Asus ROG Phone im Test: Das bringt Smartphone-Gaming mit OC und Lüfter 2/2

Mahir Kulalic 115 Kommentare

Alltagseindrücke beim Spielen

Im Alltag überzeugt das Smartphone in verschiedener Hinsicht beim Spielen. Hervorzuheben sind die AirTrigger, zwei berührungsempfindliche Bereiche auf Ultraschall-Basis auf der langen rechten Seite des Smartphones. Diese können über die App „Game Genie“ als virtuelle Tasten über den Bildschirm verteilt werden, um so Schaltflächen des Spiels zu emulieren. Wird etwa die Taste L1 bei einem Rennspiel wie Asphalt auf dem Bildschirm auf Höhe der Drifttaste als eine Art Makro abgelegt, so bewirken eine Berührung beziehungsweise das Halten des linken AirTriggers das physische Berühren der Schaltfläche auf dem Bildschirm. In diesem Stil können die Tasten frei über der Anzeige und somit auf praktisch allen zugänglichen Schaltflächen innerhalb des Spielbildschirms angebracht werden, um diese zu emulieren.

Die Belegung wird als Profil für das jeweilige Spiel innerhalb der Game-Genie-App gespeichert. Im Test reagierten die AirTrigger sehr verlässlich und genauso effektiv wie ein Befehl direkt über den Touchscreen, ohne diesen dabei berühren und somit verdecken zu müssen. Einmal eingerichtet, erhöhen die AirTrigger den Komfort und die Flexibilität deutlich.

AMOLED-Display mit wahlweise 90 Hz

Doch nicht nur die AirTrigger sind es, die das ROG Phone durchdacht erscheinen lassen. Auch das sehr flüssige 90-Hz-Display trägt seinen Teil zu diesem Eindruck bei. Die höhere Bildwiederholfrequenz ist optional auswählbar und bewirkt im Alltag eine spürbare Veränderung in der Bedienung. Doch nicht alle Spiele unterstützen eine höhere Framerate als 60 FPS, wenngleich die Liste zunehmend wächst. Razer, das im Razer Phone (2) auf ein 120-Hz-Display setzt, pflegt eine Liste mit Spielen, die eine höhere Bildwiederholrate unterstützen.

Neben der höheren Bildwiederholfrequenz sind es die Audio-Fähigkeiten des ROG Phone, die überzeugen. Einerseits bietet es weiterhin einen 3,5-mm-Klinkenausgang, der zudem Hi-Res-Audio mit 192 kHz/24 Bit unterstützt. Andererseits verfügt das Smartphone über nach vorne gerichtete Stereo-Lautsprecher, die sehr laut und kräftig sind. Zudem ist der an der länglichen Seite angebrachte Typ-C-Anschluss zum Laden sinnvoll bei Spielen im Querformat, für die das ROG Phone ausgelegt ist. So kommt das überlicherweise unten angebrachte Ladekabel der Handhabung nicht in die Quere.

Der Lüfter des ROG Phone
Der Lüfter des ROG Phone
Der Lüfter des ROG Phone
Der Lüfter des ROG Phone

Im Alltag stört der Lüfter nicht durch seine Bauweise, wenn Spiele der primäre Einsatzzweck sind. Das Zubehör ist Teil des Lieferumfangs und kann immer mitgenommen werden, die dauerhafte Montage macht das Smartphone allerdings sperrig und ist deshalb im Alltag unpraktisch. Eingesetzt werden sollte der Lüfter zudem nur in privater Umgebung, denn bisweilen kann er hörbar laut rauschen und durchaus stören. Auch beim Spielen zu Hause bietet sich in dem Fall das Tragen von Kopfhörern an.

