Xperia XZ2 Compact im Test: Sonys einzigartiges kompaktes Kraftpaket 2/3

Nicolas La Rocco 139 Kommentare

Sony kann doch gute Kamera

Wer Sony danach fragt, was das Unternehmen an der Kamera des Xperia XZ2 (Compact) gegenüber der des Vorjahres verändert hat, erhält eine erstaunliche Antwort: nichts. Das ist insofern bemerkenswert, als dass sich die Kamera für Smartphone-Hersteller noch deutlicher als in früheren Jahren zum wichtigen, wenn nicht sogar zu dem wichtigsten Unterscheidungsmerkmal gegenüber der Konkurrenz entwickelt hat. Und bei Sony? Dort ist man der Meinung, dass das, was im letzten Jahr im Xperia XZ1 (Compact) verbaut war, auch noch gut genug für dieses Jahr sei. Auch auf eine Dual-Kamera verzichtet Sony, die soll laut Präsentation zum Mobile World Congress erst im Laufe dieses Jahres oder vielleicht sogar erst im nächsten Jahr gemeinsam mit dem Fusion ISP folgen, der Videos mit ISO 12.800 und Fotos mit ISO 51.200 ermöglicht.

Im Grunde genommen stimmt die Kamera von der Hardware her mit der überein, die schon im Xperia XZ Premium (Test) verbaut war und dort ebenso wie jetzt „Motion Eye“ heißt. Die Auflösung des dreilagigen Kamerasensors beträgt 19 Megapixel im 4:3-Format, bei 16:9 sind es 17 Megapixel. Die Offenblende besitzt eine Lichtstärke von f/2.0 und ist damit etwas lichtschwächer als die Konkurrenz von Apple, LG oder Samsung. Die Kamera bietet einen Hybrid-Autofokus, der auf eine Mischung aus Phasenerkennung, Kontrastmessung und Laser setzt. Neben der LED des Smartphone-Blitzes sitzt ein separater RGB-Sensor, der für den Weißabgleich zuständig ist.

Qualcomm hilft mit

Ganz ohne Veränderungen geht es dann aber doch nicht, jedoch beschränken sich diese auf die durch den SoC-Wechsel bedingten neuen Features. Der Snapdragon 845 ist gegenüber dem Snapdragon 835 des Xperia XZ1 (Compact) mit einem neuen Image-Signal-Processor (ISP) ausgerüstet, der eine Multi-Frame-Rauschunterdrückung beherrscht. „Motion Compensated Temporal Filtering“ (MCTF) soll für qualitativ bessere Videoaufnahmen sorgen. Im Videomodus ist die HDR-Unterstützung in bis zu 4K mit 30 FPS neu, die somit erstmals nicht auf Fotos beschränkt ist. Die Superzeitlupe mit 960 FPS funktioniert jetzt auch in 1080p statt 720p, dabei reduziert sich die Aufnahmezeit allerdings um die Hälfte – aus 184 werden 92 Millisekunden. Da es nach wie vor keine Erkennungsautomatik gibt, macht das Aufnahmen noch diffiziler.

Fotoaufnahmen im Vergleich

Mit dem Xperia XZ2 (Compact) liefert Sony die beste Smartphone-Kamera des Konzerns seit Jahren ab. Endlich müssen sich die Aufnahmen nicht mehr klar anderen Flaggschiffen geschlagen geben und spielen in vielen Bereichen auf demselben Niveau wie Apple oder Samsung. Manchmal wirken die Fotos einen Hauch zu blass, allgemein betrachtet punktet das Xperia XZ2 Compact aber mit einer neutralen Abbildung.

Sony Xperia XZ2 Compact im Test – Kamera

Das Plus an Auflösung spielt Sony im Vergleich zu Apple und Samsung nicht aus. Wieder einmal zeigt sich, dass eine Auflösung im Bereich von 12 Megapixel völlig ausreichend für ein Smartphone ist und sich damit sehr gute Ergebnisse erzielen lassen. Aufnahme 27 aus der oben eingebetteten Galerie vergleicht die Schärfe von Xperia XZ2 Compact, Galaxy S9 und iPhone 8 Plus im Randbereich der Aufnahme. Hier schneidet Samsung mit den wenigsten Artefakten und der schärfsten Abbildung am besten ab, obwohl Sony einen höher auflösenden Sensor mit 19 statt 12 Megapixel verwendet.

