Huawei MateBook X Pro im Test: Edles Notebook mit James-Bond-Kamera

Nicolas La Rocco 110 Kommentare
Huawei MateBook X Pro im Test: Edles Notebook mit James-Bond-Kamera

tl;dr: Als Neuling im PC-Segment erwartet man von Huawei nicht unbedingt derart gut umgesetzte Produkte, wie es dem Hersteller nun mit dem MateBook X Pro gelungen ist. Die Expertise aus dem Smartphone-Segment macht sich in vielen Bereichen beim neuen Notebook bemerkbar. Und raffinierte Gadgets bietet der Laptop obendrein auch.

Konfigurationen im Überblick

Huaweis im Februar vorgestellte MWC-Neuheit MateBook X Pro hat es gut vier Monate nach der Ankündigung in Barcelona auf den deutschen Markt geschafft. Die neue Generation ist eine besser ausgestattete Variante des MateBook X (Test), Huaweis erstem Notebook. Dass der Netzausrüster und vor allem für Smartphones bekannte Hersteller aus China das PC-Segment für sich entdeckt hat, ist indes nicht völlig neu. Im Sommer 2016 erfolgte mit dem 2-in-1 MateBook (Test) die erfolgreiche Premiere.

Das MateBook X Pro wird in drei Varianten angeboten, die sich hinsichtlich CPU, RAM und SSD unterscheiden. Den Einstieg markiert das Core-i5-Modell für 1.499 Euro mit 8 GB RAM und 256 GB großer SSD. Die von ComputerBase getestete Variante kostet 200 Euro mehr und bietet einen Core i7 und eine auf 512 GB vergrößerte SSD. Noch einmal 200 Euro mehr führen zu einer Verdoppelung des Arbeitsspeichers auf 16 GB.

Die zweite Aufpreisstufe ist zu teuer

Update 05.07.2018 15:09 Uhr

Huawei hat heute angekündigt, dass das MateBook X Pro ab sofort im deutschen Handel verfügbar ist. Anders als noch im Februar zum MWC angekündigt, kostet das Topmodell nun 1.799 Euro statt 1.899 Euro. Der nachfolgende Abschnitt mit der Kritik zum Aufpreis ist somit nicht mehr zutreffend, allerdings wird er der Vollständigkeit halber nicht gestrichen. Als einzige Farbe für Deutschland ist Space Grey vorgesehen.

Dass Huawei zwei Preisstufen anbietet, die sich hinsichtlich CPU und SSD-Größe unterscheiden, ist sinnvoll und mit einem Aufpreis von 200 Euro fair bemessen. Dass dann allerdings noch einmal 200 Euro für 16 statt 8 GB RAM bei ansonsten gleicher Ausstattung gefordert werden, ist nicht nachvollziehbar. Hier hätte sich Huawei gleich für ein günstiges i5- und ein teures i7-Modell mit Vollausstattung entscheiden sollen.

1 2 (Testgerät) 3
CPU Intel Core i5-8250U, 4 Kerne/8 Threads,
bis zu 3,4 GHz, 6 MB Cache
Intel Core i7-8550U, 4 Kerne/8 Threads,
bis zu 4,0 GHz, 8 MB Cache
iGPU Intel UHD Graphics 620, bis zu 1,1 GHz Intel UHD Graphics 620, bis zu 1,15 GHz
dGPU Nvidia GeForce MX150, 2 GB GDDR5
RAM 8 GB LPDDR3 2.133 MHz 16 GB LPDDR3 2.133 MHz
SSD 256 GB PCIe NVMe 512 GB PCIe NVMe
Display 13,9 Zoll, 3.000 × 2.000, LTPS, Glas/glänzend, Touch
Akku 57,4 Wh
Anschlüsse 1 × Thunderbolt 3, 1 × USB 3.1 Gen2 Typ-C, 1 × USB 3.1 Gen1 Typ-A, 1 × 3,5-mm-Klinke
Konnektivität Intel Dualband-Wireless-AC 8265, Bluetooth 4.1
Webcam 1 MP 720p-HD-Kamera, versenkbar in F-Tastenreihe
Abmessungen 304 × 217 × 14,6 mm (B×T×H)
Gewicht 1,33 kg
Farben Mystic Silver, Space Grey
Betriebssystem Windows 10 Home 64 Bit
Preis (UVP) 1.499 € 1.699 € 1.899 € 1.799 €

Edles Design

Dass schon die auf den Karton gedruckte Farbe des Testgeräts mit „Space Grey“ an Apple erinnert, ist nur ein Vorbote dessen, was Käufer nach dem Auspacken erwartet. Dass das MateBook X Pro ein todschickes Notebook ist, trifft zweifelsohne zu, dass eindeutige Parallelen zum MacBook von Apple erkennbar sind aber ebenso.

Huawei hüllt die Hardware des Notebooks in mattes Aluminium, das piekfein verarbeitet ist und einen Eindruck hinterlässt, als würde Huawei schon seit Jahren im Notebook-Premiumsegment mitmischen und Geräte dieses Kalibers bauen. Was Huawei hier mit der gerade einmal zweiten Notebook-Generation des Unternehmens optisch auf die Beine gestellt hat, kann sich sehen lassen. Die bei der Konstruktion von Smartphones gesammelte Erfahrung spielt hier sicherlich eine große Rolle.

