ThinkPad X1 Carbon G6 im Test: Lenovos fast perfektes Business-Notebook

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Nicolas La Rocco 136 Kommentare

LTE und WLAN

Das X1 Carbon ist eines der wenigen Notebooks am Markt, die sich mit LTE-Modem für die drahtlose Konnektivität unterwegs ordern lassen. Das LTE-Modul meldet sich im Gerätemanager als Fibocom L850-GL. Bestückt ist das Modul mit einem LTE-Modem von Intel, genauer gesagt dem XMM 7360, das unter anderem im iPhone 7 (Plus) verbaut ist. Das Cat-9-Modem ist für bis zu 450 Mbit/s im Downstream sowie bis zu 50 Mbit/s im Upstream ausgelegt. Mit der Unterstützung von 21 FDD-LTE-Bändern, 4 TDD-LTE-Bändern und Penta-Band-WCDMA ist das Notebook neben dem Einsatz in Deutschland auch in Asien und den USA nutzbar. Über das Modul werden zudem die Navigationssatellitensysteme GPS, GLONASS und BeiDou zur Verfügung gestellt.

Die Ersteinrichtung einer LTE-Verbindung gestaltet sich unter Windows 10 auch für Laien relativ einfach. Im Test wurde eine SIM-Karte der Deutschen Telekom verwendet, die in einem Smartphone für Telefonie und Daten genutzt wird. Fürs Notebook empfiehlt sich eine Datenkarte oder eine Multi-SIM, die auf das Datenvolumen der Hauptkarte zugreift.

Das X1 Carbon akzeptiert über ein Fach auf der Rückseite, das nur bei geschlossenem Display erreichbar ist, eine SIM-Karte im geläufigen Nano-Format. Diese muss wie beim Smartphone in den Träger des Schubfaches gelegt werden, das dann in das Notebook geschoben wird. Hier sollten Anwender vorsichtiger als beim Smartphone zu Werke gehen und noch mehr darauf achten, dass die SIM-Karte korrekt im vorgesehenen Schacht und nicht im Freiraum drumherum landet.

Das LTE-Modul von Fibocom kommt mit XMM-7360-Modem von Intel
Das LTE-Modul von Fibocom kommt mit XMM-7360-Modem von Intel

Windows 10 benötigt einen Neustart, um die neue SIM-Karte zu erkennen – zumindest war dieser im Test notwendig. Zuvor war das Notebook nicht dazu zu bewegen, die PIN der SIM-Karte abzufragen. Und ohne PIN lässt sich keine Mobilfunkverbindung aufbauen. Mobilfunkverbindungen erscheinen unter Windows 10 im Netzwerkbereich des Action-Centers, wo sie optisch leicht von den WLAN-Verbindungen abgesetzt sind. Hier wird bei der Ersteinrichtung die PIN der SIM-Karte eingegeben. Eine APN-Konfiguration ist nicht notwendig, wenige Sekunden nach der Einrichtung war das ThinkPad X1 Carbon mit dem Mobilfunknetz der Deutschen Telekom verbunden.

Bei der Nutzung eines Datentarifs ist es empfehlenswert, die LTE-Verbindung unter Windows 10 als getaktete Verbindung zu definieren. So lassen sich unter anderem mehrere Gigabyte große Updates über LTE verhindern. Allgemein sollte im Detail festgelegt werden, welche Apps das Mobilfunknetz nutzen dürfen und welche nicht.

Intel liefert das (alte) WLAN-Modul

Als WLAN-Adapter kommt der gut zwei Jahre alte Intel Dual Band-Wireless-AC 8265 zum Einsatz, der mit 2×2 MIMO bis zu 867 Mbit/s bei der Datenübertragung schaffen soll. Über dieses Modul stellt das Notebook zudem Bluetooth 4.2 zur Verfügung, wenngleich Lenovo in manchen Datenblättern fälschlicherweise nur Bluetooth 4.1 angibt. In einem High-End-Notebook wie dem X1 Carbon hätte aber gerne auch das deutlich neuere Wireless-AC 9260 oder 9560 stecken dürfen, das nicht nur das in der Theorie mit 1,73 Gbit/s schnellere WLAN bietet, sondern zudem schon Bluetooth 5.0 mit doppelter Geschwindigkeit beherrscht.

