PocketBook InkPad 3: Der große Reader lässt kaum Wünsche offen 2/2

Michael Schäfer 33 Kommentare

Gute Darstellung sorgt für lange Leseabende

Die höhere Auflösung sorgt für ein entspanntes Lesen, wenngleich diese weniger ins Gewicht fällt als der Wechsel zur aktuellen Carta-Technologie. Carta stellt Inhalte scharf und kontrastreich dar.

In Sachen Ghosting zeigt PocketBook erneut der Konkurrenz, wie ein E-Ink-Display richtig angesteuert wird: Selbst wenn der Aktualisierungsintervall auf „nie‟ gestellt wird, dauert es sehr lange, bis Überbleibsel vorangegangener Seiten erkennbar bleiben. Während bei anderen Herstellern für ein gutes Schriftbild die Invertierung für jede Seite gewählt werden muss, reicht dies beim neuen PocketBook alle zehn Seiten – was einen guten Kompromiss zwischen Blättergeschwindigkeit und Energieverbrauch darstellt.

Der Seitenaufbau erfolgt aufgrund der verbesserten Hardware-Basis mit einem Dual-Core-Prozessor bei jeweils 1 Gigahertz Taktung und einem aufgestockten Arbeitsspeicher von 1 Gigabyte sehr schnell – selbst bei großen PDF-Dokumenten.

Das PocketBook InkPad 3 ermöglicht ein komfortables Lesen von digitalen Büchern
Das PocketBook InkPad 3 ermöglicht ein komfortables Lesen von digitalen Büchern

Das System beinhaltet – wie von PocketBook gewohnt – 15 Schriftarten plus Verlegerschrift, weitere Fonts können bei Bedarf durch einfaches Kopieren in den Ordner „system/fonts‟ hinzugefügt werden. Abhängig von der gewählten Schriftart erfolgt die Darstellung normal, fett oder kursiv. Die Schriftgröße kann bei Bedarf sowohl im dazugehörigen Menü als auch per Zoomgeste angepasst werden. Über den verbauten Lagesensor lassen sich Inhalte zudem automatisch im Porträt- oder Landscape-Modus anzeigen.

Bei den restlichen Einstellungen bietet PocketBook hingegen lediglich gewohnte Kost: Sowohl Zeilenabstand als auch Ränder lassen sich in drei unterschiedlichen Stufen einstellen. Im Gegensatz zum kleineren Bruder Touch HD 2 wird hierbei kein Platz verschenkt. Zur zusätzlichen Platzgewinnung können die Kopf- und die Fußzeile ausgeblendet werden.

Einen nicht zu unterschätzenden Komfort bergen auch die größtenteils frei wählbaren Tastaturbelegungen, welche separat für EPUB- und PDF-Dokumente vorgenommen werden können. Diese lassen sich für verschiedene Konfigurationen sichern.

Zahlreiche Texteinstellungen erhöhen den Lesekomfort
Zahlreiche Texteinstellungen erhöhen den Lesekomfort

Die Königsdisziplin: Das Darstellen von PDF-Dokumenten

Dass PocketBook besitzt seit Jahren eine der besten Darstellungen von PDF-Dokumenten. Beim InkPad 3 vereint der Hersteller nun die zuletzt getestete hohe Qualität des Touch HD 2 mit dem Vorteil eines größeren Displays. Dies führt dazu, dass sich zum Beispiel Manga und Comics in der Größe der Lustigen Taschenbücher von Disney komfortabel lesbar auf dem Reader darstellen lassen. Durch die Crop-Funktion ist dies auch bei digitalen Zeitschriften möglich, sofern diese ausreichend seitliche Weißflächen zum Abschneiden bieten.

PDF-Reflow nach wie vor der Konkurrenz voraus

Aufgrund der technisch bedingten Trägheit der E-Ink-Technologie gestaltet sich das Festlegen der Außenseiten zwar nicht selten als kleine Geduldsprobe. Einmal eingestellt, lassen sich so aber zahlreiche E-Paper noch komfortabel lesen. Eine Alternative können der Landscape-Modus und eine Anpassung in die Breite sowie die Spaltenfunktion darstellen.

