Synology DS218j & DS218play im Test: Etwas mehr Takt allein reicht nicht mehr 2/4

Frank Hüber 74 Kommentare

Benchmarks

Im Folgenden sind die Testergebnisse der Synology DS218j und DS218play in verschiedene Untergruppen gegliedert. Die Lese- und Schreibgeschwindigkeit werden dabei im RAID1-Festplattenverbund getestet. Zusätzlich wird die Geschwindigkeit bei Nutzung von Link Aggregation und AES-256-Verschlüsselung getestet, sofern verfügbar.

Die Lautstärke und die Leistungsaufnahme werden ebenso wie das Preis-Geschwindigkeits-Verhältnis des NAS gesondert behandelt. Die einzelnen Ergebnisse jeder Kategorie können über die Schaltflächen über den Diagrammen durchgeschaltet werden. Die Einzelheiten zur Testmethodik, die den Ergebnissen zugrunde liegt, sind in einem gesonderten Artikel „So testet ComputerBase NAS-Systeme“ zusammengefasst.

Neu: Geschwindigkeit eines Backups über USB

Zukünftig spielt zudem die Geschwindigkeit eines Backups über den schnellsten verbauten USB-Anschluss des NAS eine Rolle. Dabei werden 25 GB über USB geschrieben und gelesen. Außerdem wurden die Festplatten gegen aktuelle Modelle in Form der Seagate IronWolf 4 TB ausgewechselt, wodurch die Vergleichbarkeit zu bereits getesteten Systemen verloren geht.

Neue HDDs: Seagate IronWolf

Fortan werden in NAS-Tests Seagates IronWolf-NAS-Festplatten mit 4 TB Kapazität zum Einsatz kommen. Es wurde bewusst auf die 4-TB-Modelle gesetzt, da diese im privaten Umfeld besonders häufig verwendet werden. Die Festplatten der IronWolf-Serie bieten spezielle Funktionen für NAS, unter anderem die AgileArray-Technologie, die speziell entwickelte Hardware, Firmware und Software umfasst. Diese bietet unter anderem das „IronWolf Health Management“ zum kontinuierlichen Schutz der Daten, integrierte Sensoren für die Rotationsvibration (RV-Sensoren) zum Erkennen und Ausgleichen von Vibrationen bei mehreren parallel eingesetzten Festplatten für eine langfristig konstante Leistung und Zuverlässigkeit, eine optimierte RAID-Leistung und ein angepasstes Energiemanagement zum Senken des Stromverbrauchs.

Das „IronWolf Health Management“ (IHM) bietet Optionen zur Prävention, Intervention und Datenwiederherstellung für unterstützte IronWolf-Festplatten. Allerdings müssen die NAS-Systeme dies unterstützen, was beispielsweise bei den NAS von Synology und Asustor der Fall ist. IHM überwacht die Systemumgebung und empfiehlt gegebenenfalls Backup-Maßnahmen, wenn ein drohender Datenverlust durch die Analyse zahlreicher Parameter erkannt wird.

Mit integriertem Rotationsvibrations-Sensor

IronWolf-Festplatten sind bei Modellen ab 4 TB mit RV-Sensoren ausgestattet, um in NAS-Gehäusen mit mehreren Festplatten eine hohe Leistung aufrechtzuerhalten, indem von anderen Festplatten übertragene Rotationsvibrationen erkannt und ausgeglichen werden.

Seagate gibt die maximale Workload-Rate mit 180 TB pro Jahr an und gewährt drei Jahre Garantie auf die Festplatten. Auf die IronWolf-Pro-Festplatten gibt das Unternehmen sogar fünf Jahre Garantie und nennt eine maximale Workload-Rate von 300 TB pro Jahr.

Unterschiede je nach Kapazität

Zu beachten ist, dass die im Test eingesetzten 4-TB-Modelle eine Umdrehungsgeschwindigkeit von 5.900 U/min bieten, die Modelle mit Kapazitäten ab 6 TB jedoch mit 7.200 U/min drehen, was die Lautstärke und die Vibrationen in einem NAS beeinflusst. Zudem bieten die Modelle ab 6 TB 256 statt 64 MB Cache.

