Galaxy S9 und S9+ im Test: Samsung macht das Galaxy S8 noch besser 3/4

Nicolas La Rocco 260 Kommentare

Oft schneller Exynos 9810

Dass Samsung die Features der neuen Kamera überhaupt abrufen kann, liegt neben dem Sensor mit eigenem DRAM-Cache auch am neuen System on a Chip Exynos 9810, das im Galaxy S9 erstmals zum Einsatz kommt, nachdem es Mitte November des letzten Jahres angekündigt und zur CES im Januar dieses Jahres noch einmal im Detail vorgestellt worden war. Der Exynos 9810 ist das europäische Pendant zum Qualcomm Snapdragon 845, der unter anderem in der US-Variante des Galaxy S9 verbaut wird.

Der neue Chip läuft bei Samsung in 10 Nanometer vom Band, genauer gesagt in dem Fertigungsprozess 10LPP, der für „10 nm Low Power Plus“ steht. 10LPP ist die zweite Generation der 10-nm-Fertigung und bringt laut Samsung gegenüber 10LPE („Low Power Early“) eine wahlweise 10 Prozent höhere Leistung oder eine 15 Prozent geringere Leistungsaufnahme. Gleichzeitig spricht Samsung von einer deutlich besseren Yield-Rate.

Exynos M3 und ARM Cortex-A55

Der Exynos 9810 besitzt vier Performance-Kerne mit dem Namen Exynos M3, die im Galaxy S9 mit bis zu 2,704 GHz takten. Der minimale Takt der Exynos M3 liegt bei 650 MHz. Die Chip-Sparte hatte den Chip noch mit bis zu 2,9 GHz vorgestellt. Nur weil das System on a Chip gewisse Funktionen beherrscht, werden diese aber nicht zwangsweise für ein Endgerät übernommen. Die vier Efficiency-Kerne des Typs ARM Cortex-A55 takten um etwas mehr als 100 MHz reduziert mit 1,794 statt 1,9 GHz. Samsung gibt gar nur 1,7 GHz an. Der minimale Takt liegt hier bei 455 MHz. Beim vorgestellten Chip mit höheren Maximaltaktraten spricht Samsung von einer ungefähr verdoppelten Single-Core-Performance und einer um 40 Prozent gestiegenen Multi-Core-Performance.

In den synthetischen Leistungsmessungen schneidet Samsungs neuer Exynos insbesondere im Geekbench sehr gut ab. Die Single-Core-Leistung fällt eklatant höher als noch bei den Exynos M2 des Galaxy-S8-Chips aus. Der Apple A10 aus dem iPhone 7 wird klar geschlagen, nur der A11 aus dem iPhone 8 und dem iPhone X ist schneller. Ein klares Bild zur Leistung ergibt sich nur anhand des Geekbench aber nicht. Im PCMark und auch in dem JavaScript-Benchmark Sunspider landet der Exynos 9810 hinter dem Exynos 8895. In Google Octane werden dann wieder die erwarteten Werte erzielt.

Die Ergebnisse stimmen mit den Beobachtungen von Anandtech überein, die äußerst konservative Einstellungen für den Scheduler dahinter vermuten. Im ComputerBase-Test fiel auf, wie selten der Maximaltakt der Exynos M3 abgerufen wird. Dies ist häufig nur für wenige Sekunden der Fall, hat aber nichts mit einer temperaturbedingten Drosselung zu tun. Samsung scheint hier primär den Verbrauch unter Kontrolle halten zu wollen.

Mali-G72 MP18

Die neue Grafikeinheit Mali-G72 MP18 soll laut Samsungs Semiconductor-Sparte 20 Prozent mehr Leistung bieten als die Mali-G71 MP20 des Exynos 8895. Dabei ist anders als bei der CPU allerdings nicht bekannt, mit welchen Parametern die GPU betrieben wurde. Für den Serieneinsatz im Galaxy S9 hat Samsung einen Maximaltakt von 572 MHz gewählt. Die Mali-G71 MP20 des Exynos 8895 wurde noch mit maximal 546 MHz betrieben. Dass eine neue GPU-Generation mit zwei Rechenclustern weniger, aber leicht erhöhtem Takt keine Wunder vollbringen wird, ist deshalb bereits abzusehen.

In den Messungen ist die neue Mali-G72 MP18 dann doch durchweg schneller und erzielt im GFXBench je nach Test zwischen 9 und 21 Prozent bessere Ergebnisse. Im 3DMark liegt das Plus bei maximal 16 Prozent (Unlimited OpenGL ES 2.0) im Vergleich zum Exynos 8895 und dessen Mali-G71 MP20.

