Medion Akoya P62020 im Test: Leiser Aldi-PC mit der Lizenz zum Gaming-PC

Jan-Frederik Timm 223 Kommentare
Medion Akoya P62020 im Test: Leiser Aldi-PC mit der Lizenz zum Gaming-PC

tl;dr: Der Medion Akoya P62020 ist der 599-Euro-Aldi-PC für das Jahresende 2018. Mit „Core i5+ 8400“, 12 GB RAM, SSD, HDD und Optane Memory ist er ab Werk für Office und Multimedia geeignet. Spieler können und sollen den kompakten Rechner aber auch mit einer schnellen GPU ausstatten. Echte Schwachstellen gibt es nicht.

Der neue Aldi PC für 599 Euro

Vor einem Jahr sorgte der Medion Akoya P56000 (Test) vor Weihnachten im Verkauf über Aldi Süd (und später auch Aldi Nord) für Aufsehen: Nicht nur, dass das Einstiegs-Gaming-System auf AMD Ryzen und AMD Polaris setzte, auch der Preis war mit 599 Euro über 200 Euro unterhalb vergleichbarer Angebote am Markt angesetzt.

Ab dem 25. Oktober 2018 gibt es bei Aldi Süd auch in diesem Jahr einen 599 Euro teuren Rechner. Bis auf den Preispunkt und das Gehäuse haben beide Systeme allerdings wenig gemeinsam. Zwei besonders markante Unterschiede sind: Der neue Medion Akoya P62020 setzt auf Hardware von Intel und will ab Werk kein Gaming-PC sein, wirbt aber als erster Aldi-PC mit der Möglichkeit zu Hause mit richtigen Gaming-GPUs nachgerüstet zu werden.

Der Medion Akoya P62020 für 599 Euro
Der Medion Akoya P62020 für 599 Euro (Bild: Medion)

Ab Werk mit iGPU, aber es geht mehr

Ab Werk kommt das System hingegen nur mit der im Intel Core i5-8400 integrierten iGPU, die lediglich für Spiele mit sehr geringen Anforderungen ausreichend ist. Da war der Medion P56000 vor einem Jahr auch mit der Radeon RX 560D (2 GB) potenter ausgestattet – mit Grafikkarten aufrüsten, die einen PCIe-Stromanschluss benötigen, ließ er sich aber nicht. Ein Jahr später geht genau das.

Darüber hinaus bietet der neue Medion Akoya P62020 mit 12 GB RAM (8+4 GB) ab Werk nicht nur 50 Prozent mehr Arbeitsspeicher, der zudem zu zwei Drittel im Dual-Channel-Modus läuft, sondern mit 180 zu 128 GB auch mehr SSD-Speicherplatz und eine jetzt mittels Optane Memory beschleunigte HDD.

Medion P62020 (2018) Medion P56000 (2017)
Prozessor Intel Core i5 8400 (6 Kerne/6 Threads) AMD Ryzen 5 1600 (6 Kerne/12 Threads)
RAM 12 GB DDR4-2400 (4+8 GB) 8 GB DDR4-2400
Cache 16 GB Intel Optane Memory
SSD 180 GB (Intel, SATA) 128 GB (Foresee, SATA)
HDD 1 TB 1 TB
Optisches Laufwerk Multistandard-DVD-/CD-Brenner mit Dual-Layer-Unterstützung
Anschlüsse Front SD-/MS-/MCC-Multikartenleser, 2 × USB 3.0 (Typ A), 1 × Mikrofon, 1 × Audio
Anschlüsse Heck 2 × USB 3.0 (Typ A), 2 × USB 2.0 (Typ A),
1 × USB 3.1 Gen2 (Typ C), 1 × USB 3.1 Gen2 (Typ A),
1 × Gbit-Ethernet, 1 × DisplayPort,
1 × HDMI, 5.1-Audio
4 × USB 3.0 (Typ A), 2 × USB 2.0 (Typ A),
1 × USB 3.1 Gen2 (Typ C), 1 × USB 3.1 Gen2 (Typ A),
1 × Gbit-Ethernet, 5.1-Audio
WLAN 802.11ac
Netzteil 450 Watt (FSP, inklusive 1 × 8 Pin PCIe) 250 Watt (FSP, ohne PCIe)
Dimensionen 17 × 38 × 38,5 cm
Betriebssystem Windows 10 Home
Preis 599 Euro

Was Medions 599-Euro-PC bei Aldi in diesem Jahr ab Werk und mit dedizierten Grafikkarten zu leisten im Stande ist, klärt der nachfolgende Test.

Gehäuse, Komponenten, Aufrüst-Option

Äußerlich sind P62020 und P56000 nur durch die Anschlüsse an der Rückseite und den Aufkleber auf der Vorderseite zu unterscheiden. Ansonsten setzt Medion auch weiterhin auf das bekannte und sehr kompakte Midi-Tower-Gehäuse in schwarzer Lackierung, dessen Deckel und rechte Seitenwand Öffnungen für die Lüftung aufweisen.

Ein Blick auf die Hardware im Kopfstand
Ein Blick auf die Hardware im Kopfstand

Die Hardware steht immer noch Kopf

Die rechte und nicht die linke Seite weist diese Öffnungen auf, weil der Innenraum im Vergleich zur Norm quasi auf den Kopf gestellt wurde. Ausnahme bildet das Netzteil, das weiterhin an der üblichen Position im Gehäuse sitzt: unten. Um die Jahrtausendwende auch von privaten Bastlern durchaus genutzt, ist der so genannte „Fan Duct“ auf dem Prozessorkühler heute hingegen nur noch in OEM-PCs zu finden – der auf dem „Intel Core i5+ 8400“ verbaute Kühler mit Lüfter von AVC bezieht hierüber direkt frische Luft von außerhalb des Systems. Potentiell macht das niedrigere Drehzahlen möglich.

