GeForce RTX 2060 im Test: Schnelle GPU trifft 6 GB statt 8 GB GDDR6 für 370 Euro

Wolfgang Andermahr 677 Kommentare
GeForce RTX 2060 im Test: Schnelle GPU trifft 6 GB statt 8 GB GDDR6 für 370 Euro

tl;dr: Mit der GeForce RTX 2060 bringt Nvidia die neue Turing-Architektur in die Mittelklasse. Zum UVP von 369 Euro erreicht sie im Test die Leistung der teureren GeForce GTX 1070 Ti und liegt nur knapp hinter der 150 Euro teureren GeForce RTX 2070. Mit 6 GB statt 8 GB Speicher opfert sie aber Zukunftssicherheit.

GeForce RTX 2060: Die Turing-Mittelklasse

Mit der neuen GeForce RTX 2060 setzt Nvidia die erste Turing-Karte unter der GeForce RTX 2070 (Test), GeForce RTX 2080 und GeForce RTX 2080 Ti (Test) an, deren Preise über 500 Euro betragen. Der Preis für die GeForce RTX 2060 liegt für die Variante mit 6 GB bei 369 Euro. Turing wird also günstiger, bleibt sich bei der Preisgestaltung aber zumindest in Teilen treu.

Denn die GeForce RTX 2060 wird nicht nur schneller als der Vorgänger GeForce GTX 1060, sondern auch teurer: 90 Euro Aufpreis sind es, die Hälfte der Preislücke zur GeForce GTX 1070 Ti ist damit geschlossen. Anders als der Vorgänger ist die neue Grafikkarte bei der GPU allerdings nicht deutlich abgespeckt, die Unterschiede zum größeren Modell sind an dieser Stelle also gering.

Einen von Turing bereits bekannten Dämpfer gibt es: In der Tat hat die GeForce RTX 2060 nur einen maximal 6 GB großen Speicher. Wie GeForce RTX 2080 Ti, 2080 und 2070 bietet damit auch die neue GeForce RTX 2060 nicht mehr Speicher als der namentliche Vorgänger, obwohl die GPU-Leistung im Test einen Klassensprung macht. Die Gerüchteküche spricht auch noch von anderen Speicherausführungen (von 3 GB, 4 GB und 5 GB sowie wahlweise zudem GDDR5X), heute vorgestellt wird allerdings nur die Ausbaustufe mit 6.144 MB.

Die GeForce RTX 2060 im Test

Wie sich die GeForce RTX 2060 mit ihrer vergleichsweise starken GPU in klassischen Spielen, aber auch in der ersten RTX-Anwendung Battlefield V schlägt, klärt der Test anhand der Nvidia GeForce RTX 2060 Founders Edition.

Ein abgespeckter TU106 im Einsatz

Die GeForce RTX 2060 basiert wie die GeForce RTX 2070 auf der TU106-GPU, allerdings wird der 445 mm² große und 10,8 Milliarden Transistoren schwere Chip nicht mehr im Vollausbau eingesetzt. 6 von 36 Streaming-Multiprocessors und damit 17 Prozent wurden gestrichen, sodass 1.920 Shader-Einheiten (von 2.304) und 120 Texture-Mapping-Units (von 144) übrig geblieben sind.

Damit ist die GeForce RTX 2060 allerdings deutlich weniger beschnitten als die GeForce GTX 1060 im Vergleich zur GTX 1070: Beim Pascal-Vorgänger waren es 50 Prozent Unterschied. Damals hatte Nvidia für diesen Klassensprung deshalb auch zwei GPUs eingesetzt: GP106 und GP104. Die GeForce RTX 2060 hält sich damit an das von Turing bekannte Muster, denn auch die Abstände zwischen den Turing-GPUs TU106 (RTX 2060 & RTX 2070) und TU104 (RTX 2080) sind deutlich geringer als zwischen den Pascal-Derivaten.

Viel mehr Rohleistung und Speicherbandbreite

Nvidia gibt für die GeForce RTX 2060 einen Basis-Takt von 1.365 MHz an, der durchschnittliche Turbo soll 1.680 MHz betragen. Die Rechenleistung der GeForce RTX 2060 ist jener der GeForce GTX 1060 also klar überlegen.

