Lüftersteuerungen im Test: Steuerung per Mainboard und extra Platine im Vergleich 3/3

Thomas Böhm 93 Kommentare

Messergebnisse

Die Lüftersteuerungen müssen sich mehreren Testreihen unterziehen. Zum einen wird betrachtet, welches Drehzahlspektrum sie sowohl mit PWM- als auch mit DC-Lüftern erreichen können. Da der Test nicht als reine Belastungsprobe am Leistungslimit ausgelegt ist, sondern den alltäglichen Gebrauch der Steuerungen widerspiegeln soll, wird hier nicht mit Hochleistungslüftern gearbeitet und auch nicht die gesamte erlaubte Leistung abgerufen. Das könnte sich ohnehin als schwierig erweisen, weil moderne effiziente Lüfter bei voller Drehzahl teilweise mit einer Leistungsaufnahme von einem Watt und weniger aufwarten können – für das Aquaero entspräche die Volllast ergo dem simultanen Betrieb von über 100 Ventilatoren in einem einzigen System.

Als sinnvolles Maximum wird daher der Betrieb von neun Lüftern getestet, was der Bestückung eines externen Riesenradiators in einer Wasserkühlung entspricht. Für diesen Test stehen Noctuas PWM-Lüfter NF-P14S Redux mit 1.200 U/min bereit. Spannungsgesteuerte Lüfter gibt es bis zu drei Stück in Form der Phanteks PH-F140SP. Der Hauptfokus des Tests liegt auf den Steuerungsoptionen, die die Lüftersteuerungen zur Verfügung stellen, denn eine gute Lüftersteuerung muss mehr können als lediglich Lüfter auf einer fixen Drehzahl zu halten.

Regelungsmodi für Lüfterdrehzahlen
Aquaero 6 LT Commander Pro X370 XPower
Kurvenregler ja ja ja
Fester Vorgabewert ja ja ja
Sollwert ja nein nein
Zweipunktregler ja nein nein

Der Vergleich zeigt, dass die beiden separaten Lüftersteuerungen ebenso wie das Mainboard die Standard-Optionen eines festen Vorgabewerts für einen Ventilator sowie eine temperaturabhängige Drehzahlsteuerung beherrschen. Als Temperaturquellen können beim Aquaero sowie Commander Pro neben den per USB-Verbindung ausgelesenen Temperaturen auch die externen Temperaturfühler dienen. Das Mainboard ist hingegen auf CPU- und Mainboard-Temperatur beschränkt. Aqua Computer erlaubt als weitere Steuerungsmodi zudem das Erstellen von Zweipunkt- sowie Sollwertreglern. Erstere schalten einen Lüfterkanal beim Überschreiten und Unterschreiten eines Schwellenwertes zwischen zwei Leistungsstufen um. Sollwertregler versuchen, eine Zieltemperatur durch das Anpassen der Lüfterdrehzahl zu halten.

Erreichbare Drehzahlen mit DC-Lüftern

Zunächst müssen die Lüftersteuerungen sowohl mit einem als auch mit drei per Spannung drosselbaren 140-mm-Lüftern an einem Lüfterkanal zeigen, welche Drehzahlintervalle sie abdecken können. Als minimale Drehzahl können mit dem Mainboard sowie mit dem Aquaero 6 LT geringe unter 300 U/min erreicht werden. Der Corsair Commander Pro liegt mit knapp 600 U/min deutlich höher. Hier greift vermutlich eine in der Software hinterlegte Sicherung, die bei DC-Lüftern verhindern soll, dass der Nutzer eine zu niedrige Drehzahl wählt, die unter Umständen das ungewollte Stehenbleiben eines Ventilators verursacht.

Auf der anderen Seite des Drehzahlintervalls herrscht mit circa 1.200 U/min größere Einigkeit. Der Commander Pro erreicht etwas mehr als die Konkurrenten, denn hier drehen die Ventilatoren mit 50 U/min schneller. Bei höherer Last auf dem Lüfterkanal fällt die Spannung leicht ab, weshalb bei drei anstelle von einem angeschlossenen Lüfter die maximale Drehzahl geringfügig niedriger ausfällt.

Erreichbare Drehzahlen mit PWM-Lüftern

Als Nächstes werden die Drehzahlintervalle mit PWM-Lüftern untersucht. Mit bis zu neun 140-mm-Lüftern an einem einzigen Lüfterkanal fällt der Anspruch an die Steuerung höher aus. Das macht sich auch an der maximalen Drehzahl bemerkbar, die bei einem angeschlossenen Ventilator bei circa 1.300 U/min liegt, bei neun Lüftern jedoch um etwa 100 U/min abfällt. Dieses Verhalten zeigen alle drei Steuerungen, wobei das Drehzahlniveau erneut beim Corsair Commander Pro geringfügig höher ausfällt als beim Aquaero und MSI-Mainboard.

