Huawei MateBook X Pro im Test: Edles Notebook mit James-Bond-Kamera 3/4

Nicolas La Rocco 117 Kommentare

Leistung

Wie im Überblick der Konfigurationen bereits erwähnt wurde, bietet Huawei das MateBook X Pro ausschließlich mit Intel-Prozessoren und immer mit Nvidia GeForce MX150 mit 2 GB GDDR5 an. Im Testgerät werkelt ein Core i7-8550, der laut Spezifikationen von Intel mit 1,8 GHz Basistakt und bis zu 4,0 GHz Turbo-Taktfrequenz arbeitet. Die in 14 nm gefertigte CPU zählt zur Familie Kaby Lake Refresh und kommt auch im aktuellen Dell XPS 13 oder Lenovo ThinkPad X1 Carbon G6 zum Einsatz. Die TDP liegt bei 15 Watt, diese kann vom Notebook-Hersteller per „Configurable TDP-up“ und „Configurable TDP-down“ auf bis zu 25 respektive 10 Watt konfiguriert werden. Dementsprechend verändert sich der Basistakt auf bis zu 2,0 GHz oder nur 800 MHz. Huawei betreibt die CPU im MateBook X Pro jedoch in der Standardkonfiguration.

Aufseiten des Speichers stecken 8 GB LPDDR3 mit 2.133 MHz im MateBook X Pro. Erst im 200 Euro teureren Topmodell für 1.899 Euro, das ansonsten die gleiche Ausstattung bietet, verbaut Huawei 16 GB RAM. Im Basismodell für 1.499 Euro sind ebenfalls 8 GB RAM verbaut. Nur die SSD ist dort kleiner.

Als SSD ist von Toshiba das Modell KXG50ZNV512G mit 512 GB verbaut. Die im Sommer des letzten Jahres vorgestellte SSD ist mit 64-Layer-3D-NAND (BiCS3) bestückt und kommt laut Hersteller beim sequenziellen Lesen auf 3.000 MB/s und beim sequenziellen Schreiben auf 1.050 MB/s. Erst die Variante mit 1 TB erreicht beim Schreiben bis zu 2.100 MB/s. Das M.2-2280-Modul ist per PCIe 3.0 mit vier Lanes an das Mainboard angebunden.

Semipassive Schmelzkühlung

Das MateBook X Pro kommt mit einer abgewandelten Variante von Huaweis Schmelzkühlung, die mit Micro-encapsulated Phase Change Material (MEPCM) gefüllt ist. Dahinter verbirgt sich ein in winzigen Kapseln eingeschlossenes Material, das bei Raumtemperatur im festen Aggregatzustand vorliegt. Wird die Wärmeenergie des Prozessors auf die Schmelzkühlung übertragen, geht das in den Kapseln eingeschlossene Material in den flüssigen Aggregatzustand über. Dieser Phasenübergang absorbiert viel Energie. Seine Premiere hatte MEPCM im MateBook X.

Die Kühlung basiert auf kleinen Kapseln, deren Inhalt beim Erwärmen flüssig wird
Die Kühlung basiert auf kleinen Kapseln, deren Inhalt beim Erwärmen flüssig wird (Bild: Huawei)

Weil im MateBook X Pro eine diskrete Grafikeinheit verbaut ist, hat Huawei das System um einen Lüfter ergänzt, der der Schmelzkühlung bei zu hohen Temperaturen unter die Arme greift. Wie schon beim MateBook X ist das Kühlsystem dennoch aktiv gekühlten Geräten unterlegen, sodass unter Dauerbelastung im Cinebench R15 schlechtere Ergebnisse zustande kommen als bei der Konkurrenz. Das Notebook steigt kurzzeitig mit 4,0 GHz in den Test ein, um sofort den Takt auf 3,1 GHz zu reduzieren. Noch vor dem zweiten Durchlauf pendelt sich der Takt zwischen 2,3 und 2,4 GHz ein.

Dementsprechend schlechter schneidet das Notebook unter Multi-Core-Dauerbelastung ab: 570 Punkte sind es zum Start, anschließend schwankt das Ergebnis zwischen 531 und 534 Punkten. Positiv fallen die Messungen insofern für Huawei aus, als dass der Takt ab dem zweiten Durchgang dank Unterstützung durch den Lüfter stabil gehalten wird und dadurch die Leistung im Cinebench nicht weiter reduziert wird.

