Huawei P20 Pro im Test: Mit der besten Smartphone-Kamera zum König der Nacht 4/5

Mahir Kulalic 174 Kommentare

Modernes Android

Wie von Huawei gewohnt setzt der Hersteller auf die eigene Android-Oberfläche EMUI. Eine weitere Gewohnheit des Herstellers ist es zuletzt häufiger gewesen, auf den aktuellen Flaggschiffen die aktuelle Android-Version zu installieren – und so kommt das P20 Pro mit Android 8.1 Oreo und EMUI 8.1. Die Oberfläche hat der Hersteller mit dem großen Update auf 8.0 weiter angepasst und verfeinert, 8.1 bringt weitere Anpassungen bei Huawei-eigenen Apps und Optimierungen mit, sodass beispielsweise die Notch des P20 Pro angemessen implementiert wird. Die Bedienung des Systems erfolgt einfach und schnell, viel Wert legt der Hersteller auch auf Personalisierung. Den eigenen Wünschen anpassen lässt sich so unter anderem das Design in Form von Themes, die Nutzung des App-Drawers sowie die Reihenfolge der Software-Tasten inklusive weiterer Ergänzungen, wie etwa einen Schnellzugriff für die Benachrichtigungen.

Fingerabdrucksensor oder Gesten statt Tasten

Optional lassen sich die Tasten wie beim P10 komplett ausschalten. Genutzt wird dann der Home-Button mit Gesten. Diese entpuppen sich im Alltag aber nicht ganz so intuitiv: Einmal berühren bedeutet „zurück“ und nicht auf den Startbildschirm, was etwa im Browser durchaus gegen die Intuition ist. Ein Wisch nach rechts öffnet kürzlich geöffnete Apps, der schnelle Wechsel zwischen den beiden zuletzt genutzten Anwendungen per Software-Taste fällt dadurch weg. Um auf den Homescreen zu gelangen, muss die Taste länger berührt werden. Ein Wisch von unten nach oben öffnet den Google Assistant. Alternativ lassen sich diese Gesten auch mit einer einer an das iPhone X erinnernden Linie am unteren BIldschirmrand anstelle des Home-Buttons nutzen, bis auf den Google Assistant sind die Gesten identisch.

Der auf der Front angebrachte Fingerabdrucksensor ist wie von Huawei gewohnt sehr zuverlässig und schnell, lässt durch die Platzierung auf der Front aber Wischgesten für Benachrichtigungen oder zum Fotos durchblättern vermissen. Wie gewohnt kommt die EMUI auch in der neuen Version mit einigen vorinstallierten Apps wie Facebook, Instagram oder Booking.com. Anders als etwa bei Sony lassen sich diese Anwendungen auf Wunsch aber komplett deinstallieren und nicht nur deaktivieren.

Ein Kritikpunkt, die sich Huawei in der Vergangenheit oft anhören musste, war das Kopieren der Optik von iOS. Teilweise erinnert die EMUI immer noch an Apples mobiles Betriebssystem, so gibt es etwa eine Suche mit vorgeschlagenen Apps bei einem Wisch nach unten, im Design ab Werk sehen auch das Telefon- oder Musiksymbol sehr deutlich nach Apple aus. Trotzdem hat Huawei über die Jahre immer mehr Eigenständigkeit entwickelt und an den richtigen Stellschrauben gedreht, die Abkehr von den Ähnlichkeiten ist Huawei durchaus gelungen.

Bekannte Leistungsfähigkeit

Für Rechenleistung und die AI-Features sorgt wie bereits im Mate 10 Pro der HiSilicon Kirin 970. Mit vier Cortex-A73-Kernen sowie vier Cortex-A53-Kernen ähnelt das Modell dem Vorgänger 960, der unter anderem im P10 steckt. Die Unterschiede finden sich etwa in der moderneren Fertigung in 10 statt 16 nm sowie der neuen NPU (Neural Processing Unit), die für die KI-Berechnungen direkt auf dem Gerät sorgt. Als GPU kommt eine Mali-G72 MP12 mit maximal 850 MHz Taktrate zum Einsatz. Des Weiteren ist das P20 Pro mit 6 GByte RAM und 128 GByte Nutzer-Speicher ausgerüstet, eine Speichererweiterung ist nicht mehr möglich.

In den synthetischen Messungen zeigt sich das neue Topmodell erwartungsgemäß auf Augenhöhe mit dem Mate 10 Pro und damit in den oberen Riegen aktueller Smartphones, für die Spitze reicht es aber nicht mehr, abseits einiger Benchmarks des internen Speichers. Der Leistungssprung vom Kirin 960 zum 970 fällt kleiner aus als bei den neuen Generationen von Samsung oder Qualcomm, der Fokus lag mehr auf der neuen Fertigung und der NPU. Bei der Grafikleistung konnte Huawei zwar bereits spürbare Sprünge verglichen mit den Vorjahren machen, auch hier reicht das P20 Pro aber nicht an die Leistung vom Snapdragon 835, gar 845 oder aber auch Exynos 9810 heran.

