schiene kann mit 51 mV bei Volllast eine kritische Restwelligkeit gemessen werden.

Mit den festen Lasten verfestigt sich dieser Eindruck, weil bei einer Auslastung von 550 Watt erneut Werte außerhalb des Toleranzbandes festgestellt werden. Dem SFX L Power 500W bereitet die Filterung andererseits keine Schwierigkeiten.

Schutzschaltungen

Der Überstromschutz (OCP) funktioniert bei be quiet! und FSP korrekt, auch wenn auf eine separate Absicherung der 12-Volt-Schiene verzichtet und die Zuhilfenahme des Überlastschutzes (OPP) bewilligt wurde.

be quiet! SFX L Power 500W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 30 A
5 V OCP 20 A 35 A
12 V OCP 41,7 A 58 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 500 W 680 W
OTP 85 °C (Synchrongleichrichter-MOSFET-Kühlkörper)
FSP Dagger 600W
Sicherung Nennstrom / Nennleistung Auslösepunkt der Schutzschaltung
3,3 V OCP 20 A 32 A
5 V OCP 15 A 28 A
12 V OCP 50 A 62 A (Abschaltung bedingt durch OPP)
OPP 600 W 740 W
OTP 75 °C (in Luft auf Sekundärseite)

Die Kurzschlusssicherung (SCP) wird anhand zweier Messmethoden überprüft. Zum einen wird ein niederohmiger Kurzschluss auf den zusammengelegten Leitungen einer Spannungsschiene und zum anderen auf einem SATA-Stecker eingefügt. Keines der Netzteile leistet sich in diesem Test eine Schwäche.

Des Weiteren wurde ein Überhitzungsschutz (OTP) implementiert, der bei Temperaturen von 85 und 75 °C für das SFX L Power 500W und Dagger 600W schon früh eingreift. Der niedrige Schwellwert des Dagger 600W lässt sich mit der Positionierung des Temperaturfühlers erklären, der thermisch lediglich über die Luft gekoppelt ist und daher nur einen kleineren Temperaturanstieg erfährt, was zudem eine verzögerte Erfassung von Temperaturänderungen der Bauteile bedeutet.

Wärmekammer

Die Netzteile sind bis Umgebungstemperaturen von 40 °C für das SFX L Power 500W und 50 °C für das Dagger 600W spezifiziert, die die Netzteile mit einer vernünftigen Lebenserwartung abkönnen sollen. Solch hohe Temperaturen gehen mit einer höheren Drehzahl einher. Aber auch die Verluste steigen an, weshalb die Belastung für das Netzteil gleich doppelt anwächst. Die folgenden Messungen wurden mit anderem Mess-Equipment und abweichender Lastverteilung bei einer Umgebungstemperatur von 50 °C und Volllast durchgeführt.

Für die Ausgangsspannungen und die Restwelligkeit bleibt der Eindruck von den Messungen mit gemäßigten Temperaturen erhalten.

Ausgangsspannungen SFX L Power 500W Dagger 600W
12 V 12,17 V 12,13 V
5 V 5,04 V 4,90 V
3,3 V 3,32 V 3,28 V
5 VSB 4,98 V 4,95 V
‑12 V ‑11,76 V ‑12,16 V

Das Dagger 600W muss den Lüfter auf seine maximale Drehzahl von 4.070 UPM für eine ausreichende Kühlung beschleunigen. Das SFX L Power 500W muss ebenso die Maximaldrehzahl anwenden, bleibt aber mit 1.780 UPM geruhsamer, was im Vergleich zu den Umgebungstemperaturen der Lautstärkemessung einem Drehzahlanstieg von nur einem Viertel entspricht.

Stützzeit & ErP

Gerade für günstige Netzteile wird gerne am Stützkondensator gespart, weil ein ordnungsgemäßer Betrieb in einem stabilen Niederspannungsnetz wie dem deutschen auch für geringere Stützzeiten sichergestellt werden kann. FSP hat möglicherweise aus Platzmangel die Vorgaben nicht erfüllen können. be quiet! wiederum kann mit 17,2 ms die Anforderungen klar einhalten.

16 Einträge
Stützzeit
Angaben in Millisekunden
  • AC_loss bis PWR_OK-Ende:
    • Zalman ZM500-TX
      6,5
    • FSP Dagger 600W
      10,5
    • Cougar VTX 450W
      14,0
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      14,8
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      15,2
    • Minimum
      16,0
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      16,0
    • EVGA G3 550W
      16,8
    • be quiet! SFX L Power 500W
      17,2
    • Aerocool P7-650W
      19,7
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      20,1
  • PWR_OK-Ende bis DC_loss:
    • Minimum
      1,0
    • EVGA G3 550W
      2,0
    • Aerocool P7-650W
      2,1
    • Super Flower Leadex II Gold 650W
      2,7
    • Cooler Master MasterWatt Lite 500W
      3,8
    • XFX XT500 (zweite Revision)
      3,9
    • be quiet! SFX L Power 500W
      4,6
    • Sea Sonic Prime Gold 650W
      4,6
    • Zalman ZM500-TX
      5,1
    • FSP Dagger 600W
      5,3
    • Cougar VTX 450W
      7,1

Aber nicht nur die Stützzeit selbst ist ein relevantes Messergebnis, sondern auch der Zeitpunkt, wenn das Netzteil das PWR_OK-Signal fallen lässt, bevor die Spezifikationen der Spannungsschienen verlassen werden (DC_loss). Diese Zeit soll mindestens 1 ms betragen, wobei eine möglichst kurze Zeitspanne bevorzugt wird, weil dadurch die Stützzeit verlängert werden kann. An dieser Stelle verrichten beide Probanden den Dienst wie gefordert.

ErP Lot 6 2013 SFX L Power 500W Dagger 600W
Keine Last 0,18 0,23
45 mA auf 5 VSB 0,48 0,53
Maximum 0,50
Aufgenommene Leistung in Watt

Die Standby-Leistungsaufnahme darf 0,5 Watt bei einer sehr geringen Auslastung von 45 mA nicht übersteigen. Beide Testkandidaten erfüllen die Anforderungen unter Berücksichtigung der Messtoleranzen knapp.

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