Kühlung für Threadripper im Test: TR4-Luftkühler für 32 CPU-Kerne im Vergleich

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Thomas Böhm 141 Kommentare

Cooler Master Wraith Ripper

Cooler Master stellt mit dem Wraith Ripper einen Threadripper-Kühler, der sich mit dem offiziellen Threadripper-Schriftzug von AMD schmücken darf. Der Kühler war Bestandteil des Review-Kits von Threadripper 2000, kann aber auch im Einzelhandel zu einem Preis von 120 Euro erstanden werden. Der Doppelturm-Luftkühler ist ebenso wie der Dark Rock Pro TR4 ganz in Schwarz gehalten, bietet aber eine farbenfrohe RGB-Beleuchtung.

Sowohl als obere Abdeckung als auch als Seitenverkleidung gibt es eine Plastikabdeckung mit milchig-transparenten Streifen, die im Betrieb von LEDs beleuchtet werden können. Dazu stellt Cooler Master eine eigene Software zur Verfügung. Neben der Beleuchtung muss der Kühler aber natürlich auch kühlen können – dafür gibt es zwei Kühltürme mit sieben Heatpipes sowie einen zentralen 120-mm-Lüfter. Der Wraith Ripper bringt es auf ein Gewicht von stolzen 1,6 kg, womit das Modell zu den schwersten CPU-Luftkühlern überhaupt gehört.

Cooler Master hat den Wraith Ripper gut verarbeitet, sieht allerdings nicht vor, dass der Käufer auch einen Blick auf die Details des Kühlers wirft. Die Bodenplatte ist ab Werk bereits mit Wärmeleitpaste versehen und der Lüfter vormontiert. Dadurch wird jeglicher Lieferumfang obsolet – der Kühler passt ausschließlich auf den TR4-Sockel, für den auch bereits Befestigungsschrauben vormontiert sind. Er muss also nur noch auf die CPU gesetzt und die vier oben sichtbaren Schrauben arretiert werden.

Nach dem Test wurde der Kühler so weit wie möglich zerlegt, was aufgrund der teilweise verklebten Konstruktion des Wraith Ripper aber nur begrenzt machbar ist. Die Plastikabdeckung kann entfernt werden. Der Austausch des Lüfters geht aber aufgrund von verklebten Bauteilen schon nicht mehr ohne das Risiko von Beschädigungen. Ein Blick auf die Bodenplatte des Kühlers zeigt außerdem eine im Vergleich zu den anderen Kühlern im Test eher grobe Verarbeitung. Das muss keinen signifikanten Einfluss auf das Kühlvermögen haben, ist aber ein optischer Makel für einen 120-Euro-Kühler.

Der Ventilator des Wraith Ripper dreht laut Hersteller mit bis zu 2.750 U/min. Im Testsystem erreicht der Lüfter ein großes Drehzahlintervall von 200 bis 2.550 U/min. Es sind allerdings auch im niedrigen Drehzahlbereich leichte Lagergeräusche wahrnehmbar. Diese sind nicht penetrant, aber der Preisklasse des Kühlers nicht angemessen.

Während die Montage des Kühlers einfach von der Hand geht, fällt die Demontage des Wraith Ripper schwieriger aus: Der Kühler muss samt den vier Schrauben entfernt werden, die in den Sockelaufnahmen verhaken, wenn man ihn abdrehen will. So muss der Kühler zum Entfernen abgehoben werden, was durch die klebrige Wärmeleitpaste erschwert wird und zur Belastungsprobe für das Mainboard werden kann.

Der Kühler ragt beidseitig über RAM-Slots, lässt aber Platz für Speichermodule mit einer Bauhöhe von maximal 4,5 cm. Der Anschluss für die LED-Beleuchtung des Wraith Ripper zeigt zur Grafikkarte hin, was bei engen Platzverhältnissen stören kann.

Noctua NH-U14S TR4

Der Noctua NH-U14S ist eigentlich kein neues Gesicht und auch für die TR4-Plattform bereits seit längerer Zeit erhältlich. Dennoch wird der Kühler noch mal getestet, denn im ursprünglichen Test musste er sich nur um 16 anstelle von 32 Kernen kümmern. Er ist der einzige Singletower-Luftkühler im Testfeld, kann dafür aber mit einem großen Kühlturm, einem 140-mm-Lüfter und sechs Heatpipes aufwarten.

Die Verarbeitung des Kühlers ist makellos, eine polierte und vernickelte Bodenplatte trifft auf vernickelte Heatpipes und massive Aluminiumlamellen. Noctua-üblich verzichtet der NH-U14S auf Zierelemente, sodass die Enden der Heatpipes von oben gesehen werden können.

Der Serienlüfter NF-A15 PWM ist in den Noctua-Firmenfarben gehalten und wird durch angenehm handhabbare Drahtklammern auf dem Kühler befestigt. Wer die Leistung des Kühlers weiter steigern will, kann einen zweiten Ventilator anbringen – ein zweites Paar Klammern sowie Gummipuffer für Noctua-Lüfter liegen bei. Die Gummipuffer des zweiten Lüfters sind dicker als normal, um den saugenden Lüfter mit einem etwas größeren Abstand zum Kühlturm zu befestigen. Das soll der Geräuschkulisse zugutekommen.