WD Red 2 TB gegen Seagate IronWolf 4 TB

Da die Tests auf den zur Verfügung stehenden NAS-Systemen sowohl mit den bisher eingesetzten WD Red 2 TB als auch den neuen Seagate IronWolf 4 TB durchgeführt wurden, ist auch ein kleiner Vergleich der Auswirkung dieses Festplattenwechsels im Alltag möglich.

Vergleich IronWolf NAS HDD ST4000VN008 und Western Digital Red NAS WD20EFRX
IronWolf 4 TB Red 2 TB
Einsatzgebiet NAS
Formfaktor 3,5 Zoll (26,11 mm Höhe)
Schnittstelle SATA 6 Gb/s
Platter 3 2
U/min 5.900 5.400 (dynamisch)
Cache 64 MB
max. kontinuierliche Transferrate 180 MB/s 147 MB/s
Lautstärke Betrieb: 25 dB
Leerlauf: 23 dB
Betrieb: 24 dB
Leerlauf: 23 dB
Leistungsaufnahme Betrieb (typisch): 4,8 W
Leerlauf (Durchschnitt): 3,95 W
Standby: 0,5 W
Betrieb (typisch): 4,4 W
Leerlauf (Durchschnitt): 4,1 W
Standby: 0,6 W
Load-/Unload-Zyklen 600.000
Eignung für Dauerbetrieb
Workload/Jahr 180 TByte
Nicht korrigierbare Lesefehler
pro gelesene Bits
1 in 1014
MTBF 1 Mio. Stunden
Garantie 3 Jahre
Laufwerksanzahl für NAS bis 8
RV-Sensoren
Preis (Stand 12.12.2017) 119 Euro 76 Euro

Dateitransfer

Beim reinen Dateitransfer sind die Unterschiede marginal. Bei der Übertragung einer einzelnen Datei schreibt die Seagate IronWolf 4 TB im Schnitt minimal schneller, dafür wird von der WD Red 2 TB schneller gelesen.

Verschlüsselung

Bei der Nutzung der AES-256-Verschlüsselung kann sich die IronWolf 4 TB im Durchschnitt über alle NAS vor der WD Red 2 TB platzieren. Allerdings zeigt sich erneut, dass die WD Red beim Lesen eines 15 GB großen Ordners mit vielen kleinen Dateien etwas besser abschneidet.

Link Aggregation

Bei der Nutzung von Link Aggregation zeigt sich beim Schreiben erstmals, dass sich die IronWolf 4 TB dann vor der WD Red 2 TB platzieren kann, wenn deren interne Datenübertragungsrate limitiert. Da die WD Red mit theoretisch maximal 147 MB/s schreiben kann, kann sie im Test nicht die knapp 160 MB/s erreichen, die die IronWolf 4 TB beim Schreiben einer Datei erzielt.

Auf leistungsfähigen NAS-Systemen, bei denen nicht die Netzwerkschnittstelle den primären Flaschenhals darstellt, kann sich die IronWolf 4 TB somit etwas von der WD Red 2 TB absetzen und doch noch für einen deutlicheren Unterschied zwischen den NAS-Systemen sorgen. Trennen die Synology DS718+ und QNAP TS-253B beim Schreiben einer einzelnen Datei mit der WD Red 2 TB nämlich nur 5 Prozent, sind es mit der IronWolf 4 TB deutlichere 17 Prozent.

Dateitransfer

Beim Schreiben und Lesen einer großen Datei limitiert selbst bei den DS218j und DS218play nicht mehr die Geschwindigkeit des NAS selbst, sondern die Netzwerkschnittstelle. Die im Test vertretenen aktuellen NAS-Modelle liegen alle gleichauf, und es spielt – zumindest in diesem einen Punkt – keine Rolle, ob man das günstigste oder teuerste NAS im Testfeld erworben hat.

