Linux-Notebooks im Test: Tuxedo InfinityBook Pro 13 im Alltag 3/4

Ferdinand Thommes 47 Kommentare

Arbeiten mit dem InfinityBook

Das Tuxedo InfinityBook Pro 13 wurde eine Woche durchgehend im Arbeitsalltag genutzt. Das Arbeitspensum umfasste viel Schreibarbeit, etwas Bildbearbeitung und das Bauen einiger Kernel. Vorab sei angemerkt, dass das Notebook sowohl optisch als auch haptisch einen guten Eindruck hinterlässt. Das Einzige, was am edlen Gehäuse stört, ist seine magnetische Anziehungskraft für Fingerabdrücke, weshalb Tuxedo auch ein Reinigungstuch beilegt. Ansonsten ist die Verarbeitung gut, die Spaltmaße beim Testexemplar waren akkurat.

Xubuntu und Siduction

Das für ComputerBase zusammengestellte InfinityBook verfügte über 8 GByte Hauptspeicher, eine 500 GByte fassende Festplatte sowie eine 250 GByte große Samsung 960 EVO (NVMe-SSD), die über PCIe angesteuert wird. Für WLAN und Bluetooth war die Option Intel Dual AC 8265 verbaut. Das InfinityBook kostet in der Grundkonfiguration 1.049 Euro, die getestete Zusammenstellung schlägt mit 1.204 Euro zu Buche. Als Betriebssystem kam das im Hause Tuxedo angepasste Betriebssystem Tuxedo Xubuntu 16.04 LTS 64 Bit zum Einsatz. Im Laufe des Tests wurde als Alternative auch mit dem Debian-Derivat Siduction sowie mit Void Linux gearbeitet.

Akku hält fünf bis sieben Stunden

Was die Laufzeit des Akkus anbelangt, so stimmen die im Test gemachten Erfahrungen mit denen von Tuxedo überein. Mit ausgeschaltetem WLAN und niedrigster Bildschirmhelligkeit hielt das InfinityBook mit Tuxedo Xubuntu rund 12,5 Stunden durch. Praxisbezogen hielt beim Arbeiten der Akku zwischen fünf und sechs Stunden. Da hauptsächlich bei Tageslicht mit dem Gerät gearbeitet wurde, war die Tastaturbeleuchtung aus und die Bildschirmhelligkeit im unteren bis mittleren Bereich. WLAN war eingeschaltet, Bluetooth blieb hingegen aus. Der Bildschirm bietet gleichmäßig gute Helligkeit und Kontrast.

Nach Aktualisierung auf Kernel 4.11 bei Xubuntu beziehungsweise 4.12 bei Siduction hält der Akku um über eine Stunde länger durch. Möglich wird dies durch Verbesserungen bei der Laufzeit in den letzten beiden Kernel-Versionen. So führte Kernel 4.11 die Stromspartechnik APST („Autonomous Power State Transitions“) bei NVME-Geräten ein, die die SSDs häufiger schlafen legt und somit im Leerlauf 20 – 30 Prozent weniger Leistungsaufnahme zeigt. Der Intel-i915-Treiber aktiviert bei aktuellen Intel-GPUs jetzt automatisch Framebuffer-Compression (FBC), was ebenfalls den Akku schont.

Tastatur auch für Vielschreiber

Positiv zu erwähnen ist die Tastatur des Notebooks. Auch Vielschreiber gewöhnen sich schnell daran, der Anschlag ist bei relativ geringem Hub trotzdem präzise genug. Die Hintergrundbeleuchtung der Tastatur lässt sich in fünf Stufen regeln. Seine Zuneigung zu Linux belegt Tuxedo auch mit dem Linux-Maskottchen Tux auf der Windows-Taste. Das ist zwar nur ein optisches, aber trotzdem liebenswertes Gimmick, das aber längst nicht bei allen selbsternannten Linux-Notebooks vorzufinden ist. Das Multi-Touchpad misst 90 × 63 mm, die durchgehende Taste belegt in der Höhe davon 9 mm. Das Touchpad lässt gegenüber der Tastatur etwas nach, Griffigkeit und Präzision ließen etwas zu wünschen übrig.

