Amazon Echo Spot im Test: Ein Wecker wie aus dem letzten Jahrtausend 2/4

Frank Hüber 49 Kommentare

Telefonie und IP-Kameras

Telefonie nicht über Skype und Co.

Die Videotelefonie, die der Echo Spot grundsätzlich unterstützt, funktioniert nicht mit Skype, Google Hangouts oder anderen Alexa-fremden Diensten. Die VGA-Kamera des Echo Spot kann angesichts einer Auflösung von nur 640 × 480 Pixel nicht mit aktuellen Smartphone- oder IP-Kameras mithalten und liefert ein rauschendes, mit Artefakten versehenes Bild. Auch bei der Walkie-Talkie-Funktion Drop-in kann die Kamera eingesetzt werden, etwa wenn zwischen zwei Echo Spot oder Echo Show kommuniziert wird. Anders als die Audio-Verbindung ist die Video-Übertragung dabei die ersten 10 Sekunden deaktiviert, um dem Nutzer die Möglichkeit zu geben, die Übertragung eines Bildes nicht zu gestatten.

IP-Kameras auf dem Echo Spot ansehen

Der Videostream von unterstützten Smart-Home-Kameras kann direkt auf dem Bild des Echo Spot angesehen werden. Ist die Videokamera so eingestellt, dass sie nur bei erkannter Bewegung ein Video aufzeichnet, erscheint die Funktion sinnvoll, dass der Echo Spot automatisch auf die Wiedergabe eines Live-Videos dieser Kamera springt und den Benutzer so, wahlweise auch durch einen Hinweiston, auf die Aktivität aufmerksam macht. Bislang funktioniert hiervon jedoch nichts. Das Display des Echo Spot wird weder aktiv, wenn eine Bewegung erkannt wird, noch gibt er eine akustische Benachrichtigung aus, dass sich beispielsweise auf der Terrasse gerade etwas tut. Auch und nicht nur in dieser Hinsicht verschenkt der Echo Spot noch viel Potenzial.

Amazon Echo Spot: Verbindung mit IP-Kamera
Amazon Echo Spot: Verbindung mit IP-Kamera
Amazon Echo Spot: Verbindung mit IP-Kamera
Amazon Echo Spot: Verbindung mit IP-Kamera

Die Ansicht eines Videostreams auf dem Spot ist dabei in einer durchaus akzeptablen Qualität und für einen kurzen Blick auf das Geschehen sehr gut geeignet. „Alexa, zeige die Terrassen-Kamera“ liefert etwa bei einer Logitech Circle 2, deren Standort als Terrasse bezeichnet ist, den Livestream der Kamera auf dem Echo Spot.

Zu wenig Optionen bei Zifferblatt und Nachtmodus

Zifferblätter können nicht konfiguriert werden

Die Uhr, das wichtigste Element des Echo Spot, bietet derzeit zu wenig Einstellungsmöglichkeiten. Zwar kann der Benutzer aus insgesamt 17 analogen und digitalen Zifferblättern wählen, diese jedoch nicht weiter anpassen. Einzig die Option, eigene Bilder als Hintergrund zu wählen, ermöglicht etwas Individualisierung. Was jedoch gänzlich fehlt, ist die Option, selbst festzulegen, welche Informationen auf der Uhr abgebildet werden. Manche Zifferblätter beinhalten das Datum, andere nicht. Angepasst werden kann dies jedoch nicht – Widgets gibt es nicht. Auch die Option, die Temperatur klein auf dem Zifferblatt abzubilden, gibt es nicht. Hierfür muss zur entsprechenden Karte navigiert werden.

Der Nachtmodus ist alles andere als „smart“

Der Echo Spot kann allerdings so konfiguriert werden, dass nachts das Display automatisch gedimmt wird. Dieser „Nachtmodus“ umfasst einen Zeitplan, in dem der Nutzer festlegen kann, von wann bis wann das Display gedimmt werden soll. Zusätzlich zu einer geringeren Helligkeit wählt der Echo Spot in diesem Zeitraum auch dezentere Farben für das ausgewählte Zifferblatt, die den Nutzer weniger blenden. Ein festes Intervall zur Steuerung des Nachtmodus' wird dem Ansatz eines „smarten Weckers“ allerdings keinesfalls gerecht. Passender wäre die Möglichkeit, zumindest optional, den Nachtmodus an den Sonnenauf- und -untergang zu koppeln statt an feste Uhrzeiten. Außerdem kann im Zeitplan nur die Uhrzeit eingestellt werden, nicht jedoch der Tag oder die Tage, an denen dieser gelten soll. Es liegt nahe, dass der Zeitplan für den Nachtmodus am Wochenende anders konfiguriert werden soll als an Werktagen.