Eine matte Fase rund um den Deckel des Notebooks sowie eine polierte Fase an der Basis sind zwei der wenigen Zierelemente, die das MateBook X Pro trägt. Das einzige weitere ist auf der Außenseite das glänzende Huawei-Logo samt Schriftzug, das in der Farbe des Chassis umgesetzt wurde. Ein weiterer Schriftzug findet sich auf der Innenseite unterhalb des Displays. Logos von Microsoft für Windows 10 sowie von Nvidia für die GeForce-Grafikeinheit sind auf der Unterseite angebracht und lassen sich dank Abziehvorrichtung einfach vom Gehäuse entfernen. Nur den kleinen Intel-Sticker rechts auf der Handballenauflage bekommt man nicht so einfach wie die restlich „Deko“ abgezogen.

Neue und bekannte Anschlüsse

Bei den Anschlüssen macht Huawei einen Spagat zwischen bekannten und neuen Standards, wenngleich das Notebook insgesamt betrachtet zu den eher spärlich bestückten Vertretern gehört. Ein Adapter mit weiteren Anschlüssen, der dem Notebook ab Werk beiliegt, wertet das Gesamtpaket aber noch einmal deutlich auf. Aber der Reihe nach: Am MateBook X Pro selbst finden Käufer auf der linken Seite eine Kopfhörerbuchse, einmal USB 3.1 Gen2 Typ C und einmal Thunderbolt 3. Beide USB-Typ-C-Buchsen können zum Aufladen verwendet werden. Auf der rechten Seite hat Huawei mit viel Präzision gerade so einmal USB 3.1 Gen1 Typ-A untergebracht. Die Buchse sitzt hinten im Gehäuse und nimmt die Basiseinheit auf voller Höhe ein.

Dem Notebook liegt standardmäßig das sogenannte MateDock 2 bei, das für den Anschluss an die hintere der beiden USB-Typ-C-Buchsen gedacht ist, sie funktioniert aber ebenso an der Thunderbolt-3-Buchse, schleift dann aber kein Thunderbolt 3 durch. Das MateDock 2 erweitert das Notebook um Anschlüsse für HDMI, VGA, USB Typ C und USB Typ A. Die USB-C-Buchse am MateDock 2 kann während der Nutzung der anderen Schnittstellen zum Aufladen des Notebooks verwendet werden.

Display im 3:2-Format

Im aufgeklappten Zustand springt selbst bei ausgeschaltetem Bildschirm sofort der äußerst schmale Displayrand des MateBook X Pro ins Auge. Das Display bedeckt 91 Prozent der sichtbaren Fläche. Zum Vergleich: Das neue Dell XPS 13 (Test) mit ebenfalls dünnen Displayrändern kommt auf ein Verhältnis von 80,7 Prozent von Bildschirm zu Gehäuse. Ebenfalls positiv: Huawei folgt nicht dem den Markt dominierenden Trend von 16:9-Displays, sondern setzt wie Microsoft bei den Surface-Produkten auf 3:2. Das bedeutet bei Filmen häufig zwar breitere schwarze Balken, ist beim Arbeiten aber deutlich praktischer, da in der Vertikalen mehr Inhalt als bei den üblichen „Sehschlitzen“ dargestellt werden kann.

Das 13,9 Zoll große Display mit IPS-Panel bietet 3.000 × 2.000 Bildpunkte und wird auf Basis von Low Temperature Poly Silicon (LTPS) gefertigt, was für eine geringere Leistungsaufnahme gegenüber klassischen TFT-Displays sorgen soll. Huawei gibt ab Werk eine Kalibrierung auf den sRGB-Farbraum mit einer Abdeckung von 100 Prozent an, was sich anhand der ausgezeichneten Darstellungsqualität bestätigen lässt.

In beinahe allen Messungen schneidet das bei Japan Display (JDI) eingekaufte Display sehr gut ab. Die maximale Helligkeit liegt im Durchschnitt aus neun Messfeldern bei 500 cd/m², der Weißpunkt bei angenehmen 6.800 Kelvin und der Kontrast bei sehr guten 1.553:1. Die nicht über die gesamte Diagonale gleichmäßig arbeitende Hintergrundbeleuchtung ist der einzige kleinere Kritikpunkt am Panel. Im rechten Drittel des Bildschirms nimmt die Helligkeit auf der höchsten Stufe um rund 50 cd/m² ab. Unterm Strich steht dennoch eine gute Homogenität von 93 Prozent, an die 95 Prozent des Lenovo ThinkPad X1 Carbon G6 (Test) kommt Huawei aber nicht heran.

Glas wegen Touch

Dass Huawei das Display mit einer für Reflexionen anfälligen Glasscheibe abdeckt, liegt an der 10-Punkt-Touch-Unterstützung des Bildschirms. Aufgrund dieses Ausstattungsmerkmals ist die Umsetzung nachvollziehbar. Dell oder Lenovo kombinieren auch gerne mal Non-Touch-Displays mit einer glänzenden Beschichtung. Bei Apple kommen grundsätzlich alle Notebooks ohne Touch, jedoch immer mit Glasscheibe.

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