Waküs für Threadripper im Test: AiO- und Custom-Modelle auf 32 CPU-Kernen im Vergleich

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Thomas Böhm 94 Kommentare

Enermax Liqtech TR4

Von Enermax stammt die Liqtech TR4, die ihrer Bezeichnung folgend explizit für Threadripper ausgelegt ist. Aktuell wird bereits der Generationswechsel hin zur Liqtech TR4 II vollzogen, die jedoch (bis auf die bei der ursprünglichen Liqtech TR4 fehlende RGB-Beleuchtung) laut Datenblättern baugleich zur ersten Generation ist (Liqtech TR4, Liqtech TR4 II).

Für die RGB-Beleuchtung der Liqtech TR4 II gilt wie bei der Deepcool Castle, dass auf RGB-LEDs mit digitaler Ansteuerung gesetzt wird – bei der TR4 II jedoch mit einem 4-Pin-Anschluss (5 Volt, Daten, nicht belegt, Masse). Der Käufer muss also im Voraus prüfen, ob das eigene Mainboard über einen kompatiblen Anschluss verfügt oder ob es Adapter gibt. Bei der Liqtech TR4 der ersten Generation gibt es diese Problematik noch nicht: Das weiß beleuchtete Logo im Pumpendeckel wird einfach über die Betriebsspannung der Pumpe mit versorgt. Es gibt weder Kompatibilitätsprobleme noch ein zusätzliches Kabel.

Die Oberseite der Kühler-/Pumpeneinheit besteht aus einer spiegelnd glänzenden Kunststoffplatte, die Fingerabdrücke geradezu magisch anzieht. Auf der Unterseite ist blankes Kupfer zu finden, das auf den Bildern bereits Gebrauchsspuren zeigt, da die Kühlung schon für den Threadripper-Benchmarktest im Einsatz war. Abgesehen von diesen unvermeidlichen Zeichen einer bereits genutzten Kühlung ist die Verarbeitung der Liqtech TR4 gut, sowohl was den Radiator als auch die Pumpeneinheit angeht.

Neben der größeren Bodenplatte der Liqtech TR4 fällt beim 240-mm-Modell der AiO zudem der überdurchschnittlich große Radiator auf. Üblicherweise sind die Radiatoren von Kompaktwasserkühlungen maximal 30 mm dick; der Radiator der Liqtech TR4 bringt es auf 39 mm. Zudem gibt es entkoppelnde und abdichtende Gummistreifen als Auflagefläche für die Radiatorlüfter.

Enermax spendiert der Liqtech TR4 Serienlüfter aus der Baureihe „T.B. Pressure“. Die beiden 120-mm-Lüfter werden mit einem weiten Drehzahlintervall von 500 bis 2.300 U/min angegeben. Im Test erreichen sie zwischen 500 und 2.200 U/min. Während der niedrige Drehzahlbereich weitgehend unauffällig ist (von leisem Ticken abgesehen), wird es bei maximaler Umdrehungsgeschwindigkeit unangenehm laut. Das Messgerät zeigt dabei über 47 dB(A) an.

Enermax Liqtech 240 TR4 im Testsystem
Enermax Liqtech 240 TR4 im Testsystem

Der Lieferumfang beschränkt sich auf das für TR4 notwendige Minimum, was die Montage einfach hält: Schrauben in die Sockelaufnahme drehen, Kühler-/Pumpeneinheit darauf platzieren und durch vier Muttern fixieren. Die Verbindung zum Radiator wird über 40 cm lange Schläuche realisiert, sodass die Kühlung nicht nur im Deckel, sondern in vielen Gehäusen auch in der Front befestigt werden kann. Enermax nutzt den vorhandenen Platz zum Arbeitsspeicher aus, es gibt aber AiO-üblich noch keine Einschränkungen.

