Galaxy A6 vs. Nokia 6.1 im Test: Samsung und Nokia kämpfen um die Mittelklasse 2/4

Nicolas La Rocco 113 Kommentare

Android One vs. Samsung Experience

Während Samsung bei Displays so schnell kein anderer Anbieter etwas vormacht, gilt dasselbe für Nokia bei der Software – und das durch Nichtstun. Nokia macht es sich leicht und hebt sich positiv aus der Masse hervor, indem auf jedwede Software-Anpassungen verzichtet wird. Auf dem Nokia 6.1 ist Stock-Android installiert, das im Großen und Ganzen der Software der Pixel-Smartphones von Google entspricht. Die einzigen Veränderungen durch Nokia sind eigene Apps für die Kamera, das UKW-Radio und den Support. Android One garantiert dem Nokia 6.1 Updates für die nächsten zwei Jahre nach Veröffentlichung. Das müsste somit bis Mitte April 2020 der Fall sein.

Dass ein durch den Smartphone-Hersteller verändertes Android-Betriebssystem aber nicht zwangsläufig schlecht sein muss, beweist Samsung mit der „Samsung Experience 9.0“, die neben dem Galaxy A6 auch auf Flaggschiffen wie dem Galaxy S9 installiert ist. Zunächst einmal gilt das Lob dem aktuellen Sicherheits-Patch auf dem Galaxy A6, der mit Juli 2018 sogar dem Nokia 6.1 einen Monat voraus ist. Das zweite Lob muss für die Leistung der stark veränderten Android-Oberfläche ausgesprochen werden, denn langsamer als das Stock-Android von Nokia agiert das Betriebssystem des Galaxy A6 nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall: Im Direktvergleich nebeneinander öffnet das Samsung-Smartphone Apps wie Netflix, Facebook, Twitter oder den Play Store stets eine Nuance schneller als das Nokia 6.1.

Galaxy A6 vs. Nokia 6.1 – Stock-Android und Samsung im Vergleich

Dieses Verhalten ist insofern interessant, als dass Samsung den in Benchmarks schlechter abschneidenden Prozessor verbaut. Während im Galaxy A6 die Eigenkreation Exynos 7870 werkelt, setzt Nokia für das 6.1 auf den Snapdragon 630 von Qualcomm. Beide SoCs stammen aus der 14LPP-Fertigung von Samsung.

Der Exynos 7870 kommt zum einen mit acht Cortex-A53-Kernen von ARM, die mit bis zu 1,6 GHz takten dürfen. Zum anderen ist ebenfalls von ARM die schwache Mali-T830-MP1-GPU verbaut, die lediglich eine Recheneinheit besitzt. In puncto GPU ist diese Variante eine der schwächsten, die derzeit noch in Smartphones verbaut wird. Auch in Bereichen wie der Speicheranbindung zeigt sich der Exynos-Chip mit einem 32-Bit-Single-Channel-Interface für LPDDR3 von der schwachbrüstigen Seite.

Anders Nokia mit dem Snapdragon 630. Der zugekaufte Chip kommt ebenfalls mit acht Cortex-A53-Kernen, diese sind aber in zwei Paare zu je vier Kernen mit bis zu 2,2 und 1,8 GHz aufgeteilt. Die Adreno-508-GPU ist leistungsfähiger als die lahme Mali-T830 MP1. Zu guter Letzt gibt es beim Snapdragon 630 ein LPDDR4-Dual-Channel-Interface.

Die laut Spezifikationen und Benchmark-Ergebnissen höhere Leistungsfähigkeit des Snapdragon 630 zündet beim Nokia 6.1 allerdings nicht. Das soll nicht heißen, dass das Smartphone mit Rucklern oder ähnlichen Problemen zu kämpfen hat, sondern nur, dass es sich nicht schneller als das Galaxy A6 mit schwächerem SoC anfühlt. Einzig in Spielen hat die potentere Adreno 508 mehr Reserven als die Mali-T830 MP1.

Vergleich Grafikqualität RealRacing 3 (Samsung links, Nokia rechts)
Vergleich Grafikqualität RealRacing 3 (Samsung links, Nokia rechts)

Bei derzeit in den Topcharts des Play Store beliebten Casual-Games wie „Color Road“, „Helix Jump“ oder „Paint Hit“ macht sich die schwache GPU im Galaxy A6 noch nicht bemerkbar. In anspruchsvolleren Titeln wie „Real Racing 3“ ist die Bildwiederholrate auf dem Nokia 6.1 aber spürbar höher. Auf dem feiner auflösenden Display sieht das Spiel zudem schicker aus. Wer mehr als einfache Casual-Games auf dem Smartphone spielen möchte, wird deshalb mit dem Galaxy A6 nicht glücklich. Für Standard-Apps aus den Bereichen Social Media und Messaging ist das Gerät aber schnell genug.

Dass in dieser Preisklasse noch kein schneller „Universal Flash Storage“ (UFS) im Smartphone zu finden ist, überrascht nicht. Mit leichten Vorteilen für das Nokia 6.1 wird noch eMMC-Speicher verbaut. Relevante Unterschiede bei den Ladezeiten lassen sich davon allerdings nicht ableiten. Positiv hervorzuheben ist jedoch, dass bei den microSD-Cardreadern nicht an der falschen Stelle gespart wurde. Beide liefern beim Lesen von einer SanDisk Extreme Pro mit 64 GB rund 62 MB/s und landen damit im Mittelfeld. Beim Schreiben reichen Werte jenseits von 66 MB/s sogar für das Spitzenfeld.

Beim Nokia 6.1 können Speicherkarten grundsätzlich nur als sogenannter tragbarer Speicher formatiert werden und lassen sich somit nicht mit dem internen Speicher zu einem großen Volumen verbinden. Speziell für die Kamera-App kann die Speicherkarte jedoch als alternativer Speicherort gewählt werden. Darüber hinaus ist der Einsatz einer microSD-Karte nur unter Verzicht der Dual-SIM-Funktion (Hybrid-Slot) möglich.

Bei Samsung hingegen gibt es ein Fach für die erste SIM-Karte und ein zweites Fach für die zweite SIM-Karte sowie die microSD-Karte – drei Slots in Summe also. Auch bei Samsung können Speicherkarten nur als tragbarer Speicher formatiert werden. Hier ist die Kamera ebenso davon ausgenommen und bietet das Speichern auf der microSD-Karte als Alternative zum internen Speicher an. Serienaufnahmen werden jedoch grundsätzlich auf dem internen Speicher des Smartphones abgelegt.

Auf der nächsten Seite: Nokia ist der Kamera-Sieger