Gaming-Headsets im Test: Für 100 Euro nicht ohne Kompromisse

Michael Schäfer 284 Kommentare
Gaming-Headsets im Test: Für 100 Euro nicht ohne Kompromisse

tl;dr: Das Angebot an Gaming-Headsets wird immer unüberschaubarer, die Preisspanne ist groß. Der Preispunkt um 100 Euro wirkt attraktiv. Doch der Test der fünf Gaming-Headsets Asus ROG Strix Fusion 300, Corsair Void Pro RGB, Logitech G633, Razer Kraken 7.1 V2 und Sennheiser GSP 350 zeigt: Ohne Kompromiss gibt es nichts.

Die Testkandidaten

ComputerBase hat sich für den ersten Test dieser Art für den attraktiven Preispunkt von 100 Euro entschieden. Die Hersteller versprechen hier bereits hochwertige Produkte mit sehr gutem Klang.

Gemein ist den Testkandidaten das geschlossene System, die Raumklangfunktion in verschiedener Ausführung sowie der USB-Anschluss. Daneben warten die Headsets allerdings mit teils deutlich abweichenden Eigenschaften auf. Einen kurzen Überblick gibt die nachfolgende Tabelle, die wesentlichen Differenzen nennt und bewertet hingegen der Test.

Modell Anschlüsse Frequenzbereich
Kopfhörer
Frequenzbereich
Mikrofon
Gewicht Straßenpreis
Asus ROG Strix Fusion 300 USB, Klinke 20 – 20.000 Hz 50 – 10.000 Hz 360 g 110 Euro
Corsair Void Pro RGB USB 20 – 20.000 Hz 100 – 10.000 Hz 347 g 89 Euro
Logitech G633 USB, Klinke 20 – 20.000 Hz 100 – 20.000 Hz 353 g 86 Euro
Razer Kraken 7.1 V2 USB 12 – 28.000 Hz 100 – 10.000 Hz 346 g 84 Euro
Sennheiser GSP 350 USB, Klinke (optional) 15 – 26.000 Hz 10 – 15.000 Hz 262 g 113 Euro

Verarbeitung und Ausstattung

Eine der sehr guten Nachrichten gleich zu Beginn: In Sachen Verarbeitung gibt sich das gesamte Test-Ensemble keine Blößen, auch wenn die Hersteller sofort erkennbar verschiedene Ansätze verfolgen. Nichtsdestoweniger wirken alle Headsets robust, die zusammengesetzten Einzelteile erscheinen wie aus einem Guss.

Bei allen Teilnehmern sorgt der auf der Innenseite der Bügel liegende und mit Stoff überzogene Schaumstoff für einen hohen Tragekomfort, der Schutz ist jedoch bei keinem der Geräte austauschbar.

Geschlossene Gesellschaft

Die Ohrmuscheln weisen alle Vertreter als geschlossene Systeme aus, womit Umgebungsgeräusche bis zu einem gewissen Grad draußen und Töne aus den Treibern drinnen gehalten werden. Schon bei der Verbindung der Ohrmuscheln mit dem Bügel verfolgen die Hersteller dann aber unterschiedliche Konzepte: So ermöglichen Corsair, Asus und Logitech ein Drehen der Muscheln um rund 90 Grad. Sennheiser und Razer bieten dagegen nur die von Kopfhörern gewohnten minimalen Anpassungen.

Razer Kraken 7.1 V2
Razer Kraken 7.1 V2
Frei verstellbares Mikrofon beim Kraken 7.1 V2
Frei verstellbares Mikrofon beim Kraken 7.1 V2
Frei verstellbares Mikrofon beim Kraken 7.1 V2
Frei verstellbares Mikrofon beim Kraken 7.1 V2

Mikrofon versteck' dich

Während sich bei Corsair und Sennheiser die Mikrofone lediglich hochklappen lassen, können sie bei Asus, Logitech sowie Razer in der Ohrmuschel verstaut werden. Den größten Komfort bieten im Test Razer und Logitech, bei denen die ausziehbare Aufnahmeeinheit durch einen flexiblen Hals in der Ausrichtung den jeweiligen Bedingungen angepasst werden kann. Auf die Qualität der verbauten Mikrofone wird später im Test noch genauer eingegangen.

Alle Testkandidaten unterstützen eine Verbindung per USB, G633, GSP 350 sowie ROG Strix Fusion 300 zusätzlich auch per 3,5-mm-Klinkenanschluss. Bei Sennheiser muss das Kabel aber extra erstanden werden. Grundsätzlich können diese Headsets so aber auch an anderen Geräten wie Smartphones, Tablets, Konsolen oder HiFi-Anlagen mit Klinkenanschluss verwendet werden. Es sollte jedoch bedacht werden, dass das Rog Strix Fusion 300 von Asus und das G633 von Logitech mit einer Impedanz von 32 beziehungsweise 39 Ohm eine hohe Ausgangsleistung voraussetzen. Das GSP 350 von Sennheiser gibt sich mit 19 Ohm wesentlich genügsamer.

