Samsung Galaxy Note 8 im Test: Gelungenes Comeback für gut betuchte Stylus‑Fans 3/4

Nicolas La Rocco 93 Kommentare

Technische Daten im Überblick

Lässt man beim Blick auf die Datenblätter die nackten Zahlen sprechen, wird deutlich, wie wenig sich das Galaxy Note 8 vom Galaxy S8 und vor allem S8+ unterscheidet. Zwischen Galaxy Note 7 und Galaxy S7 edge lagen in puncto Display immerhin noch 0,2 Zoll, das Galaxy Note 8 trennt hingegen gerade mal noch 0,1 Zoll vom Galaxy S8+.

Um das Galaxy Note 8 als wahres Multitasking-Monster zu etablieren, hat Samsung dem Gerät aber 6 statt 4 GByte LPDDR4-Arbeitsspeicher spendiert. Von dem 50-Prozent-Plus merkt man im Alltag allerdings nicht besonders viel, wenn überhaupt. Denn abseits von extremen Situationen mit unzähligen geöffneten Apps und Browser-Tabs handelt es sich um ein alltagsfernes Upgrade. Immerhin verleiht das Wissen darüber, Reserven zu haben, ein wohliges Gefühl im Hinterkopf. Unter Android (7.1.1 mit August-Patch) wird das Multitasking jetzt immerhin stärker als zuvor gefördert, indem sich über den Seitenbildschirm zwei Apps direkt im Dual-Fenstermodus starten lassen (App-Paar).

Abseits des Stylus ist das größte Unterscheidungsmerkmal zur Galaxy-S8-Familie die im vorigen Abschnitt erklärte Dual-Kamera. Und dann wäre da noch das Thema Akku, das Samsung diesmal vorsichtiger angeht. Im Galaxy Note 8 steckt ein Akku mit 3.300 mAh, das Smartphone positioniert sich in diesem Punkt also genau zwischen dem Galaxy S8 und S8+. In das größte der drei Smartphones passt somit nicht der größte Akku, wenngleich das auch bei der S7-Serie und dem Galaxy Note 7 schon nicht der Fall war. Der Grund dafür ist beim Stylus zu finden, der im Gehäuse untergebracht wird.

Samsung Galaxy Note 8 Samsung Galaxy S8+ Samsung Galaxy S8
Software:
(bei Erscheinen)
Android 7.1 Android 7.0
Display: 6,30 Zoll
1.440 × 2.960, 522 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,20 Zoll
1.440 × 2.960, 531 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
5,80 Zoll
1.440 × 2.960, 568 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Stylus, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED Touch, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED
SoC: Samsung Exynos 8895
4 × Exynos M2, 2,31 GHz
4 × Cortex-A53, 1,69 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G71 MP20
546 MHz
RAM: 6.144 MB
LPDDR4
4.096 MB
LPDDR4
Speicher: 64 GB (+microSD)
Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,7, AF, OIS
Sekundär-Kamera: 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.000 ↑150 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte:
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Nano-SIM
Akku: 3.300 mAh (12,71 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.500 mAh (13,48 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.000 mAh (11,55 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 74,8 × 162,5 × 8,60 mm 73,4 × 159,5 × 8,10 mm 68,1 × 148,9 × 8,00 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 195 g 173 g 152 g
Preis: ab 830 € / ab 840 € ab 619 € / ab 779 € ab 525 €

Exynos 8995 mit hoher Leistung

Abgesehen vom RAM-Plus steckt im Galaxy Note 8 der gleiche Antrieb wie in den beiden S8-Modellen. In Europa und Asien steuert Samsungs Semiconductor-Sparte den Exynos 8895 bei, während in den USA der Snapdragon 835 (Test) verbaut ist. Samsungs Chip ist mit vier eigenen CPU-Kernen des Typs Exynos M2 sowie vier ARM Cortex-A53 ausgestattet. Die zwei Quad-Core-Paare dürfen mit bis zu 2,31 GHz (M2) und bis zu 1,69 GHz (A53) takten. Das Exynos-SoC stammt aus eigener Produktion von Samsung und wird im modernen 10-nm-Prozess gefertigt. Bei der Grafikeinheit kauft Samsungs hingegen bei ARM ein. Die Mali-G71 war bis vor Kurzem das Topmodell der Briten und kommt als äußerst leistungsfähiger MP20-Ausbau zum Einsatz. Seit Ende Mai markiert die Mali-G72 die neue Spitze. Dank der vielen Rechenkerne kann der GPU-Takt mit bis zu 546 MHz vergleichsweise niedrig gehalten werden.

