Cat S61 im Test: Dieses Smartphone misst bis 400 °C, Längen und Luftgüte 2/3

Frank Hüber 96 Kommentare

Langsames SoC statt High End

Beim SoC setzt Cat Phones erneut nicht auf das Flaggschiff von Qualcomm, sondern hat den Snapdragon 617 aus dem Cat S60 gegen den Snapdragon 630 im S61 getauscht. Letztgenannter bietet acht Cortex-A53-Kerne in zwei Clustern, wobei sie im ersten Cluster mit bis zu 2,2 GHz und im zweiten Cluster mit maximal 1,8 GHz takten. Der Snapdragon 617 verfügt hingegen über einen Cluster aus zwei Bausteinen mit jeweils vier Cortex-A53-Kernen mit 1,5 und 1,2 GHz. Durch den Wechsel des SoCs erfährt auch die GPU ein Upgrade – von Adreno 405 auf Adreno 508.

In den Benchmarks erreicht das Cat S61 mit Snapdragon 630 von Qualcomm, der aus der 14LPP-Fertigung von Samsung stammt, die Werte, die auch andere Smartphones mit Snapdragon 630 wie das Nokia 6.1 (Test) erzielen. Klar ist somit aber auch, dass das S61 kein Geschwindigkeitskönig ist. In Benchmarks kommt es häufig nur auf die Hälfte der Ergebnisse, wie sie aktuelle High-End-Modelle wie das Samsung Galaxy S9, Apple iPhone X oder OnePlus 6 erreichen, die auf ein deutlich schnelleres SoC zurückgreifen können. Der SoC-Hierarchie folgend setzt sich das Cat S61 allerdings wiederum vom Qualcomm Snapdragon 450, wie er beispielsweise im Motorola Moto G6 (Test) eingesetzt wird, ab. Der Konkurrent kostet allerdings weniger als 250 Euro.

Deutlich positiver schneidet das Cat S61 bei den Speichertests ab. Zwar hält auch der interne Speicher nicht mit den schnellsten Smartphones mit, der Zugriff auf die microSD-Karte in Form der SanDisk Extreme Pro mit 64 GB erfolgt hingegen sehr schnell und liegt mit rund 80 MB/s beim Lesen und rund 74 MB/s beim Schreiben an der Spitze des Testfeldes.

Beim Cat S61 können Speicherkarten sowohl als sogenannter tragbarer Speicher formatiert werden als auch als Erweiterung des internen Speichers, um sie mit diesem zu einem großen Volumen zu verbinden. Der Einsatz einer microSD-Karte ist allerdings nur unter Verzicht der Dual-SIM-Funktion (Hybrid-Slot) möglich.

Entfernungsmessung per Laser

Das Cat S61 verfügt über einen eigenen Class-2-Laser zur Entfernungsmessung. Cat Phones selbst spricht davon, dass man derzeit zwar noch nicht die Qualität von digitalen Laser-Entfernungsmessern erreichen könne, die Funktion im Alltag für eine nicht millimetergenaue Vermessung etwa zur Planung von Baumaterial jedoch bestens geeignet sei – die Messung sei auf wenige Prozentpunkte genau.

Das Cat S61 misst Längen, indem die Entfernung zwischen Laser und Kamera auf dem Smartphone mit dem reflektierten Winkel des Lasers von der Oberfläche verglichen wird. So lassen sich Punkt-zu-Punkt-Distanzen von bis zu 10 Metern messen. Auf Basis der erhobenen Daten berechnet das Smartphone zudem die Fläche und wechselt, wenn nötig, zwischen metrischem und imperialem System. Alle Daten werden innerhalb des Bildes gespeichert, sodass alternative Messschätzungen oder Anpassungen vorgenommen werden können – der Ort der ursprünglichen Messung muss hierfür nicht erneut aufgesucht werden.