Die Wärmeentwicklung bei längerer Spieldauer unterscheidet sich nicht grundlegend von anderen Smartphones. Auch das ROG Phone wird trotz Vapor-Chamber durchaus warm, wenn es mit fordernden Spielen über eine längere Zeit beschäftigt wird. Kritisch wurde es dabei nicht, spürbar und zum Teil unangenehm aber schon. Hier hilft der Lüfter, der vor allem sofort spürbar die Finger kühlt, obwohl ein Effekt auf die Gehäusetemperatur nicht sofort zu erwarten ist. Die Leistung des ROG Phone ist nach den Benchmarks auch in anspruchsvollen Spielen erwartungsgemäß tadellos, aktuelle Spiele laufen mit höheren Details reibungslos über den Bildschirm. Zudem bringt die Adreno 630 genug Reserven für die nahe Zukunft mit.

Fazit

Das Asus ROG Phone soll das Smartphone zum Spielen sein. Die zusätzlichen Gaming-Features formen es zu einem potenten und gleichzeitig sehr bedacht konzipierten Gesamtpaket. Dabei schafft es Asus aber nicht, alle Werbeversprechen in Mehrwert zu verwandeln. Vor allem die Übertaktung ist eher auf dem Papier interessant, denn in ein CPU-Limit läuft der Snapdragon 845 beim Spielen nicht – und im Alltag sowie in CPU-Benchmarks ergibt das Mehr an MHz kaum einen Unterschied. Hier hätte Asus gleich noch die GPU übertakten müssen.

Der Lüfter kühlt die Hände bei langwierigen Partien, sorgt aber nicht dafür, dass die Leistung höher ausfällt oder länger gehalten werden kann, denn selbst nach zehn anspruchsvollen Durchläufen des „GFXBench Aztec Ruins“ steht das ROG Phone in jeder denkbaren Konstellation ohne Lüfter genauso gut da wie mit. Auch im Alltag überzeugt der Proband ohne Lüfter beim Spielen, die Leistung ist hoch und konstant. Bei längeren Sessions mit anspruchsvollen Spielen sorgt der Lüfter für etwas niedrigere Temperaturen und einen angenehmeren Halt.

Asus ROG Phone im Test
Asus ROG Phone im Test

Am Ende ist nicht die Leistung ausschlaggebend

Als Gaming-Smartphone ist das ROG Phone aber nicht aufgrund von Vapor-Chamber, OC oder Lüfter geeignet, denn die notwendige Leistung liefert es auch ohne. Ein Leistungszuwachs ist nicht zu erwarten, allenfalls etwas mehr Konstanz über einen längeren Zeitraum bei dauerhaftem Spielen. Vielmehr sind es die durchdachten Features wie der seitliche Ladeanschluss, das 90-Hz-Display und besonders die AirTrigger, die das Gerät zu einer guten Wahl für intensives Smartphone-Gaming machen. Auch darüber hinaus bietet Asus eine vielfältige Auswahl an Docks, Controllern und Zubehör an. Dies ist aber zusammenfassend so teuer wie das Smartphone selbst, das mit 899 Euro auch nicht günstig ist.

Das ROG Phone überzeugt als Gesamtpaket

Wie das Beispiel des OnePlus 6T zeigt, gibt es vergleichbare Gaming-Leistung auch für hunderte Euro weniger. In der Theorie bietet jedes aktuelle Flaggschiff mit Snapdragon 845 eine ähnliche Leistung wie das ROG Phone. Spielt der Preis keine Rolle, liefert Apples A12 Bionic derzeit die höchste Leistung. Manche Smartphones halten die Leistung länger, andere drosseln früher. Doch nur mit Leistung setzt sich das ROG Phone nicht ab. Es überzeugt als Gesamtpaket, als Konsummaschine für Spiele, Videos und Musik. Das Design schreit förmlich „Gaming“, ebenso die RGB-Beleuchtung des Logos. Das kann gefallen, muss aber nicht. Was aber in jedem Fall klar ist: Asus hat sich eine Menge Gedanken zum ROG Phone gemacht und diese sinnvoll umgesetzt. Für intensive Smartphone-Spieler lohnt sich ein Blick. Wer Gaming nicht als oberste Priorität hat, schaut besser zur Konkurrenz, die im Regelfall preislich attraktiver ist.

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