Am unteren Ende des Drehzahlintervalls können die PWM-Lüfter glänzen: Mit minimal etwa 150 U/min lässt sich ein sehr leiser Betrieb realisieren. Erneut ist der Commander Pro der Ausreißer bei dieser Messung. Die circa 150 U/min lassen sich nur festlegen, wenn die Lüfter über einen Festwert gesteuert werden. Sofern ein Kurvenregler zum Einsatz kommt, begrenzt die Software das Minimum auf 300 U/min.

Erweiterte Optionen
Aquaero 6 LT Commander Pro X370 XPower
Wechsel zwischen DC/PWM manuell automatisch anschlussabhängig
Abschaltbare Lüfter ja ja ja
Startboost ja ja (ca. 2 sek 100 %) ja (ca. 3 sek 50 %)
Startboost-Optionen Aus/An/Dauer/Leistung keine keine
Rückfall-Temperatur Software-Sensoren einstellbar 40 °C (nicht veränderbar) entfällt
Programmierbarer Alarm ja ja nein

Der Anspruch einer modernen Lüftersteuerung liegt weit über dem simplen Steuern von Lüftern. Ein wichtiger Punkt hierbei ist der Startboost, also die beim Systemstart anliegende Spannung, welche dafür Sorge trägt, dass der Lüfter sicher anläuft, auch wenn er im Anschluss gedrosselt arbeitet. Hier bietet das Aquaero vielfältige Optionen – jeder Lüfterkanal kann einzeln wahlweise mit oder ohne Startboost betrieben werden, und Zeitdauer sowie Leistung können frei definiert werden. Wer den eigenen PC mit einer größeren Anzahl an Lüftern ausstattet, kann von dieser zusätzlichen Funktion profitieren, weil das Lüfterrauschen beim Hochfahren des PCs reduziert wird. Diese Option bieten weder das Mainboard noch der Corsair Commander Pro.

Weitere Steuerungsoptionen sind die Rückfall-Temperaturen für Software-Sensoren sowie programmierbare Alarme. Da die separaten Lüftersteuerungen auf eine aktive USB-Verbindung zum Erhalt von beispielsweise der CPU-Temperatur angewiesen sind, fehlen diese Informationen während des Systemstarts oder wenn die Steuersoftware nicht läuft. Im Aquaero kann daher eine Rückfall-Temperatur eingetragen werden, welche die Steuerung zur Grundlage von temperaturabhängigen Lüfterprofilen nutzt, wenn kein Messwert vorliegt. Der Commander Pro bietet hierzu keine Einstellungsmöglichkeiten, sondern arbeitet grundsätzlich mit einer Rückfall-Temperatur von 40 °C. Beim Mainboard ist eine Rückfall-Temperatur hinfällig, da die Temperaturen grundsätzlich immer ausgelesen werden. Im Gegenzug gibt es aber nur zwei Sensoren, die als Temperaturquellen genutzt werden können.

Die separaten Steuerungen können Alarm schlagen

Ein Vorteil, den die separaten Lüftersteuerungen im Vergleich zum Mainboard bieten, der aber im Alltag am besten nie zum Einsatz kommen sollte, ist die Einstellung von Alarmen. Sollten Lüfter ausfallen, stehen verschiedene Optionen zur Verfügung. Beim Aqua Computer Aquaero 6 LT kann in diesem Fall etwa das Tachosignal deaktiviert werden, welches im normalen Betrieb zum Beispiel mit dem CPU-Fan-Anschluss eines Mainboards gekoppelt werden kann, um den Einsatz eines üblichen CPU-Kühlers vorzugaukeln. Als weitere Alarmoptionen können andere Steuerungsprofile geladen, ein akustisches Warnsignal ausgegeben, Relais-Ausgänge der Steuerung geschaltet oder auch der PC heruntergefahren werden. Der Corsair Commander Pro bietet ebenfalls die Option, den PC herunterzufahren, und kann alternativ die verbliebenen Lüfter auf maximale Leistung beschleunigen, angeschlossene LEDs aktivieren oder eine vom Nutzer definierte Datei ausführen.

