Mercedes-Benz MBUX im Test: Das Smartphone unter den Autos

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Nicolas La Rocco 187 Kommentare

Bedienung und Menüs erklärt

Der erste Kontakt mit MBUX findet über das Instrumenten- sowie Media-Display statt, die beim Vollausbau des Systems den Innenraum der A-Klasse dominieren. Über das Media-Display findet die Ersteinrichtung statt, die vergleichbar mit der eines Smartphones abläuft, eine SIM-Karte für LTE ist bereits im Fahrzeug verbaut. Während der Ersteinrichtung findet auch die Verbindung mit dem Smartphone sowie Mercedes-me-Konto des Anwenders statt. Über die entsprechende App auf dem Smartphone hat der Anwender das Fahrzeug ständig im Blick und kann zum Beispiel die aktuelle Position, den Status der Türen oder technische Informationen etwa zur Wartung abrufen. Was diese Mercedes-Dienste kosten, erklärt der Test auf der nächsten Seite im Detail.

Nach der Ersteinrichtung wird der Anwender auf den Homescreen von MBUX befördert. Dieser ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Funktionen des Systems. In der Horizontalen sind hier wie auf einer Perlenkette die wichtigsten Punkte für Navigation, Telefon, Radio oder Fahrzeug aufgereiht. Gleich unterhalb jedes Menüpunkts finden sich zwei Vorschläge für eine Unterfunktion jeder Hauptkategorie, sodass für zuletzt verwendete Funktionen nicht die aktuelle Menüebene verlassen werden muss.

Erst Homescreen, dann Basescreen

Erst mit der Auswahl einer der Menüpunkte des Homescreens wechselt MBUX zum sogenannten Basescreen. Ein Basescreen ist für die Anzeige und Bedienung jeweils einer Hauptapplikation verantwortlich, das System fokussiert sich dann zum Beispiel vollständig auf Medien oder die Navigation. Der Basescreen jeder Hauptapplikation wird am unteren Rand des Bildschirms durch eine Leiste mit Zusatzfunktionen ergänzt. Das können während der Navigation die Suche nach Adressen oder Optionen zur Routenführung und Sprachausgabe sein, während bei den Medien zum Beispiel Einstellungen am Klang vorgenommen werden können. Die Leiste mit Zusatzfunktionen passt sich stets dem aktuellen Inhalt des Basescreens an. Wer bis ins letzte Detail Anpassungen vornehmen möchte, findet in der Leiste ein Zahnrad-Symbol für ein entsprechendes Untermenü, welches den Basescreen währenddessen ausblendet, um alle Optionen darzustellen.

Die von Mercedes-Benz gewählte Aufteilung erscheint sinnvoll, da sie häufig verwendete Funktionen groß darstellt und in den Vordergrund rückt. Auch eine Menüebene tiefer auf den Basescreens geht es noch übersichtlich zu, sodass die Bedienung während der Fahrt relativ problemlos von der Hand geht. Erst in den Detaileinstellungen ist die Bedienung im Stand empfehlenswert, da zu viele Informationen vom Verkehr ablenken.

Das Instrumenten-Display vor dem Fahrer ist in drei Bereiche aufgeteilt: die beiden digitalen Rundinstrumente und den Bereich dazwischen. Alle drei Bereiche können individuell angepasst werden, um die für die Fahrt relevanten Informationen stets im Blickfeld zu haben. In das linke Rundinstrument lässt sich zum Beispiel der Tacho, die Uhr, der Reiseverlauf oder die Musik legen. Die rechte Seite nimmt den Drehzahlmesser, die Verbrauchsanzeige, die Navigation oder eine Anzeige für die Assistenzsysteme auf. Über die linke Touch-Fläche am Lenkrad lässt sich zu den einzelnen Bereichen wechseln, kleine Punkte neben den Rundinstrumenten signalisieren, dass diese ausgewählt wurden und alternative Ansichten per Wischgeste zur Auswahl stehen. Welche das jeweils sind, lässt sich in folgender Bildergalerie von Foto 8 bis 18 sehen.