Im Alltag zügig, im Benchmark nicht an der Spitze

Doch die Leistung auf dem Papier sowie in Benchmarks und die Leistung im Alltag müssen nicht zwangsläufig korrelieren. Zumal eine niedrigere Leistungsfähigkeit als die Top-SoCs von Samsung und Qualcomm nicht bedeutet, dass die Leistung gering ist. Das Smartphone navigiert zügig durch Menüs, Apps und auch Spiele, Wartezeiten sind kurz, die Bedienung ist auch bei Multitasking flüssig. Huawei hat auch die EMUI einer Frischzellenkur unterzogen und somit die Abstimmung zwischen Software und Hardware verbessert. Käufer des P20 Pro müssen sich daher auch im Punkt Leistungsfähigkeit keine Gedanken machen, dass das Smartphone nicht zuverlässig und schnell läuft. Doch klar ist: Die größere Rohleistung, potentiell vor allem für kommende 3D-Spiele relevant, gibt es bei Samsung oder Smartphones mit Qualcomm Snapdragon 845.

Strammer Akku, weniger Anschlüsse

Im Hinblick auf die Anschlussausstattung bleibt Huawei trotz aufkommender Kritik beim Mate 10 Pro der eingeschlagenen Linie treu: Der Hersteller streicht auch im Topmodell der P-Serie im Vergleich zum Vorgänger den microSD-Steckplatz sowie den Klinkenanschluss. Kopfhörer können per USB Typ C angeschlossen werden, beim lokalen Speicher sollen 128 GB reichen. Auch drahtloses Laden fehlt trotz Glasrückseite und der hohen UVP – damit teilt sich das P20 Pro die Kritikpunkte, die bereits beim Mate 10 Pro hervorgebracht wurden.

Darüber hinaus liefert Huawei mit 1,2-Gbit/s-LTE, Infrarot-Sender und optionalem Dual-SIM aktuelle sowie vom Hersteller bekannte Funktionen mit. Komplett auf Augenhöhe mit der Konkurrenz ist das Modell aber nicht: Anstelle von Bluetooth 5.0 gibt es nur Version 4.2, auch das europäische Ortungssystem Galileo fehlt. WLAN nach ac-Standard sowie Wi-Fi-Direct runden die drahtlosen Verbindungen ab. Für Strom und Daten ist das Smartphone mit einem USB-Typ-C-Anschluss ausgestattet, der dank 3.1-Standard schnelle Übertragungsraten ermöglicht.

Im Netz von O2 überzeugte das Smartphone im Ruhrgebiet mit zuverlässigem Empfang. Auch die Ortung gelang via Google Maps im Modus für höchste Genauigkeit schnell und verlässlich. Auch bei Verbindungen ins Internet oder Telefonaten kam es zu keinen ungewollten Abbrüchen.

Huawei P20 Pro
Huawei P20 Pro

Bekannter 4.000-mAh-Akku mit langem Atem

4.000 mAh – die Angabe, die vor allem in der Mate-Reihe seit Jahren für stramme Akkus sorgt, findet auch den Weg in das P20 Pro. Was der große Akku zuletzt im Mate 10 Pro erreicht hat, lässt sich auf das P20 Pro übertragen. Das Smartphone kommt auch bei intensiver Nutzung mit mehreren E-Mail-Konten, Messengern, Browsen und Telefonie problemlos über den Tag, bei gemäßigter Nutzung sind auch zwei Tage möglich. Sobald das Smartphone wieder um Strom bittet, lässt es sich mit dem beiliegendem Schnellladegerät vergleichsweise zügig wieder aufladen. In 30 Minuten kommt das Modell auf über 50 Prozent der Ladung, eine vollständige Ladung zieht sich aber im Anschluss in die Länge und dauert circa 90 Minuten.

Mit knapp 13 Stunden in YouTube-Dauerschleife schafft es das P20 Pro die große Nennladung des Akkus gut einzusetzen. Der Wert schiebt das Smartphone einen kleinen Tick vor das Mate 10 Pro und ungefähr auf Augenhöhe mit dem Pixel 2 XL, vor das iPhone X und lediglich hinter das Galaxy S9+. Auch im PCMark überzeugt das Smartphone mit einer Laufzeit von knapp zehn Stunden, die zwar vom Pixel 2 XL über-, dafür aber vom Galaxy S9+ unterboten wird.

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