Der Prozessor im Medion P62020 hört auf den Namen Core i5+ 8400. Schneller als ein Core i5-8400 (Test) ist die CPU selbst aber nicht. Vielmehr nennt Intel die Kombination aus Core-CPU und Optane Memory seit diesem Jahr Core i+.

Optane Memory sinnvoll genutzt

Zum Start von Optane Memory (Test) konnte die Technologie lediglich das Boot-Laufwerk beschleunigen, der Einsatz in einem System mit SSD oder SSD als Boot-Laufwerk und HDD als Datengrab galt deshalb als wenig sinnvoll. Mittlerweile ist Optane Memory allerdings flexibler und die von Medion gewählte Konfiguration nutzt diese Flexibilität: Windows 10 und ausgewählte Anwendungen können immer auf der schnellen 180-GB-SSD (Intel SSDSCKKF180G8L, SATA, TLC-NAND, M.2) liegen, alle weiteren Programme hingegen auf der 1 TB großen HDD (Toshiba DT01ACA100) – und häufig genutzte Programme respektive Dateien mit Speicherort auf dem Magnetspeicher werden dann automatisiert beschleunigt.

Medion kombiniert Optane Memory mit der HDD
Medion kombiniert Optane Memory mit der HDD
Die SSD ist trotzdem das Boot-Laufwerk
Die SSD ist trotzdem das Boot-Laufwerk

Das von AMD mit neuen 400er-Platinen verteilte StoreMI (Test) kann dieselbe Aufgabe ohne dedizierten Cache nur mit der SSD und der HDD bewerkstelligen – der Anwender verliert dann zwar komplett die Kontrolle darüber, wo welche Daten gespeichert sind, hat aber die gesamte Kapazität der SSD als dynamischen schnellen Speicher zur Verfügung – für alle Daten.

Wird die linke Gehäuseseite nach dem Lösen von zwei Kreuzschlitzschrauben entfernt, lassen sich neben den Speichermedien und dem optischen Laufwerk auch das 450 Watt starke Netzteil von FSP Forton/Source (FSP450-50AMDN) mit 85 Prozent Effizienz bei 20, 50 und 100 Prozent Last, der RAM (Samsung M378A5244CB0-CRC und Samsung M378A1K43CB2-CRC, DDR4-2400) und ein freier SATA-Anschluss sowohl auf dem Mainboard als auch am Netzteil (hinter dem Festplattenkäfig verstaut) erkennen. Auch die Voraussetzungen für die GPU-Aufrüstung werden sichtbar.

Größenvergleich: vorne Medion Akoya P56000, hinten Fractal Design Define R5
Größenvergleich: vorne Medion Akoya P56000, hinten Fractal Design Define R5

Grafikkarten lassen sich nachrüsten

Der freie PCIe-x16-Slot findet sich am Kopf des Gehäuses. Das Kühlsystem der dort einzubauenden Grafikkarte zeigt Richtung Deckel, den eine Öffnung für einen optional nachzurüstenden Lüfter ziert.

Laut Medion finden maximal 27 Zentimeter lange Grafikkarten sicher Platz im System, über mehr als einen 8-Pin-PCIe-Anschluss zur Stromversorgung dürfen sie nicht verfügen. Medion nennt als Obergrenze in diesem Zusammenhang eine GeForce GTX 1070. Aber auch eine GeForce GTX 1080 Founders Edition erfüllt die Voraussetzungen – dasselbe gilt für entsprechend in der Leistung eingeschränkte GeForce GTX 1070 Ti. Eine Asus GeForce GTX 1070 Ti Strix OC scheiterte hingegen in der Tat an der Länge: Sie würde am Zielort zwar passen, konnte aber nicht bis in diese Position gebracht werden.

Breiter als zwei Slots sollte die Grafikkarte ebenfalls nicht sein, dann gibt es – wie mit längeren Grafikkarten – Probleme beim Einbau. Die Garantie erlischt durch den manuellen Eingriff nicht.

Einrichtung und Bloatware

Die erste Einrichtung des Systems ist schnell vollbracht und der Anwender wird von einem leeren Windows-Desktop begrüßt, der neben dem Papierkorb und Microsoft Edge keine weiteren Icons zeigt (das Testsystem kam mit bereits installierter Grafikkarte, nur deshalb war auch GeForce Experience verlinkt). Ab Werk installierte Software von Drittanbietern findet sich trotzdem auf dem Rechner, darunter McAfee LiveSafe, das sporadisch dazu auffordert, erworben zu werden. Weitere Anwendungen schoben sich im Test hingegen nicht in den Vordergrund.

Auf der SSD sind ab Werk noch 116 GB frei, die HDD ist – mit Ausnahme der Recovery-Partition – leer und hält noch 906 GB Speicherkapazität bereit. Die Kapazität des Optane Memory steht dem Anwender nicht zur Verfügung.

Das System wird mit Windows 10 April 2018 Update (Version 1803) ausgeliefert. Nachdem Microsoft die Auslieferung des Oktober 2018 Update vorerst gestoppt hat, ist das auch immer noch die aktuellste Version von Windows 10. Alle verfügbaren Updates gegen die in diesem Jahr bei Intel bekanntgewordenen Sicherheitslücken sind auf dem System aktiv.

Anwender sollten nach dem ersten Einrichten dennoch nach aktuellen Updates suchen, um das Betriebssystem auf den neuesten Stand zu bringen.

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