An der guten PDF-Reflow-Funktion der vergangenen Reader von PocketBook hat sich bisweilen nichts geändert, diese stellt im Herstellervergleich nach wie vor das Maß aller Dinge dar. Hierbei wird der Text aus dem Dokument gelöst und anschließend versucht, ihn wie bei einem E-Book im EPUB-Format darzustellen. Das klappt am besten bei Dokumenten mit einem großen Anteil von reinem Text, bei Tabellen können hingegen Formatierungen verloren gehen.

Gerade bei PDF-Dokumenten zeigt sich die verbesserte technische Basis: Seiten werden schnell aufgebaut, wenn auch der Komplexität und der Dateigröße geschuldet nicht so zügig, wie es der Leser beim EPUB-Format gewohnt ist.

Vorleser kommt nicht zur Ruhe

Gegenüber dem InkPad 2 wie auch dem Touch HD 2 hat PocketBook die Vorlesefunktion beim neuen Reader nicht verändert. Sie greift nach wie vor auf die IVONA-TTS-Engine zurück, die Texte über die computergenerierten Stimmen „Hans‟ und „Marlene‟ in deutscher Sprache ausgibt. Auch im neuen Reader fallen diese Stimmen nicht primär durch ihre Natürlichkeit auf, Betonungen stimmen nur selten, Gleiches gilt für Pausen.

Schwerer wiegt aber weiterhin das Vorlesen „ohne Punkt und Komma‟, das dem Zuhörer eine große Konzentration abverlangt – selbst bei geringer Geschwindigkeit hetzt der „Vorleser‟ von einem Wort zum anderen. Dennoch kann die Funktion bei kurzen Texten oder Fachliteratur durchaus einen Nutzen darstellen – der Anwender darf nur nicht die Qualität eines professionell eingesprochenen Hörbuchs erwarten. Auf der anderen Seite kann die Funktion eventuell auch für das Erlernen von Fremdsprachen nützlich sein, wovon 15 in verschiedenen Ausführungen bereitstehen.

Die Vorlesefunktion des PocketBook InkPad 3 täte ein wenig Gemütlichkeit gut
Die Vorlesefunktion des PocketBook InkPad 3 täte ein wenig Gemütlichkeit gut

Rudimentärer Audioplayer

Neben zahlreichen anderen Applikationen enthält das InkPad 3 auch einen Audioplayer, der in seinen Funktionen jedoch stark eingeschränkt und nicht mit diversen Playern mobiler Plattformen vergleichbar ist. Er spielt lediglich Audiodateien im MP3-Format ab und beinhaltet neben dem Wiederholen und zufälligen Abspielen von Titeln sowie dem Organisieren von Abspiellisten kaum weitere Funktionen.

Darüber hinaus hat es PocketBook bislang nicht geschafft, die dazugehörigen Audiodateien auch über die Bibliothek auswählen zu können. Nach wie vor geht dies nur über das Hinzufügen innerhalb der App. Die Klangqualität geht in Ordnung, wenn auch Möglichkeiten zur Toneinstellung fehlen. Für das Hören von Hörbüchern reicht die Lösung dennoch allemal aus. Über ein Bluetooth-Modul, wie es beim Kindle 2016 (Test) der Fall ist, verfügt das InkPad 3 nicht. Kopfhörer müssen also per Kabel angeschlossen werden.

Der einfach gehaltene Audioplayer eignet sich vornehmlich für Hörbücher
Der einfach gehaltene Audioplayer eignet sich vornehmlich für Hörbücher
Das PocketBook InkPad 3 bietet viele nützliche Tools
Das PocketBook InkPad 3 bietet viele nützliche Tools

Altbekannte Werkzeuge

Wie für PocketBook üblich, führt auch der neue Reader eine Fülle an zusätzlichen Applikationen mit sich, die neben dem beschriebenen Audioplayer verschiedene Apps zum Befüllen des Readers, Spiele wie Klondike, Schach oder Sudoku und nützliche Tools wie den Browser, einen RSS-Feed oder einen Taschenrechner sowie noch einiges mehr vorhalten.

