AMD-Mainboards im Test: 4 × B450 von Asus, Gigabyte & MSI gegen B350 und X470 2/4

Volker Rißka 219 Kommentare

B450-Platinen von Asus, Gigabyte und MSI im Test

Mainboard-Chipsätze sind heutzutage nur die halbe Miete, wenn es um die Ausstattung der Hauptplatinen geht. Denn diese werden je nach Markt, in der die Lösung platziert werden soll, ausgestattet. So nutzen die günstigsten Mainboards nicht alle Möglichkeiten der Chipsätze, während die teuren Lösungen mit zusätzlichen Chips und cleverer Aufteilung der PCIe-Lanes das Maximum zutage fördern.

Der Fokus in diesem Test zeigt den Spagat zwischen den günstigeren Lösungen und den teureren Varianten auf, den die Hersteller vollziehen werden. Denn das Portfolio im Handel wird am Ende wieder einmal sehr umfangreich ausfallen. Da B450 und X470 fast dasselbe bieten, kommt es zwangsläufig zu Überschneidungen.

Während sich Asus, ASRock und Gigabyte mit jeweils rund einem halben Dutzend Produkt-Ankündigungen vorab zumindest etwas zurückhielten, hatte MSI direkt zwölf Hauptplatinen mit B450-Chipsatz vorgestellt. Zum Vergleich: Mit dem Flaggschiff-Chipsatz X470 bietet MSI hingegen nur fünf Produkte an. Dies zeigt bereits den Stellenwert, den der B450 hat, da er keine (gravierenden) Nachteile bietet.

B450-Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI im Test
B450-Mainboards von Asus, Gigabyte und MSI im Test

Die Gemeinsamkeiten bei Asus, Gigabyte und MSI

Allen B450-Mainboards gemein ist die Unterstützung aller aktuellen Ryzen-Prozessoren, denn der Sockel AM4 ist identisch geblieben. Das gilt dann natürlich auch für die DDR4-Speicherunterstützung, die bei AMD offiziell bis DDR4-2933 geht. Alle Mainboards dürfen aber auch mit schnellerem Speicher in einer Größe von maximal 64 GByte bestückt werden. Auch ist immer mindestens ein schneller M.2-Speicher-Slot zugegen, der mit vollen vier PCIe-Lanes angebunden ist und so keine aktuelle SSD ausbremst.

Ebenfalls sind Gemeinsamkeiten bei der Ausstattung hinsichtlich der PCIe-Slots zu finden. Alle Mainboards bieten lediglich einen vollen PCI-Express-x16-Slot nach 3.0-Standard. Bereits der zweite PCIe-x16-Slot wird auf allen Platinen nur noch mit vier Lanes angesteuert. In den meisten Fällen wird er zudem bereits direkt vom Chipsatz gespeist, weshalb er auch noch auf den PCIe-2.0-Standard zurückfällt. Die Ausnahme ist das Asus-Flaggschiff, das mit einem ASMedia-Zusatzchip die Lanes der CPU auf zwei Slots aufteilt. Doch dazu in der entsprechenden Detailbetrachtung mehr.

Die Unterschiede bestimmen den Preis

Fernab der grundlegenden Gemeinsamkeiten unterscheiden sich die Platinen an einigen Stellen deutlich. Dies ist bereits äußerlich sichtbar, beispielsweise an massiven passiven Kühllösungen für die Spannungsversorgung und den Chipsatz, aber auch daran, ob eine oder zwei M.2-Schnittstellen zur Verfügung stehen. Die Frage nach der Anbindung mit PCIe-Lanes stellt sich hier erneut – ein Dauerbrenner bei den AM4-Mainboards, denn die Ressourcen sind schnell erschöpft und die Mainboard-Hersteller müssen mit Zusatzchips agieren, um mehr Möglichkeiten bieten zu können. Bis zu sieben ASMedia-Chips sind daher keine Seltenheit.

Asus ROG Strix B450-F Gaming und TUF B450M Plus Gaming

Mit dem Asus ROG Strix B450-F Gaming schickt der Hersteller sein Flaggschiff für den B450-Chipsatz an den Start, das knapp unter der 200-Euro-Marke starten wird. Als einzige Lösung bietet es die bereits angesprochene Unterstützung für drei Grafikkarten, wofür Zusatzchips benötigt werden. ASM1480 in mindestens siebenfacher Ausführung übernehmen den Job des Lane-Splittings sowohl für die CPU als auch für den Chipsatz.

