Sharkoon Drakonia II im Test: Geschuppte Maus mit gutem Sensor 2/3

Fabian Vecellio del Monego 62 Kommentare

Innenleben und Sensorik

Die Sharkoon Drakonia II verfügt über einen ARM-Prozessor und einen 16 Kilobyte umfassenden internen Speicher, um fünf angelegte Profile autark speichern und anwenden zu können. Die Latenz beträgt bei einer maximalen Abtastrate von 1.000 Hertz eine Millisekunde. Auch eine Limitierung der Polling-Rate auf 500, 250 oder 125 Hertz ist möglich; die Latenz steigt dementsprechend reziprok proportional.

Sharkoon setzt auf die Sensorreferenz

Mit dem optischen Sensor PixArt PMW-3360 verbaut Sharkoon die De-facto-Referenz im High-End-Segment und begibt sich damit auf die sichere Seite: Einen in der Anwendung und im Rahmen menschlicher Wahrnehmung besseren Sensor gibt es derzeit nicht. Auch der neueste und hinsichtlich der Nummerierung oberhalb des PMW-3360 platzierte PixArt PMW-3391, der in Corsairs M65 RGB Elite und Ironclaw RGB (Test) sein Debüt feierte, bietet keinen spürbaren Mehrwert. Im Vergleich mit dem Lasersensor der ersten Drakonia-Generation ist der Unterschied jedoch immens; zeitgemäß ist der ADNS-9500 schon lange nicht mehr.

PixArt PMW-3391 PixArt PMW-3360 Avago/Pixart ADNS-9500
Technik Optisch Laser
Auflösung 100–18.000 dpi 100–15.000 dpi 600–8.200 dpi
Geschwindigkeit 10,2 m/s 6,3 m/s 3,8 m/s
Beschleunigung 490 m/s² 294 m/s²
Lift-off-Distance ~1,5 mm ~ 1,3 mm ~ 2 – 5 mm

Ungewöhnlich ist jedoch die von Sharkoon kommunizierte maximale Sensorauflösung von 15.000 Punkten pro Zoll: Gemäß PixArts eigenem Datenblatt liegt die höchste unterstützte Auflösung des Sensors bei lediglich 12.000 Punkten pro Zoll. Demnach erreicht Sharkoon den oberen Auflösungsbereich lediglich durch Interpolation, was sich auch in den Tests des Sensors zeigte: Sobald die Auflösung über 12.000 Punkte kalibriert wird, kommt Software-Glättung zum Einsatz. Die Testergebnisse suggerieren somit eine gleichmäßigere Präzision bei hohen Auflösungen, die jedoch trügt.

Einen Mehrwert gegenüber per Software erhöhter Mausempfindlichkeit bietet die geschönte Spezifikation somit nicht, ist im alltäglichen Gebrauch aber auch nahezu irrelevant: Anwendungen für solch hohe Auflösungen gibt es fast nicht.

Fünfstellige Auflösungen sollten gemieden werden

Denn es gilt nach wie vor, dass sich Anwender nicht von hohen Sensorauflösungen blenden lassen sollten: Bei Werten jenseits der 10.000 Punkte pro Zoll geht auf Grund der hohen Empfindlichkeit jeglicher Vorteil des akkuraten Sensors verloren. Zwar weiß das technisch Gebotene durchaus zu beeindrucken, zugunsten der Präzision empfiehlt es sich jedoch, je nach Anzahl der vorhandenen Bildpunkte und des Spielgenres Auflösungen im unteren vier- oder oberen dreistelligen Bereich zu wählen.

Software

Auch wenn Nutzer der Sharkoon Drakonia II zum Betrieb der Maus unter Windows keine Treiber mehr benötigen, kann es sich dennoch lohnen, zusätzliche Software zu installieren. Mit der „Sharkoon Drakonia II Gaming Mouse“ getauften Software bietet der Hersteller ein eigenes Programm an, um die Einstellungen der Maus, die Makrobelegung und die Beleuchtung nach eigenem Belieben zu konfigurieren. Erhältlich ist die Software über die Website des Herstellers.

Spartanisch, aber konsequent pragmatisch

Das Programm ist recht schlicht und übersichtlich gehalten, tiefgreifende Funktionen wie eine synchronisierte Beleuchtung oder Spielerkennung wie -Integration sucht der Anwender vergeblich. Abseits dessen lässt sich die Sensorik zwar umfassend konfigurieren, einige Regler ändern aber die generellen Windows-Einstellungen anstelle mausspezifischer Profile: Eine Reduktion der Mauszeiger-Geschwindigkeit in Sharkoons Software wirkt sich somit auch auf Mäuse anderer Hersteller aus. Der Sinn einer solchen Funktion bleibt hinsichtlich der sechs Auflösungsvoreinstellungen, die sich auf jedem der maximal fünf Profile anlegen lassen, ohnehin verborgen.