Bevor mit dem Cat S61 Entfernungen gemessen werden können, muss eine Referenzmessung vorgenommen werden, bei der der Nutzer dem Smartphone für eine gemessene Distanz die tatsächlich etwa mit einem Zollstock oder Maßband gemessene Entfernung mitteilt. Basierend auf dieser Referenzmessung werden dann alle weiteren Messungen vorgenommen, weshalb der Nutzer diese sorgfältig vornehmen sollte.

Im Test erweist sich die Distanzmessung als zuverlässig, wenn auch nicht in jedem Fall und bei jeder Perspektive auf den Millimeter genau. Bei exakt paralleler Ausrichtung zum Bezugspunkt des Lasers ist die Messung am genauesten. Ein Abstand von 200,5 cm wird vom Cat S61 im Test mit 200,8 cm gemessen. Bei einer leicht schrägen Draufsicht auf einen Karton ist die näher gelegene Kante mit 23,2 cm noch sehr nahe am per Zollstock gemessenen Wert von 23,0 cm. Die perspektivisch etwas verzerrte hintere Kante wird mit 22,2 statt gemessener 22,5 cm angegeben.

Die automatische nachträgliche Flächen- und Längenberechnung im aufgenommenen Bild funktioniert ebenso zuverlässig, ist allerdings je nach Objekt etwas fummelig, da die Anfangs- und End- beziehungsweise Eckpunkte des Objekts möglichst genau festgelegt werden müssen. Hierbei ist eine im Bildausschnitt vergrößerte Ansicht des Auswahlquadrats hilfreich, ein guter Kontrast des Objekts vom Hintergrund ist allerdings ebenso notwendig, um die mitunter unscharfen vergrößerten Stellen möglichst genau zu erkennen. Eine millimetergenaue Messung kann allein aufgrund der durch die Auswahl beeinflussten Länge nicht gewährleistet werden. Dem eigenen Anspruch einer im Alltag ausreichend genauen Messung wird Cat Phones mit dem Cat S61 aber in jedem Fall gerecht.

Wärmebildkamera von Flir bis 400 °C

Das Cat S61 setzt bei der Wärmebildkamera erneut auf Technik von Flir. Verbessert wurde diese im Vergleich zum Vorgänger einerseits durch einen größeren abgedeckten Temperaturbereich, der nun von -20 bis +400 Grad Celsius reicht, während das S60 auf einen Temperaturbereich von -20 bis +120 Grad Celsius kommt. Darüber hinaus ist das Bild der Wärmebildkamera verbessert worden, da nun auch die Informationen der hochauflösenden primären Kamera in das Bild einfließen, die Konturen und Schrift besser lesbar machen. So zeichnen sich schwache Temperaturunterschiede deutlicher ab und auch der Bildinhalt selbst wird besser erkennbar. Zudem kann das Bild der Wärmebildkamera nun in einem Livestream geteilt werden, etwa um es an Arbeitskollegen im Büro zu übertragen.

Neben der Aufnahme eines Fotos kann auch ein Video oder ein Zeitraffer aufgenommen werden. Generell gilt, dass die Wärmebildkamera des Cat S61 zwar einige Sekunden benötigt, bis sie einsatzbereit ist, dann jedoch zuverlässig funktioniert. Ganz anders ist dies bei den von Flir erhältlichen Aufsteckmodulen etwa für das iPhone, die ihren Dienst nach Anschluss an den Lightning-Connector regelmäßig verweigern oder erst nach mehreren Minuten aufnehmen. Hiermit verglichen ist die Handhabung der Wärmebildkamera von Flir im S61 ein Segen, obwohl sie sich ebenfalls zwischenzeitlich immer wieder kleine Ruckler genehmigt.

Bei Bewegungen kommt es allerdings auch weiterhin zu einem Versatz der Konturen und Formen zum Wärmebild, was bei Stillhalten sofort ausgeglichen wird. Über Messfelder und Punkte kann zudem beispielsweise direkt auf dem Bild die Temperatur eines oder mehrerer Punkte oder die Durchschnittstemperatur eines Bereichs angezeigt werden. Auch den Vergleich mit einem Laser-IR-Thermometer halten die gemessenen Werte der Flir-Wärmebildkamera stand – es gibt lediglich kleine Abweichungen.

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