Drei Mal PCIe x16 bei Asus ROG Strix

So wird es möglich, trotz der begrenzten Ressourcen an PCIe-Lanes einen Betrieb mit drei Steckkarten anzustoßen. Die wenigsten Endkunden werden die Funktion für Grafikkarten benötigen. Mit den freien PCIe-Lanes und -Slots lassen sich wahlweise aber auch M.2-SSDs auf PCIe-Karten mit voller Geschwindigkeit ansteuern.

Blockdiagramm des Asus ROG Strix B450-F Gaming
Blockdiagramm des Asus ROG Strix B450-F Gaming

Wuchtig präsentiert sich die silbergrau-schwarze Platine, vor allem durch die große Abdeckung, die vom I/O-Panel bis über die Stromversorgung ragt und vom passiven Chipsatzkühler ergänzt wird. Ohne RGB-Beleuchtung geht heutzutage kein Flaggschiff mehr in den Handel – auch in diesem Fall ist sie umfassend mit von der Partie.

Das TUF ist „ruhiger“

Das TUF B450M Plus Gaming zielt bei Asus auf eine andere Marktgruppe, alles ist deshalb eine Nummer kleiner aufgestellt. TUF wurde in den letzten beiden Jahren neu positioniert und steht nun eher für den Einsteiger-Gaming-Markt statt in Konkurrenz zur ROG-Serie an der Spitze, was sich jedoch sehr positiv auf den Preis auswirkt. Unter 100 Euro werden für die Micro-ATX-Platine nur noch anvisiert.

Das Blockdiagramm ist im Vergleich zum Flaggschiff deshalb bereits deutlich übersichtlicher. Das heißt aber nicht, dass auf die elementaren Dinge verzichtet wird. Alles, was B450 von AMD bieten kann, ist auch mit von der Partie: M.2 für schnelle SSDs, sechs SATA-Ports für langsamere Massenspeicher und USB 3.1 mit 10 Gbps gibt es auch im Einsteigerbereich der Gaming-Boards, in dem in vielen Fällen kaum mehr benötigt wird. Auf RGB-LED wird allerdings verzichtet – es soll schließlich auch noch Kunden geben, die dies nicht benötigen oder haben wollen.

Blockdiagramm des Asus TUF B450M Plus Gaming
Blockdiagramm des Asus TUF B450M Plus Gaming

Gigabyte B450 Aorus Pro

Gigabytes Fast-Flaggschiff B450 Aorus Pro (es fehlt lediglich WLAN zum Topmodell) muss sich vor dem ROG Strix von Asus beim Aussehen nicht verstecken. Wuchtige Abdeckungen und gleich zwei M.2-Hitzeschilder kennzeichnen die Platine, deren Farbgebung sonst ganz ähnlich ist. Dies ist durchaus ein Trend, der bei allen Herstellern zu beobachten ist: Dunkel muss es sein. Für den Rest soll RGB sorgen, natürlich auch bei Gigabyte.

Ohne Zusatzchips von ASMedia kommt auch Gigabyte nicht aus, wenngleich sie nicht so zahlreich sind wie bei den Flaggschiffen von MSI und Asus. Gigabytes Marketing hat die Stromversorgung für Mainboards (neu) entdeckt und wirbt mit einem 8+3-Hybriddesign. Doch dahinter steckt lediglich eine Aufsplittung: Die acht Phasen entsprechen klassischen vier Phasen für die CPU, hinzu kommen die drei für den SoC-Teil – und natürlich eine für den RAM.

Während bei der Hardware alles klar strukturiert ist, ist das Gigabyte-BIOS auch Mitte 2018 noch vergleichsweise unübersichtlich. Es bietet zwar nahezu die gleichen Funktionen wie alle Mitbewerber, aber die Aufmachung und Gliederung sind teilweise nur schwer zu begreifen. Das BIOS von Asus und MSI ist insbesondere für Einsteiger und Semiprofis viel freundlicher und leichter zugänglich.

