Medion Akoya P62020 im Test: Leiser Aldi-PC mit der Lizenz zum Gaming-PC

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Jan-Frederik Timm 273 Kommentare

Testergebnisse

ComputerBase hat den Medion Akoya P62020 mit und ohne dedizierte Grafikkarte in Awendungs-, Spiele- und Laufwerks-Benchmarks getestet. Das System war dabei mit allen Updates für Windows 10 Version 1803 versorgt, als Grafikkarten-Treiber kam der GeForce 416.35 zum Einsatz.

Der Arbeitsspeicher lief mit den vom BIOS vorgegebenen Eckdaten: DDR4-2.400 mit CL-17-17-17-39-2T. Acht der zwölf GB wurden im Dual-Channel-Modus adressiert. Zum Vergleich wurden aktuelle Anwendungs- und Spiele-Tests herangezogen, die allerdings mit anderen Systemen erstellt wurden. Darauf wird nachfolgend hingewiesen.

Leistung Anwendungen

Wie bei Medion Akoya P56000 (Test) oder auch Medion Erazer X67015 (Test) kann der Prozessor auch im Medion P62020 nicht immer mit den maximal erlaubten Turbo-Taktraten agieren. Der Grund: Nur für wenige Sekunden ist das Power Limit auf über 100 Watt festgelegt, danach darf die CPU nur noch 65 Watt verbrauchen – das entspricht der von Intel definierten TDP, also dem Verbrauch unter hochkomplexer Last bei Basis-Taktraten.

Auch der Medion Akoya P62020 limitiert den Prozessor auf die TDP

Ist eine Last weniger komplex, sorgt sie für einen geringeren spezifschen Stromverbrauch der CPU und die CPU kann den Turbo-Takt höher anlegen. Ist die Last hingegen komplexer, fällt der Takt. Mainboards aus dem Einzelhandel schränken Prozessoren hingegen fast nie im Verbrauch ein und gestatten immer die elektrische Leistung, die der Prozessor bei maximalem Turbo-Takt benötigt.

Beim Core i5-8400 erweist sich das Limit bei 65 Watt allerdings als nicht so einschneidend wie bei Core i7-8700 oder Ryzen 5 1600 vor einem Jahr, weil die CPU auch mit maximalen Turbo-Taktraten in vielen Anwendungen nicht mehr als 65 Watt benötigt. Selbst im Extremfall Prime95 liegt der Spitzenverbrauch kurz nach dem Start ohne Limit bei nur 89 Watt und damit vergleichsweise geringe 24 Watt über der TDP.

Der RAM könnte schneller sein

Definitiv schneller sein könnte der im System verbaute Arbeitsspeicher, denn als Core i5 der Coffee-Lake-Generation unterstützt der Core i5-8400 eigentlich DDR4-2666. Der verbaute Speicher läuft hingegen nur nach DDR4-2400 mit darüber hinaus sehr schwachen Timings (CL17-17-17-39-2T). Intels Core zeigt sich hiervon allerdings nicht so beeindruckt wie AMD Ryzen. Anpassungen vornehmen können Anwender im BIOS nicht. Das gilt auch für Eingriffe in die Verbrauchs-Obergrenzen der CPU im Tool Intel Extreme Tuning Utility – sie werden nicht übernommen, oder bewirken sogar das Gegenteil.

Im Schnitt kaum Verlust gegenüber dem Testsystem

Gravierende Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit haben am Ende aber beide Aspekte nicht. Im Schnitt über alle Anwendungen erreicht der Medion P62020 mit Core i5-8400 die Leistung, die vom Core i5-8400 auf einem Board aus dem Einzelhandel zu erwarten ist, so wie es im Testsystem der Redaktion für Prozessoren zum Einsatz kommt. Die auf 65 Watt gedeckelte Package-Power kommt beim Core i5 in den Anwendungen nicht zum Tragen, Abweichungen sind damit in erster Linie dem etwas langsameren Arbeitsspeicher zuzuschreiben. Im Medion P56000 hatte der Ryzen 5 1600 vor einem Jahr deutlich stärker unter dem Limit beim Verbrauch und dem Verzicht auf Dual-Channel-Speicher gelitten.

Leistung Spiele

Ohne dedizierte Grafikkarte eignet sich der Medion P62020 nur bedingt für Spiele, die iGPU vom Typ UHD Graphics 630 ist dafür einfach zu schwach.