Der Exynos 9 nutzt wieder eine Custom-CPU für das Performance-Cluster
Der Exynos 9 nutzt wieder eine Custom-CPU für das Performance-Cluster (Bild: Samsung)

Eine detaillierte Analyse des Exynos 8895 liefert der entsprechende Abschnitt des Tests zum Galaxy S8 und S8+. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Galaxy Note 7 ist die Tatsache, dass es keine Kernabschaltung mehr wie noch beim Exynos 8890 gibt. Der minimale Takt des nicht mehr abschaltbaren Exynos M2 beträgt 741 MHz, der Maximaltakt liegt bei 2,314 GHz. Das Cortex-A53-Quartett wird mit 455 MHz bis 1,69 GHz betrieben. Die Exynos M2 werden nach Möglichkeit aber nicht für den normalen Betrieb höher getaktet. Die Spitzen treten immer dann auf, wenn eine App geladen oder zum Beispiel eine neue Seite im Browser angesteuert wird. Anschließend wird der Takt schnellstmöglich wieder reduziert, um Energie zu sparen.

Die Leistung des Chips ist vor allem dann sehr hoch, wenn alle acht Kerne voll ausgeschöpft werden können. In den Multi-Core-Benchmarks von Geekbench (4.1 und 4.0) schneidet das Exynos-SoC entsprechend gut ab und setzt sich häufig an die Spitze. An die Single-Core-Leistung eines A10 Fusion aus dem iPhone 7 und selbst A9 aus dem iPhone 6s kommt der Exynos-M2-Kern aber nicht heran. Auch Qualcomms Kryo 280 kann hier nicht mithalten. In den Tests des PCMark kann der Chip zudem nicht aus dem Vollen schöpfen und schneidet vergleichsweise schlecht ab. Deutlich besser ist der Exynos 8895 in den Browser-Messungen aufgestellt. Das Laden von Webseiten ist im Alltag so schnell wie es die Benchmarks versprechen.

Die Grafikleistung der Mali-G71 MP20 ist erwartungsgemäß hoch, das haben bereits die Messungen zum Galaxy S8 gezeigt. Im GFXBench ist das Smartphone unabhängig vom gewählten Test das schnellste oder eines der schnellsten Geräte, gleichauf mit dem Galaxy S8 und iPhone 7 von Apple. Im 3DMark basierend auf OpenGL ES 3.1 und OpenGL ES 3.0 hinkt das Note 8 aus bisher unerfindlichen Gründen dem Galaxy S8 hinterher. Mit den beiden moderneren APIs sind es 21 und 11 Prozent, während im 3DMark basierend auf OpenGL ES 2.0 das Ergebnis wieder im erwarteten Bereich liegt. Ein Galaxy S8 für einen aktuellen Vergleich war zum Testzeitpunkt nicht zur Hand.

Samsung hat den großen Vorteil, viele Komponenten eines Smartphones selbst zu fertigen. Dazu zählen zum Beispiel Display, Akku, System-on-a-Chip mit Modem, Arbeitsspeicher und auch Flash-Speicher. Weil Samsung deshalb von keinem Zulieferer abhängig ist, kommt mit UFS 2.1 stets der gleiche schnelle Speicher zum Einsatz, Huawei muss hingegen teilweise innerhalb einer Serie auf eMMC ausweichen. Das Galaxy Note 8 spielt ganz weit oben mit bei den erreichten Geschwindigkeiten für das Lesen und Schreiben auf den internen Speicher. Einzig das wahlfreie Schreiben scheint Samsung entweder nicht zu priorisieren oder der eigene Speicher ist schlicht nicht zu mehr in der Lage. Mit knapp 15 MB/s reicht es in dieser Disziplin nur für das Mittelfeld.

