High-End-CPUs im Test: 28 Kerne von Intel gegen 32 Kerne von AMD

 2/3
Volker Rißka 193 Kommentare

Testsysteme, Vorbereitungen und Benchmarks

28 respektive 32 Kerne setzen heutzutage keinen Server mehr voraus – vor zwei Jahren war diese Aussage noch undenkbar. Klassische (E-)ATX-Mainboards bilden deshalb auch im ComputerBase-Test die Grundlage, sie passen in jedes gängige Gehäuse. Auf die jeweilige Bauhöhe muss jedoch geachtet werden, denn die Kühler für den Sockel LGA 3647 bei Intel und LGA 4096 bei AMD sind groß – sie sollen mit TDPs jenseits der 200 Watt fertig werden.

AMD mit riesigem Vorteil bei der Installation

Eine großen Vorteil hat AMDs Sockel SP3/TR4 für die Epyc und Threadripper bei der Halterung für die Installationen der CPU. Das mitgelieferte Bracket ist sehr einfach zu handhaben in den Sockel zu schieben, es kann nicht verkannten oder verklemmen und ist innerhalb von Sekunden eingesetzt. Der Kühler wird danach nur noch mit dem Sockel verschraubt, die Chance für einen Fehler ist nahezu Null. Selten zuvor war eine Lösung so durchdacht.

Intels Xeon SP und damit auch der zukünftige Skylake-X müssen hingegen umständlich erst mit einem Bracket direkt an den Kühler geschraubt werden, der dann als Gesamtkonstrukt auf das Mainboard gesetzt wird. Nicht weniger als sieben bis acht Seiten im Handbuch sind dafür notwendig. Insbesondere die Erstinstallation ist durchaus eine Herausforderung. Bis zu 10.000 US-Dollar teures Altmetall gilt es zu vermeiden.

Kühlerinstallation für einen Xeon SP auf Sockel LGA 3647

ComputerBase konnte in beiden Fällen auf den gleichen Kühler zurückgreifen: Noctua NH-U14S. Nach der Threadripper-Edition des U14S inklusive ComputerBase-Empfehlung (Test) im letzten Jahr hat Noctua diesen im Sommer 2018 auch für den Xeon-Sockel LGA 3647 aufgelegt. Die einzigen Unterschiede zwischen den Varianten aber auch zu dem bereits seit einigen Jahren im normalen Markt verfügbarem Modell ist die geänderte Halterung respektive vergrößerte Bodenplatte. Der restliche Kühler als auch die Lüfter sind völlig identisch.

Taktraten im Alltag und Speicherbestückung

Fernab der offiziellen Grenzen nach unten und oben zeigt sich, dass beide Probanden nahezu gleich takten, wenn alltägliche Lastszenarien anliegen – rund 3,2 GHz. Die ausgeschriebenen maximal möglichen Taktraten erreichen beide Prozessoren ohnehin nur bei Tests, die nur ein Kern auslasten. Die TDP-Klassifizierung von 205 Watt für den Intel Xeon Platinum 8180 sowie 250 Watt für den AMD Ryzen Threadripper 2990WX gehen in Anbetracht der voll bestückten ATX-Mainboards mit jeweils acht Speicherriegel etwas unter, denn unter voller oder gar maximal möglicher AVX2-Last wird der Wert für das gesamte System deutlich übertroffen.

Threadripper wird im Tests zudem mit den maximal möglichen RAM-Taktraten gefahren, auch wenn eine Vollbestückung mit acht von acht möglichen Speicherriegeln verbaut ist. Offiziell sehen AMDs Spezifikationen dort eine Absenkung des Taktes vor, lauffähig sind die schnelleren Konfigurationen in der Regel aber problemlos. Insofern wird ComputerBase den 2990WX hier nicht auf DDR4-2133 oder gar 1866 bremsen, sondern beim Maximaltakt von DDR4-2933 mit schnellen Timings betreiben und ihm so theoretisch einen leichten Vorteil verschaffen. Beim Xeon-Mainboard lassen sich die Timings des Speichers nicht verändern. Da sich das Speicherinterface von Threadripper aber bereits im ersten Test als leicht problematisch erwies, ist dieser Punkt nahezu vernachlässigbar, wie auch die neuen Benchmarks zeigen.

Der Xeon auf der Server-Platine kann nur mit Profi-Speicher umgehen, sprich RDIMM/LRDIMM inklusive ECC-Unterstützung. Dafür wurden aus einem Server in der ComputerBase-Redaktion sechs Module entnommen und auf das Mainboard gesetzt. Diese fassen jeweils 32 GByte und arbeiten mit DDR4-2666, allerdings nur mit schlechten Timings von CL19. Da die reine Speicherkapazität keinen Einfluss auf die Benchmark-Auswahl hat, ist der auf dem Papier gewaltige Unterschied von 192 bis 256 GByte des Xeons zu 32 oder 64 GByte bei Threadripper nicht relevant.

Tests in Anwendungen mit Extras

Für die Tests in Anwendungen wurde auf das seit der Einführung von AMD Ryzen 2000 im April genutzte Testsystem zurückgegriffen. Die bisher genutzten Einstellungen wurden beibehalten. Alle CPUs wurden dabei gemäß ihrer offiziellen Spezifikationen getestet. Für die klassischen Anwendungstests wurde damit auch weiterhin die GeForce GTX 1080Ti Strix OC von Asus genutzt, was auch den Teil der Messungen zur Leistungsaufnahme einschließt. So wird die vollständige Vergleichbarkeit zu allen bisher getesteten CPUs gewährleistet.

Beide High-End-Prozessoren haben jeweils ihre Stärken und Schwächen. Den AMD-Prozessoren liegt ganz klar fast alles, was das Thema Rendering auch nur streift. Nicht nur halten sie so die Cinebench-Krone, auch multiple Projekte in Blender und Co. schließt Threadripper mit 32 Kernen und 64 Threads am schnellsten ab.

Doch auch Problemstellen gibt es. VeraCrypt mag auch mit aktueller Version 1.23 keine Threadripper mit 32 Kernen, auch andere Anwendungen lassen AMD-Prozessoren mit weniger Kernen besser dastehen als das Flaggschiff. Auch deshalb wird auf ein Gesamtrating verzichtet, da die Ausreißer das Bild verzerren.

Doch an anderen Stellen zieht Intel nach vorn. Ein selbst gedrehtes, längeres 4K-Video zu einem 1080p-Video mittels Handbrake 1.1.1 umzuwandeln, dauert im schlimmsten Fall 40 Prozent länger auf einem Threadripper, 32 Minuten statt 23 Minuten sind ein markanter Unterschied. Und auch nicht jeder Reder-Benchmark will auf Threadripper perfekt arbeiten, wie Corona Renderer Benchmark 1.3 zeigt. Dort gewinnt der Xeon. Im Blender Benchmark Tool ist hingegen wieder AMD am Zug, 23:48 Minuten beim Threadripper 2990WX stehen 25:24 Minuten beim Xeon 8180 gegenüber.

Auf der nächsten Seite: Test in Spielen: Auch mit Xeon und Threadripper geht das