Die Funktion „Bitte nicht stören“, die Benachrichtigungen deaktiviert und Anrufe unterdrückt, wird hierdurch jedoch nicht automatisch aktiviert und muss manuell eingestellt werden. Dies ist ebenfalls per Zeitplan möglich, aber auch nicht tagesabhängig. Ein „Alexa, aktiviere den Nachtmodus“ funktioniert derzeit nicht, „Alexa, bitte nicht stören“ aktiviert hingegen den Bitte-nicht-stören-Modus. Warum es diese Unterscheidung gibt, leuchtet nicht ein.

Der Echo Spot verfügt über einen Helligkeitssensor, der die Display-Helligkeit, falls in den Einstellungen aktiviert, an das Umgebungslicht anpasst. Dies funktioniert gut, auf den Nachtmodus sollte im Alltag bei Nutzung neben dem Bett aber dennoch nicht verzichtet werden.

Gute Musik, besch****** Videos

Musik: Cover und Songtexte auf dem Display

Bei der Musikwiedergabe werden auf dem Display Informationen zum aktuellen Musiktitel angezeigt. Bei der Wiedergabe über Spotify sind dies beispielsweise der Songname und Interpret sowie das Cover. Durch Berühren des Displays erscheint das Kontrollmenü zum Pausieren, Vor- und Zurückspringen. Im Lied kann über einen Kreis am äußeren Rand des Displays an eine gewünschte Stelle gesprungen werden. Bei der Wiedergabe dient dieser Rand gleichzeitig als Fortschrittsanzeige der Dauer der Wiedergabe. Amazon Music unterstützt zudem die Ausgabe des Songtextes auf dem Bildschirm, in dem per Wischgeste auch gescrollt werden kann. Zusätzliche Informationen von Spotify etwa zum Inhalt des Musikstückes und der Bedeutung sowie zum Interpreten, wie sie auf dem Smartphone in der App angezeigt werden, werden auf dem Echo Spot nicht ausgegeben.

Besch****** Videowiedergabe auf rundem 2,5-Zoll-Display

Bei der Videowiedergabe auf dem runden Display kann der Nutzer im Kontrollmenü auswählen, ob das ganze Video sichtbar sein soll, ein Teil der Ecken abgeschnitten werden soll, so dass der Bildschirm in der Breite komplett genutzt wird, oder das Video den gesamten Bildschirm füllen soll, wodurch bei 16:9-Videos nur noch ein runder Ausschnitt aus der Mitte sichtbar bleibt. Für normale Videos ist meist der Modus mit leicht abgeschnittenen Ecken die beste Wahl. Zu mehr als kurzen Nachrichtenvideos taugt die bescheidenen Videowiedergabe des Echo Spot aufgrund des runden Displayformats somit nicht. Wer auf kurzweilige YouTube-Videos auf dem Nachttisch hofft, wird zudem enttäuscht: Die Wiedergabe von YouTube ist auf dem Echo Spot nicht verfügbar, da sich Google und Amazon über die Unterstützung der Dienste des jeweils anderen streiten. Für die Videowiedergabe stehen somit abseits von Nachrichten-Skills nur die Videostreaming-Dienste von Amazon selbst zur Verfügung.

Die Wiedergabe von Videos per Sprachsuche über den Echo Spot kann deaktiviert werden, so dass nicht jeder, der in Reichweite des Echo Spot ist, auch Videos abspielen kann. Zudem ist ab Werk ein Filter aktiviert, der Inhalte, die möglicherweise nur für Erwachsene sind, sperrt.

Grundsätzlich greift man jedoch in jeder Situation lieber zum Smartphone, als sich Videos auf dem Echo Spot anzusehen.

Soundqualität für einen Wecker ausreichend

Die Soundqualität des Echo Spot ist für den Einsatz als Musik-Wecker völlig ausreichend. Dass klanglich keine Wunder zu erwarten sind, offenbart schon die Größe des Echo Spot, so dass der Käufer nicht zu hohe Ansprüche an den Bass stellen sollte. Die Abstrahlung der Lautsprecher nach unten verstärkt den Klang auf harten Untergründen. Klanglich liegt der Echo Spot auf einem mit dem Echo Dot vergleichbaren Niveau. Der ausgewachsene Echo oder Echo Plus bieten einen deutlich besseren und kräftigeren Klang.

Amazon Echo Spot
Amazon Echo Spot
Amazon Echo Spot
Amazon Echo Spot
Amazon Echo Spot: Musikwiedergabe mit Spotify
Amazon Echo Spot: Musikwiedergabe mit Spotify

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