Die Übertragungsgeschwindigkeit eines Ordners mit vielen kleinen Dateien bleibt weiterhin deutlich hinter der einer einzelnen großen Datei zurück. Dennoch zeigt auch dieses Szenario, dass es dabei kaum eine Rolle spielt, ob ein leistungsstarker Quad-Core-x86-Prozessor oder ein deutlich langsamerer ARM-Prozessor eingesetzt wird.

DS216j überraschend weit zurück

Interessant ist aber auch der Vergleich der DS216j und DS218j. Beide Modelle trennen nur 300 MHz Prozessortakt. Trotzdem fällt die DS216j in den Übertragungstests überraschend weit hinter die DS218j. Im Schnitt knapp 10 Prozent kann sich die DS218j alleine durch den höheren Prozessortakt von der D216j absetzen.

Dieses Bild bestätigt sich je nach Test auch bei Intels NASPT. Die DS216j bildet teils mit Rückstand das Schlusslicht, aber auch die DS218j liegt in einzelnen Tests deutlicher hinter der DS218play zurück. Erneut sind es fast 10 Prozent, die die DS216j und DS218j trennen.

Verschlüsselung

Für den Test wird auf die Ordnerverschlüsselung zurückgegriffen. Die DS218j und DS218play zeigen in diesem Test eklatant unterschiedliche Übertragungsraten. Kann die DS218play mit den Intel-basierten NAS-Systemen mit AES-NI-Unterstützung mithalten, fällt die DS218j deutlich zurück. Setzt die DS218j auf die ARMv7-Architektur mit 32 Bit, kommt bei der DS218play die ARMv8-Architektur mit 64 Bit zum Zuge. Nirgends wird der Unterschied zwischen Dual-Core-ARMv7 und Quad-Core-ARMv8 so deutlich wie bei der AES-256-Verschlüsselung. Die DS218play ist doppelt bis dreifach so schnell wie die DS218j.

Kann die AES-256-Verschlüsselung bei der DS218play auch im Alltag bedenkenlos eingesetzt werden, ist sie bei der DS218j weiterhin nur für ausgewählte Ordner praktikabel.

Weder die DS218play noch die DS218j bieten zwei Netzwerkanschlüsse und unterstützen so Link Aggregation. Zur Referenz für den ersten Test mit Seagates IronWolf 4 TB werden an dieser Stelle dennoch die Ergebnisse der QNAP TS-253B-8G und Synology DS718+ gezeigt.

USB-Backup

Für den Backup-Test müssen 25 GB über USB geschrieben und gelesen werden. Es kommt immer der schnellste zur Verfügung stehende USB-Anschluss zum Einsatz. Die Ergebnisse sind nicht in Megabyte pro Sekunde, sondern in Minuten angegeben – weniger ist somit besser.

Backup über USB 3.0
Angaben in Minuten, Sekunden
  • Schreibgeschwindigkeit (25 GB):
    • Synology DS718+
      2:50
    • Synology DS218+
      2:51
    • QNAP TS‑253B-8G
      2:53
    • Synology DS218play
      3:33
    • Synology DS218j
      4:20
    • Synology DS216j
      5:25
  • Lesegeschwindigkeit (25 GB):
    • Synology DS218+
      2:38
    • Synology DS718+
      2:50
    • QNAP TS‑253B-8G
      3:00
    • Synology DS218play
      3:28
    • Synology DS218j
      4:14
    • Synology DS216j
      4:50

Dass sich die Leistungsfähigkeit eines NAS auch auf die Übertragungsgeschwindigkeit der USB-Anschlüsse auswirkt, zeigen die Ergebnisse deutlich. Liegen die schnellsten Modelle fast gleichauf, ist insbesondere die j-Serie von Synology deutlich langsamer als die +-Modelle. Fast doppelt so lange dauert es mit der DS216j im Vergleich zur DS218+ oder DS718+, ein Backup zu erstellen und einzuspielen. Die DS218play platziert sich zwischen den +-Modellen und der DS218j. Wer häufig große Datenmengen über USB kopiert, für den können diese deutlichen Unterschiede durchaus ein Grund sein, zu einem schnelleren Modell zu greifen.

Auf der nächsten Seite: Lautstärke & Leistungsaufnahme