Ab Werk ist die Spiele-Leistung niedrig

Wie hoch die Leistung des Core i5-8400 in diesem Fall sein kann, hat ComputerBase im Frühsommer 2018 bereits gezeigt. Nachfolgend wurden einige der bekannten Testergebnisse exemplarisch übernommen. Die genutzten Einstellungen sind dem Ursprungsartikel zu entnehmen.

Viel mehr Leistung lässt sich nachrüsten

Aber der Medion P62020 bietet mit dem freien PCIe-x16-Slot, dem 6+2-Pin-PCIe-Stromanschluss und dem 450 Watt starken Netzteil die Möglichkeit, mit einer potenten Spieler-Grafikkarte erweitert zu werden.

Mit GeForce GTX 1060 und GeForce GTX 1070 (beides Founders Edition) meistert das System dann auch aktuelle Titel in Full HD, wobei die von ComputerBase in der Regel auf Basis des Core i7-8700K erzielten Ergebnisse nicht ganz erreicht werden, weil der Core i5-8400 zusammen mit DDR4-2400 statt -2666 bei schwächeren Timings dann doch etwas weniger leistungsfähig ist. Das schlägt sich auch in der GPU-Skalierung nieder, wenn das Spiel die CPU stark fordert: In Forza Horizon 4 bringt der Wechsel von GeForce GTX 1060 auf GeForce GTX 1070 nur knapp über 20 Prozent mehr Leistung, wohingegen Wolfenstein 2 den eigentlich erwarteten Zuwachs von 35 Prozent zeigt.

Nichtdestoweniger erreicht der Medion Akoya P62020 in Spielen die Leistung, die von der Kombination aus Core i5-8400 und entsprechender GPU zu erwarten sind – ohne dabei sonderlich laut zu werden.

Leistung Laufwerke

Das Betriebssystem liegt beim Medion Akoya P62020 auf einer 180 GB großen SATA-SSD für M.2 von Intel (Typ SSDSCKKF180G8L, TLC). Das Laufwerk ist in allen Testszenarien im CrystalDiskMark schneller als die vor einem Jahr im Medion P56000 eingesetzte 128-GB-Variante von Foresee und kratzt beim sequentiellen Lesen an der Limitierung der Schnittstelle – dabei waren im November 2017 noch gar keine Patches gegen Meltdown und Spectre aktiv.

CrystalDiskMark: Leistung der SSD
CrystalDiskMark: Leistung der SSD

Bei der HDD handelt es sich wie vor einem Jahr um die 1-TB-Variante der Toshiba DT01ACA100. In diesem Fall werden Zugriffe auf den magnetischen Massenspeicher aber durch das 16 GB große Optane-Memory-Module beschleunigt, sofern die Daten dessen Kapazität nicht überschreiten und die Software sie als häufig abgerufene Daten identifiziert hat. Der CrystalDiskMark macht das mit Transferraten, die teils über denen der SSD liegen, deutlich. Kein Wunder: Der schnelle Pufferspeicher auf Basis von 3DXpoint bietet mit einer Anbindung über PCIe-Express mehr Potential.

CrystalDiskMark: Leistung der HDD hinter Optane Memory
CrystalDiskMark: Leistung der HDD hinter Optane Memory

Lautstärke und Temperaturen

Im Leerlauf auf dem Windows Desktop ist das System ohne installierte Grafikkarte sehr ruhig. Das bestätigt auch die Messung der Lautstärke aus 40 Zentimetern Entfernung: Das erst ab 30 Dezibel funktionsfähige Lautstärkemessgerät kann keinen Schallpegel ermitteln. Ob die HDD läuft oder nicht, spielt dabei keine Rolle – das gleiche Gehäuse und der gleiche Typ HDD sorgen in diesem Fall nicht für die vor einem Jahr kritisierten Vibrationen am Chassis. Auch bei Zugriffen erweist sich die Festplatte als sehr leise, nur in absolut ruhiger Umgebung sind die Bewegungen der Schreib-Lese-Köpfe wahrnehmbar.