GeForce RTX 2060 GeForce GTX 1060
GPU TU106, teilaktiv GP106, vollaktiv
Transistoren 10,8 Mrd. 4,4 Mrd.
Shader 1.920 1.280
Speicherinterface 192 Bit 192 Bit
Speichertakt 7.000 MHz 4.000 MHz

Deutlich fällt dies auch bei der Speicherbandbreite auf. Das Speicherinterface verbleibt zwar bei 192 Bit (zwei 32-Bit-Controller sind auf dem TU106 abgeschaltet) – damit stagniert auch die Anzahl der ROPs bei 48 –, allerdings verbaut Nvidia deutlich schnelleren Speicher. Es kommt wie bei den großen Turing-Modellen zumindest beim schnellsten Probanden 7.000 MHz schneller GDDR6-VRAM zum Einsatz. Damit steht dem neuen Modell 75 Prozent mehr Speicherbandbreite bei etwa 48 Prozent mehr Rechenleistung zur Verfügung.

TU106-Blockdiagramm (Vollausbau)
TU106-Blockdiagramm (Vollausbau) (Bild: Nvidia)

Stillstand beim Speicherausbau

Das abgespeckte Interface hat gegenüber der GeForce RTX 2070 automatisch auch einen kleineren Speicher zur Folge: Die GeForce RTX 2060 verfügt nur über einen 6 GB großen VRAM. Damit hat es im gesamten Turing-Produktportfolio für Spieler keinerlei Fortschritt bei der Speichergröße gegeben, was zweieinhalb Jahre nach der Vorstellung von Pascal ein klarer Minuspunkt ist.

Nvidia gibt für die GeForce RTX 2060 eine TDP von 160 Watt an. Das sind 15 Watt weniger als bei der GeForce RTX 2070, aber 40 Watt mehr als bei der GeForce GTX 1060 – trotz der effizienteren 12-nm-Fertigung. Hier muss die neue Grafikkarte der deutlich größeren GPU ihren Tribut zollen.

RTX 2060 verwendet die gleiche Technik wie RTX 2070, 2080 & 2080 Ti

Die Technik ist unterm Strich bei der GeForce RTX 2060 unverändert zu den größeren Turing-Modellen. Mehr über Turing und die Änderungen gegenüber Pascal gibt es im Artikel „Turing TU102, -104, -106: Die Technik der Nvidia GeForce RTX 2080 Ti, 2080 & 2070“.

Nvidia GeForce GTX 1060 Founders Edition Nvidia GeForce GTX 1070 Ti Founders Edition Nvidia GeForce RTX 2060 Nvidia GeForce RTX 2070 AMD Radeon RX Vega 56
Chip: GP106 GP104 TU106 Vega 10
Transistoren: ca. 4,4 Mrd. ca. 7,2 Mrd. ca. 10,8 Mrd. ca. 12,5 Mrd.
Fertigung: TSMC 16 nm FF+ TSMC 12 nm Globalfoundries 14 nm
Shader-Einheiten: 1.280 2.432 1.920 2.304 3.584
Basis-Chiptakt: 1.506 MHz 1.607 MHz 1.365 MHz 1.410 MHz 1.156 MHz
Maximaler Chiptakt: 1.848 MHz 1.860 MHz 1.875 MHz 1.815 MHz 1.525 MHz
TFLOPs (FP32): 4,7 TFLOPs 9,0 TFLOPs 7,2 TFLOPs 8,4 TFLOPs 10,9 TFLOPs
TFLOPs (FP16): 4,7 TFLOPs 9,0 TFLOPs 14,4 TFLOPs 16,8 TFLOPs 21,8 TFLOPs
KI-Kerne: Keine 240 288 Keine
TFLOPs (FP16) mit KI: Nein 57,6 TFLOPs 66,9 TFLOPs Nein
Raytracing: Nein Nein
ROPs: 48 64 48 64
Pixelfüllrate: 89 GPix/s 119 GPix/s 90 GPix/s 116 GPix/s 98 GPix/s
TMUs: 80 152 120 144 224
Texelfüllrate: 148 GTex/s 283 GTex/s 225 GTex/s 261 GTex/s 342 GTex/s
DirectX (Feature-Level): 12_1
Speichermenge: 6.144 MB GDDR5 8.192 MB GDDR5 6.144 MB GDDR6 8.192 MB GDDR6 8.192 MB HBM2
Speichertakt: 4.000 MHz 7.000 MHz 800 MHz
Speicherinterface: 192 Bit 256 Bit 192 Bit 256 Bit 2.048 Bit
Speicherbandbreite: 192 GB/s 256 GB/s 336 GB/s 448 GB/s 410 GB/s
Leistungsaufnahme Typisch/Maximal: ?/120 Watt ?/180 Watt ?/160 Watt ?/175 Watt 210 Watt/?