Nicht mehr so gut ist die Leseleistung von einer microSD-Karte. Die für den Test verwendete SanDisk Extreme Pro ist mit bis zu 275 MB/s lesend und bis zu 100 MB/s schreibend spezifiziert. Das Galaxy Note 8 liest mit rund 55 MB/s nicht so schnell von der Karte wie das Galaxy S8 oder S8+, die beide rund 70 MB/s erreichen. Beim Schreiben auf die Karte geht das Galaxy Note 8 mit knapp über 64 MB/s wieder flott zu Werke. An die über 70 MB/s des Galaxy S8(+) kommt es aber erneut nicht heran.

Akku mit 3.300 mAh

Das Thema Akku hallt natürlich auch bei Galaxy Note 8 noch nach. Das Debakel beim Galaxy Note 7, das schließlich zu einem weltweiten Rückruf und zur Einstellung des Verkaufs führte, ist zwar abgeschlossen, ganz so leicht lässt sich eine solche Erfahrung aber nicht abschütteln. Der Abschlussbericht stellte schließlich mehrere Probleme mit den Akkus als Ursache der Brände heraus. Ein Acht-Schritte-Verfahren soll seitdem verhindern, dass es erneut zu solchen Vorfällen kommen kann. Ausgeweitete Testverfahren, strengere Inspektionen und Zusicherungen der Fertigungsqualität und allgemein noch schärfere Kontrollen sind laut Samsung Bestandteile davon.

Das Konzept scheint aufgegangen zu sein, denn das Galaxy S8 ist seit rund einem halben Jahr auf dem Markt und vollständig frei von Problemen hinsichtlich des Akkus. Es ist davon auszugehen, dass auch das Galaxy Note 8 ein sicheres Smartphone bleiben wird. Samsung Bemühungen haben aber nicht nur sichere Geräte zur Folge, sondern führen auch dazu, dass Anwender mit etwas kleineren Akkus Vorlieb nehmen müssen. Das Galaxy Note 8 kommt auf 3.300 mAh, während im Galaxy Note 7, dessen Gehäuse kleiner ist und einen gleich großen S Pen aufnehmen musste, ein Akku mit 3.500 mAh verbaut war. Diese Nennladung bietet jetzt nur noch das Galaxy S8+.

Wie zu erwarten war, positioniert sich das Galaxy Note 8 in den Akkumessungen genau zwischen dem Galaxy S8 und S8+, das marginal größere Display macht keinen Unterschied, nur die Größe des Akkus ist entscheidend. Die Laufzeiten des Note 8 sind in den Benchmarks und auch im Alltag durch die Bank gut, aber nicht sehr gut. Ein Lenovo Moto Z Play oder LG X Power liefert deutlich längere Laufzeiten. Ein Tag Laufzeit auch mit intensiverer Nutzung ist mit dem Galaxy Note 8 in jedem Fall möglich. Im Test wurde das Smartphone mit WhatsApp, YouTube, vier E-Mail-Konten, Browser, Facebook, Facebook Messenger und Twitter, aber ohne Spiele im Alltag verwendet.

Ist der Akku des Smartphones einmal leer, kann er in rund 95 Minuten wieder geladen werden. Samsung verwendet am Gerät USB Typ C und USB Typ A als Verbindung zum Netzteil und PC. An seinem „Adaptive Fast Charging“ hat Samsung nichts gegenüber dem Galaxy S8 verändert, auch Ladegeräte und Kabel sind wieder schwarz statt weiß. Das Netzteil hat zwei Lademodi mit entweder 10 Watt (5,0 V/2,0 A) oder 15,03 Watt (9,0 V/1,67 A). Die ersten 80 Prozent lädt das Netzteil schnell in circa einer Stunde, bis zum vollständigen Aufladen vergeht zum Schluss etwas mehr Zeit. Alternativ zum kabelgebundenen Laden besteht auch wieder die Option des kabellosen Ladens über Samsungs eigene Ladepads oder das eines Drittherstellers mit Qi-Standard.

Auf der nächsten Seite: Fazit