Neues LTE-Modem

Ein neues LTE-Modem mit bis zu 1,2 Gbit/s im Downstream und bis zu 200 Mbit/s im Upstream hat es auch in den Exynos 9810 geschafft. Hier konnte aber noch nicht abschließend geklärt werden, wie viel davon im Auslieferungszustand freigegeben ist. Samsung erklärte der Redaktion im Rahmen des MWC, dass das Galaxy S9 vom Modem her und unter Berücksichtigung des Antennenlayouts die versprochenen Leistungswerte erzielen könne. Es ist aber auch von der Firmware abhängig, ob Down- und Uplink zum Beispiel auf 600 und 150 Mbit/s beschränkt werden.

Spezifikationen im Vergleich

Samsung Galaxy S9
Samsung Galaxy S9+
Software:
(bei Erscheinen)
Android 8.0
Display: 5,80 Zoll
1.440 × 2.960, 568 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
6,20 Zoll
1.440 × 2.960, 531 ppi
WQHD+ Super AMOLED, HDR, Gorilla Glass 5
Bedienung: Touch, Fingerabdrucksensor, Iris-Scanner, Gesichtsscanner, Status-LED
SoC: Samsung Exynos 9810
4 × Exynos M3, 2,70 GHz
4 × Cortex-A55, 1,80 GHz
10 nm, 64-Bit
GPU: Mali-G72 MP18
572 MHz
RAM: 4.096 MB
LPDDR4
6.144 MB
LPDDR4
Speicher: 64 / 256 GB (+microSD)
Kamera: 12,0 MP, 2160p
LED, f/1,5, AF, OIS
Sekundär-Kamera: Nein 12,0 MP, f/2,4, OIS, AF
Tertiär-Kamera: Nein
Frontkamera: 8,0 MP, 1440p
Display-Blitz, f/1,7, AF
Sekundär-Frontkamera: Nein
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced Pro
↓1.200 ↑200 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 5.0 LE
Ortung: A-GPS, GLONASS, BeiDou, Galileo
Weitere Standards: USB 3.1 Typ C, NFC
SIM-Karte:
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Akku: 3.000 mAh (11,55 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
3.500 mAh (13,48 Wh)
fest verbaut, kabelloses Laden
Größe (B×H×T): 68,7 × 147,7 × 8,50 mm 73,8 × 158,1 × 8,50 mm
Schutzart: IP68
Gewicht: 163 g 189 g
Preis: ab 655 € / 949 € / 849 € ab 767 € / 1.049 € / ab 774 €

Android im Querformat

Die Software auf dem Galaxy S9 entspricht mit Android 8.0 Oreo (Test) und der eigenen Oberfläche „Samsung Experience 9.0“ dem jüngst für das Galaxy S8 ausgerollten Update. Etwas ärgerlich ist an dieser Stelle, dass Samsung die neuen Smartphones nur mit dem Android-Patchlevel Stand Januar ausliefert, während es das „Android Security Bulletin“ für März seit Anfang dieser Woche gibt. Ein Update stand nicht zur Verfügung.

Neu hinzugekommen in Samsungs Android-Version ist ein Landscape-Modus für den Homescreen und den App-Drawer, sodass sich das Smartphone nun fast immer im Querformat nutzen lässt. Neu ist zudem die SmartThings-App, mit deren Hilfe sich alle Smart-Home-Geräte von Samsung über eine Oberfläche verwalten und steuern lassen.

Android mit Landscape-Modus
Android mit Landscape-Modus

Ebenfalls neu ist das Entsperren des Smartphones per „Intelligent Scan“, der die bisher einzeln ansteuerbare Gesichtserkennung und den Iris-Scanner zu einer Entsperrmethode vereint, die auch für die Authentifizierung innerhalb der Samsung-Knox-Funktionen genutzt werden kann. Dabei muss dem Anwender bewusst sein, dass das System die unsichere Gesichtserkennung über die normale 2D-Frontkamera zuerst durchführt und erst bei Nichterfolg im zweiten Schritt den Iris-Scanner folgen lässt. Es werden somit nicht tatsächlich beide Methoden gleichzeitig zum Entsperren genutzt. Gesichts- und Iris-Scanner lassen sich aber auch einzeln nutzen.

Samsungs eigener Assistent Bixby ist weiterhin vorhanden und erneut über eine eigene Taste an der linken Seite des Telefons erreichbar, die auf Wunsch deaktiviert werden kann. Für Bixby sind im Kamerasucher Live-Übersetzungen, die Erkennung von Sehenswürdigkeiten und die Analyse von Lebensmitteln hinzugekommen.

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