Fire HD 10 Kids Edition im Test: Amazons Tablet für kleine und große Kinder 3/3

Michael Schäfer 79 Kommentare

Nervige Einrichtung und andere Fehler

Die Einrichtung von FreeTime geht dank des Assistenten einfach von der Hand, wirkt sich jedoch auf alle sich im Haushalt befindenden Fire-Tablets aus. Aber der Reihe nach:

Zunächst muss in den Profil-Einstellungen ein neues Kinderprofil hinzugefügt werden, benötigt werden der Name des Kindes, das Geschlecht und zur besseren Filterung der Inhalte das Geburtsdatum. FreeTime bietet zwei verschiedene Designs an, welche sich an Kinder unter 9 Jahren und ab 9 Jahren richten. Zu guter Letzt kann dem Profil ein Bild zugeordnet werden.

Den Angaben folgt ein Überblick der sich auf dem Gerät befindenden Inhalte, welche Amazon als für Kinder geeignet ansieht. Viel hat Amazon hier seit dem letzten Test jedoch nicht dazugelernt, teilweise werden Apps immer noch fragwürdig beurteilt. Als Kriterium gilt auch, welche Apps in anderen Familien beliebt sind. Doch dass Programme beliebt sind, ist noch lange kein Garant dafür, dass sie wirklich für Kinder geeignet sind. Daher sollten Eltern auch dem System nicht blindlings vertrauen, sondern selbst einen Blick auf die Auswahl werfen.

Fire HD 10 Kids Edition Screenshots Einrichtung FreeTime

Im nächsten Abschnitt können Eltern auf Wunsch den FreeTime-Webbrowser deaktivieren, was aber nicht ratsam ist. Dieser grenzt Inhalte zwar oftmals zu stark ein, erspart dafür aber Zeit. Ist der Browser nämlich nicht aktiviert, müssen Eltern alle Seiten von Hand freigeben. Danach muss das System noch mit einem Passwort oder einer PIN schützt werden und ist anschließend bereit zur Nutzung.

Zuletzt können Eltern tägliche Ziele, Zeitlimits sowie Lernziele festlegen – getrennt nach Wochentagen und Wochenenden. Einzelnen Aktivitäten können ebenfalls zeitliche Rahmen zugeordnet werden.

Andere Nutzer brauchen gute Nerven

Das Einrichten von FreeTime hat nachteilige Auswirkungen auf alle Fire-Tablets des Haushalts: Da Amazon stets darauf bedacht ist, die Inhalte der Geräte synchron zu halten, wird auch auf den anderen Tablets das jeweilige FreeTime-Profil eingerichtet – selbst wenn die Kinder auf das Gerät keinen Zugriff haben. Dies wäre nicht unbedingt negativ anzusehen, wenn nicht auch die PIN-Sperre übernommen werden müsste.

So werden alle Nutzer der anderen Tablets beim nächsten Entsperren des Displays dazu genötigt, einen eigenen PIN-Code oder ein eigenes Passwort für das Gerät einzurichten. Ein Ablehnen lässt Amazon nicht zu, ein Zugriff auf das eigene System ist erst nach Vergabe wieder möglich. Eine Rückkehr zur Normalität gibt es nur, wenn das Kinderprofil in den Einstellungen ausgeblendet wird und der Nutzer anschließend unter Angabe des vorher gewählten Codes die Display-Sperre wieder entfernt. Wenn sich mehrere Geräte in einem Haushalt befinden (wie im Falle des Tests ein Fire 7, Fire HD 8 und Fire HD 10), kann dieses Unterfangen sehr schnell zu einer Geduldsprobe werden. Hier muss Amazon definitiv nachbessern und während des Einrichtungsprozesses dem Nutzer die Wahl lassen, das Profil nur auf dem jeweiligen Tablet einzurichten – bei allem anderen ist die Grenze zur Bevormundung deutlich überschritten.

Kinderleichte Nutzung

Da FreeTime relativ einfach und logisch aufgebaut ist, benötigen Kinder anfangs vielleicht noch ein wenig Hilfe oder eine kleine Einführung, finden sich aber bereits nach kurzer Zeit schnell selbst zurecht. Lediglich die Fülle der Inhalte könnte zunächst zu einer Überforderung führen.

Negativ fällt jedoch die Lautstärke der Ausgabe vor allem bei Videos auf, welche oftmals deutlich zu hoch für Kinderohren ist. Hier sollte Amazon mehr auf eine Eingrenzung achten. Da das Kinderprofil zudem keinen Zugriff auf die Systemeinstellungen zulässt, wird die Helligkeit des Displays immer über die adaptive Regelung angepasst, was zu sichtbaren Helligkeitsschwankungen führt.

Fazit

Die Vor- und Nachteile des Fire HD 10 wurden bereits ausgiebig im dazugehörigen Test genannt, daher hier nur noch einmal das Wesentliche in Kürze: Das Tablet ist dem Preis entsprechend gut und stabil verarbeitet und bietet genügend Leistung für die meisten alltäglichen Nutzungsszenarien. Bei rechenintensiven Programmen geht dem Vierkern-Prozessor jedoch schnell die Puste aus. Die gleiche oder sogar eine höhere Rechenleistung zum gleichen Preis bei anderen Geräten zu finden, dürfte jedoch schwer sein – ein Pluspunkt also für das Fire HD 10. Das Display löst mit Full HD auf und ist hell. Die Farben dürften aber etwas knackiger sein.

Üppiges Angebot

Die Schutzhülle, die Content-Flatrate FreeTime Unlimited sowie die „Sorglos-Garantie“, in der Amazon das Gerät zwei Jahre ab Kauf auch bei selbstverschuldeten Beschädigungen umgehend austauscht, rechtfertigen den Preisaufschlag von 20 Euro mehr als genug – auch wenn über die Qualität mancher Inhalte der Flatrate durchaus gestritten werden kann. Durch die Austauschgarantie ist das Tablet zudem für erwachsene Nutzer eine Alternative.

Für ...

FreeTime dagegen dürfte auch in Zukunft zu kontroversen Diskussionen führen. Richtig eingesetzt und gut dosiert ist es mit seinen zahlreichen Einstellungsmöglichkeiten sowohl für Eltern als auch für Kinder eine gute Ergänzung zur eigenen medialen Erziehung. Dies entlässt Eltern jedoch nicht aus ihrer generellen Verantwortung. Diese sollten nicht dem Fehler unterliegen, dem System die alleinige Entscheidung zu überlassen, denn gerade bei der Auswahl von Inhalten liegt es öfter gründlich daneben.

... und Wider

Falsch eingesetzt führt FreeTime dagegen zur kompletten Echtzeitkontrolle, bei der das Vertrauen sehr schnell auf der Strecke bleiben könnte. Denn obwohl manchen Eltern eine zumindest teilweise Abgabe der Verantwortung an ihre Zöglinge schwerfallen könnte: Auch Kinder haben ein Recht auf ihre Privatsphäre und auf einen vertrauensvollen Umgang.

Amazon Fire HD 10 (Kids Edition)
Produktgruppe Tablets, 11.07.2018
  • Display
    O
  • Leistung Produktiv
    O
  • Leistung Unterhaltung
    +
  • Laufzeit
    +
  • Verarbeitung
    O
  • Gutes Preis-Leistung-Verhältnis
  • Gute Verarbeitung
  • Lange Laufzeiten
  • Full-HD-Auflösung
  • Helles Display
  • Einschätzung der Inhalte bei FreeTime nicht immer richtig
  • Übertragung von Display-Sperre auf andere Tablets

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