Akku für den ganzen Tag

Auf der Habenseite des neuen X1 Carbon steht der mit 57 Wh unverändert von der fünften Generation übernommene Akku. Beim neuen XPS 13 (9370) hat Dell den Akku von 60 auf 52 Wh verkleinert, um das größere Kühlsystem in dem insgesamt kleineren Gehäuse unterzubringen. Bei Lenovo sind die Abmessungen hingegen unverändert, sodass auch am Akku keine Veränderungen durchgeführt werden mussten.

Im Produktiv-Test des PCMark 8 erreicht das X1 Carbon eine mehr als 20 Prozent längere Laufzeit als das Dell-Notebook. Mit 6:48 Stunden wird das XPS 13 um eine Stunde und elf Minuten geschlagen. Noch etwas besser schneidet das Surface Book 2 ab, das mit zwei Akkus in Display und Basiseinheit besser ausgestattet ist. Noch einmal 31 Prozent länger läuft das alte XPS 13 mit der Modellnummer 9360, das mit großem 60-Wh-Akku, Intel Core i5 und mattem Full-HD-Display das Feld anführt.

Im Multimedia-Test beim YouTube-Streaming in 720p-Auflösung liegt das X1 Carbon trotz des größeren Akkus gleichauf mit dem aktuellen XPS 13, obwohl es mit Ultra-HD- statt WQHD-Display und kleinerem Akku an den Start ging. Bezogen auf die Laufzeit beim YouTube-Streaming zählt das neue X1 Carbon zur gehobenen Mittelklasse.

Das Dell XPS 13 (9360) bleibt in der Redaktion von ComputerBase das Notebook der Wahl, wenn eine maximale Akkulaufzeit oberste Priorität hat. Das Notebook begleitet das Team seit längerer Zeit zuverlässig auf Messen und andere Events. Auch das ThinkPad X1 Carbon ist ein zuverlässiger Begleiter im Alltag, im Mischbetrieb beim Arbeiten im Browser sowie leichter Bildbearbeitung mit GIMP ist bei reduzierter Display-Helligkeit (~ 300 cd/m²) und der einen oder anderen Pause im Regelfall ein ganzer Tag Nutzung kein Problem. Das Notebook wurde zum Beispiel zum Tippen aller Meldungen der Acer-Jahrespressekonferenz vor vier Wochen und von Teilabschnitten dieses Tests genutzt. Gedanken an das Netzteil wurden dabei zu keiner Zeit verschwendet.

Großes 65-Watt-Netzteil

Lenovo liefert das X1 Carbon optional mit einem 65 Watt starken Netzteil aus, das mit 20 V/3,25 A, 15 V/3 A, 9 V/2 A und 5 V/2 A arbeitet. Standardmäßig liegt gewissen Modellen nur ein 45-Watt-Netzteil bei. Das 65-W-Netzteil ist mit Abmessungen von 10,8 × 4,5 × 2,9 cm deutlich größer als das Netzteil des neuen XPS 13, das aber nur 45 Watt bietet. Auch die Kabel sind bei Lenovo nicht so schön wie bei Dell, wo eine weiche Ummantelung dafür sorgt, dass die Kabel auch nach dem Aufwickeln oder Knicken weitgehend wieder ihre ursprüngliche Form annehmen. Raffinierte Details wie ein am Kabel befestigter Clip, um das Ende des Kabels am gewickelten Segment zu befestigen, gibt es bei Lenovo ebenso wenig. Stattdessen ist ein schnödes Band mit Klettverschluss vorhanden, das einen eher billigen Eindruck hinterlässt und sich nicht entfernen lässt.

Auf technischer Seite gibt es dank Lenovos RapidCharge-Technologie dann aber noch etwas Positives über das Netzteil zu berichten. Innerhalb einer Stunde lässt sich der Akku des Notebooks damit wieder auf 80 Prozent der Ladekapazität bringen.

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