Fazit

PocketBook ist mit dem InkPad 3 ein großer Wurf gelungen. Der neue E-Book-Reader verbindet die Qualitäten des Touch HD 2 (Test) mit einem großen Display mit höherer Auflösung. Das verbessert vor allem die Darstellung von PDF-Dokumenten, die in vielen Fällen und unter Zuhilfenahme der Crop-Funktion selbst auf dem 7,8 Zoll großen Bildschirm bequem gelesen werden können. Gleiches gilt für Dokumente, die in etwa die Größe des InkPad 3 besitzen. Und reicht das nicht aus, können Anwender auf das erstklassige PDF-Reflow zurückgreifen. Und letztendlich kommt die größere Anzeige auch E-Books doppelt zugute: Es muss seltener geblättert werden.

Zuverlässig arbeitender Blaulichtfilter

Hinzu kommt der bereits mit dem kleinen Bruder eingeführte Blaulichtfilter, der seine Aufgabe sehr gut erledigt. Die Beleuchtung selbst ist ausreichend stark und gleichmäßig verteilt. In Sachen Ghosting gibt sich der Hersteller ebenfalls keine Blöße. Die vielen Einstellungsmöglichkeiten samt zusätzlichen Apps runden das Angebot ab.

Einheitliche Gestaltung

Äußerlich ähnelt das InkPad 3 nun mehr dem restlichen PocketBook-Portfolio, manche Nutzer werden aber die seitlichen Blättertasten vermissen – die Abkehr ermöglichte aber eine deutlich kompaktere Gestaltung des Readers. Die Verarbeitung zeigt sich erneut auf einem hohen Niveau.

Die einzige wirkliche Baustelle bleibt die Vorlesefunktion, die in den meisten Fällen weiterhin weder Punkt noch Komma kennt und einfach durch den Text trabt. Und Wasser mag das InkPad 3 auch nicht.

PocketBook InkPad 3 im Test

Fernab von Wasser die insgesamt beste Alternative

Spielt der Schutz gegen Wasser für den geneigten Kunden aber nur eine untergeordnete Rolle, besitzt das InkPad 3 gegenüber der Konkurrenz bestehend aus dem Tolino Epos (Test) und dem Kobo Aura One (Test) im Grunde nur Vorteile: Neben der besten PDF-Darstellung gehören auch der per SD-Karte erweiterbare Speicher dazu. Der Aura One unterstützt das Format PDF lediglich rudimentär und der Tolino Epos besitzt ein katastrophales PDF-Reflow. Weitere Pluspunkte sind der Audioplayer sowie die anderen zahlreichen Tools.

Am Ende ist der getestete Reader in der Preisempfehlung sogar noch 20 Euro günstiger als der Tolino Epos, während der Aura One hierzulande – wenn überhaupt - nur noch über Restbestände erhältlich sein dürfte.

Aufgrund des stimmigen Gesamtpaketes und besonders wegen der guten PDF-Darstellung erhält das InkPad 3 daher die uneingeschränkte Kaufempfehlung der Redaktion.

PocketBook InkPad 3
Produktgruppe E-Book-Reader, 21.02.2018
  • Darstellung
    ++
  • Bedienung
    +
  • Verarbeitung
    +
  • gute Verarbeitung
  • großes Display
  • hohe Auflösung
  • Blaulichtfilter
  • sehr gute Darstellung
  • funktionsreiche Bibliothek
  • sehr gute Darstellung von PDF-Dokumenten
  • viele Möglichkeiten zur Befüllung
  • Vorlesefunktion zu schnell
ComputerBase-Empfehlung für PocketBook InkPad 3

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