Galaxy S9 und S9+ im Test: Samsung macht das Galaxy S8 noch besser 2/4

Nicolas La Rocco 269 Kommentare

Neue Kamera mit DRAM-Cache

Die großen Veränderungen am Galaxy S9 kommen mit der neuen Kamera, angefangen beim eigens entwickelten Sensor. Erstmals flanscht Samsung direkt an den Sensor DRAM als Cache an, vermutlich 128 MB, und nutzt diesen Speicher für eine neue Multi-Frame-Rauschunterdrückung bei schlechten Lichtbedingungen sowie eine besonders schnelle respektive langsame Zeitlupe mit 960 FPS. Samsung ist aber nicht der erste Hersteller mit einer solchen Lösung: Sony hatte mit dem Exmor-Sensor des letztjährigen Xperia XZ Premium (Test) den ersten Sensor mit integriertem DRAM im Angebot.

Zeitlupe mit 960 FPS

Samsungs neue Zeitlupe ist Sonys allerdings in einem Punkt überlegen, obwohl sich die verbaute Technik zunächst einmal gleich liest: Mit dem Galaxy S9 ist es deutlich einfacher, eine schnelle Bewegung zur richtigen Zeit einzufangen. Das liegt daran, dass Samsung eine Erkennung für Bewegungen im Sucher integriert hat, die zuverlässig für eine automatische Aktivierung der neuen Zeitlupe sorgt. Im Sucher lässt sich die Position festlegen, an der das Smartphone auf Bewegungen achten soll.

Die weiteren Eckdaten der 960-FPS-Zeitlupe stimmen mit Sonys Umsetzung überein. Das bedeutet, dass die Kamera in Echtzeit angegeben über 184 Millisekunden genau 176 Frames speichert, bis der Speicher voll ist – und die Aufnahme anschließend mit 30 FPS wiedergibt. Das wiederum entspricht dann einer Dauer von 5,9 Sekunden und einem Zeitlupenfaktor von 1:32. Die neue Superzeitlupe arbeitet in 720p-Auflösung und entspricht damit auch in diesem Punkt dem Xperia XZ Premium. Erst mit Sonys neuem Xperia XZ2 ist 1080p möglich.

Variable Blende + MFNR

Darüber hinaus ist das Galaxy S9 das erste global verfügbare Samsung-Smartphone mit variabler Blende von f/1.5 oder f/2.4. Das für den chinesischen Markt bestimmte Luxus-Klapp-Smartphone Samsung W2018 hat dieses Feature ebenfalls an Bord. Über die variable Blende steuert die Optik, wie viel Licht auf den Sensor trifft. Das soll am Tag dabei helfen, überbelichtete Fotos zu verhindern, und gleichzeitig dafür sorgen, dass bei Nachtaufnahmen mehr Licht auf den Sensor trifft.

In der Fotografie gibt es nur die drei Stellschrauben Blende, Belichtungszeit und ISO, um vereinfacht ausgedrückt zu bestimmen, wie hell die Aufnahme werden soll. Hier gibt die variable Blende dem Anwender etwas mehr Flexibilität für die anderen zwei Parameter. Denn während bisher ein Wettrennen zu immer offeneren Blenden stattgefunden hat, die mehr Licht auf den Sensor lassen, liegt der Nachteil in diesen vermeintlich per se besseren Optiken in der zum Rand hin potenziell schlechteren Schärfe. Je offener die Blende, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass im Randbereich die Schärfe nachlässt. Das ist stellenweise selbst bei hochwertigen Objektiven von DSLR- und EVIL-Kameras erkennbar.

Kamera bei Tageslicht

Für Aufnahmen bei Tageslicht nutzt der Automatikmodus die f/2.4-Blende, unter 100 Lux wird automatisch auf Blende f/1.5 gewechselt. Wer in den Pro-Modus der Kamera-App wechselt, erhält manuellen Zugriff auf die Blende. Es lässt sich dabei stets nur zwischen Blende f/1.5 oder f/2.4 wählen, Zwischenschritte wie f/2.0 stehen nicht zur Auswahl.

Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Kamera bei Tageslicht
Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Kamera bei Tageslicht (Fototour Malta)

Die Bildcharakteristik des Galaxy S9 entspricht bei Tageslicht hinsichtlich Farben, Schärfe, Dynamikumfang und Weißabgleich dem Galaxy Note 8 und somit auch dem Galaxy S8. Wie von Samsung beworben, wählt der Automatikmodus bei Tageslicht stets Blende f/2.4. Erst für die Aufnahme im U-Bahnhof (Bild 66) wechselt das Smartphone auf f/1.5. Allgemein punktet Samsung wie in der Vergangenheit mit einer hohen Schärfe und satten Farben. Der Automatikmodus wählt einen deutlich weniger intensiven Kontrast als zum Beispiel das iPhone 8 Plus oder Huawei Mate 10 Pro. Das Google Pixel 2 bewegt sich zwischen diesen beiden Extremen. Erfreulich sind zudem wieder der sehr schnelle Autofokus und der schnelle Start der Kamera über den An-aus-Schalter.

