Radeon RX Vega 64/56: 6 BIOS-Power-Modi und Undervolting im Test 4/4

Wolfgang Andermahr 357 Kommentare

Empfehlenswerte Einstellungen für RX Vega

Mit welchem BIOS und in welchem Modus sollten Besitzer der Radeon RX Vega betreiben? Die Empfehlung fällt je nach Modell unterschiedlich aus.

Radeon RX Vega 64 sollte angepasst werden

AMD hat beim ab Werk eingestellten Power Limit bei der Radeon RX Vega 64 übertrieben (1. BIOS „Balanced“). Das zeigt das sekundäre BIOS im Balanced-Modus, der 25 Watt weniger benötigt, aber im Bereich der Messungenauigkeit gleich schnell arbeitet, eindrucksvoll. Und vor allem in schlechter belüfteten Gehäusen bleibt das Temperatur-Limit von 85 Grad gleichzeitig ein Stück weiter entfernt. Diese Einstellung hätte aus heutiger Sicht die von AMD zum Start gewählte sein sollen.

Modell 1. Empfehlung 2. Empfehlung
Radeon RX Vega 64 2. BIOS „Balanced“ 1. BIOS „Power Save“
Radeon RX Vega 56 1. BIOS „Balanced“ 2. BIOS „Balanced“

Eine sinnvolle Alternative ist der Power-Save-Modus im primären BIOS. Der Performanceverlust ist mit vier Prozent gering, dafür sinkt der Stromverbrauch überproportional stark um 76 Watt. Das führt darüber hinaus dazu, dass die Grafikkarte etwas leiser und trotzdem noch kühler bleibt.

Die beiden Turbo-Modi bringen dagegen nichts, weil die nochmals gestiegene Leistungsaufnahme die GPU ins Temperatur-Limit laufen lässt. Hier hätte AMD konsequenter Weise gleich die maximale Drehzahl des Kühlsystems anpassen müssen. So ist der Turbo-Modus sinnlos.

Radeon RX Vega 56 ist ab Werk nutzbar

Ab Werk deutlich ausgeglichener ist die Radeon RX Vega 56, das bestätigt die Betrachtung im Detail erneut. Eine lohnenswerte Alternative ist allerdings auch hier der Balanced-Modus des zweiten BIOS. Er ist nur drei Prozent langsamer, arbeitet dafür jedoch hörbar leiser und benötigt etwas weniger Energie. Wer vier Prozent mehr Leistung haben möchte, kann in dem Fall sogar den Turbo-Modus im 1. BIOS nutzen, weil sich der Zuwachs in der Leistungsaufnahme und der Laustärke noch in Grenzen hält.

Undervolting lohnt sich vor allem auf der Radeon RX Vega 56

Inhaber einer Radeon RX Vega 56 sollten aber letztendlich an einer anderen Stellschraube drehen: Undervolting, also das manuelle Absenken der Betriebsspannung der GPU. Dafür sind zwar etwas Handarbeit, Zeit und Geduld notwendig, doch mit einer geringeren Spannung ließ sich zumindest das Testmuster um sechs Prozent beschleunigen, ohne dass die Leistungsaufnahme deutlich anstieg – und die Lautstärke blieb gleich. Der manuell eingestellte Turbo schlägt den in Software angelegte also deutlich.

Bei dem verwendeten Muster der Radeon RX Vega 64 hat sich eine geringere Spannung dagegen nur gelohnt, wenn man mit einer höheren Lautstärke leben kann. Auf der Plusseite finden sich eine mit elf Prozent doch ordentlich verbesserte Performance sowie eine im Durchschnitt nur leicht höhere Leistungsaufnahme, doch eben auch eine höhere Lautstärke, die nur für wenige akzeptabel sein wird. Undervolting könnte aber bei Partnerkarten mit einem besseren Kühler auch bei der großen RX Vega ein sinnvolles Szenario sein.

Einstellungsvielfalt mit Vor- und Nachteilen

Es ist absolut positiv, dass AMD die Radeon RX Vega 64 und die Radeon RX Vega 56 für den Kunden flexibler gestaltet hat. Und die Asus Radeon RX Vega 64 Strix (Test) deutet drauf hin, dass auch Partnerkarten diesen Weg gehen werden.

Nichtsdestoweniger ist AMD dabei über das Ziel hinaus geschossen: Sechs verschiedene Einstellungen bedeuten selbst für Enthusiasten viel ausprobieren – inklusive Rechner herunterfahren und BIOS-Schalter umlegen. Da hätte AMD im Crimson-Treiber auch gleich alle sechs Profile integrieren können.

Dass viele Profile aus Sicht der Redaktion nur schlechte Kompromisse darstellen, daran ändert sich durch diese Maßnahme allerdings nichts. Dem Anwender wird hier am Ende eine Wahl vorgegaukelt, die er im Endeffekt gar nicht hat, weil es nur wenige gute Alternativen gibt.

Anstelle sich in die Analyse der vorgegebenen Optionen zu stürzen, sollten Enthusiasten, die selbst gerne etwas Basteln und Zeit mit der Optimierung der Hardware verbringen, deshalb viel eher mit Undervolting beschäftigen. Vor allem die für Ende September erwarteten Partnerkarten können die Vorteile ohne die Nachteile miteinander verbinden.

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