Die GeForce RTX 2060 Founders Edition im Detail

Die GeForce RTX 2060 gibt es wie die größeren Vertreter von Nvidia erneut als Founders Edition, die sich aber in einem Punkt deutlich von den FE-Modellen bei GeForce RTX 2070, RTX 2080 und RTX 2080 Ti unterscheidet: Sie läuft mit den Referenz-Taktraten und ist damit nicht schneller als die langsamsten Custom-Designs der Partner. Der Preis für das Modell liegt bei 369 Euro. Ab dem 15. Januar soll die Grafikkarte im Handel erhältlich sein.

PCB und Kühler sind von der RTX 2070 FE bekannt

Die GeForce RTX 2060 FE ist optisch auf den ersten Blick identisch zur GeForce RTX 2070 FE, doch täuscht das in Wahrheit. Bei der Abdeckung verzichtet Nvidia auf Aluminium und setzt stattdessen auf Kunststoff, was optisch aber kaum auffällt. Das Dual-Slot-Kühlsystem kommt hingegen erneut mit zwei im Durchmesser 85 mm großen Axiallüftern daher, die unter Windows mit 1.200 Umdrehungen in der Minute laufen. Die Vapor-Chamber am Boden ist fast genauso lang wie die Karte selber, Heatpipes gibt es nicht. Auf der Rückseite ist eine Backplate verbaut.

Bekannt ist auch das PCB: Es stammt von der GeForce RTX 2070 FE – in Anbetracht der gleichen GPU ist das keine Überraschung.

RGB gibt es auf der Founders Edition nicht

Den von den zwei schnellsten Modellen bekannten NVLink-Anschluss für SLI gibt es auf der GeForce RTX 2060 nicht, denn die TU106-GPU unterstützt kein NVLink. Eine RGB-LED-Beleuchtung bleibt Fehlanzeige, allerdings lässt sich der ausgeleuchtete GeForce-RTX-Schriftzug jetzt anpassen (Helligkeit, dauerhaft leuchtend, blinkend).

Der Basis-Takt der GeForce RTX 2060 Founders Edition beträgt 1.365 MHz, der durchschnittliche Turbo ist mit 1.680 MHz angegeben. Der 6.144 MB große GDDR6-Speicher arbeitet mit 7.000 MHz – so schnell wie auf jeder Founders Edition mit Turing-GPU bisher. Die TDP liegt bei 160 Watt, weswegen Nvidia einen Acht-Pin-Stromstecker vorsieht. Dieser ist am hinteren Ende platziert und zeigt Richtung Laufwerkskäfige – eine eher ungewöhnliche Position.

DVI kehrt zurück

GeForce RTX 2060 FE – die Anschlüsse
GeForce RTX 2060 FE – die Anschlüsse

An der Grafikkarte können Monitore über zwei DisplayPorts 1.4, einen HDMI-2.0b- sowie einen Dual-Link-DVI-Ausgang angesteuert werden – auf letzteren haben die schnelleren Turing-Modelle bisher verzichtet. Zudem gibt es einen USB-Typ-C-Anschluss, der als VirtualLink für zukünftige VR-Headsets ausgelegt ist. Diese benötigen dann nur noch ein Kabel.

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