Thermaltake Floe Riing 360 RGB

Als Vertreter einer 360-mm-Kompaktwasserkühlung dient eine AiO von Thermaltake, die in voller Länge auf den Namen „Floe Riing 360 RGB TT Premium Edition“ hört. Es handelt sich dabei um ein Grundgerüst von Asetek, das quasi als erste Kühlung überhaupt für Threadripper fit gemacht worden ist: AMD legt Threadripper-CPU-Boxen einen Montagerahmen für Asetek-Kühler-/Pumpeneinheiten bei, sodass fast alle auf Asetek-Designs basierenden Kompaktwasserkühlungen TR4-kompatibel werden. Die AiO von Thermaltake war Bestandteil des Review-Kits der ersten Threadripper-Generation 2017 und ist seitdem mehrfach von der Redaktion eingesetzt worden.

Nach mehrfacher Nutzung hat die Kühlung optisch bereits einige Federn lassen müssen, weshalb auf detaillierte Fotos der Kompaktwasserkühlung verzichtet wird. Die grundsätzliche Verarbeitung der Floe Riing ist gut, auch wenn die LED-Lösung von Thermaltake nur bedingt überzeugt. Sowohl die Pumpeneinheit als auch die drei 120-mm-Ventilatoren können über farbige LEDs beleuchtet werden. Thermaltake geht möglichen Problemen mit proprietären LED-Steckern auf Mainboards aus dem Weg, indem ein eigenes proprietäres System eingeführt wird, das über einen internen USB-2.0-Header ans Mainboard angeschlossen wird.

Nur für LED-Freunde praktisch

Vorteile kann diese Umsetzung aber nur ausspielen, wenn der Käufer Interesse an der Beleuchtung hat: Ein Verzicht auf den eigenen LED- und Lüftercontroller macht der Hersteller nämlich unmöglich. Die Lüfter werden über einen einzigen (dicken) Kabelstrang mit dem Controller verbunden, sodass sowohl die Drehzahl als auch die Beleuchtung über die Software von Thermaltake mit per USB angebundenem Controller gesteuert werden. Wer keine Beleuchtung möchte, muss sich also dennoch mit der zusätzlichen Hardware im Gehäuse und der zugehörigen Software beschäftigen. Die Stecker der Lüfter ähneln außerdem frappierend internen USB-2.0-Steckern – ein möglicher Fehler beim Anstecken der Kabel kann also nicht völlig ausgeschlossen werden.

Thermaltake gibt die drei Serienlüfter mit einem Drehzahlspektrum von 500 bis 1.400 U/min an. Im Testsystem erreichen sie zwischen 500 und 1.600 U/min. Die Software von Thermaltake steuert die Ventilatoren in verhältnismäßig groben PWM-Schritten von je 10 % an. Dies gilt es bei den Kurvenverläufen der Floe Riing bei den Messergebnissen zu beachten: Schwankungen um bis zu +/- 30 U/min treten auf, wenn versucht wird, die Lüfter auf eine bestimmte Drehzahl einzustellen. Punkten können sie dafür in Bezug auf ihr Betriebsgeräusch: Bei niedrigen Drehzahlen ist selbst direkt neben den Ventilatoren nichts zu hören.

Thermaltake Floe Riing 360 RGB
Thermaltake Floe Riing 360 RGB

Die 360-mm-Wasserkühlung verfügt mit 32 cm über verhältnismäßig kurze Schlauchverbindungen. Damit ist sie für eine Montage im Gehäusedeckel prädestiniert – was für eine so große AiO ohnehin der übliche Befestigungsort ist. Wie erwartet gibt es auf dem Mainboard keinerlei Einschränkungen für Arbeitsspeicher.

Custom-Wasserkühlung von Watercool

Wer eine CPU mit Wasser kühlen möchte, kann neben einer Kompaktwasserkühlung auch zur Custom-Wasserkühlung greifen. Exemplarisch wird eine Lösung von Watercool eingesetzt: Der Hersteller hat ComputerBase für den Test neben dem CPU-Wasserkühler Heatkiller IV Pro TR4 zudem einen externen Radiator mit Lüftern sowie Pumpe und Ausgleichsbehälter zur Verfügung gestellt. Das ist Custom-Wasserkühlung in einer Luxusvariante, was sich im Kaufpreis bemerkbar macht.