Darüber hinaus finden sich die obligatorischen Einstellungen zur Abtastrate und Tastenbelegung. Die Drakonia II bietet vollständige Programmierbarkeit, demnach lassen sich auch die Primärtasten neu belegen, sofern linker und rechter Mausklick einer anderen Taste zugeordnet wurden. Über den Makromanager lassen sich zudem eigene Abfolgen aufnehmen und speichern. Eine Sekundärbelegung ist indes ebenso wie eine Anpassung der Lift-off-Distance nicht möglich.

Spartanisch fallen die Beleuchtungseinstellungen aus: Sämtliche LEDs der Maus werden zu einer Zone zusammengefasst, was insbesondere hinsichtlich der erwähnten inhomogenen Farbgenauigkeit ungünstig ist. Auch das Abschalten bestimmter LEDs ist nicht möglich, darüber hinaus bietet das Programm neben der statischen Beleuchtung lediglich die Modi „Pulsierend“, „Farbwechsel“ und „Pulsierender Farbwechsel“.

Programm läuft standardmäßig im Hintergrund weiter

Vorbildlich ist die Software hinsichtlich der veranschlagten Leistung: Sie beansprucht maximal einen im Taskmanager aufgelisteten Prozess. Beim Schließen wird das Programm standardmäßig in die Taskleiste minimiert, was sich jedoch deaktivieren lässt. Sobald das Programm einmal zur Konfiguration der individuellen Profile genutzt wurde, benötigen Anwender es in der Regel nicht mehr: Vorteile ergeben sich bei laufender Software keine, sämtliche Funktionen der Drakonia II sind auch über deren internen Speicher abrufbar.

Alltagserfahrungen

Die Inbetriebnahme des Eingabegeräts verlief zügig und angenehm. Theoretisch müssen sich Nutzer nach dem Einstecken des USB-Kabels nicht weiter mit der Drakonia II auseinandersetzen, sich dann aber auch mit der standardmäßig aktivierten RGB-Schleife und hohen Auflösungsvoreinstellungen abfinden. Die Anpassung beider Sachverhalte verlief nach Installation der zugehörigen Software schnell und einfach.

Kleinere Unannehmlich­kteiten trüben das Bild

Auch das Ausbauen der ab Werk verbauten Gewichte geht leicht von der Hand. Negativ ist jedoch die dazu zu entfernende Abdeckung auf der Unterseite des Eingabegerätes aufgefallen: Sie sitzt recht locker und kann unter Umständen eine Erhebung auf der Unterseite darstellen, die über die Höhe der Gleitfüße hinausgeht. Das resultiert in sichtbare Streifen auf dem Mauspad und unterbindet im ärgsten Fall eine geschmeidige Bewegung der Maus, lässt sich durch ein regelmäßiges Festdrücken oder schlichtweg das Entfernen der Abdeckung jedoch einfach beheben.

Nach längerer Verwendung zwangsläufig unangenehm wurde allerdings die zu glatte Oberfläche der Drakonia II, die sehr schnell schmierig wird. Dadurch leidet nicht nur der Halt, sondern auch das Gefühl der Wertigkeit.

Die Verarbeitungsqualität ist befriedigend

Hinsichtlich Verarbeitungsqualität entspricht die Sharkoon Drakonia II ihrem Preissegment: Den Gebrauch einschränkende oder gar behindernde Mängel leistet sie sich nicht. Zu kritisieren ist unter anderem die besonders an der Oberseite des Eingabegerätes geringe strukturelle Integrität: Schon mit wenig Druck lässt sich die mit Schuppen bedruckte Abdeckung temporär eindellen, bei höherem Druck gibt die Maus ein deutlich hörbares Knarzen von sich. Gleiches gilt in abgemilderter Form auch für die Seiten der Drakonia II.

Die glänzende Beschaffenheit der Oberfläche ist zudem potentiell anfälliger für Kratzer; qualitative Mängel oder Verschleiß beim Aufdruck sind allerdings nicht aufgefallen. Beim Schütteln des Eingabegerätes ist zudem ein Klackern zu vernehmen, das allerdings auf das Mausrad zurückzuführen ist. Aufgefallen sind des Weiteren ein vorhandener horizontaler Spielraum der Primärtasten und einige scharfe Ecken und Kanten an der Vorderseite. Den Verschleiß der Gleitfüße beugt Sharkoon indes mit einem zweiten, dem Lieferumfang beigelegten Satz selbiger vor.

Akut besorgniserregend ist keine dieser Beanstandungen, solange die Maus ordnungsgemäß verwendet wird. So zeigten sich in knapp zwei Wochen Alltagsgebrauch keine Mängel.

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