Guter Kopfhörer-Klang

Der Sound aus den auf der Unterseite verbauten Lautsprechern mit 2 × 2 Watt ist unspektakulär und bestenfalls zur Hintergrundberieselung geeignet. Beim Einsatz von guten Kopfhörern wie den von im Test verwendeten JBL Synchros S570 zeigte der High-Definition-Audio-Chip von Realtek guten Klang. Satte Bässe, klare Höhen, denen lediglich der etwas unterrepräsentierte Mittenbereich entgegenstand, wussten zu gefallen. Trotz der Mittenschwäche waren auch Sprachaufnahmen über einen längeren Zeitraum entspannt zu genießen.

Flott und leise

Das InfinityBook kann bei der Arbeitsgeschwindigkeit gut mit aktuellen Desktop-Systemen mithalten. Die Office-Suite LibreOffice startet in unter einer Sekunde, die Bildbearbeitung Gimp ist in zwei Sekunden komplett einsatzbereit. Das ist sowohl der CPU als auch der schnellen NVMe-SSD zu verdanken. Bei den üblichen Büroarbeiten bleibt das Notebook dabei komplett leise, der unter der Bodenplatte verstaute Lüfter arbeitslos. Bei einer Systemaktualisierung läuft er flüsterleise für einige Sekunden und schaltet dann wieder ab. Hier wurden zum Vorgängermodell des V2 Fortschritte erzielt, wo der Lüfter zwar auch nur rauschte, aber bei solchen Gelegenheiten gerne mal länger durchlief, selbst wenn der Stress vorbei war.

Erst beim Einsatz von CPUBurn lief der Lüfter durch, nach Beendigung der Anwendung war nach fünf Sekunden aber wieder Ruhe. Zur Bestimmung der Leistungsfähigkeit kam die Phoronix-Testsuite sowohl unter Tuxedo Xubuntu als auch unter Siduction zum Einsatz. Beide Systeme wurden vorher auf den aktuellsten Stand gebracht. Bei Xubuntu kam Kernel 4.11.1 zum Einsatz, bei Siduction war 4.12.5 die aktuell verfügbare Version.

Siduction KDE vs. Tuxedo Xubuntu

Siduction wird von Tuxedo nicht offiziell unterstützt, lässt sich aber ohne Probleme installieren. Das war von einem für Linux optimierten Aufbau auch nicht anders zu erwarten. Es kam dazu die letzte offizielle Ausgabe von Siduction zum Einsatz, wie sie auf der Projekt-Webseite verfügbar ist. Der Kraft des InfinityBooks angemessen, fiel die Entscheidung auf das KDE-Image mit dem Plasma-Desktop. Die Installation, die per USB-Stick erfolgte, dauerte vom Start bis zum Ende im Calamares-Installer rund eine Minute. Nach einem Reboot startete die Installation in wenigen Sekunden.

Die Boot-Zeiten von Tuxedo Xubuntu und Siduction unterschieden sich nicht wesentlich. Der Plasma-Desktop von Siduction stand nach 11 Sekunden zum Arbeiten bereit, Xubuntu brauchte rund 2 Sekunden länger.

Ethernet trotz Ultrabook

Als großer Vorteil bei der Installation von Debian-Systemen erweist sich beim InfinityBook 13 v2 das Vorhandensein eines Ethernet-Anschlusses, der beim Vorgänger wie auch bei vielen anderen Ultrabooks fehlt. Debian liefert nämlich in den Standard-Images keine proprietären Treiber aus, zu denen auch viele WLAN-Treiber gehören, sodass hier ohne Kabel oft ein Henne-Ei-Problem besteht.

Während des Tests traten keine Inkompatibilitäten zutage. Bereits im Live-Modus war der Zugang bei beiden getesteten Distributionen zum Netzwerk vom Start weg aktiviert. Weitere Geräte im LAN ließen sich ohne Weiteres über KDEs Dateimanger Dolphin einhängen. Eine Verbindung mit dem Smartphone per KDE-Connect war ebenfalls in Sekunden erstellt und einsatzbereit.

Void Linux Mate
Void Linux Mate

Zusätzlich kam eine Distribution, die weder Wurzeln in Debian noch Ubuntu hat, sondern völlig von Grund auf gebaut wurde, zum Einsatz. Void Linux setzt auf Runit anstatt Systemd und ist die schnellste Distribution, die ComputerBase bekannt ist. Auch hier gab es keine Probleme mit dem Mate-Image von Void. Die Distribution lief zusammen mit der Hardware des InfinityBook zu absoluter Hochform auf.

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