Der Serienlüfter ist für ein Drehzahlintervall von 300 bis 1.500 U/min ausgelegt und erreicht im Testsystem eine großzügige Spanne zwischen gut 150 und 1.450 U/min. Im niedrigen Drehzahlbereich geht er dabei nebengeräuschfrei zu Werke, sodass der NH-U14S für Silent-PCs empfohlen werden kann. Neben Messungen in der Serienausstattung mit einem Ventilator wird der NH-U14S TR4 zusätzlich mit einem zweiten NF-A15 PWM getestet, der über dasselbe Drehzahlintervall wie der Serienlüfter verfügt.

Die Montage im Testsystem gestaltet sich dank des mitgelieferten Innensechskantschlüssels einfach: Der Kühler wird samt seinen vorinstallierten Schrauben auf die CPU gesetzt und anschließend verschraubt. Der Kühler selbst lässt beliebig viel Platz für Arbeitsspeicher, da der Kühlturm nicht über die Speicherbänke ragt. Der Lüfter kann in der Höhe verschoben werden, sodass auch RAM mit Heatspreadern kein Problem darstellt. Der NH-U14S kann außerdem in zwei Stufen um 3 oder 6 mm zur Mainboard-Oberkante hin verschoben werden, um Kollisionsproblemen mit Grafikkarten im ersten PCIe-Slot vorzubeugen.

Nach Aussage von Noctua besteht eine Kollisionsgefahr zur Erweiterungskarte im ersten PCIe-Slot ausschließlich auf dem Asus Zenith Extreme, da sich dieses bezüglich des Abstands zwischen CPU-Sockel und PCIe-Slot nicht an die Richtlinien von AMD hält. Alle anderen Mainboards sollen von diesem Problem (spätestens nach dem optionalen Versetzen des Kühlers) nicht betroffen sein.

Thermalright Silver Arrow TR4

Thermalright legt den Kühlerklassiker Silver Arrow (Test) nach mehreren Jahren Abstinenz vom Markt in einer reinen TR4-Variante neu auf. Der Silver Arrow ist ein Doppelturm-Luftkühler, der über einen zentralen 140-mm-Lüfter verfügt, um die beiden Radiatoren mit Frischluft zu versorgen. Sie erhalten als oberste Lamelle eine Zierblende, die die Enden der Heatpipes versteckt.

Bei den Heatpipes stellt Thermalright den Rekord in diesem Test: Ganze acht Stück sind im Silver Arrow TR4 verbaut – durch die große Bodenplatte ist dafür genug Platz vorhanden. Die Bodenplatte besteht wie üblich aus vernickeltem Kupfer, das von Thermalright makellos blank poliert wurde. Um den ausladenden Kühler nicht mit Grafikkarten kollidieren zu lassen, ist der Silver Arrow außerdem asymmetrisch aufgebaut, sodass er ein Stück zur Mainboard-Oberkante hin versetzt ist.

Lüfter und Lieferumfang

Als Serienlüfter stattet Thermalright den Kühler mit einem TY-143 getauften 140-mm-Ventilator aus, der über ein Doppelkugellager verfügt. Dieser Lagertyp ist extrem robust, aber nicht für sein leises Betriebsgeräusch bekannt. Das wird auch von diesem Lüfter bestätigt, der in seinem spezifizierten Drehzahlintervall von 600 bis 2.500 U/min nicht ohne Nebengeräusche arbeitet. Zwar startet der Lüfter im Testsystem schon bei 350 U/min, doch ist das Lager bereits hier in unmittelbarer Nähe wahrnehmbar und zum gemessenen Drehzahlmaximum von 2.300 U/min hin erinnert der Silver Arrow TR4 an einen Staubsauger.

Der Lieferumfang beschränkt sich beim Silver Arrow wie auch bei der Konkurrenz auf das für Threadripper Nötigste, da der Kühler ebenfalls nur für diesen einen Sockel ausgelegt ist. Dennoch werden verhältnismäßig viele Einzelteile für die Montage benötigt. Thermalright liefert außerdem eine großzügige Menge Wärmeleitpaste sowie weitere Lüfterklammern für insgesamt bis zu drei Ventilatoren mit. Diese passen allerdings nicht zu den Noctua NF-A15, die für diesen Kühler die passende Größe als Referenzlüfter darstellen würden. Stattdessen kommen drei NF-A12x25 als Referenzlüfter auf dem Silver Arrow zum Einsatz.

Obwohl nur ein zentraler Lüfter im Silver Arrow Verwendung findet, überragt der Kühler beidseitig jeweils die erste Speicherbank. Durch den hohen Aufbau des Radiators können dennoch Speicherriegel mit einer Bauhöhe von bis zu 5 cm eingesetzt werden. Zum ersten Erweiterungs-Slot hält der Kühler durch seinen asymmetrischen Aufbau ausreichend viel Abstand, sodass mit keinen Einschränkungen gerechnet werden muss.

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