Kaufpreis Einzelteile Custom-Wasserkühlung von Watercool
Bezeichnung Preisempfehlung Hersteller
Heatkiller IV Pro TR4 (Acryl/Nickel/Black) 100 Euro
MoRa 3 420 LT 190 Euro
MoRa 3 420: Montagerahmen für 180–230-mm-Lüfter 30 Euro
Noctua NF-A20 4 x 30 Euro
Heatkiller Tube D5 90 Euro
Heatkiller Tube MoRa 3: Adapter 10 Euro
Heatkiller Tube: Basis-Montagekit 15 Euro
WCP D5 Vario 72 Euro
MoRa 3 420: Lüfterblende* 45 Euro
Summe 672 Euro
*Preis für eine Standard-Lüfterblende. Die Leihgabe von Watercool war eine Sonderanfertigung.

Neben den hier aufgelisteten Teilen werden für den Einsatz noch Anschlüsse, Schlauch und Kühlflüssigkeit benötigt. Für eine Wasserkühlung dieser Größenordnung bietet es sich außerdem an, die Grafikkarte ebenfalls per Wasser zu kühlen. Somit kann für die gemeinsame Kühlung von CPU und GPU bei diesen Komponenten mit etwa 800 bis 900 Euro gerechnet werden. Wasserkühlung geht auch günstiger, dann müssen aber qualitative Abstriche gemacht und/oder mit Leistungseinbußen gerechnet werden. Wer sich näher mit dem Thema beschäftigen möchte, findet im Übersichts-Artikel zu Luft- und Wasserkühlung genauere Informationen zum Aufbau einer Custom-Wasserkühlung.

Watercool Heatkiller IV Pro TR4

Um für die großen Threadripper-CPUs gewappnet zu sein, hat Watercool den Heatkiller IV in einer eigenen Version für TR4 entwickelt. Im Gegensatz zum normalen Heatkiller IV ist der Kühler deutlich in der Größe gewachsen: Nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich. Die aktiv gekühlte Fläche, also der Bereich, durch den das Wasser im Kühler fließt und der durch eine Struktur aus Kühlfinnen eine möglichst große Oberfläche zur Wärmeübertragung bietet, wurde den TR4-CPUs entsprechend angepasst. Dass sich diese Anpassung bezahlt macht, musste sich EK Water Blocks mit einer zweiten Generation des Threadripper-Kühlers eingestehen: Der ursprüngliche TR4-Wasserkühler des slowenischen Herstellers basierte auf dem normal großen Supremacy-Wasserkühler, bei dem lediglich die Bodenplatte vergrößert wurde. Die Konsequenz war, dass EKWB mit einem zweiten, auch innerlich gewachsenen TR4-Kühlblock nachlegte, um eine optimale Kühlung der CPUs zu gewährleisten.

Der Heatkiller IV Pro TR4 ist in verschiedenen Varianten erhältlich. Käufer haben die Wahl zwischen einem Modell aus unvernickeltem Kupfer sowie drei vernickelten Modellen. Die vernickelten Versionen gibt es mit Deckel aus Metall oder Acrylglas – letztere wurde vom Hersteller als Testmuster zur Verfügung gestellt. Der massive Kühlblock ist seinem Kaufpreis von 100 Euro entsprechend hervorragend verarbeitet. RGB-LEDs machen auch bei Watercool nicht Halt: Im Heatkiller IV Pro TR4 sind drei LEDs verbaut, die aber im Gegensatz zu den AiO-Kühlungen noch nicht digital, sondern über einen der „klassischen“ 4-Pin-Anschlüsse für RGB-LEDs angeschlossen werden (12V, R, G, B). Wer keinen Wert auf die Beleuchtung legt, kann das kleine RGB-Band mitsamt Anschlusskabel einfach aus dem Kühler entfernen.

Der Lieferumfang ist minimalistisch, da der Kühler ausschließlich auf den Sockel TR4 passt. Er wird auf die CPU gelegt und mit den vier beiliegenden Schrauben fixiert. Watercool spendiert dem Kühler keine Wärmeleitpaste im Lieferumfang, sodass Käufer sich selbst um ein Wärmeleitmittel kümmern müssen.

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