Kamera bei Nacht

Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Kamera bei Nacht
Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Kamera bei Nacht (Fototour Malta)

Bei Nacht soll das Galaxy S9 dank f/1.5-Blende und Multi-Frame-Rauschunterdrückung (MFNR) laut Samsung seine Vorteile ausspielen. Und in der Tat funktioniert die Rauschunterdrückung wie versprochen und liefert im Vergleich zu allen anderen getesteten Geräten die besten Ergebnisse. Das Huawei Mate 10 Pro liefert in diesem Vergleich allerdings auch ein gutes Ergebnis. Man muss die Bilder aber schon sehr im Detail betrachten, um die Unterschiede auszumachen. Beim schnellen Schnappschuss, der nur wenige Sekunde auf dem Handy betrachtet wird, fällt die bessere Qualität zunächst nicht auf. Erst beim Zoomen am Desktop sind die Unterschiede erkennbar.

Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Vergleich Rauschunterdrückung

Die beste Rauschunterdrückung führt im Vergleichstest aber nicht automatisch auf den ersten Platz des Siegerpodests. Hier steht das Google Pixel 2 ganz oben, da es mit Abstand die schönsten Aufnahmen bei Nacht liefert. Googles Smartphone findet im Motiv stets eine sehr gute Harmonie zwischen dunklen und hellen Stellen. Lichter leuchten, überstrahlen aber nicht, und der Dynamikumfang ist für ein Smartphone herausragend. Das zeigen eindrucksvoll die Bilder 98 und 108. Keine Frage, das Galaxy S9 schießt bei Nacht gute bis sehr gute Fotos, das Pixel 2 schlägt es aber nicht.

Ultra HD mit 60 FPS

Das Galaxy S9 ist das erste Samsung-Smartphone, das im Videomodus in 4K Ultra HD mit 3.840 × 2.160 Bildpunkten eine Bildwiederholrate von 60 FPS unterstützt. Bei früheren Galaxy-S- und Galaxy-Note-Smartphones konnte die Ultra-HD-Auflösung stets nur mit maximal 30 FPS aufgezeichnet werden.

In diesem Punkt zieht Samsung jetzt mit dem iPhone X (Test) und iPhone 8 (Test) von Apple gleich. Aber Vorsicht: Die Videostabilisierung lässt sich im neuen UHD-Modus nicht verwenden, außerdem fallen der Verfolgungs-Autofokus und die Videoeffekte weg. Letzteres ist auch bei UHD mit 30 FPS sowie in den Auflösungen QHD und Full HD mit 60 FPS der Fall. Darüber hinaus ist Ultra HD mit 60 FPS auf eine Aufnahmedauer von maximal fünf Minuten begrenzt. Bei Ultra HD mit 30 FPS liegt das Limit bei zehn Minuten. In anderen Aufnahmemodi des Galaxy S9 gibt es diese Einschränkungen nicht und Apple hat sie selbst in 4K60 nicht.

Dass die Videostabilisierung in 4K60 nicht genutzt werden kann, lässt die aufgenommenen Videos im Vergleich mit einem iPhone 8 Plus nicht weniger gut dastehen. Die durchs Laufen entstandenen Wackler sind bei beiden Geräten ungefähr gleich. Auch das Apple-Smartphone ist hier kein Wunderheiler und bügelt die Aufnahme nicht vollständig glatt. Dank des optischen Bildstabilisators gibt es ja immerhin einen Wackelschutz bei Samsung. Dieser ist im Galaxy S9 und S9+ verbaut.

Rein optional und abhängig von der Auflösung sowie Bildwiederholrate ist die Nutzung des HEVC-Codecs, der mit den Werkseinstellungen nicht zum Einsatz kommt. Ein einmütiges Testvideo in Ultra HD mit 60 FPS belegt in H.264 519 MB und hat eine Videodatenrate von 72,3 Mbit/s. Dasselbe Video in HEVC belegt 305 MB und hat eine Videodatenrate von 41,7 Mbit/s. Samsung nutzt für beide Codecs MP4 als Container.

Dual-Kamera nur im S9+

Das Galaxy S9+ bietet erstmals eine Dual-Kamera, wie sie bisher nur beim Galaxy Note 8 (Test) anzutreffen war. Die Sensoren dahinter sind neu, der grundsätzliche Aufbau und die Funktionen aber gleich. Über das zweite Objektiv ermöglicht Samsung einen zweifachen optischen Zoom und den „Live Fokus“ genannten Bokeh-Effekt, der sich nach Wunsch mehr oder weniger intensiv und auch im Nachhinein anwenden lässt.

Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – Zoom-Vergleich

AR-Emoji

AR-Emojis sind Samsungs Antwort auf Apples Animoji des iPhone X, allerdings ohne TrueDepth-Kamera, sondern einfach nur über die Frontkamera aufgenommen und unterstützt durch die Face-Tracking-Features des neuen Exynos-Prozessors. AR-Emojis können wie bei Apple über den Messenger geteilt oder als animiertes GIF in den sozialen Netzwerken gepostet werden. Neben eigenen Aufnahmen lässt sich der 3D-Scan des Gesichts auch mit von Samsung vordefinierten Gesichtsausdrücken kombinieren. Außerdem stehen verschiedene Alter Egos wie Tiere, Figuren und Masken zur Auswahl. Gerade Letztere sorgen für lustigere Aufnahmen als das AR-Emoji selbst.

Samsung Galaxy S9 und S9+ im Test – AR Emoji

Die Einrichtung eines persönlichen AR-Emojis ist innerhalb weniger Sekunden über die Kamera-App erledigt – per Frontkamera oder Hauptkamera. Dafür müssen im Vorfeld nur Brillen abgesetzt und Haare aus dem Gesicht gewischt werden. In einem zweiten Schritt lässt sich noch der Hautton des Gesichts anpassen. Einmal erstellt, legt das Galaxy S9 eine Reihe vorgefertigter GIF-Animationen des AR-Emojis in der Galerie ab.

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