Szenario Links Front Oben Rechts
Medion P62020, Core i5-8400, (in Wolfenstein: GeForce GTX 1070 (radial))
Leerlauf Windows < 30 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 33 dB 30 dB 33 dB 33 dB
60 Minuten Wolfenstein 2 35 dB 33 dB 37 dB 36 dB
Medion Erazer X67015, Core i7-8700, GeForce GTX 1070 (axial)
Leerlauf Windows 32 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 32 dB < 30 dB 31 dB 32 dB
60 Minuten Wolfenstein 2 39 dB 36 dB 41 dB 41 dB
Medion Akoya P56000, Ryzen 5 1600, Radeon RX 560D (axial)
Leerlauf Windows 33 dB < 30 dB < 30 dB < 30 dB
60 Minuten Prime95 33 dB 34 dB 31 dB 35 dB
60 Minuten Wolfenstein 2 33 dB < 30 dB 32 dB < 30 dB
Alle Messungen orthogonal zur Mitte der Oberfläche, 40 Zentimeter Abstand

Wird die CPU in Prime95 gefordert und steigt deren Package Power daraufhin auf das maximal erlaubte Niveau von 65 Watt, wird der Rechner kurzfristig etwas lauter, weil der Lüfter von 800 U/min im Leerlauf auf 1.300 U/min beschleunigt, bis die CPU nach circa 30 Sekunden auf 65 Watt eingebremst wird und der Lüfter auf 1.130 U/min zurückfällt. Mit 33 Dezibel bleibt der Rechner damit weiterhin sehr leise. Störende Nebengeräusche der Lüfter sind nicht wahrnehmbar.

Auch mit GeForce GTX 1070 in Spielen kein Schreihals

Wie laut der Rechner in Spielen wird, hat ComputerBase dann mit einer GeForce GTX 1070 Founders Edition (Direct Heat Exhaust) getestet. Das Ergebnis: Der Rechner bleibt leiser als der Medion Erazer X67015 mit Core i7-8700 und ebenfalls einer GeForce GTX 1070 aus dem Vorjahr. Deren Kühlsystem verfügte allerdings über zwei Axial-Lüfter, die die Luft im System verwirbelten. Der Einsatz der Grafikkarte, die ihre Lüfter nie ruhen lässt, hat allerdings einen Einfluss auf den Leerlauf: Hier ist das System konstant so laut wie ohne Grafikkarte mit Last unter Prime.

Trotz geringer Geräuschkulisse bleiben die Temperaturen absolut im grünen Bereich. Die GeForce GTX 1070 Founders Edition erreicht zwar auf den ersten Blick hohe 82 °C, aber das Kühlsystem wurde von Nvidia auch so ausgelegt, dass die Grafikkarte immer am Temperatur-Limit von 83 °C operiert. Das tut sie auch hier, ohne dass die Grafikkarte niedrigere Taktraten als von der Founders Edition bekannt abliefern muss.

Szenario CPU GPU SSD HDD
Medion P62020, Core i5-8400, (in Wolfenstein: GeForce GTX 1070 (radial))
Leerlauf Windows 29 °C – °C 22 °C 34 °C
60 Minuten Prime95 76 °C – °C 26 °C 36 °C
60 Minuten Wolfenstein 2 44 °C 82 °C 29 °C 35 °C
Medion Erazer X67015, Core i7-8700, GeForce GTX 1070 (axial)
Leerlauf Windows 28 °C 35 °C 31 °C 37 °C
60 Minuten Prime95 74 °C 35 °C 33 °C 38 °C
60 Minuten Wolfenstein 2 65 °C 83 °C 47 °C 41 °C
Medion Akoya P56000, Ryzen 5 1600, Radeon RX 560D (axial)
Leerlauf Windows 26 °C 24 °C 33 °C 34 °C
60 Minuten Prime95 69 °C 27 °C 34 °C 35 °C
60 Minuten Wolfenstein 2 51 °C 67 °C 48 °C 36 °C

Stromverbrauch

Einen Netzschalter besitzt der Medion Akoya P62020 nicht. Sein Verbrauch im Zustand „Aus“ in Höhe von 0,5 Watt lässt sich also nur über eine Steckdosenleiste noch weiter senken. Im Leerlauf auf dem Windows-Desktop sind es 27 Watt, die der PC aus dem Stromnetz entnimmt. In Prime95 (CPU) sind es im eingependelten Zustand 115 Watt. Das entspricht den Erwartungen für ein derart ausgestattetes System.

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