Fazit

Im Vergleich der verschiedenen Möglichkeiten zur Lüftersteuerung lässt sich festhalten, dass das Mainboard den separaten Lösungen in vielen Punkten in nichts nachsteht. Mit anderen Worten: Wem die Lüfter ab Werk zu schnell und damit zu laut sind, der kann ohne Zusatzkosten Abhilfe schaffen. Zwar gehört das im Test eingesetzte MSI X370 XPower Gaming Titanium zur gehobenen Preisklasse, aber zumindest einen PWM-fähigen CPU-Fan-Anschluss bringt jedes Mainboard mit. Wie die weiteren Anschlüsse aussehen und welche Möglichkeiten geboten werden, muss mangels ausreichender Dokumentation vom Käufer allerdings oft selbst in Erfahrung gebracht werden.

Um sich von der Mainboard-Steuerung absetzen zu können, muss eine separate Lüftersteuerung also noch mehr bieten. Das einfache Steuern von Lüftern ist eine Basisfunktion, die Aquaero und Commander Pro anstandslos beherrschen. Aqua Computer und Corsair warten daher mit Eingängen für frei platzierbare Temperatursensoren auf – wobei auch das mittlerweile von manchen hochpreisigen Mainboards unterstützt wird.

Mehr Komfort und mehr Optionen bieten die Steuerungen bei der Programmierung von Alarmen sowie der Erstellung von Lüfterkurven, da alles unter Windows abläuft. Doch Letzteres bieten Mainboard-Hersteller ebenfalls, weil es Tools gibt, die die Steuerung von Ventilatoren nicht über das UEFI, sondern ebenfalls unter Windows erlauben. Am Ende sprechen die separaten Lüftersteuerungen also eine Käuferschicht an, die mehr Wert auf die Zusatzfunktionen als lediglich auf die simple Steuerung von einigen wenigen Ventilatoren legt. Wer das nicht benötigt, kann sich die zusätzlichen Kosten für eine Lüftersteuerung sparen.

Corsair für Beleuchtung, Aqua Computer für Wasserkühlungen

Der Fokus bei Aqua Computer wird dabei schon durch den Firmennamen klar: Das Aquaero richtet sich in erster Linie an Nutzer von Wasserkühlungen, die die Steuerung als Überwachungs- und Schaltzentrale verwenden wollen. Für diesen Einsatzzweck ist das Aquaero mitsamt seiner ausgereiften Software der unangefochtene Sieger, denn die Steuerung bietet unzählige Regler, Einstellungsmöglichkeiten und sogar noch weitere programmierbare Ausgänge. Das Aquaero 6 LT schlägt dafür mit 100 Euro zu Buche, was zwar kein Schnäppchen, aber angesichts der vielen Möglichkeiten auf jeden Fall vertretbar ist. Mit dem Vorgänger Aquaero 5 LT erhalten Anwender die gleichen Einstellungsmöglichkeiten schon für etwa 60 Euro – allerdings ist beim Aquaero 5 nur einer der vier Lüfterkanäle PWM-fähig, und die Platine verlangt beim Einsatz vieler Lüfter nach einem Kühlkörper, um nicht zu überhitzen.

Aqua Computer Aquaero 6 LT: Platine mit umfangreichen Anschlussmöglichkeiten
Aqua Computer Aquaero 6 LT: Platine mit umfangreichen Anschlussmöglichkeiten
Corsair Commander Pro: Sata-Stromanschluss und USB-Datenkabel
Corsair Commander Pro: Sata-Stromanschluss und USB-Datenkabel

Der für knapp 60 Euro erhältliche Corsair Commander Pro richtet sich an Anwender, die sich zwar um die Steuerung ihrer Lüfter kümmern möchten, aber kein Interesse an allen Stellschrauben haben. Daher greift die Software ein, um etwa ein ungewolltes Stehenbleiben von Lüftern zu verhindern. Dieser Komfort geht natürlich mit einem Verlust an Kontrolle einher, was sich beispielsweise in den verhältnismäßig hohen Minimaldrehzahlen bemerkbar macht. Und der Ausfall von Sensordaten beim simultanen Betrieb mit HWiNFO zeigt, dass Corsair bei der Stabilität der Software Corsair Link noch nachbessern sollte.

Das Highlight des Commander Pro ist die Steuerung von LED-Bändern, die nicht nur als ganzes Paket mit einem Effekt oder einer Farbe, sondern tatsächlich als einzelne Elemente angesteuert werden kann. So können beeindruckende Lichteffekte erzeugt werden – aber bei einem Aufpreis von circa 30 Euro, da die LED-Streifen nicht im Lieferumfang der Steuerung enthalten sind.

Weitere Informationen zum Thema Kühlung sowie eine Kaufberatung bietet der große Übersichtsartikel „PC-Kühlung mit Luft und Wasser“. Das Archiv hält weitere Tests im Bereich PC-Kühlung bereit.

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