Apple iPhone Xs Max im Test: Maximum Telephonum 2/5

Nicolas La Rocco 375 Kommentare

A12 Bionic aus 7-nm-Fertigung

Während der Präsentation von iPhone Xs, Xs Max und Xr hat Apple dem neuen eigens entwickelten Chip A12 Bionic viel Aufmerksamkeit geschenkt. Das System-on-a-Chip steckt in allen drei neuen Geräten von Apple. Fertiger ist das taiwanische Unternehmen TSMC, das mit dem A12 Bionic den ersten großen Rollout eines 7-nm-SoCs feiert.

Huawei lässt den Kirin 980 ebenfalls in 7 nm bei TSMC fertigen, der Chip wird aber erst Mitte Oktober im Mate 20 Premiere feiern. Und auch bei Qualcomm soll der Auftrag für den in 7 nm gefertigten Snapdragon 8150 an TSMC gegangen sein, bevor bei der übernächsten Generation unter Verwendung von 7 nm LPP (EUV) wieder zu Samsung gewechselt werden soll. Apple hat zwar nicht den ersten angekündigten 7-nm-Chip, aber den ersten, der tatsächlich in einem Smartphone zu kaufen ist.

Der A12 Bionic kommt auf 6,9 Milliarden Transistoren, beim A11 Bionic waren es noch 4,3 Milliarden. Wie dieser Zuwachs zustande kommt, erklärt der weitere Verlauf dieses Abschnitts.

Vortex und Tempest

Apples neue CPU bietet wie zuletzt schon der A11 Bionic und A10X Fusion sechs Kerne, wobei der Aufbau mit zwei High-Performance-Kernen (Vortex) und vier Efficiency-Kernen (Tempest) dem A11 Bionic entspricht. Die zwei bis zu 2,49 GHz schnellen High-Performance-Kerne liefern bei einem 4,2 Prozent höherem Takt 15 Prozent mehr Leistung als die Monsoon-Kerne des A11 Bionic. Gleichzeitig verbrauchen sie laut Apple 40 Prozent weniger Energie. Die vier Efficiency-Kerne kommen auf die gleiche Leistung wie die Mistral-Kerne des Vorjahres, benötigen dafür aber 50 Prozent weniger Energie.

Apple A12 Bionic
Apple A12 Bionic

Im A12 Bionic steckt die zweite Generation Apples eigener GPU, die nun mit vier statt drei Kernen arbeitet, was neben den traditionell viel Chipfläche einnehmenden High-Performance-Kernen ein Grund für das Plus an Transistoren ist. Aus 33 Prozent mehr Kernen resultiert durch den Wechsel auf die zweite GPU-Generation ein Leistungsplus von 50 Prozent. Pro Kern hat die Leistung somit um etwa 13,6 Prozent zugenommen.

Neural Engine mit 8 Kernen

Deutlich aufgestockt worden ist die Neural Engine von Apple. Die in zweiter Generation vorliegende Engine erzielt mit acht statt zwei Kernen statt 600 Milliarden nun 5 Billionen Berechnungen pro Sekunde – die 8,3-fache Leistung. Pro Kern werden somit mehr als doppelt so viele Berechnungen wie bisher für Dinge wie Face ID, Animoji, AR, Fotos, Videos und Machine Learning durchgeführt. Die deutlich aufgebohrte Neural Engine ist ein weiterer Grund dafür, dass der A12 Bionic 6,9 Milliarden Transistoren zählt.

Leistungsreserven en masse

In den Benchmarks distanziert der A12 Bionic den A11 Bionic klar auf den zweiten Platz, Qualcomm und Samsung landen noch deutlich weiter hinten. Ein Programm wie Geekbench attestiert dem SoC eine 13 Prozent höhere Single-Core- und eine 9 Prozent höhere Multi-Core-Leistung. Den stärksten Zuwachs gibt es dabei jeweils im Bereich von Crypto-Berechnungen. In den Memory-Messungen schneiden im Geekbench Smartphones mit mehr RAM generell besser ab, sodass das iPhone Xs hier keine Chance gegen Android-Geräte mit 6 GB oder 8 GB RAM hat. iPhone Xs und Xs Max bieten erstmals in einem Apple-Smartphone 4 GB LPDDR4X und sind mit dieser im Vergleich zu Android konservativen Bestückung dennoch auf lange Sicht auf der sicheren Seite. Im iPhone Xr sind wie zuletzt im iPhone X oder iPhone 8 Plus 3 GB RAM verbaut.

In Sachen Browser-Performance hält kein anderer Anbieter mit Apple mit, da teilweise nicht einmal vergleichsweise alte Geräte wie das iPhone 6s, SE oder iPhone 7 und deren A9 sowie A10 Fusion erreicht werden. In den JavaScript-Benchmarks Sunspider und Google Octane führt Apple einsam vor Samsung und Qualcomm das Feld an.

Apples neue GPU mit vier statt drei Kernen soll eine 50 Prozent höhere Leistung als im Vorjahr liefern. Pro Kern entspricht dies einem Leistungszuwachs von 13,6 Prozent. In den meisten Benchmarks ist das Leistungsplus größer als von Apple angegeben, nur im alten 3DMark Ice Storm auf Basis von OpenGL ES 2.0 fällt das Plus mit 20 Prozent geringer aus. Wird aber auf aktuelle Standards wie Metal oder OpenGL ES 3.1 und OpenGL ES 3.0 gesetzt, sind Zuwächse zwischen 46 und 92 Prozent zu verzeichnen.

Auf dem Testgerät installierte Spiele wie Monument Valley 1 und 2, Mario Run, Lara Croft Go, Alto's Adventure, Playdead's Inside oder auch das neue Asphalt 9 waren allesamt keine Hürde für den A12 Bionic. Die mit iPhone Xs, Xs Max und letzlich auch iPhone Xr gebotene Leistung dürfte nicht nur im Bereich der GPU noch für die kommenden Jahre ausreichend sein. Denn mit dem A12 Bionic scheint Apple sich mehr denn je für die Zukunft absichern zu wollen. Smartphones mit dem neuen SoC fühlen sich im Alltag nicht schneller als solche mit A11 Bionic an. Zwar sind die Plattformen aufgrund des unterschiedlichen Betriebssystems nicht miteinander vergleichbar, aber Apple zeigt Qualcomm und Samsung auch dieses Jahr wieder, wo der Hammer hängt.

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