MSI B450 Gaming Pro Carbon AC

MSI hatte ebenfalls geplant, zwei Mainboards für den ComputerBase-Tests zu schicken: das Flaggschiff B450 Gaming Pro Carbon AC sowie das ziemlich in der goldenen Mitte angesiedelte B450 Tomahawk. Leider hat es das günstigere B450 Tomahawk nicht mehr in den Test geschafft, das Muster hängt im Versand. Der Fokus liegt folglich vorerst auf dem Flaggschiff.

Auch das Carbon AC kommt wie der Wettbewerb nicht ohne die Hilfe von ASMedia aus, um aus den wenigen PCIe-Lanes das Maximum an Möglichkeiten herauszuholen. Mindestens sieben ASM1480-Chips sind bereits mit bloßen Auge sichtbar – Asus und MSI liegen mit ihren Flaggschiffen hier auf Augenhöhe. Damit steuert auch MSI eine zweite M.2-SSD an, allerdings lediglich über die PCIe-2.0-Lanes des Chipsatzes – das steht folglich nur für halbe Leistung. Der erste M.2-Slot nutzt hingegen vier PCIe-3.0-Lanes für maximale Performance, weshalb ihm ein Hitzeschild spendiert wird.

Tabellarische Übersicht

Auf den ersten Blick sind die Unterschiede groß. Sie fangen bei der Stromversorgung an und hören bei RGB-LED und I/O-Panel auf. Bei Sound und LAN gibt es die Wahl zwischen Intel und Realtek, bei den Grafikausgängen sind sich die Hersteller zumindest darin einig, dass HDMI vorhanden sein soll. Aber auch dann heißt das nicht, dass dies überall gleich ist: MSI gibt seinem Flaggschiff beispielsweise nur HDMI 1.4 mit, während Asus' günstiges Board HDMI 2.0b und damit HDCP 2.2 unterstützt.

Beim Massenspeicher wird es hinsichtlich M.2 interessant, denn nativ kann ein B450-Mainboard nur ein Mal vier Lanes mit PCIe 3.0 anbieten, danach wird der langsamere Standard PCIe 2.0 genutzt. Ähnliches gilt für die PCIe-Steckplätze.

Die Unterschiede zwischen vier Testkandidaten
Asus ROG Strix
B450-F Gaming
Asus TUF
B450M Plus Gaming
Gigabyte B450
Aorus Pro
MSI B450 Gaming
Pro Carbon AC
PCIe-Slots 1 × x16 (16 Lanes),
2 × x16 (4 Lanes),
3 × x1
1 × x16 (16 Lanes),
1 × x16 (4 Lanes),
1 × x1
1 × x16 (16 Lanes),
1 × x16 (4 Lanes),
1 × x16 (1 Lanes),
1 × x1
1 × x16 (16 Lanes),
1 × x16 (4 Lanes),
3 × x1
Grafikanschlüsse 1 × HDMI 2.0
1 × DisplayPort 1.2
1 × DVI-D,
1 × HDMI 2.0b
1 × DVI-D,
1 × HDMI 2.0
1 × HDMI 1.4
1 × DisplayPort 1.2
M.2 1 × x4 (PCIe 3.0)
1 × x4 (PCIe 3.0)
1 × x4 (PCIe 3.0) 1 × x4 (PCIe 3.0)
1 × x2 (PCIe 2.0)
1 × x4 (PCIe 3.0)
1 × x4 (PCIe 2.0)
1 × Intel WLAN-ac 9260
Gigabit-LAN Intel i211-AT Realtek RTL8111H Intel i211-AT Intel i211-AT
Audio SupremeFX S1220A Realtek ALC887 Realtek ALC1220-VB Realtek ALC1220
USB (am I/O-Panel) 2 × USB 3.1 Gen 2,
4 × USB 3.0,
2 × USB 2.0
1 × USB 3.1 Gen 2,
3 × USB 3.0,
2 × USB 2.0
2 × USB 3.1 Gen 2
4 × USB 3.0
2 × USB 3.1 Gen 2,
2 × USB 3.0,
2 × USB 2.0
Stromversorgung 9 Phasen 7 Phasen 8 Phasen 9 (?) Phasen
RGB-LED-Beleuchtung Umfassend Teilweise Umfassend Umfassend
Blende über den I/O-Ports Ja Nein Ja Nein
Preis 200 Euro (UVP) 100 Euro (UVP) 119 Euro (UVP) ? Euro (UVP)

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