Bei Razer und Corsair bedeutet ein Kabelbruch das Aus

Razer und Corsair setzen im Gegensatz zu den Mitbewerbern auf eine feste Verkabelung. Während also beim übrigen Testfeld im Fall eines Kabelbruchs schnell über ein einfaches Micro-USB-Kabel für Ersatz gesorgt werden kann, ist bei den beiden genannten Exemplaren ein Neukauf vonnöten.

Tragekomfort

Der Gewichtsbereich der Headsets reicht von rund 270 Gramm bis hin zu 360 Gramm, wobei das Sennheiser das Leicht- und das Asus das Schwergewicht darstellt. Dennoch fällt auch das hohe Gewicht beim Tragen kaum auf. Die Größenverstellung zur Anpassung ist durch die Bank leichtgängig, bietet aber genügend Halt. Bei normalen Kopfbewegungen während des Spiels bleiben die meisten Titelaspiranten fest sitzen, lediglich das Razer-Headset rutscht bedenklich.

Der Anpressdruck der Ohrmuscheln ist zunächst angenehm, könnte Headset-Neulingen nach einiger Zeit jedoch zu stark werden – besonders Brillenträgern. Hier sollte sich Zeit zur Eingewöhnung gegeben werden.

Asus lässt dem Kunden die Wahl

Bei den Ohrpolstern setzen Razer und Sennheiser auf Kunstleder, das allerdings eher zum Schwitzen verleitet. Hier erweisen sich die Stoffüberzüge bei Corsair und Logitech im Test als deutlich angenehmer. Asus hingegen lässt dem Nutzer die Wahl und stattet das Rog Strix Fusion 300 zunächst mit Kunstlederüberzügen aus, legt aber weitere Polster mit Stoffüberzug bei.

Asus Rog Strix Fusion 300
Asus Rog Strix Fusion 300
Das Mikrofon bleibt beim Rog Strix Fusion 300 hinter den Erwartungen zurück
Das Mikrofon bleibt beim Rog Strix Fusion 300 hinter den Erwartungen zurück
Asus Rog Strix Fusion 300
Asus Rog Strix Fusion 300
Eingeklapptes Mikrofon beim Rog Strix Fusion 300
Eingeklapptes Mikrofon beim Rog Strix Fusion 300

Bedienung

In Sachen Bedienung bieten die vertretenen Hersteller unterschiedliche Ansätze, den größten Funktionsumfang erhält der Nutzer jeweils über die beiliegende Software. Einstellungen direkt am Headset unterstützen nicht alle Teilnehmer und wenn doch, dann in unterschiedlicher Form.

Wenige Tasten zu ertasten

So verfügt das Kraken 7.1 V2 von Razer über keinerlei Knöpfe am Headset selbst. Asus ermöglicht beim Rog Strix Fusion 300 zumindest die Quellenwahl. Corsair geht hier schon einen Schritt weiter und lässt das Aktivieren des Mikrofons sowie über einen Regler die Einstellung der Lautstärke und das Schalten durch die einzelnen EQ-Presets zu. Sennheiser bietet am Headset selbst zwar nur die Regelung der Lautstärke, über die kleine, sich im Kabel befindliche Soundkarte kann man aber zudem die Dolby-Surround-Funktion aktivieren.

Corsair Void Pro RGB
Corsair Void Pro RGB
Corsair Void Pro RGB
Corsair Void Pro RGB
Corsair Void Pro RGB
Corsair Void Pro RGB
Eingeklapptes Mikrofon beim Corsair Void Pro RGB
Eingeklapptes Mikrofon beim Corsair Void Pro RGB

Wie es richtig geht, zeigt Logitech: Neben dem Taster für den Wechsel zwischen der USB- und der Klinkeverbindung, der Aktivierung des Mikrofons sowie dem Lautstärkerad lassen sich per Software drei Tasten mit eigenen Funktionen belegen.

Unterschiedliche Software-Ausstattung

Die Software-Ausstattung fällt bei den Teilnehmern unterschiedlich aus: Bei Asus dient Aura lediglich zur Steuerung der verbauten LED-Beleuchtung, bei Sennheiser lässt sich mit ihr aus vier vorgefertigten Equalizer-Presets wählen sowie die Surround-Funktion aktivieren. Lediglich Corsair, Logitech und Razer verfügen über eine funktionsreiche Software, welche unter anderem Toneinstellung, die Kalibrierung des Raumklangs oder die Lautstärkeregelungen ermöglicht.

Razer tanzt in einem anderen Punkt aus der Reihe: Um Synapse, die für alle Geräte des Herstellers einheitliche Software nutzen zu können, ist eine Registrierung beim Hersteller zwingend notwendig – ohne die Eingabe eines Benutzernamens und Passwortes startet die Software nicht. Die Synchronisation der eigenen Einstellungen über mehrere Systeme hinweg ist dann wiederum erst mit dem nach der Anmeldung zugesendeten kostenlosen Freischaltcode für die Surround-Pro-Funktion möglich. Damit lassen sich nach Freischaltung auch Klangeinstellungen in der Surround-Wiedergabe vornehmen, zudem soll eine räumliche Wiedergabe mit normalen Stereo-Kopfhörern möglich sein.

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