Galaxy Tab S4 im Test: Samsungs bestes Tablet ist zu teuer

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Michael Schäfer 181 Kommentare

Desktop-Modus mit kleiner Programm-Auswahl

Per optional erhältlichem Cover-Keyboard lässt sich das Galaxy Tab S4 zu einem kleinen Notebook umwandeln. Dafür greift Samsung auf den bereits mit dem Galaxy S8 eingeführten DeX-Modus zurück, der nun jedoch ohne DeX-Dock und somit direkt auf dem Tablet lauffähig ist. Dieser beinhaltet eine für die Nutzung mit Maus und Tastatur optimierte Desktop-Oberfläche. Per Multiport-Adapter kann zudem weitere Peripherie wie ein zusätzlicher Monitor angeschlossen werden. Eine Maus lässt sich dagegen bereits mit einem einfachen USB-C-Adapter nutzen. Darüber hinaus kann natürlich, wie von anderen Tablets gewohnt, auch jede andere Bluetooth-Tastatur verwendet werden.

Samsung Galaxy Tab S4 im Test
Samsung Galaxy Tab S4 im Test

Im Auslieferungszustand muss der Modus noch per Hand über die Schnelleinstellungen ausgewählt werden. Auf Wunsch kann auch ein automatischer Aufruf erfolgen, sobald das Tablet in das Keyboard gesteckt oder per HDMI-Kabel mit einem externen Monitor verbunden wird.

Limitierte Fähigkeiten

Samsungs Lösung imitiert dabei zwar ein normales Desktop-System mit Taskleiste sowie verschiebbaren und in der Größe anpassbaren Programmfenstern, ist in der Software jedoch weiterhin auf Android-Applikationen beschränkt. Zwar besteht die Möglichkeit, über Virtual-Machine-Lösungen Programme anderer Plattformen auszuführen, solch einem Vorhaben ist aufgrund der im Vergleich schwächeren Hardware jedoch kein großer Komfort beschert.

Der DeX sorgt beim Samsung Galaxy Tab S4 für eine Desktop-Umgebung
Der DeX sorgt beim Samsung Galaxy Tab S4 für eine Desktop-Umgebung

Generell agiert die Desktop-Lösung flüssig, eine permanente Nutzung scheitert jedoch an der aktuell noch recht mageren Software-Auswahl, welche für die Verwendung unter DeX optimiert wurde. Zwar stattet Samsung das System mit Microsofts Office 365 aus, für die Nutzung ist allerdings eine zwingende Registrierung beim Entwickler nötig. Mit WPS Office will der Hersteller eine Alternative bereitstellen, die jedoch weit hinter dem Funktionsumfang des Konkurrenzproduktes aus Redmond zurückbleibt.

Gute Tastatur und schlechte Halterung

Die Tasten von Samsungs Cover-Keyboard liegen mit rund 18 mm Abstand zwar recht nahe beieinander, nach einer kurzen Eingewöhnungszeit kann man aber auch hier gut und schnell schreiben. Für kurze Texte reicht die Lösung aus, Vielschreiber kommen jedoch nur eingeschränkt auf ihre Kosten. Dies liegt nicht zuletzt auch am gerade einmal 1,5 mm betragenden Tastenhub. Auf ein Touchpad wie bei den Surface-Tastaturen müssen Nutzer zudem ebenfalls verzichten.

Das Galaxy Tab S4 verfügt über eine solide Tastatur, welche aber nur für gelegentliche Einsätze ausreicht
Das Galaxy Tab S4 verfügt über eine solide Tastatur, welche aber nur für gelegentliche Einsätze ausreicht

Die fehlende Eignung zur längeren Nutzung liegt auch an der Aufstellung des Tablets im Keyboard, bei dem der Einstellungswinkel fest vorgegeben ist. Er ist für normal große Menschen an einem normalen Schreibtisch viel zu steil gewählt, so dass Nutzer nicht im erforderlichen rechten Winkel auf das Display schauen. Das Problem wird vor allem dann deutlich, wenn das Tablet per Gesichts- und Iris-Erkennung entsperrt werden soll. Dann muss sich mit großen Verrenkungen vor die Kamera gebeugt werden. Zudem kann die Tastatur nicht hinter dem Tablet versteckt werden, um es spontan per Touchscreen zu bedienen.

Das Cover Keyboard lässt nur eine Tablet-Stellung zu
Das Cover Keyboard lässt nur eine Tablet-Stellung zu
Das Cover Keyboard lässt sich nicht konplett hinter das Tablet klappen
Das Cover Keyboard lässt sich nicht konplett hinter das Tablet klappen

Multimedia-Anforderungen werden nicht ganz erfüllt

Dass Samsung die maximale Helligkeit nur mit der automatischen Regulierung zulässt, ist beim Betrachten von Videos sichtbar nachteilig. So wirkt das Bild selbst bei maximaler Leuchtkraft dunkel. Die Farben erscheinen dabei zwar kräftig, aber durch das dunkle Bild wiederum künstlich. Hier liefert selbst ein aus der Redaktion zum Vergleich herangezogenes Note 10.1 2014 mit einem technischen Alter von nunmehr fünf Jahren ein deutlich besseres Bild.

Bei Videospielen mit ihren kräftigen Farben fällt dieser Nachteil wiederum nicht so stark ins Gewicht – zumal sie vor allem dank des Prozessors Spaß machen.

Netflix und Prime Video von Amazon werden zudem in HD-Auflösung abgespielt.

Aufgebauschte Klanggeber

Die vier mit dem Slogan „Tuned by AKG“ umworbenen Lautsprecher bringen bei normaler Nutzung eher Nach- als Vorteile. Beim Galaxy Tab S4 gesellen sich zu den zwei vom Galaxy Note 10.1 bekannten Lautsprechern zwei weitere Lautsprecher hinzu. Im Vergleich zu normalen Stereo-Lösungen besitzt die von Samsung verwendete zwar ein etwas größeres Volumen. Um einen Film oder Musik wirklich genießen zu können, fehlt dann allerdings noch ein großes Stück Klangqualität. Wie von solchen Lösungen gewohnt, mangelt es vor allem am Bassbereich. Da nützt es auch nichts, wenn das „Soundsystem“ über Dolby Atmos verfügt, das am Ende nur nach etwas mehr Hall klingt.

Auch die Audioeinstellungen können nicht zaubern
Auch die Audioeinstellungen können nicht zaubern

Den klanglichen Aspekt einmal beiseite geschoben, überzeugen die Klanggeber in der Praxis aufgrund ihrer Position am Tablet nicht: Will der Nutzer zum Schauen eines Filmes oder zum Spielen das Tablet bequem halten, werden beide seitlich unteren Lautsprecher mit den Händen abgedeckt. Der dadurch entstehende dumpfe Ton wirkt sich klanglich negativ auf die oberen Lautsprecher aus, womit sich der Nutzen des Systems auf Null senkt.

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