HTC U12+ im Test: Der nächste Hoffnungsträger zum Drücken 3/4

Mahir Kulalic 76 Kommentare

HTCs Rückkehr zur Dual-Kamera

HTC U12+ im Test
HTC U12+ im Test

Für HTC markiert das U12+ nach vier Jahren die Rückkehr zur Dual-Kamera im Flaggschiff. Zuletzt setzte der Hersteller im One M8 auf eine zweite Kamera bei einem Topmodell. In der Mittelklasse hat HTC einen entsprechenden Ansatz bereits im Desire 12+ verwirklicht. Das neue Dual-Kamera-Setup war zur Vorstellung einer der wichtigsten Punkte für den Hersteller, dem auch der Verweis auf die mittlerweile fast schon obligatorische Wertung von DxO Mark angehört. Die Seite bewertet die Fotokamera mit 106 Punkten, was dem dritthöchsten Wert nach dem Huawei P20 Pro und dem Huawei P20 entspricht.

Zweifacher Zoom und große Pixel

Der Hauptsensor soll insgesamt 15 Prozent mehr Licht einfangen als noch im U11+. Mit 12 Megapixel ist die Auflösung und einer Offenblende von f/1.75 entsprechen Kerndaten ungefähr der Konkurrenz. Dies gilt auch für die Pixelgröße, die Kantenlänge liegt bei 1,4 µm. Des Weiteren gibt es einen optischen Bildstabilisator für wackelfreie Aufnahmen, der auch bei Videos in UHD mit 60 oder Full HD mit 120 FPS aktiv ist. Die zweite Kamera ist ein Teleobjektiv und dient dem verlustfreien Zoom in bis zu zweifacher Vergrößerung. Auch hier zieht HTC mit der Konkurrenz gleich, die eine Vergrößung über eine zweite Kamera löst, darunter das Samsung Galaxy S9+ oder das Apple iPhone X. Mit 16 Megapixeln ist die Auflösung der zweiten Kamera höher, die Pixelgröße mit 1,0 µm und die Offenblende mit f/2.6 aber spürbar geringer als beim primären Sensor. Zum Scharfstellen setzt der Hersteller auf ein Zusammenspiel aus Phasenerkennung und Laser, letzterer soll derweil bei schwummrigem Licht zum Einsatz kommen.

Kontraststarke und scharfe Bilder

HTC U12+ im Test – Kamera

Hoher Dynamikumfang, satter Kontrast

Die Bilder des U12+ erinnern in ihrer Charakteristik in einigen Aufnahmen an die des Google Pixel 2 (XL) (Test). Die Bilder weisen eine sehr hohe Dynamik auf, dadurch wirken die Bilder lebendig, die Farben sind kräftig, zudem wirken die Fotos sehr klar. Neben der hohen Dynamik nimmt das U12+ im Automatikmodus mit Auto HDR auch sehr kontraststarke Bilder auf, die durch ihre phasenweise kühle Abstimmung an die Pixel-Smartphones erinnern. Vereinzelt neigen HDR-Aufnahmen aber zu zu dramatischen Kompositionen. Ebenfalls überzeugt die Schärfe, die bei den meisten Endergebnissen bis in den Rand gleichmäßig verteilt ist. Je nach Fokus fallen aber Bereiche außerhalb vereinzelt verwaschen oder matschig aus, was aber erst in der 100-Prozent-Ansicht auffällt und am gewählten Fokuspunkt zu liegen scheint.

Überzeugender Zweifach-Zoom

Auffällig ist auch bei Tageslicht ein leichtes Bildrauschen in der 100-Prozent-Ansicht in dunklen Bereichen, störend ist dies aber nicht. Feine Details in entfernten Gebäuden oder Straßen werden hier und da verschluckt, scharfgestellte Motive überzeugen aber mit Schärfe, Klarheit und Details. Viele der positiven Eigenschaften kann auch der Zoom übernehmen. Auch vergrößerte Aufnahmen sind kontraststark und ebenfalls bis in den Randbereich scharf. Die Details, die der Zoom ermöglicht, sind in einer Standardaufnahme nicht enthalten oder auch per Crop nicht in gleicher Qualität möglich. Den Zoom hat HTC bei seiner Rückkehr zur Dual-Kamera überzeugend umgesetzt.

