BlackBerry Key2 im Test: Für Fans genau das richtige Update

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Mahir Kulalic 83 Kommentare

Sicherheit, Produktivität und Tastatur im Fokus

Android 8.1 mit Mai-Patch und Update-Versprechen

Als Betriebssystem kommt auf dem BlackBerry Key2 das aktuelle Android 8.1 Oreo zum Einsatz. Der Sicherheits-Patch ist vom 5. Mai und während des Testzeitraums Ende Juni nicht aktualisiert worden. BlackBerry schreibt sich zwar monatliche Patches und Sicherheit auf die Fahne, verfehlt an dieser Stelle aber das Ziel. Bereits beim KeyOne fehlte im Erscheinungszeitraum der damalige Mai-Patch. Auch die Handhabung von neuen Betriebssystem-Versionen ist noch nicht eindeutig und zumindest nicht von Schnelligkeit geprägt. Das KeyOne hat kürzlich ein Update zur Vorbereitung auf Oreo erhalten, dies aber wenige Monate bevor mit Android P eine neue Version erscheint. Ob diese für die älteren Modelle kommen wird, ist unklar. KeyOne und Motion sind Teil von Android Enterprise Recommended, was bedeutet, dass Sicherheits-Patches spätestens nach 90 Tagen für drei Jahre garantiert sind. Ebenso gewährleistet wird eine neue Betriebssystem-Version, die das KeyOne und Motion mit Oreo erhalten würden. Für das Key2 ist ein Update auf Android P für „einen späteren Zeitpunkt“ angekündigt.

Die Software des Key2 entspricht in weiten Teilen den anderen beiden aktuellen Modellen von BlackBerry Mobile. Die Oberfläche selbst ist relativ unangetastet und schlank, erinnert mit einem klaren App-Drawer-Button an einen klassischen Android-Aufbau ohne Wischgesten auf dem Homescreen. Spürbare Änderungen sind eher die Ergänzungen durch die bereits behandelte Tastatur, aber auch durch die zusätzlichen Apps von BlackBerry.

Homescreen, Hub und DTEK
Homescreen, Hub und DTEK

Der BlackBerry Hub sorgt für Übersicht

Besonders wichtig ist der BlackBerry Hub als zentrale Anlaufstelle für sämtliche Kommunikation. Wenngleich der Hub anders als bei BlackBerry OS 10 nicht nativ integriert ist und somit Benachrichtigungen sowohl im Hub als auch in der Leiste erscheinen, bleiben diese chronologisch im Hub einseh- und abrufbar, ohne in der jeweiligen App zu suchen. Zudem ist eine Vielzahl an Messengern, sozialen Netzwerken und Diensten in den Hub integriert, was die Bündelung der Kommunikation vereinfacht. Auch die Synchronisation von Unterordnern bei E-Mail-Konten gelingt sehr gut und vorbildlich.

Sicherheit per Schließfach-App

Weitere Ergänzungen sind unter anderem die DTEK-App, die den Sicherheitsstatus des Gerätes überprüft, indem Parameter wie Rechtevergabe, Sicherheits-Patch, Software-Integrität und Einstellungen analysiert werden. Weitere Apps beinhalten unter anderem einen Passwortmanager sowie eine Aufgaben- und eine Notiz-App. Zudem gibt es eine Locker-App (engl. für Schließfach), die ausgewählte Fotos, Dokumente und Apps in einer Art Sandbox sichert, auf die andere Apps nicht zugreifen können. Dort gibt es zusätzlich den Browser Firefox Klar, der ab Werk keine Chronik anlegt und Tracking-Dienste blockiert.

Vor dem Hintergrund der angepeilten Nische und der Außendarstellung bildet die BlackBerry-Software, die anders als das Gerät von der BlackBerry Limited aus Kanada stammt, durchaus einen Mehrwert. Vor allem der BlackBerry Hub überzeugt, aber auch die anderen auf Produktivität fokussierten Ergänzungen erweisen sich durchaus als nützlich, wenngleich dies nicht auf alle zutrifft. Einzigartig wie der Hub ist eine Notiz- oder Aufgaben-App nicht. Wer diese nicht benötigt, kann sie zudem nicht deinstallieren, sondern nur deaktivieren. Einen immensen Mehrwert für die Produktivität hat die Tastatur, die durch ihre programmierbaren Schnellzugriffe und den neuen Speed Key von überall schnelle Aktionen und App-Wechsel ermöglicht.

Snapdragon 660 und deutlich mehr RAM

Einen spürbaren Sprung nach vorne macht das Key2 in Sachen Rechenleistung und Speicherausstattung. Das KeyOne setzte auf den Snapdragon 625 mit acht Cortex-A53-Kernen und je nach Variante 3/32 oder 4/64 GB. Das BlackBerry Key2 nutzt den neueren Qualcomm Snapdragon 660 mit acht Semi-Custom-Kernen des Typs Kyro 260. Diese teilen sich in zwei Cluster à vier Kerne auf, eines davon für höhere Leistung und eines für mehr Effizienz. Das potentere Cluster taktet dabei mit bis zu 2,2 GHz, das stromsparende Gegenstück mit bis zu 1,8 GHz. Hinzu kommen standardmäßig 6 GB Arbeitsspeicher, der Nutzerspeicher des Basismodells beträgt 64 GB. Für 50 Euro Aufpreis gibt es eine Variante mit 128 GB und Dual-SIM – derzeit allerdings nur in Schwarz. Als GPU kommt die Adreno 512 zum Einsatz. Gefertigt werden der Snapdragon 660 wie auch der 625 des Vorgängers in 14 nm.

Spürbarer Leistungssprung für Multitasking

Im Alltag zeigt sich die höhere Leistungsfähigkeit insbesondere bei App-Starts und Multitasking. Die Ladezeiten sind deutlich geringer, das Smartphone wirkt jederzeit ansprechbar und reaktionsfreudiger als noch der Vorgänger, der aber auch im Alltag nicht langsam war. Der vergrößerte Arbeitsspeicher zeigt sich häufig, auch wenig oder nicht kürzlich genutzte Apps finden sich oft noch im Arbeitsspeicher und sind dadurch schnell einsatzbereit. Das RAM-Management des Key2 scheint Apps relativ zurückhaltend zu schließen und längere Zeit im Speicher zu behalten.

Die Wahl des effizienten, aber auch potenten Snapdragon 660 ist bei dem Fokus auf Produktivität und Akkulaufzeit zusammen mit dem kleineren Display wohlüberlegt. Bei einem Preis von 649 bis 700 Euro erscheint Hardware aus der oberen Mittelklasse aber zuweilen unterdimensioniert. Auch schnellerer Speicher nach UFS-Standard hätte dem Key2 im Hinblick auf den selbstbewussten Preis gut gestanden. So kommt der Speicher nicht über eine durchschnittliche Geschwindigkeit hinaus. Immerhin: Der Mehrwert zum KeyOne ist spürbar, die Bedienung deutlich flüssiger und dieses Mal spürbar näher an aktuellen Flaggschiffen. Einholen kann das Key2 diese aber nicht.

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