Der Bereich zwischen den Rundinstrumenten ist über die linke Home-Taste erreichbar. Auch in diesen Bereich des Displays lassen sich Informationen zu Assistenzsystemen, Telefon, Navigation, Reise oder Radio legen. Über dieses Menü sind über eine Wischgeste nach oben zudem stets die Einstellungen des Head-up-Displays erreichbar. Einmal nach oben gewischt, ist die linke Touch-Fläche des Lenkrads fortan für im Head-up-Display sichtbare Informationen zuständig. Auch dieses lässt sich individuell auf drei Feldern anpassen, die sich etwa Navigation oder Verkehrszeichenerkennung zuweisen lassen. Längeres Verweilen im Menü ohne Aktion deaktiviert die Editierfunktion wieder.

Cockpit nicht während der Fahrt konfigurieren

Aufgrund der umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten kann jeder Anwender sein ganz persönliches Cockpit generieren. Bis alle Optionen einmal durchgespielt wurden, können durchaus mehrere Stunden vergehen. Dem Kennenlernen von Bedienung und Menüaufbau von MBUX sollte man nach dem Kauf des Autos einen Tag widmen, um sich anschließend im Straßenverkehr nicht in den Einstellungen zu verlieren.

Einschränkungen bei der Zusammenstellung des Cockpits gibt es übrigens so gut wie keine. Zwar lässt sich nicht jede Funktion vollständig frei in jeden Bereich legen, es ist aber zum Beispiel möglich, die Navigation parallel im Head-up-Display, im Bereich zwischen den Rundinstrumenten, im rechten Rundinstrument und auf dem Media-Display stattfinden zu lassen. Ob das sinnvoll ist, sei dahingestellt, es ist aber grundsätzlich möglich, Funktionen doppelt, dreifach und vierfach Darstellungsbereichen zuzuweisen.

So schnell ist MBUX

MBUX ist zweifelsohne Daimlers bisher schnellstes Infotainmentsystem mit der bisher am flüssigsten zu bedienenden Oberfläche. Selbst im Vergleich zum noch recht jungen NTG 5.5 der E-Klasse Baureihe 213 fühlt sich das neue System deutlich moderner an. Doch der Vergleich mit früheren Generationen aus dem selbem Hause ist einfach als der mit aktuellen Smartphones, die ein jeder mit sich herumträgt und die deshalb vor allem bei jüngeren Menschen als Referenz herhalten. Ist MBUX schon so schnell wie ein aktuelles Top-Smartphone von Apple, Google, Huawei oder Samsung? MBUX ist diesen Geräten so nahe wie noch nie zuvor, einen Unterschied gibt es aber nach wie vor.

Beim Instrumenten-Display, mit dem der Fahrer nur über die Touch-Flächen am Lenkrad und per Sprache in Kontakt kommt, fallen Latenzen während der Bedienung nur selten auf. Bei diesem Display wird eine Darstellung mit 60 FPS stets angestrebt, wie Mercedes-Benz beim Blick hinter die Kulissen der MBUX-Entwickler in Berlin bestätigte.

Anders verhält es sich beim Media-Display der Mittelkonsole, da dessen UI-Elemente direkt über den Touch-Bildschirm angefasst werden können und dadurch eine Bedienung vergleichbar mit der eines Smartphones entsteht. Hier merkt man als Anwender nach wie vor, das trotz des leistungsfähigen Nvidia-Chips noch kein Infotainmentsystem im Stile eines aktuellen Top-Smartphone bedient wird. Das merken Nutzer primär bei der 3D-Darstellung der HERE-Karte, die vergleichsweise aufwendig gerenderte Ansichten von Gebäuden bieten. Dann lässt sich die Karte nicht mehr flüssig über den Bildschirm schieben. Apple Maps oder Google Maps können das auf dem Smartphone besser. Die reine Rechenleistung dafür bietet MBUX in jedem Fall, es gibt aber noch Optimierungspotenzial bei der Software.

Regelmäßige OTA-Updates geplant

Das ist zunächst einmal nicht per se negativ zu betrachten, denn an der Software kann Mercedes-Benz laufend Veränderungen vornehmen, während an der Hardware in absehbarer Zeit keine Veränderungen geplant sind. MBUX soll wie ein Smartphone regelmäßig über das integrierte LTE-Modul OTA-Updates (Over the Air) für das System selbst und einzelne Unterfunktionen wie die natürliche Spracherkennung erhalten. MBUX-Updates sollen über einen verschlüsselten TLS-Kanal und durch eine digitale Signatur von Mercedes-Benz verifiziert an das Automobil gesendet werden.

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