Toshiba TR200 SSD im Test: Kein DRAM ist auch keine Lösung 4/4

Michael Günsch 56 Kommentare

Detailbetrachtungen

Neuzustand und Leistungsabfall

Zur Überprüfung der Leistungsbeständigkeit dient der Benchmark AS SSD. Mit diesem werden Transferraten und Zugriffszeiten der SSDs zunächst im leeren Auslieferungszustand und im späteren Verlauf nach normaler Nutzung mit installiertem System sowie nach starker Nutzung und fast vollständiger Befüllung überprüft. Details zu diesem Vorgehen und den vorbereitenden Maßnahmen liefert der Artikel „So testet ComputerBase SSDs“.

AS SSD – Toshiba TR200 480 GB
Neuzustand
(ohne Daten)
Normalzustand
(35 GB belegt)
Stark genutzt
(10 GB frei)
∆ Neuzustand
zu Stark genutzt
Sequenzielles Lesen 516 406 466 -10 %
Sequenzielles Schreiben 470 362 434 -8 %
4K Lesen 49 47 49 0 %
4K Schreiben 84 74 83 -1 %
4K 64Thrd Lesen 309 266 304 -2 %
4K 64Thrd Schreiben 313 698* 506* +62 %
Werte in MB/s, Durchschnittsergebnis aus mindestens 3 Messungen
*Benchmark liefert mit der TR200 „falsche“ Werte, teils fernab von SATA

Die TR200 zeigte ein unübliches Verhalten bei der Leistungsentwicklung. Schon im Normalzustand, wo bisher getestete SSDs kaum Leistung verlieren, gab es deutliche Einbußen. Diese waren sogar deutlicher als nach dem Belastungstest („Stark genutzt“). Offenbar hatten bereits die normalen Tests starken Einfluss auf das Leistungsniveau. Nach dem Belastungstest (30 Minuten 4K Random Write) wird jeder SSD vor den Messungen mit AS SSD eine 30-minütige Erholungsphase für die Garbage-Collection gewährt. Dies genügte, dass sich die TR200 am Ende wieder etwas erholte und nur maximal 10 Prozent Leistung einbüßt.

TR200: Ein typisches Resultat für den „Neuzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Neuzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Normalzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für den „Normalzustand“
TR200: Ein typisches Resultat für „Stark genutzt“
TR200: Ein typisches Resultat für „Stark genutzt“

Die Werte beim 4K-64Thrd-Schreiben sind zudem mit Vorsicht zu genießen respektive völlig daneben: Mehr als 600 MB/s sind über die SATA-Schnittstelle gar nicht möglich. Doch mit installiertem Betriebssystem erreicht die TR200 in diesem Benchmark sogar 1.000 MB/s. Als Erklärung kommt nur infrage, dass der System-RAM hier unter die Arme greift. Wird die TR200 als sekundäres Laufwerk genutzt (Neuzustand), bewegen sich die Werte bei eher SATA-typischen 300 MB/s.

Leistungsbeständigkeit

IOPS im Zeitverlauf als Windows-Systemlaufwerk

Von Beginn an liefert die TR200 nur niedrige IOPS. Nach starken Schwankungen sinkt die Leistung sogar auf Werte von weniger als 1.000 IOPS ab. Die Ergebnisse haben für die Privatnutzung im Alltag allerdings keine große Bedeutung. Dennoch zeigt sich die TR200 auch hier von einer schwachen Seite.

Hinweis zum Diagramm: Bei Klick auf den Elementnamen in der Legende lassen sich Elemente ein- oder ausblenden.

Fazit

Vom Hersteller klar kommuniziert und angesichts der eingesetzten Technik zu erwarten war, dass die Toshiba TR200 das günstige Einstiegssegment bedient und sich entsprechend am unteren Ende der Leistungsskala einordnet.

Während Schwächen wie die sehr niedrige Schreibrate nach dem rund 7 GByte großen SLC-Cache vor diesem Hintergrund noch vertretbar sind, wiegen die durch die TR200 verursachten Aussetzer des Systems im Testbetrieb schwer. Dabei ist anzumerken, dass die Praxistests von ComputerBase den Alltag nicht 1:1 widerspiegeln. Ein wiederholtes Installieren und Deinstallieren derselben Software oder ein wiederholtes Kopieren und Löschen eines großen Dateiordners sind zwar Alltag im Testbetrieb, aber nicht bei Normalnutzung. Das Starten von Programmen und das Lesen von Dateien erfolgten wiederum gewohnt zügig und ohne Probleme.

Dennoch hat es bisher mit keiner SSD im Testparcours derartige Probleme gegeben. Das Potenzial, dass bei einem Systemaussetzer im Normalbetrieb die TR200 die Ursache sein könnte, besteht ohne Zweifel. Die Entscheidung, zugunsten eines niedrigen Preises am Controller zu sparen und auf einen DRAM-Cache zu verzichten, ging aus Sicht der Redaktion nach hinten los. Obgleich es noch zu prüfen gilt, ob auch andere SSDs ohne DRAM solche Aussetzer verursachen.

Von den in anderen SSDs messbaren Leistungsvorteilen durch den neuen BiCS3-NAND-Flash ist bei der TR200 nur selten etwas zu sehen. Nur in einem Punkt weiß die TR200 zu glänzen: Mit dem sparsameren 3D-NAND und ohne DRAM benötigt das Modell äußerst wenig Strom.

Toshiba OCZ TR200 (480 GB)
Produktgruppe Solid State Drives, 08.11.2017
  • Überragend niedrige Leistungsaufnahme im Leerlauf
  • Niedrige Leistungsaufnahme bei Aktivität
  • Umfangreiches SSD-Tool
  • Nach dem Cache (7 GB) langsamer als HDD
  • Insgesamt niedriges Leistungsniveau
  • Systemaussetzer im Testbetrieb

Preise & Verfügbarkeit

So viel kostet die TR200-Serie

Die Toshiba TR200 sollte ursprünglich Ende Oktober im Handel erhältlich sein. Bis heute fehlt im Handel aber noch jede Spur. Auf Nachfrage wurde erklärt, dass sich die Ware im Zulauf befindet. Verzögerungen durch die Feiertage seien möglich. Die unverbindlichen Preisempfehlungen liegen bei rund 81 Euro (240 GB), 145 Euro (480 GB) und 269 Euro (960 GB). Bei breiter Verfügbarkeit sollten die Preise im Handel die UVP noch unterbieten. Dann könnte die TR200 zu den günstigsten SSDs für Endkunden zählen. Doch wird dies mit potenziellen Systemaussetzern wiederum teuer erkauft.

240 GB 480 GB 960 GB
Preis (UVP) 80,90 € 144,90 € 269,00 €
Preis (Handel) noch nicht gelistet
Preis/GB 0,34 € 0,30 € 0,28 €

ComputerBase gibt mit der SSD-Rangliste samt Benchmarks und Vergleich Empfehlungen als Hilfestellung beim SSD-Kauf.

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