Auch bei Nacht kontrastreich und farbenfroh

Nimmt das Licht hingegen ab, zeigen die Fotos erwartungsgemäß weniger Schärfe, Dynamik und Details. Farben werden trotzdem immer noch relativ kräftig eingefangen, auch die Kontraste sorgen für eine ansehnliche Atmosphäre. In gut ausgeleuchteten Bereichen hält sich das Rauschen zudem in Grenzen und stört den Bildeindruck nicht auffällig, auffälliger ist das Rauschen dabei eher in Hintergründen wie dem Himmel. Diese behandelt das U12+ im Automatikmodus aber etwas eigen: den Hintergrund hellt das U12+ teilweise sehr auf, wodurch selbst Bilder bei Dunkelheit in entfernten Bildbereichen wie Himmeln ungewöhnlich hell aussehen, teilweise wirkt das Bild vignirriert, mit einem blauen Himmel umgeben von schwarzem Rand.

Das Rauschen nimmt spürbar zu, wenn entscheidende Lichtquellen weiter im Hintergrund sind, so gehen vor allem Dingen Details verloren, Farben und Kontraste bleiben aber auch dann ansehnlich. Besser ausgeleuchtete Szenen wirken wie erwartet klarer und schärfer, zeigen aber insgesamt eine sehr ausgewogene Komposition mit klaren Farben und vielen Details. Vereinzelt hat das U12+ Fehler mit Farbwiedergabe, die Lichter fallen teilweise zu sehr gelblich oder grünlich aus, dies aber nur in seltenen Fällen. Reproduzierbar sind hingegen auftretrende Linsenreflektionen bei Lichtquellen im Bild bei Nachtaufnahmen, beispielhaft deutlich sichtbar bei Bild 31 mit der Giraffe. Ähnliche Reflektionen treten auch bei Galaxy S9+ oder Pixel 2 XL auf.

Die Klinke fehlt erneut, Akku für den Tag

Keine Klinke bleibt Standard

Seit dem U11 verzichtet HTC bei Modellen mit USB Typ C auf den Klinkenanschluss, nach eigenen Angaben um stattdessen den Fokus auf das mitgelieferter USonic-Headset zu legen. Dieses kann laut HTC den Gehörgang des Nutzers via Typ C ausmessen und so die Parameter für die Wiedergabe anpassen. Kompatibel mit anderen USB-Typ-C-Smartphones, die nicht von HTC stammen, ist das Headset aber nicht. Ärgerlich ist, dass HTC diesmal sogar auf den Adapter von Klinke auf Typ C verzichtet, mit dem analoge Kopfhörer angeschlossen werden können. Bei drahtloser Übertragung via Bluetooth 5.0 LE beherrscht das Smartphone unter anderem Qualcomm aptX HD. Immerhin: Der USB-Anschluss überträgt Daten nach 3.1-Standard und somit schneller als beispielsweise das OnePlus 6, das auf USB 2.0 setzt.

Zur weiteren Anschlussausstattung gehören optionales Dual-SIM, ein Schacht für microSD-Karten, WLAN nach ac-Standard, 1,2-Gigabit-LTE, A-GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo sowie NFC. Drahtloses Laden gibt es trotz Glasrückseite nicht, da nach Angaben von HTC der Akku deutlich kleiner werden würde.

Smartphone groß, Akku klein(er)

Der Akku des U12+ fällt gemessen an dem großen, hochauflösenden Display und der Leistung des Snapdragon 845 mit 3.500 mAh vergleichsweise klein aus, wenn auch nicht unterdurchschnittlich. Auch an warmen Sommertagen schafft es das U12+ bei mehreren Stunden angeschaltetem Display mit Messengern, mehreren E-Mail-Konten, etwas Navigation sowie Internetznutzung über den Tag. Ein zweiter Tag ist aber nur bei zurückhaltender Nutzung möglich. Ein ähnliches Bild zeigt sich auch in den Laufzeitmessungen: Mit circa neun respektive acht Stunden im YouTube- und PCMark-Test stellt das U12+ keine Rekorde auf, sondern kann sich eher im Mittelfeld platzieren.

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