Bei einer Umgebungstemperatur von 22 °C springt die CPU Package Power laut HWiNFO kurzzeitig auf 29 Watt, bevor sie auf die von Intel im Standard vorgegebenen 15 Watt fällt. Wie die semipassive Kühlung des Systems arbeitet, lässt sich gut bei Belastung durch Programme wie Cinebench oder POV-Ray beobachten. Unter Last (Multi-Core) wird dem CPU Package zunächst erlaubt, auf bis zu 72 °C zu gehen. Der trotz weiter bestehender Belastung darauf folgende Abfall der Temperatur ist auf den Phasenübergang des in den Kapseln der Schmelzkühlung eingeschlossenen MEPCMs zurückzuführen und nicht auf den Lüfter. Dieser schaltet sich im Test erst nach rund weiteren 45 Sekunden Dauerlast hinzu und dreht im schlimmsten Fall auf bis zu 7.000 U/min. Dann ist der Lüfter auch deutlich hörbar – das ist aber nur selten der Fall. Unter Last arbeitet der Lüfter üblicherweise mit leicht über 5.000 U/min und ist dabei nur als leises Surren wahrnehmbar. Ab 6.000 U/min wird das Geräusch dominanter, bevor der Lüfter bei 7.000 U/min schließlich nicht mehr zu überhören ist. Sobald sich das CPU Package wieder auf 42 °C abgekühlt hat, deaktiviert sich der helfende Lüfter.

In den CPU-Benchmarks ist das MateBook X Pro vor allem dann schnell, wen nur ein Kern belastet wird. In den Multi-Core-Messungen und allgemein bei Anwendungen, die auf alle Kerne zugreifen und diese längere Zeit belasten, hält das MateBook X Pro aufgrund seiner semipassiven Kühlung nicht mit der Konkurrenz mit. Das ist zum Beispiel gut im Cinebench, PCMark 10 der x265 HD Benchmark zu sehen. Ist die Multi-Core-Belastung nur kurz, etwa im Geekbench, dann erzielt das MateBook X Pro gute Werte. Allgemein betrachtet müssen sich Nutzer aber trotz der gleichen CPU auf eine niedrigere Systemleistung als im XPS 13 oder ThinkPad X1 Carbon G6 einstellen.

Nvidia GeForce MX150

Beim Spielen wird das MateBook X Pro am stärksten gefordert und dreht den unterstützenden Lüfter auf laute 8.000 U/min auf. Die Grafikeinheit von Nvidia sorgt dafür, dass leichtes Spielen durchaus möglich ist, wenngleich AAA-Titel wie Wolfenstein 2 nur mit stark reduzierten Details gespielt werden können. Die GeForce MX150 nutzt den Pascal-Chip GP108, bietet 384 CUDA-Kerne und 2 GB GDDR5-Speicher. Laut HWiNFO und GPU-Z ist die Grafikkarte nur mit PCIe 3.0 x4 angebunden.

Im 3DMark Sky Diver erzielt die Kombination aus Core i7-8550U und GeForce MX150 eine 78 Prozent höhere Punktezahl als das schnellste Notebook nur mit Core i7-8550U. In FPS gemessen arbeitet die Grafikkarte in diesem Benchmark bis zu doppelt so schnell wie die integrierte Intel UHD Graphics 620. Die gedrosselte APU Ryzen 7 2700U im Lenovo IdeaPad 720S wird klar geschlagen, von der Leistung einer GeForce GTX 1070 Max-Q wie zuletzt im Razer Blade 15 ist die GeForce MX150 aber noch weit entfernt.

Doch was bedeutet das für den Alltag? Für AAA-Titel ist das MateBook X Pro trotz GeForce MX150 nach wie vor zu langsam. Das zeigt ein Versuch mit Wolfenstein 2, indem selbst bei auf 720p reduzierter Auflösung und mittleren Grafikdetails häufig nur 25 bis 30 FPS möglich sind. Bei schnellen Shootern wie Wolfenstein 2 ist das deutlich zu wenig.

Besser laufen da schon andere schnelle Shooter wie das deutlich weniger fordernde Counter-Strike: Global Offensive, das in 720p-Auflösung auch bei hohen Details über 60 FPS bleibt. Die GeForce MX150 macht das MateBook X Pro zwar noch nicht zum waschechten Gaming-Notebook, sie macht es Besitzern aber immerhin möglich, überhaupt das ein oder andere aktuelle Spiel mit mittleren Details zu spielen.

Schnelle Toshiba-SSD

Toshibas SSD KXG50ZNV512G liefert im CrystalDiskMark beim sequenziellen Lesen und Schreiben die Leistungswerte, die der Hersteller angibt. Abgesehen von Samsung PM981 mit 1 TB zählt die Toshiba-SSD mit zu den schnellsten Modellen am Markt.

Ob sich die SSD einfach gegen ein größeres Modell austauschen lässt, konnte im Test aufgrund der Konstruktion des Gehäuses nicht geklärt werden. Das Lösen der acht Schrauben an der Unterseite ist nicht ausreichend, um die Abdeckung zu entfernen. Vermutlich befinden sich unter den Standfüßen weitere Schrauben, die Füße hätten beim Testgerät aber irreparable entfernt werden müssen. Aufgrund dessen entfällt in diesem Abschnitt des Tests auch ein Blick in das Innenleben des MateBook X Pro. Einen öffentlich einsehbaren Teardown gibt es von dem Gerät noch nicht (Stand Anfang Juni 2018).

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