Der Dynamikumfang des Sony-Smartphones ist mal mehr, mal weniger gut. Er liegt auf Augenhöhe zum iPhone 8 Plus, ist aber nicht so gut wie beim Galaxy S9. Die Aufnahmen 21 bis 23 machen dies anhand des Roten Rathauses im Hintergrund deutlich, das vom Galaxy S9 noch am klarsten und am wenigsten ausgeblichen abgebildet wird, während gleichzeitig das Motiv im Vordergrund korrekt belichtet und mit kräftiger Farbdarstellung eingefangen wird. Die in einer dunklen Unterführung aufgenommenen Bilder 50 bis 52 sowie der Direktvergleich bei Aufnahme 53 lassen erneut das Galaxy S9 als Sieger hervorgehen. Dort sind die Gebäude im Hintergrund noch am besten zu erkennen, gefolgt vom Xperia XZ2 Compact und iPhone 8 Plus, das hier am schlechtesten abschneidet.

Bei Sonne als Gegenlicht entscheidet sich das Xperia XZ2 Compact lieber für eine Überbelichtung des Himmels zugunsten einer besseren Ausleuchtung im Vordergrund. Apple und Samsung gehen stattdessen genau den entgegengesetzten Weg, sodass die Sonne und die Strukturen im Himmel zwar deutlich besser erkennbar sind, dafür aber der Rest des Bildes deutlich zu dunkel erscheint und Details damit verloren gehen.

Abseits der erstmals guten bis sehr guten Aufnahmen sollte Sony aber die Kamera-App dahingehend überarbeiten, dass sie schneller startet und Bilder schneller einfängt. Beides dauert auf dem Sony-Smartphone spürbar länger als bei Apple oder Samsung. Dadurch entsteht stets ein wenig der Eindruck, ein wichtiges Motiv zu verpassen, obwohl es sich nur um Verzögerungen im Bereich weniger Zehntelsekunden handelt.

Größerer Akku, kürzere Laufzeit

Sony hat dem Xperia XZ2 Compact einen Akku mit 2.870 mAh verpasst, das sind immerhin 6 Prozent mehr als noch beim Xperia XZ1 Compact. Nicht unterschätzt werden darf allerdings der Mehrverbrauch durch das zum einen größere und zum anderen höher auflösende Display. Das SoC kann dank moderner 10-nm-Fertigung aus zweiter Samsung-Generation als Quelle des Mehrverbrauchs ausgeschlossen werden. Das Xperia XZ2 Compact läuft im Streaming-Test über YouTube bei kalibrierter Helligkeit von 200 cd/m² rund 25 Prozent kürzer als das Xperia XZ1 Compact. Die Laufzeit von knapp über zehn Stunden ist vergleichbar mit der des iPhone X. Auch das Xperia X Compact oder das ältere Huawei Mate 8 läuft in diesem Test etwa gleich lang. Am gesamten Testfeld aus 86 Geräten gemessen, schneidet das Xperia XZ2 Compact noch gut ab. Enttäuschend ist mehr die klare Verschlechterung gegenüber dem Vorjahr.

Aufgeladen wird mittels USB Typ C und bis zu 7,5 Watt
Aufgeladen wird mittels USB Typ C und bis zu 7,5 Watt

Dem PCMark, der die produktive Nutzung des Smartphones simuliert und dabei auch Aufgaben wie Bildbearbeitung oder Videoschnitt berücksichtigt, waren im Test keine aussagekräftigen Ergebnisse zu entlocken. Die App stellte reproduzierbar bei 58 Prozent Restkapazität des Akkus ohne Fehlermeldung den Dienst ein, sodass keine Messwerte vorliegen. Das Xperia XZ1 Compact schnitt in diesem Test sehr gut ab, beim Xperia XZ2 Compact ist aufgrund des Displays mit einem schlechteren Ergebnis zu rechnen.

Abseits dieser Messungen ist das Xperia XZ2 Compact ein weiteres von vielen Smartphones, das für die Nutzung innerhalb eines Tages ausgelegt ist. Abgesehen von wenigen Ausnahmen wie zuletzt dem Huawei P20 Pro mit 4.000 mAh ist in der Smartphone-Branche erkennbar, dass die Geräte zunehmend für einen Tag Nutzung konzipiert werden und nicht wirklich versucht wird, die Akkutechnologie dahingehend zu entwickeln, dass zwei vollständige Tage mit einer Ladung möglich werden. Das Xperia XZ2 Compact schneidet deswegen in diesem Punkt nicht schlechter ab als das Xperia XZ1 Compact. Der Schritt zur sorgenfreien Nutzung an zwei kompletten Tagen ist oft zu groß für die Hersteller, sodass sich am Beispiel des Xperia XZ2 Compact für die wenigsten Anwender ein zehn Prozent größerer Akku gelohnt hätte. Ein intensiver Nutzer würde davon profitieren, ist in Sonys Marktanalyse aber wahrscheinlich unterrepräsentiert und wird deswegen nicht bedacht. Unterm Strich ist das Xperia XZ2 Compact in Sachen Akku für die meisten Nutzer ein zuverlässiger Alltagsbegleiter für einen Tag Nutzung und das Wiederaufladen über Nacht.

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